Schlagwort-Archive: Matthias Sammer

Servus und vielen Dank Matthias Sammer

Sammer Blick nach oben 1900

4 Jahre lang eine tolle Konstellation: Matthias Sammer und der FCB. Text: Marco Thielsch

Als im Juli 2012 unser FC Bayern München die Verpflichtung von Matthias Sammer bekannt gab, waren die meisten, die dem FCB nahe stehen, entweder noch in Schockstarre oder in Weltuntergangsstimmung. Verpasste Meisterschaft, Pokalfinale, Finale Dahoam, die Schmerzfreien erinnern sich. Was haben wir gedürstet nach jemandem, der uns aus dem Tal der Tränen in eine goldene Zukunft führt und so waren die allermeisten hocherfreut über die Nachricht der Verpflichtung des Feuerkopfs, der eventuell genau dazu taugen konnte. Charakterstark, fachlich überragend, eloquent, engagiert, und nebenbei intime Kenntnisse des Erzrivalen. Wenn er fähig wäre den FCB in Fleisch und Blut übergehen zu lassen war es für viele von uns der perfekte Mann zur unperfekten Zeit am perfekten Ort. Und dabei hatten viele von uns vielleicht sogar etwas falsche Vorstellungen von der Rolle, die er bei uns einnehmen würde. Man stellte sich vor da käme jetzt einer, der so sehr einen eigenen Kopf hat, dass er den gegen unsere Großkopferten durchsetzen würde und genau das wünschten sich viele von uns damals. Das war natürlich ein Irrglaube. Statt Revolutionen brachte Sammer etwas viel besseres. Er war fähig die Reihen zu schließen, Zusammenhalt zu predigen und vorzuleben. Den Finger immer dann in die Wunde zu legen, wenn es auch nur die kleinste Tendenz zur Selbstzufriedenheit gab und dadurch zu allen Zeiten die Sinne aller zu schärfen. Und er führte klare Hierarchien innerhalb der Mannschaft ein, forderte und förderte damit unsere Führungsspieler und wies ihnen viel größere Rollen zu, als dies in der Zeit davor der Fall gewesen ist. Ich bin überzeugt davon, dass genau das den Anstoß zu der Entwicklung von Lahm, Schweinsteiger, Neuer und zuletzt auch Boateng gab, welche diese zu Champions League Siegern und Weltmeister machte. Außerdem rief er dazu auf die Kreativspieler nicht mit Führungsaufgaben zu überlasten, damit sie sich entfalten konnten. So einfach wie genial.

Sammer gab vom ersten Tag an Gas. In der Retrospektive herrlich sich Interviews aus seiner Anfangszeit anzusehen oder durchzulesen. Hier ein kurzes aus dem Herbst 2012, wo er offensichtlich für sich schon sehr genau wusste, welche Stellschrauben zu drehen sind.

Anfang 2013 war er dann schon sowas von mittendrin, als hätte er den Job seit 10 Jahren. Und er wartete in der Rückschau immer wieder mit nahezu prophetischen Aussagen auf.

„Es geht nicht um mich, es geht beim FC Bayern immer um Leistung, es geht darum, zum richtigen Zeitpunkt Analysen zu erstellen, um dann im Positiven mit dem gewissen Hype umzugehen, nicht die Realität zu vergessen. Genauso kann es auch mal schwierigere Phasen geben. Und dann muss man sich auch orientieren. Wir tun gut daran, dass gesamte ‚Gesabbel’ nicht zu ernst zu nehmen. Ganz simpel gesagt sollten wir uns an der Leistung orientieren – die muss im Mittelpunkt stehen. […] Es gibt Vorbilder auf dieser Welt, die drei Mal die Champions League gewonnen haben. Spanien ist zwei Mal Europameister in Folge geworden, dazu Weltmeister. Wir sind noch weit entfernt, mit Freude in Champagner zu baden – dazu ist einfach noch nicht der Zeitpunkt.“

Quelle: http://www.tz.de/sport/fc-bayern/matthias-sammer-ueber-robben-tuchel-badstuber-guardiola-2735676.html

Wir wissen alle wo diese Einstellungen hingeführt haben im Jahr 2013. Ich bin mir sicher, dass allein aus der Mannschaft heraus und im Trainerteam in dieser Saison sehr viel positive Energie und Wille es der Welt zu beweisen sowieso vorhanden war. Aber Sammer hat diese Energie sehr wahrscheinlich in genau die richtigen Bahnen gelenkt und damit einen nicht zu unterschätzenden Anteil an den epischen Erfolgen.

„Glauben Sie, dass das, was in der letzten Saison passiert ist, von allein funktioniert hat? Dass es ein Zufall war, dass diese Mannschaft so einen Geist entwickelt und wie sie Fußball gespielt hat? Und wie Spieler, die von sogenannten Experten als nicht integrierbar eingeschätzt wurden, plötzlich für ihren Einsatz Anerkennung in der Mannschaft bekommen haben? Das ist jeden Tag im Umgang miteinander gewachsen. Und die wichtigsten Gespräche waren nicht immer die mit den Spielern, die gespielt hatten, sondern mit denen, die nicht dabei waren. Damit du die Gruppe zusammenhältst. Die Qualität der Kommunikation, des Umgangs, die Sensibilität, das ist das Geheimnis.“

Quelle: http://www.faz.net/aktuell/sport/fussball/bundesliga/im-gespraech-bayern-sportvorstand-sammer-ich-liebe-konflikte-12273580.html

Die Gruppe zusammenhalten war auch in der Folgezeit eine seiner Hauptaufgaben. Mit Pep Guardiola gab es sicher auch einiges an Reibung, aber in der Außendarstellung passte glaubhaft nie ein Blatt Papier zwischen die beiden. Ich habe damals immer wieder gesagt, ich würde einiges dafür geben mal Mäuschen spielen zu dürfen, wenn Pep und Sammer sich über Fußball unterhalten. Gleiche Leidenschaft für den Fußball mit zwei völlig verschiedenen Herangehensweisen, die sich aber dennoch sehr gut ergänzen. Das muss häufig positiv Funken geschlagen haben.

Viele Konzepte und Herangehensweisen innerhalb des Vereins sind von Matthias Sammer mit angestoßen worden und haben sich verfestigt. Es gab immer mal wieder Stimmen, die seine Wichtigkeit in Frage stellten. Ich glaube das Gegenteil ist der Fall, sein Anteil an den Erfolgen der letzten Jahre war groß.

Schade, dass das Kapitel Matthias Sammer und Bayern München nun erstmal geschlosssen ist. Vollstes Verständnis natürlich dafür. Die Gesundheit geht vor und wenn er tatsächlich den Schluss aus den Ereignissen gezogen hat, mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen, so sei ihm und vor allem seiner Familie das von Herzen gegönnt, nachdem er zuvor ja nach eigener Aussage sein Leben lang 24 Stunden am Tag an Fußball gedacht hat. Es war eine relativ kurze Zeit in der Vereinshistorie, aber eine wahnsinnig intensive und erfolgreiche, die Matthias Sammer entscheidend mit geprägt hat. Dies wird nicht vergessen werden. Servus, vielen Dank und alles Gute, lieber Matthias!

Einmal Bayern, immer Bayern

Advertisements

Länderspielpausen, die Presse und die Nationalmannschaft öden mich voll an

Das sieht die Presse selbst anscheinend auch so. Bild: m.p.3. used under CC License

Gott, ist das laaangweilig während so einer nicht enden wollenden Länderspielpause. Irgendwie unpatriotisch von mir, aber die Nationalmannschaft gibt mir echt gar nichts mehr. Geht mir komplett am Allerwertesten vorbei, was die Schwabenconnection da so treibt, mit welchen stromlinienförmigen Ja-Sagern sie da ihre langweiligen Spiele bestreiten und was da unter dem Strich dabei rauskommt. Wenn ich die Spiele überhaupt gucke, dann nur unter dem Aspekt, dass sich möglichst kein Bayernspieler verletzt. Alles andere ist Kokolores.

Das war mal ganz anders. Eigentlich seit ich denken kann, war ich absoluter Fan der DFB-Mannschaft. Meine ersten Erinnerungen stammen von der WM ´86 in Mexiko, an die Faszination WM und an bittere Tränen, die ich als 8 jähriger nach dem verlorenen Finale vergossen habe. Ich erinner mich an die wahnsinnigen Duelle von Jürgen Kohler mit dem 1988 außerirdisch spielenden Marco van Basten, ich erinner mich an eine zum Zerreißen spannende WM-Quali für Italia ´90 – und einem Triumph dort, der uns alle auf den Straßen tanzen ließ. Auch die gesamten 90er Jahre über fieberte ich fast so bekloppt mit, wie mit meinen Bayern. Auch unter Rudi schlug mein Herz absolut für die Deutsche Nationalmannschaft. Und dann kam Klinsmann.

Seither passieren nur noch Sauereien rund um das DFB-Team. Es geht gar nicht so sehr um sportliche Entscheidungen, auch wenn sie als Folge auch nicht außer acht gelassen werden können. Es geht vor allem um die Strukturen, die da herrschen. Von Mayer-Vorfelder, über Zwanziger, über damals Klinsmann/Löw, über Bierhoff, über Köpke, über Flick, über Lehmann und unzählige weitere, das ist alles eine Suppe.

Vetternwirtschaft ohne Ende ohne jegliches Schamgefühl und dabei ein arrogantes Auftreten hoch 10. Dazu die ganzen Verstrickungen des DFB mit Hoffenheim und Dietmar Hopp – ich kann mich mit dem Laden einfach nicht mehr identifizieren, selbst wenn ich es wollte. Und das geht weit über die Sauereien hinaus, die damals um unsere Roten wie Oliver Kahn und Sepp Maier passiert sind. Soll mir keiner kommen, ich wäre nur beleidigt. Die Scheiße kann ich nicht mehr hören und denjenigen stampfe ich mit Extreme-Bud-Spencering  unangespitzt in den Boden.

Jedenfalls wird sich an meiner Einstellung zur Nationalmannschaft nichts ändern, solange die Strukturen dort sich nicht gewaltig ändern. Alles läuft doch nur noch irgendwie hinten rum ab dort, jeder einzelne Schritt. Der einzige, der die Fahne der Ehrlichkeit im Dunstkreis des DFB noch hoch hält, ist Matthias Sammer. Was ein Zufall, das der gegen den Willen praktisch aller aus dieser Suppe den Job bekommen hatte. Sammer hat sich jedenfalls mit seinem Verhalten und seinen Aussagen in den letzten Monaten bei mir ein sehr hohes Ansehen erarbeitet. Der ist in dem ganzen Haufen echt so etwas wie der „Last Man Standing“.

Kommen wir zurück zu uns, dem FC Bayern. Nicht nur mir scheint irgendwie langweilig zu sein zur Zeit. Da haben wir auf der einen Seite die werte Journalie, mit denen ich ja eigentlich genug abgerechnet habe in den letzten Artikeln. Dachte ich zumindest. Aber kaum machen Wechselgerüchte nach dem Schließen der Transferliste keinen Sinn mehr, wird der nächste Mist aus dem Boden gestampft. Ribery und van Gaal verstehen sich also nicht. Aha! Die ersten Aussagen von Ribery habe ich noch verfolgt, als er meinte die Stimmung wäre sehr ernst beim Training. Leute, das war komplett harmlos, was er da gesagt hatte. Aber was macht die Presse? Von einem Tag zum nächsten wird das Ding immer mehr aufgebauscht, das ist einfach nur noch unfassbar. Was Ribery ursprünglich sagte war nur, dass die Mannschaft sehr unter Druck stand vor dem Wolfsburg Spiel und ihm auch in den Spielen zuvor die Lockerheit und Risikobereitschaft fehlte. Und damit hatte er Recht. Punkt, Aus, Ende. Dann bezieht sich eine ganze Woche später (!) die Equipe in Frankreich auf genau diese Aussagen und schon spielen alle verrückt. Ich les den ganzen Humbug gar nicht mehr, ich seh immer nur die Überschriften und verdreh genervt die Augen. Was soll man sagen? Don´t get caught up in the mix, cause the media is full of dirty tricks!

Auf der anderen Seite ist dem werten Vorstandsvorsitzenden Hauptgefreiter Rummenigge wohl auch langweilig. Schnappt er sich mal eben im Vorbeigehen im Kicker drei unserer verdientesten Kapitäne der Vergangenheit und watscht diese komplett ab.

Zu Kahn, Loddar und Effe:

Sie sollten zusehen, dass sie einen Job kriegen, in dem sie etwas zu sagen haben, und sich nicht als bezahlte Chefkritiker des FC Bayern hervortun.

Öhm, warum sollten sie sich nicht zu ihrem Ex-Verein äußern dürfen? Vor allem im Fall von Kahn waren das alles andere als irgendwie polemische Aussagen in den Monaten nach seinem Karriereende bis jetzt. Er hat so ziemlich jedes mal sachlich fundiert den Nagel auf den Kopf getroffen. Und was überhaupt gibt einem Herrn Rummenigge das Recht, solch verdienten Spielern den Mund zu verbieten?

Kahn hat auch recht lässig reagiert.

Kahn zu Kalles Kritik:

„Erstens ist es mir neu, dass ich von irgendeinem Printmedium für irgendetwas bezahlt werde. Zweitens habe ich mit Michael Rensing zusammengespielt, verfolge seinen Weg auch weiterhin ganz genau und frage mich, woher seine Entwicklung kommt. Drittens habe ich momentan sehr viele Jobs, die mir sehr viel Spaß machen.“

Keine Ahnung, belassen wir es dabei. Solche Nebenkriegsschauplätze sind echt nur ermüdend und unnötig. Und auch sowas kommt nur zustande, wegen der arschlangweiligen Länderspielpause. Gegen wen spielen wir überhaupt morgen? Hach, ist das alles zäh! 🙂

© 2009 Traumtorschuetze

You´ll never walk alone Trainingsjacke

%d Bloggern gefällt das: