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Von Schein und Sein des FC Bayern München

…ich mach mir die Welt widdewiddde wie sie mir gefällt… (inoffizielles Vereinslied)

Bild: allthecolor used under CC License  /  Text: Marco Thielsch

Freunde, diejenigen von euch, die diesen Blog schon seit Jahren verfolgen wissen, mit welch klaren Worten ich bestimmte Entwicklungen im Verein seit je her angeprangert habe. Die unfassbare Jahreshauptversammlung 2007, die Spaltung des Vereins durch die Verpflichtung von Jürgen Klinsmann, die sportliche Hinrichtung des Michael Rensing, die sportliche Hinrichtung des Thomas Kraft, der selbstherrliche Umgang mit Louis van Gaal, die erneute Spaltung des Vereins durch die Verpflichtung von Manuel Neuer, der Umgang des Vereins mit den Protesten der Kurve, um nur einige wenige Beispiele zu nennen. Und immer habe ich vor den langfristigen Folgen all dieser Dinge gewarnt, habe auf die immer realitätsfremder werdende Sichtweise unserer Vereinsspitze hingewiesen. Und ich habe einen Punkt vorausgesagt, an dem all dies unseren hohen Herren um die Ohren fliegen wird.

Viele haben genau das nicht für möglich gehalten, zu sicher schienen die Herren Hoeneß, Rummenigge und Co. im Sattel zu sitzen. Zu blind wurde ihnen vom gemeinen Volk zugejubelt. Dass dieser Jubel aber zu großen Teilen auf puren Opportunismus beruhte, das haben weder die Vereinsbosse verstanden, denen er in unendlichem Maß zu Kopf stieg, noch haben es die Kritiker verstanden, die sich ein bißchen zu sehr in einem Kampf gegen Windmühlen wähnten. Opportunismus hat nunmal die Eigenschaft in dem Augenblick umzuschlagen, an dem es opportun erscheint dies zu tun. Das gilt für die Heerscharen der Erfolgsfans und Klatschaffen genauso wie für die gemeine Presse.

An diesem Punkt, an dem alles umschlägt, an dem die gravierenden Fehler unserer Vereinsspitze nicht mehr von sportlichem Erfolg, blindem Jubel und dem Rausch der Selbstbeweihräucherung verdeckt werden, an diesem Punkt sind wir nun angekommen.

Ich bin nicht so naiv, irgendwelche Köpfe an der Vereinsspitze rollen sehen zu wollen. Das wird nicht passieren. Und bei allem Ärger, bei dem man sich vielleicht im ersten Moment auch gewünscht hatte, der ein oder andere würde seinen Hut nehmen, bin ich gar nicht so sicher, ob ich das will. Aber eins will ich sicher, nämlich das was viele wollen, das was so plakativ mit „ich will meinen alten FC Bayern zurück“ umschrieben wird. Nicht im Sinne eines Nostalgikers, der mit verklärtem Blick die Vergangenheit überhöht und dabei die Gegenwart mißachtet. Sondern im Sinne eines Menschen, der die Ideale dieses Vereins so viele Jahre in Ehren gehalten, für sie gekämpft und sie in vielen Teilen zu seinen eigenen Idealen gemacht hat.

Das was diesen „alten FCB“ mal ausmachte, das ist das Werk der gleichen Leute, die noch heute an den Schalthebeln der Macht im Verein sitzen. Ich bin nicht der Überzeugung, dass das was mal so unendlich gut war, was mich selbst so unendlich inspirierte, ins komplette Gegenteil umschlagen und unendlich schlecht werden kann. Die Geschichte des FC Bayern der letzten Jahre ist nicht die Geschichte vom Paulus zum Saulus. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Vereinsführung zwar an jedem Tag das Beste für den FCB wollte und will, aber dass sie sich irgendwo zwischen dem Mammutprojekt neues Stadion, dem teuflisch gefährlichen Rausch des Sommermärchens und der daraus resultierenden Zielgruppenerweiterung, sowie im Rausch des Geldes und des Applaus selbst verloren haben. Ihre Denkweise und ihre Handlungsweise was Transfers betrifft, was Trainerverpflichtungen betrifft, was den Umgang mit Trainern betrifft, was den Krieg gegen die eigenen Fans betrifft, all das ist nicht die Krankheit, sondern sind die Symptome der Krankheit.

Die Krankheit ist am besten mit dem altmodischen Begriff Großmannssucht zu beschreiben. Natürlich leben wir rein finanziell nicht über unsere Verhältnisse, was dieser Begriff auch impliziert. Aber wo früher noch das Sein das alles entscheidende Kriterium unserer Vereinsführung war, da ist es heute vor allem der Schein. Das ist in allen Handlungen des Vereins maßgeblich. Und genau darin liegen die haarsträubenden Fehler der letzten Jahre begründet.

Was muss jetzt passieren? Alles beginnt in unserer Führungsetage! Dort muss dringend eine gesunde Selbstreflexion einkehren. Warum haben wir in den letzten zehn Jahren sage und schreibe sieben Trainer verschlissen? Wie konnte es zu diesem Bruch des Vereins mit der hiesigen Fanszene, mit gerade denen, denen der Verein am meisten am Herzen liegt kommen? Ist es sinnvoll, nach jeder titellosen Saison blindlinks Unsummen in die Mannschaft zu stecken nur um sich ein Jahr später auf die Schulter zu klopfen und sich zwei Jahre später zu wundern, warum man wieder am Ausgangspunkt angekommen ist? Darf das Erschließen neuer Zielgruppen zum Zweck der Umsatzmaximierung auf Kosten der Basis des Vereins und deren Wünsche und Nöte gehen? Warum schaffen es Vereine mit viel geringeren finanziellen Möglichkeiten das Maximum aus diesen herauszuholen und warum haben diese Vereine keinerlei Grund mehr, Spiele gegen uns von vornherein abzuschenken? Wieso haben die einen fußballerischen, taktischen und strukturellen Plan und wir nicht? Wieviel Potenzial verschenken wir dadurch?

Die Liste der Fragen, die sich die Vereinsspitze dringend selbst zu stellen hat, ist endlos. Spätestens im Sommer muss ein radikales Umdenken einkehren beim FCB und die verantwortlichen Leute müssen dringend hart mit sich selbst ins Gericht gehen. Und dann müssen endlich Weichen gestellt werden, nach denen wir fußballerisch und vor allem auch menschlich zusammen (!) in die Zukunft gehen können. Ansonsten werden wir fußballerisch noch mehr den Anschluss an die Moderne verlieren und werden menschlich eine zerrüttete Bayern-Familie sein. Die hohen Herren sind seit Jahren, aber leider immer noch in zunehmendem Maße, mit Eifer dabei mit dem Arsch einzureissen, was sie mühselig mit den Händen aufgebaut haben. Ich halte die aktuelle Situation für die allerletzte Chance zur Selbstreflexion für unsere Vereinsführung. Wenn sie jetzt nicht begreifen, wird ihr Denkmal irreperablen Schaden nehmen, der Schein ist dahin und das Sein bedarf vieler mühselige Jahre der Aufbauarbeit, in denen man fassungslos auf das Potenzial und die Möglichkeiten der heutigen Zeit zurückblicken und nicht verstehen können wird, wie und warum man diese Chancen verstreichen ließ.

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Venceremos! Gedanken eines Bayernfans über Hoeneß und die Fans

Jahreshauptversammlung 2010 – Hoeneß verspricht den Mitgliedern „keinen Cent mehr für 1860“.

Bild: Probek (Flickr / Blog / Twitter) used under CC License Text: DGE

Der folgende Text stammt von einem befreundeten Bayernfan. Es ist die Stimme eines ganz normalen Mannes, mit beiden Beinen fest im Leben stehend, ein wertvolles Mitglied dieser Gesellschaft, Volljurist, mit Jagdschein ausgestattet, einer von vielen, die gerade zu Unrecht als dümmliche Krawallstifter dargestellt werden. Lasst euch die Worte auf der Zunge zergehen, sie treffen den Nagel auf den Kopf.

Ich bin wirklich absolut perplex. Wie mit den Protesten unserer Kurve umgegangen wird, ist wohl mehr als unter aller Sau.

Bei jedem Pieps scheißt sich die Journaillie ein und wirft ihre Pressefreiheit in den Ring. Gestern – und in den vergangenen Wochen – hat die Fanszene des FC Bayern zu zwei Themen eindeutig Stellung bezogen. Und das nennt man Meinungsfreiheit. Niemand muss diese Meinungen gutheißen, teilen oder verstehen. Es sollte nur akzeptiert werden, dass es diese Meinungen gibt. Beim Doppelpass erdreistete sich heute ein Journalist namens Jörg Wontorra, die hiesigen Proteste als infam, weil organisiert, darzustellen. Dabei ist es vornehmes demokratisches Recht, Protest zu organisieren und zu strukturieren. Keine Castor-Demo, keine Anti-Kriegs-Kundgebung und kein S21-Protest kommen ohne Organisation aus. Wie kann man sich erdreisten, dies in unserem Fall als Vergehen darzustellen?

Dabei muss vor allem eines bedacht werden: IHR scheißt auf unsere Meinung. IHR habt uns in den vergangenen Monaten und Jahren mehr als deutlich zu verstehen gegeben, dass IHR einen Dreck auf uns gebt. Als vor Wochen in der Südkurve zu lesen war „Mia brauchan koan neuer Torwart, mia ham scho Kraft!!!“, habt IHR zum besten gegeben, dies sei die Meinung von einem kleinen Fanclub, der diese Aussage schon revidiert habe. Damit habt IHR die Kurve dazu gezwungen, Ihrem Standpunkt Nachdruck zu verleihen. Dies nur am Rande zur Thematik Manuel Neuer.

Heuer wird es als unglaublicher Vorgang dargestellt, einen von EUCH als Lügner zu titulieren. Wer aber kündigte in einem Schwall populistischer Scheiße an, es gäbe künftig keinen Cent mehr für den Rivalen? Wer wiederholte diese Aussage sinngemäß, als im Hintergrund schon auf höchsten Ebenen unsererseits weitere Zugeständnisse gemacht wurden? Und IHR sprecht Euch frei von Lüge? DAS ist ungeheuerlich. Und wieder greifen die alten Muster: Zum Prügelknaben werden unsere Prügelknaben. IHR habt es noch immer nicht verstanden. Das ist nicht deren Meinung. Es ist UNSERE. Jede Zaunfahne auf dem Kopf und jeder Fanclub unter dem Brief des C12 steht gleich für mehrere Leute, die den FC Bayern mindestens genauso tief im Herz haben, wie IHR. Nur dass jene nicht das grosse Glück hatten, für IHREN Verein zu arbeiten. So wie IHR.

Letzteres habt IHR in weiten Teilen mit viel Bravour gemacht. Dafür sind und werden auf ewig viele dankbar sein. Aber IHR wart es auch, die das Sommertheater 2003 inszeniert habt. IHR habt die Südkurve gespalten und habt bis heute nur mit populistischer Scheiße auf die Belange der Fans in der Arena reagiert. IHR habt Ottmar Hitzfeld rasiert. IHR habt uns Klinsmann eingebrockt. IHR habt Louis van Gaal abgesägt. IHR vermittelt schon seit Jahren nicht mehr den Eindruck, den FC Bayern so bewahren zu wollen, wie WIR ihn kennen und lieben. Mia san mia am Arsch: Nutellaboys und Katzenretter.

Wenn im ganzen Stadion die Zaunfahnen Kopf hängen und die 13 Höslwanger offene Briefe des C12 unterzeichnen, ist für Euch der Punkt gekommen, wach zu werden. Und das ganz gleich, was irgendwelche speichelleckenden Journalisten zu Eurer Gefälligkeit hierzu sagen. Denn eines solltet Ihr wissen: „Der FC Bayern ist größer als Louis van Gaal. Der FC Bayern ist aber auch größer als sein Vorstand.“ Und der FC Bayern, dass sind wir. Wenn eines Tages die ganzen Scampi-Esser und Jubelperser weg sein sollten, dann sind wir immer noch da.

Ich habe keinen Bock auf gutmenschelnde Basisdemokratiekacke. Ich will auch nicht, dass zukünftig per Stimmabgabe in 112/113 über die Personal- oder Vereinspolitik entschieden wird. Mir würde es reichen, wenn man die berechtigten Einwände großer Teile des FC Bayern anhört und bei Entscheidungen angemessen berücksichtigt. Wäre das nur im Ansatz gegeben, hätte es vermutlich nie „wütende“ Proteste gegeben. Mir muss zwar zunächst noch einer erklären, was an einem „Koan Neuer“-Schildchen wütend oder unangebracht ist. Bis dahin würde es aber auch einfach reichen, UNS nicht kleinzureden. Denn das steht EUCH nicht zu. WIR haben sicherlich keinen Anspruch auf die alleinige Meinungshoheit mit Blick auf den FC Bayern. Aber IHR habt diese auch nicht. Basta.

Vom FC Hollywood zum FC Casablanca

Schöne Fassade, turbulenter Inhalt.

Text: Marco Thielsch   Bild: Radiohead022 used under CC License

Ganz große Gefühle, öffentliche Denunziationen, tiefe Enttäuschungen und Liebe auf den ersten Blick. Was klingt wie der Teaser einer neuen, schlechten Sat 1 Telenovela, ist die Zustandsbeschreibung der FC Bayern-Familie. Männer können keine Gefühle zeigen? Geh mal zum FC Bayern, da siehst du ausgewachsene Männer sich bitterlich öffentlich ausweinen.

Vom FC Hollywood zum FC Casablanca. So lassen sich die Befindlichkeiten unser Familienoberhäupter zur Zeit wohl am besten umschreiben. Das klingt vielleicht amüsant, ist es aber ganz und gar nicht. Die Lage ist kurzfristig ernst bis langfristig hoffnungslos.

Schaut man dieser Tage in das Gesicht von Louis van Gaal, so fühlt man sich zwangsläufig in das Jahr 2007/2008 zurückversetzt. Es tun sich erstaunliche Parallelen auf in der Mimik von Louis van Gaal zu der Mimik von Ottmar Hitzfeld, nachdem dieser durch Karl-Heinz Rummenigges Satz „Fußball ist keine Mathematik“ den Boden unter den Füßen weggezogen bekam. Vor dieser Erniedrigung war dort der pure Spaß zu sehen, die Freude und der Stolz darauf, Trainer des FC Bayern München zu sein. Identifikation pur. Nach der Erniedrigung konnte man in jeder Falte, in jedem Versuch die Mimik zu kontrollieren sehen, wie tief die Enttäuschung saß. Genau das Gleiche sehen wir zur Zeit bei Louis van Gaal, nachdem ihm Uli Hoeneß verbal per Hassgrätsche öffentlich die Beine weggezogen hat. Geschichte wiederholt sich. Bei unserem FC Bayern indes allzu oft.

Aber es gibt auch Unterschiede. Während Kalle damals das Denkmal des Generals für alle Tauben dieses Landes zum Vollscheißen freigegeben hatte, er damit unfassbar vergangene Großtaten und die Verdienste von Ottmar beschmutzte, hat das was Uli bei Sky90 losgetreten hatte vor allem Auswirkungen auf die Zukunft. Wir waren sehr nahe dran, mit Louis van Gaal eine ganz neue Ära beim FC Bayern einzuleiten. Eine Ära von für FC Bayern-Verhältnisse ganz neuen, schönen, taktisch hochanspruchsvollen und nebenbei wunderschönen Fußballs. Und aber auch eine Ära von vielleicht mehreren starken Persönlichkeiten als Trainer in den folgenden Jahren. Wenn es noch einen Beweis bedurfte, dass starke Trainer, die keine Ja-Sager sind, zwischen diesen ganzen Persönlichkeiten im Verein keine Überlebenschancen haben, dann hat Uli diesen Beweis heuer spätestens geliefert.

Und das ist eine richtungsweisende Geschichte. Ja-Sager hatten wir zu genüge in den letzten Jahrzehnten. Und was war die Folge? Sie waren viel zu schwach, als dass sie sich über mehrere Jahre halten hätten können. Zu schwach, wirklich auf die Jugend zu setzen, da sie immer Angst vor dem kurzfristigen Mißerfolg hatten. Zu schwach, um taktisch wirkliche Neuerungen einzuführen, da sie schon nach ganz wenigen suboptimal laufenden Spielen ansonsten intern und medial völlig zerrieben wurden. Zu schwach, sich bei Transferwünschen wirklich nach mittel- und langfristigen Überlegungen durchzusetzen und ein Team nach ihren Vorstellungen zu bauen. In allen Belangen also zu schwach, um den FC Bayern spielerisch wirklich wieder in das europäische Top-Niveau zu führen.

Jetzt haben wir so einen Trainer. Noch. Und bei aller Schroffheit kann man ihm eigentlich rein gar nichts vorwerfen. All die Punkte im oberen Absatz erfüllt dieser Mann. Und er mag eigenwillig sein, aber vor den Aussagen von Uli war dort auch eine echte Verbundenheit mit dem FC Bayern zu sehen. Die Identifikation triefte förmlich aus diesem Mann heraus. Was also will man mehr? Was mehr kann man sich wünschen? Nada, nichts!

Und was wird sich gewünscht? Kommunikation. Aber was bedeutet dies denn? Mit wem muss so ein Mann denn kommunizieren? Doch vor allem mit der Mannschaft. Und da ist es hochinteressant zu sehen, wie ausgerechnet die Spieler, für die Uli Hoeneß in seinem Interview in die Presche springen wollte, in den höchsten Tönen vom Trainer sprechen. Wo fehlt es denn da an Kommunikation? In jedem Fall nicht beim Trainer.

Die Gründe für Ulis Ausbruch liegen tief und Louis van Gaal kann im Grunde überhaupt nichts dafür, er ist da in eine Sache reingeraten, die schon seit Jahren im Verein vor sich hin gährt. Vieles ist Spekulation, aber als aufmerksamer Beobachter des FC Bayern kann es einem nicht entgangen sein, dass sich die Führung untereinander nicht so einig ist, wie sie gerne das Bild für die Öffentlichkeit zeichnen. Es ist auch kein Zufall, dass Kalle damals Ottmar abgesägt hatte, der eher Ulis Mann war, Uli wiederrum nun Louis absägt, der eher Kalles Mann ist. Als normal sterblicher Bayernfan weißt du da gar nicht mehr zwischen gut und böse zu unterscheiden, das ist voller Irrungen und Wirrungen. In jedem Fall drängt sich der Verdacht auf, jemand erträgt es nicht, nicht zu allem immer befragt zu werden. Obwohl dieser jemand doch ganz freiwillig etwas kürzer treten und das Tagesgeschäft anderen überlassen wollte.

Natürlich ist Louis van Gaal immer noch unser Trainer und für Abgesänge ist es zu früh. Dennoch mache ich mir absolut keine Illusionen. Was wir momentan seit dem elendigen Sky90 Interview erleben, ist das qualvolle, langsame, schleichende Ende des Trainer Louis van Gaal beim FC Bayern München. Maximal sehen wir Louis bis zum Ende der Saison bei uns, da bin ich mir sicher. Wenn der Erfolg ausbleibt, wird er ganz schnell auch früher weg vom Fenster sein. Und dann geht der selbe, elendige Mist wieder von vorne los. Schwacher Trainer, hinterherhecheln hinter kurzfistigem Erfolg, dadurch Null Entwicklung der Mannschaft, zerrieben werden zwischen den Fronten der Entscheider im Verein und all diese traurigen Begebenheiten. Denn dass nochmal ein wirklich starker Trainer vom Schlag van Gaal, Mourinho, oder ein anderer mit konsequent eigenen Ideen kommt und sich das antut, davon ist nicht auszugehen. Wir haben dann zwei Königsmorde hinter uns, so verrückt ist keiner.

Bis es soweit ist, wird es allerdings noch viele kleine Scharmützel geben. Denn Louis van Gaal ist nicht Ottmar Hitzfeld, der seine Enttäuschung in sich reingefressen hat, bis es ihm seine Seele zerriss. Louis van Gaal gibt Kontra. Das ist seiner starken Persönlichkeit geschuldet und ich kann es nicht nur verstehen, ich finde es sogar überaus sympathisch. Man kann über den Mann sagen was man will. Aber nicht, dass er nicht ein absolut ehrlicher, aufrechter und authentischer Mann ist. Und als solcher buckelt man nicht, sondern man tut und sagt, was man für richtig hält und wozu man stehen kann. Was genau der Grund ist, warum van Gaal in jeder seiner Mannschaften und auch in unserer Mannschaft, bombig ankommt. Auf den Mann ist Verlass. Leider allerdings nun auch darin, sich nichts gefallen zu lassen und so stehen uns auch weiterhin turbulente Wochen bevor. Manche drehen ihm daraus einen Strick. Ich nicht, auf gar keinen Fall. Jede charakterliche Stärke kann auch zur Schwäche werden, wenn die Umstände dies herausfordern. Und dies ist der Fall gewesen, als Uli völlig unnötig und ohne jede Not diesen Stein ins Rollen brachte.

Und so kann man nur hoffen, dass wir wenigstens noch diese Saison bis zum Ende in den Genuss des van Gaalschen Fußballs kommen und möglichst viel davon danach in dieser Mannschaft hängen bleibt. Frei nach einem Casablanca-Zitat: Küss mich, du wunderbarer Fußball. Küss mich, als wäre es das allerletzte Mal!

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Unsere Geschichte – Klassenkampf im Landesmeister Cup 73/74

Kaiser Franz Beckenbauer wirft sich in Dörners Schuss

In der fußballlosen Zeit ist mal wieder ein wenig Platz für ein weiteres Kapitel der Mingablog-Reihe „Unsere Geschichte“, in der an vergangene Großtaten des ruhmreichen FC Bayern München erinnert wird. Heute geht es um eines der denkwürdigsten Duelle unserer Europacup-Geschichte, im Herbst 1973 im Achtelfinale um den Europapokal der Landesmeister. Wie wir den Titel im Endspiel gewonnen haben und wer nicht umgehauen wurde, sondern sie alle fertig gemacht hat, lest ihr hier in einem früheren Teil: Unsere Geschichte – Landesmeistercup 1974

Es war das erste deutsch-deutsche Europapokalspiel zwischen einer Ost- und einer Westmannschaft nach der Trennung der BRD und der DDR. Und für uns sollte es der Wendepunkt in einer schwierigen Saisonphase werden, die wir mit dem ersten Triumph im Landesmeistercup für den FC Bayern München beenden und noch zwei mal diesen Titel verteidigen sollten.

Wir wollen uns auf das Sportliche konzentrieren. Dass politischer Sprengstoff ohne Ende vorhanden war, ostdeutsche Propaganda und westdeutsche Medien wochenlang einhändigen Tango mit weit gespreiztem Ausfallschritt vollführt hatten, das versteht sich von selbst. Für uns war es aber vor allem ein Meilenstein in der weiteren Entwicklung dieser Mannschaft um Stars wie Beckenbauer, Maier, Breitner, Müller und Co., ohne den die glanzvollen anschließenden Jahre vielleicht so nicht möglich gewesen wären.

Das Hinspiel fand am 24.10.1973 im Olympiastadion München vor nicht ganz ausverkauftem Haus statt, was auch ein bißchen die Einstellung zum Gegner preisgibt, den man nicht wirklich ernst genommen hatte. Keiner tat das anscheinend so richtig, weder die Mannschaft noch der Rest im Verein. Manager Robert Schwan wurde mit den Worten zitiert: „Wenn wir gegen die rausfliegen, wandere ich in die Zone aus“ und auf der Anzeigetafel waren vor dem Spiel einige Namen der Dresdner falsch geschrieben. Blanker Hohn.

Man ging also überheblich in die Partie, was sich schnell rächen sollte. Schon zur Halbzeit lag man mit 2:3 hinten und an diesem Punkt schien die Saison nach dürftigen Auftritten zuvor endgültig vor die Hunde zu gehen. Es wird berichtet, der damalige Präsident Wilhelm Neudecker lief in der Pause aufgeregt in die Kabine, um auf den letzten Drücker die Siegprämie zu erhöhen. Bezeichnend. 45 Minuten reichten, um aus Überheblichkeit blanke Nervosität werden zu lassen. Der im Osten berühmte „Dresdner Kreisel“ erwies sich als verdammt harter Brocken.

Mehr als eine Randnotiz: Die wenigen Dresdner Anhänger, denen die Ausreise zu dem Spiel genehmigt wurde, erhielten von zahlreichen Fans des Turnvereins 1860 München stimmgewaltige Unterstützung. Keine 35 Jahre zuvor noch im braunen Sumpf zuhause, biederte man sich schön beim genau gegenteiligen Extrem an. Ein Beispiel von vielen, warum der Abschaum der Abschaum ist, liebe jüngeren Leser.

Aber wir waren schon damals mit dem Rücken zur Wand am stärksten und so drehten wir dank der Tore von „Bulle“ Roth und dem einzigartigen Gerd Müller die Partie noch und gewannen am Ende mit 4:3. Was viele nicht auf dem Schirm haben: Das 4:3 durch Gerd Müller war zugleich sein 1000. Karrieretor seit er 1963 Profi wurde – im 777. Spiel. Auch deshalb eine historische Partie.

Gerd Müllers 1000. Tor seiner Karriere

Sieben Tore, Dramatik und Geschichten wie die mit den Namen auf der Anzeigetafel, dieses Hinspiel hatte alles, was einen Klassiker ausmacht. Doch das Rückspiel sollte dem in nichts nachstehen.

Vor dem Rückspiel war Dresden im Ausnahmezustand. Berichten zufolge hätte man 300.000 Karten an den Mann bringen können, in den freien Verkauf kamen aber nur 8000. Der Rest wurde unter Funktionären und treuen Genossen verteilt. Die Jugendlichen übernachteten vor den Vorverkaufsstellen, die ganze Stadt freute sich auf diese Partie, in der Dresden mit den drei erzielten Auswärtstoren alles andere als eine schlechte Ausgangsposition hatte.

Mehr als eine Anekdote ist natürlich die Anfahrt unserer Roten, die anstatt wie von der UEFA vorgesehen einen Tag vor dem Spiel anzureisen, erst einmal einen Zwischenstopp in Hof machten, mit der Begründung, der Höhenunterschied zwischen München und Dresden (satte 406 Meter) bereite zu große Akklimatisierungsschwierigkeiten. In Wirklichkeit hatte man Angst vor Vergiftungen, wie sie Uli Hoeneß und Paul Breitner einige Jahre zuvor bei einem UEFA-Jugendturnier in Leipzig erlitten, als sie zusammen mit einigen Westmannschaften plötzlich über Durchfall und Übelkeit klagten.

Eben jener Uli Hoeneß sorgte an diesem 7.11.1973 in Dresden für eine schnelle 2:0 Führung unseres FC Bayern. Trainer Udo Lattek überraschte die Dresdner mit einem taktischen Schachzug, indem er Gerd Müller ins Mittelfeld zurückzog, Dixi Dörner sich so aus der Abwehr locken ließ und der pfeilschnelle Uli Hoeneß seinem Gegenspieler Ede Geyer zweimal entwischte und einnetzte. Dresden gelang noch vor der Pause der Anschlußtreffer zum 1:2. Und doch weinte Ede Geyer Berichten zufolge bitterlich in der Kabine und stammelte nur noch:“Noch ein Tor macht der Hoeneß nicht.“

Nach der Pause legte Dynamo Dresden allerdings los wie die Feuerwehr und ging durch einen Doppelschlag 3:2 in Führung. Damit wäre Dresden in der nächsten Runde gewesen. Aber keine zwei Minuten nach der Dresdner Führung stocherte Gerd Müller in unnachahmlicher Art und Weise die Murmel über die Torlinie zum Ausgleich. Die letzte halbe Stunde war ein Nervenspiel, obwohl Dynamo auch nicht mehr entscheidend durchkam. Beim Schlusspfiff sanken beide Mannschaften zu Boden. Die einen vor Erleichterung, die anderen vor Unglück.

Der FC Bayern München sollte sechs Monate später den Pokal mit nach München bringen und eine glanzvolle Ära begründen. Doch in diesem Herbst des Jahres 1973 stand es Spitz auf Knopf und Gott allein weiß was passiert wäre, wenn diese dramatischen Achtelfinalbegegnungen einen anderen Ausgang genommen hätten. Doch da das Leben nicht im Konjunktiv stattfindet sieht der Briefkopf unseres FC Bayern nunmal so aus wie er aussieht: Prall gefüllt.

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Bayern und die DFL, dudei, dudei…

Wieder ganz hart am Wind: Uli Hoeneß. Bild: Thomas Duchnicki :: Location Scout used under CC License

Seit Uli Hoeneß zum Präsidenten des ruhmreichen FC Bayern München gewählt wurde, war es ja tatsächlich um einiges ruhiger geworden um unseren Hans Dampf in allen Gassen. Für möglich gehalten hatte dies vorher so gut wie keiner, weder Freund noch Feind. Und als sich gerade alle einigermaßen in Sicherheit gewogen fühlten, da stellt sich an diesem Wochenende via Blöd am Sonntag heraus, dass Uli in altbewährter Manier längst geladen und entsichert hat.

DFL Chef will er also werden. Das wird die Hälfte des Landes, die ihn nicht mag, in leichte Panikzustände versetzen. Der FC Bayern München mit so viel Macht im Ligaverband? Da sind die Reaktionen vorprogrammiert.

Uli sagt: „Wir bei Bayern haben auch damit spekuliert, niemanden mehr zur DFL hinzuschicken. Aber dann haben wir gesagt: Nein, das wäre nicht gut für die Liga, auch für Bayern nicht. Deswegen habe ich gesagt: Gut, wenn ich dort antrete, dann sollte ich ganz oben antreten.“

Für die Liga wäre es sicher sehr, sehr gut, wenn Uli es machen würde, auch wenn die Vorbehalte wohl erstmal riesig wären. Ich bin allerdings sehr sicher, dass es dann tatsächlich bald allen um einiges besser ginge und diese Vorbehalte schnell verfliegen würden. Allerdings würde ich als Roter seine Manpower nur sehr ungern teilen, beim ruhmreichen FC Bayern gibt es garantiert nach wie vor genug für Uli zu tun.

Interessant finde ich, dass die einen (SZ) ihm super Chancen, die anderen (FAZ) ihm dagegen kaum Chancen einräumen. Uli Hoeneß polarisiert wie eh und je. Und am Ende wird er durchboxen, was er sich vorgenommen hat. Ebenfalls wie eh und je.

Update: Hmm, mit diesem Dementi hätte ich jetzt nicht gerechnet. Aber trotzdem schön, dass wir mal drüber gesprochen haben. 🙂

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An unserem Uli Hoeneß-Gedächnislächeln wird man uns erkennen

Die Natur spielt „Florenz gegen Bayern“. Bild: fabbio used under CC License

Fan sein ist schon eine aufregende Sache, bei der die Gefühle fast chronisch mit einem Gassi gehen. Da ärgert man sich noch über die zwei verlorenen Punkte in Köln, ist enttäuscht darüber wie einfach und schnell unsere Jungs die Tabellenführung wieder gefährden, auf die man ja nicht weniger als eine halbe Ewigkeit vorher gewartet hatte, da verliert Leverkusen schon in Nürnberg und irgendwie sieht die Tabelle sogar noch besser aus als vor dem Spieltag.

So richtig 100 % zufrieden kann man natürlich nicht sein, mit einem Sieg wären wir vier Punkte vor dem Zweiten und das wäre natürlich schon eine ordentliche Hausnummer gewesen. Und die Art und Weise wie wir in der ersten Halbzeit aufgetreten sind lässt nun wirklich keine allzu große Zufriedenheit zu. Andererseits wissen wir doch alle, wie schwierig die Ligaspiele alle Jahre wieder und bei allen Spitzenmannschaften der Welt psychologisch sind, wenn nur drei Tage später ein so entscheidendes Champions League Spiel ansteht. Da kann man noch so oft auf die Gehaltszettel der Jungs verweisen, am Ende des Tages sind es auch nur Menschen. Wenn wir in Florenz weiterkommen, dann wertet das nach meiner Logik diesen Punkt in Köln schon sehr auf und man kann einen positiven Strich unter den Spieltag ziehen.

Florenz wird auf verschiedene Art ein richtungsweisendes Spiel. Nicht nur wegen dem schnöden Mammon und dem vielzitierten internationalen Prestige. Für unsere junge Mannschaft ist es richtungsweisend, weil ihre Entwicklung durch ein Weiterkommen ohne Frage beschleunigt und der Glaube an die eigene Stärke gefestigt würde. Richtungsweisend ist es auch in Bezug auf Franck Ribery und dessen Verlängerung seines Vertrages bei uns. Nicht dass ein Weiterkommen seine Unterschrift bedeuten würde, die Chancen stehen wohl dann immernoch nicht besonders gut. Ein Auscheiden auf der anderen Seite würde allerdings wohl bedeuten, dass er uns sicher verlässt. Auch deshalb ist das Spiel morgen kein Gewöhnliches. Last but not least ist die Partie auch, wenn auch nicht richtungsweisend, so zumindest nicht unwichtig für Deutschlands Ranking in der 5-Jahreswertung, in der wir bald die Plätze mit Italien tauschen könnten.

Am Samstag gegen Köln haben wir praktisch selbst den Anschauungsunterricht gegeben, wie wir spielen müssen in Florenz und wie wir auf keinen Fall spielen dürfen. Spielen wir so wie in Halbzeit eins werden wir rausfliegen. Spielen wir so wie in Halbzeit zwei glaube ich nicht, dass die Fiorentina uns schlagen kann. In Köln haben wir unsere zwei Gesichter gezeigt, verteilt auf beide Halbzeiten. Wir sind schlicht und ergreifend noch nicht so weit ein Spiel mit 80 – 90 % anzugehen. Geben wir aber Vollgas, sind wir fast nicht zu schlagen.

Es wird ein heißer Tanz werden morgen in Florenz, so viel steht wohl fest. Bin sehr gespannt, wie sich unsere Mannschaft aus der Affäre ziehen wird. Wir müssen auf jeden Fall zu jedem Zeitpunkt Gefahr ausstrahlen und dürfen uns nicht zu weit hinten reindrängen lassen. Wenn Florenz immer die Angst im Nacken hat mit der nächsten Aktion, dem nächsten Konter könnten wir das Spiel entscheiden, werden wir sicher die nächste Runde erreichen. Dann werden sie nicht alles riskieren können und wir werden über kurz oder lang unser Tor machen. Sind wir aber zu passiv, so wie die erste Halbzeit in Köln, wird die Aufgabe morgen verdammt schwer werden. Ich hoffe wir sehen das richtige Gesicht des FC Bayern, das dominant, arrogant lächelnde Gesicht. Und zwar über die gesamten 90 Minuten, sowie vor allem nach den 90 Minuten. An unserem Uli Hoeneß-Gedächnislächeln wird man uns nach dem Spiel erkennen. 🙂

Noch ein Hinweis in eigener Sache: Vor dem Spiel bin ich morgen gegen 20:30 Uhr im Live-Interview bei 90elf. Hört rein wenn ihr Lust habt. Wie es aussieht komm ich wohl direkt nach Carsten Jancker Fußballgott. Nach mir berichten sie dann live aus Florenz. Falls ihr also kein Sky habt und euch das mit den Livestreams zu nervenaufreibend ist, bleibt dort einfach dran.

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Spruch des Tages: Uli Hoeneß

Die Bläser stehen bereit. Bild: Timo Heuer used under CC License

„Wenn uns der TSV 1860, aus welchen Gründen auch immer, bitten sollten, aus dem jetzigen Vertrag auszusteigen, dann werde ich die Kapelle, die die Sechziger aus dem Stadion begleitet, persönlich mit dem Defiliermarsch anführen!“

Uli Hoeneß (Quelle: Bayern Magazin)

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