Schlagwort-Archive: Karl-Heinz Rummenigge

Von Schein und Sein des FC Bayern München

…ich mach mir die Welt widdewiddde wie sie mir gefällt… (inoffizielles Vereinslied)

Bild: allthecolor used under CC License  /  Text: Marco Thielsch

Freunde, diejenigen von euch, die diesen Blog schon seit Jahren verfolgen wissen, mit welch klaren Worten ich bestimmte Entwicklungen im Verein seit je her angeprangert habe. Die unfassbare Jahreshauptversammlung 2007, die Spaltung des Vereins durch die Verpflichtung von Jürgen Klinsmann, die sportliche Hinrichtung des Michael Rensing, die sportliche Hinrichtung des Thomas Kraft, der selbstherrliche Umgang mit Louis van Gaal, die erneute Spaltung des Vereins durch die Verpflichtung von Manuel Neuer, der Umgang des Vereins mit den Protesten der Kurve, um nur einige wenige Beispiele zu nennen. Und immer habe ich vor den langfristigen Folgen all dieser Dinge gewarnt, habe auf die immer realitätsfremder werdende Sichtweise unserer Vereinsspitze hingewiesen. Und ich habe einen Punkt vorausgesagt, an dem all dies unseren hohen Herren um die Ohren fliegen wird.

Viele haben genau das nicht für möglich gehalten, zu sicher schienen die Herren Hoeneß, Rummenigge und Co. im Sattel zu sitzen. Zu blind wurde ihnen vom gemeinen Volk zugejubelt. Dass dieser Jubel aber zu großen Teilen auf puren Opportunismus beruhte, das haben weder die Vereinsbosse verstanden, denen er in unendlichem Maß zu Kopf stieg, noch haben es die Kritiker verstanden, die sich ein bißchen zu sehr in einem Kampf gegen Windmühlen wähnten. Opportunismus hat nunmal die Eigenschaft in dem Augenblick umzuschlagen, an dem es opportun erscheint dies zu tun. Das gilt für die Heerscharen der Erfolgsfans und Klatschaffen genauso wie für die gemeine Presse.

An diesem Punkt, an dem alles umschlägt, an dem die gravierenden Fehler unserer Vereinsspitze nicht mehr von sportlichem Erfolg, blindem Jubel und dem Rausch der Selbstbeweihräucherung verdeckt werden, an diesem Punkt sind wir nun angekommen.

Ich bin nicht so naiv, irgendwelche Köpfe an der Vereinsspitze rollen sehen zu wollen. Das wird nicht passieren. Und bei allem Ärger, bei dem man sich vielleicht im ersten Moment auch gewünscht hatte, der ein oder andere würde seinen Hut nehmen, bin ich gar nicht so sicher, ob ich das will. Aber eins will ich sicher, nämlich das was viele wollen, das was so plakativ mit „ich will meinen alten FC Bayern zurück“ umschrieben wird. Nicht im Sinne eines Nostalgikers, der mit verklärtem Blick die Vergangenheit überhöht und dabei die Gegenwart mißachtet. Sondern im Sinne eines Menschen, der die Ideale dieses Vereins so viele Jahre in Ehren gehalten, für sie gekämpft und sie in vielen Teilen zu seinen eigenen Idealen gemacht hat.

Das was diesen „alten FCB“ mal ausmachte, das ist das Werk der gleichen Leute, die noch heute an den Schalthebeln der Macht im Verein sitzen. Ich bin nicht der Überzeugung, dass das was mal so unendlich gut war, was mich selbst so unendlich inspirierte, ins komplette Gegenteil umschlagen und unendlich schlecht werden kann. Die Geschichte des FC Bayern der letzten Jahre ist nicht die Geschichte vom Paulus zum Saulus. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Vereinsführung zwar an jedem Tag das Beste für den FCB wollte und will, aber dass sie sich irgendwo zwischen dem Mammutprojekt neues Stadion, dem teuflisch gefährlichen Rausch des Sommermärchens und der daraus resultierenden Zielgruppenerweiterung, sowie im Rausch des Geldes und des Applaus selbst verloren haben. Ihre Denkweise und ihre Handlungsweise was Transfers betrifft, was Trainerverpflichtungen betrifft, was den Umgang mit Trainern betrifft, was den Krieg gegen die eigenen Fans betrifft, all das ist nicht die Krankheit, sondern sind die Symptome der Krankheit.

Die Krankheit ist am besten mit dem altmodischen Begriff Großmannssucht zu beschreiben. Natürlich leben wir rein finanziell nicht über unsere Verhältnisse, was dieser Begriff auch impliziert. Aber wo früher noch das Sein das alles entscheidende Kriterium unserer Vereinsführung war, da ist es heute vor allem der Schein. Das ist in allen Handlungen des Vereins maßgeblich. Und genau darin liegen die haarsträubenden Fehler der letzten Jahre begründet.

Was muss jetzt passieren? Alles beginnt in unserer Führungsetage! Dort muss dringend eine gesunde Selbstreflexion einkehren. Warum haben wir in den letzten zehn Jahren sage und schreibe sieben Trainer verschlissen? Wie konnte es zu diesem Bruch des Vereins mit der hiesigen Fanszene, mit gerade denen, denen der Verein am meisten am Herzen liegt kommen? Ist es sinnvoll, nach jeder titellosen Saison blindlinks Unsummen in die Mannschaft zu stecken nur um sich ein Jahr später auf die Schulter zu klopfen und sich zwei Jahre später zu wundern, warum man wieder am Ausgangspunkt angekommen ist? Darf das Erschließen neuer Zielgruppen zum Zweck der Umsatzmaximierung auf Kosten der Basis des Vereins und deren Wünsche und Nöte gehen? Warum schaffen es Vereine mit viel geringeren finanziellen Möglichkeiten das Maximum aus diesen herauszuholen und warum haben diese Vereine keinerlei Grund mehr, Spiele gegen uns von vornherein abzuschenken? Wieso haben die einen fußballerischen, taktischen und strukturellen Plan und wir nicht? Wieviel Potenzial verschenken wir dadurch?

Die Liste der Fragen, die sich die Vereinsspitze dringend selbst zu stellen hat, ist endlos. Spätestens im Sommer muss ein radikales Umdenken einkehren beim FCB und die verantwortlichen Leute müssen dringend hart mit sich selbst ins Gericht gehen. Und dann müssen endlich Weichen gestellt werden, nach denen wir fußballerisch und vor allem auch menschlich zusammen (!) in die Zukunft gehen können. Ansonsten werden wir fußballerisch noch mehr den Anschluss an die Moderne verlieren und werden menschlich eine zerrüttete Bayern-Familie sein. Die hohen Herren sind seit Jahren, aber leider immer noch in zunehmendem Maße, mit Eifer dabei mit dem Arsch einzureissen, was sie mühselig mit den Händen aufgebaut haben. Ich halte die aktuelle Situation für die allerletzte Chance zur Selbstreflexion für unsere Vereinsführung. Wenn sie jetzt nicht begreifen, wird ihr Denkmal irreperablen Schaden nehmen, der Schein ist dahin und das Sein bedarf vieler mühselige Jahre der Aufbauarbeit, in denen man fassungslos auf das Potenzial und die Möglichkeiten der heutigen Zeit zurückblicken und nicht verstehen können wird, wie und warum man diese Chancen verstreichen ließ.

Treue kann man nicht kaufen T-Shirt FC Bayern München Fanartikel

Vom FC Hollywood zum FC Casablanca

Schöne Fassade, turbulenter Inhalt.

Text: Marco Thielsch   Bild: Radiohead022 used under CC License

Ganz große Gefühle, öffentliche Denunziationen, tiefe Enttäuschungen und Liebe auf den ersten Blick. Was klingt wie der Teaser einer neuen, schlechten Sat 1 Telenovela, ist die Zustandsbeschreibung der FC Bayern-Familie. Männer können keine Gefühle zeigen? Geh mal zum FC Bayern, da siehst du ausgewachsene Männer sich bitterlich öffentlich ausweinen.

Vom FC Hollywood zum FC Casablanca. So lassen sich die Befindlichkeiten unser Familienoberhäupter zur Zeit wohl am besten umschreiben. Das klingt vielleicht amüsant, ist es aber ganz und gar nicht. Die Lage ist kurzfristig ernst bis langfristig hoffnungslos.

Schaut man dieser Tage in das Gesicht von Louis van Gaal, so fühlt man sich zwangsläufig in das Jahr 2007/2008 zurückversetzt. Es tun sich erstaunliche Parallelen auf in der Mimik von Louis van Gaal zu der Mimik von Ottmar Hitzfeld, nachdem dieser durch Karl-Heinz Rummenigges Satz „Fußball ist keine Mathematik“ den Boden unter den Füßen weggezogen bekam. Vor dieser Erniedrigung war dort der pure Spaß zu sehen, die Freude und der Stolz darauf, Trainer des FC Bayern München zu sein. Identifikation pur. Nach der Erniedrigung konnte man in jeder Falte, in jedem Versuch die Mimik zu kontrollieren sehen, wie tief die Enttäuschung saß. Genau das Gleiche sehen wir zur Zeit bei Louis van Gaal, nachdem ihm Uli Hoeneß verbal per Hassgrätsche öffentlich die Beine weggezogen hat. Geschichte wiederholt sich. Bei unserem FC Bayern indes allzu oft.

Aber es gibt auch Unterschiede. Während Kalle damals das Denkmal des Generals für alle Tauben dieses Landes zum Vollscheißen freigegeben hatte, er damit unfassbar vergangene Großtaten und die Verdienste von Ottmar beschmutzte, hat das was Uli bei Sky90 losgetreten hatte vor allem Auswirkungen auf die Zukunft. Wir waren sehr nahe dran, mit Louis van Gaal eine ganz neue Ära beim FC Bayern einzuleiten. Eine Ära von für FC Bayern-Verhältnisse ganz neuen, schönen, taktisch hochanspruchsvollen und nebenbei wunderschönen Fußballs. Und aber auch eine Ära von vielleicht mehreren starken Persönlichkeiten als Trainer in den folgenden Jahren. Wenn es noch einen Beweis bedurfte, dass starke Trainer, die keine Ja-Sager sind, zwischen diesen ganzen Persönlichkeiten im Verein keine Überlebenschancen haben, dann hat Uli diesen Beweis heuer spätestens geliefert.

Und das ist eine richtungsweisende Geschichte. Ja-Sager hatten wir zu genüge in den letzten Jahrzehnten. Und was war die Folge? Sie waren viel zu schwach, als dass sie sich über mehrere Jahre halten hätten können. Zu schwach, wirklich auf die Jugend zu setzen, da sie immer Angst vor dem kurzfristigen Mißerfolg hatten. Zu schwach, um taktisch wirkliche Neuerungen einzuführen, da sie schon nach ganz wenigen suboptimal laufenden Spielen ansonsten intern und medial völlig zerrieben wurden. Zu schwach, sich bei Transferwünschen wirklich nach mittel- und langfristigen Überlegungen durchzusetzen und ein Team nach ihren Vorstellungen zu bauen. In allen Belangen also zu schwach, um den FC Bayern spielerisch wirklich wieder in das europäische Top-Niveau zu führen.

Jetzt haben wir so einen Trainer. Noch. Und bei aller Schroffheit kann man ihm eigentlich rein gar nichts vorwerfen. All die Punkte im oberen Absatz erfüllt dieser Mann. Und er mag eigenwillig sein, aber vor den Aussagen von Uli war dort auch eine echte Verbundenheit mit dem FC Bayern zu sehen. Die Identifikation triefte förmlich aus diesem Mann heraus. Was also will man mehr? Was mehr kann man sich wünschen? Nada, nichts!

Und was wird sich gewünscht? Kommunikation. Aber was bedeutet dies denn? Mit wem muss so ein Mann denn kommunizieren? Doch vor allem mit der Mannschaft. Und da ist es hochinteressant zu sehen, wie ausgerechnet die Spieler, für die Uli Hoeneß in seinem Interview in die Presche springen wollte, in den höchsten Tönen vom Trainer sprechen. Wo fehlt es denn da an Kommunikation? In jedem Fall nicht beim Trainer.

Die Gründe für Ulis Ausbruch liegen tief und Louis van Gaal kann im Grunde überhaupt nichts dafür, er ist da in eine Sache reingeraten, die schon seit Jahren im Verein vor sich hin gährt. Vieles ist Spekulation, aber als aufmerksamer Beobachter des FC Bayern kann es einem nicht entgangen sein, dass sich die Führung untereinander nicht so einig ist, wie sie gerne das Bild für die Öffentlichkeit zeichnen. Es ist auch kein Zufall, dass Kalle damals Ottmar abgesägt hatte, der eher Ulis Mann war, Uli wiederrum nun Louis absägt, der eher Kalles Mann ist. Als normal sterblicher Bayernfan weißt du da gar nicht mehr zwischen gut und böse zu unterscheiden, das ist voller Irrungen und Wirrungen. In jedem Fall drängt sich der Verdacht auf, jemand erträgt es nicht, nicht zu allem immer befragt zu werden. Obwohl dieser jemand doch ganz freiwillig etwas kürzer treten und das Tagesgeschäft anderen überlassen wollte.

Natürlich ist Louis van Gaal immer noch unser Trainer und für Abgesänge ist es zu früh. Dennoch mache ich mir absolut keine Illusionen. Was wir momentan seit dem elendigen Sky90 Interview erleben, ist das qualvolle, langsame, schleichende Ende des Trainer Louis van Gaal beim FC Bayern München. Maximal sehen wir Louis bis zum Ende der Saison bei uns, da bin ich mir sicher. Wenn der Erfolg ausbleibt, wird er ganz schnell auch früher weg vom Fenster sein. Und dann geht der selbe, elendige Mist wieder von vorne los. Schwacher Trainer, hinterherhecheln hinter kurzfistigem Erfolg, dadurch Null Entwicklung der Mannschaft, zerrieben werden zwischen den Fronten der Entscheider im Verein und all diese traurigen Begebenheiten. Denn dass nochmal ein wirklich starker Trainer vom Schlag van Gaal, Mourinho, oder ein anderer mit konsequent eigenen Ideen kommt und sich das antut, davon ist nicht auszugehen. Wir haben dann zwei Königsmorde hinter uns, so verrückt ist keiner.

Bis es soweit ist, wird es allerdings noch viele kleine Scharmützel geben. Denn Louis van Gaal ist nicht Ottmar Hitzfeld, der seine Enttäuschung in sich reingefressen hat, bis es ihm seine Seele zerriss. Louis van Gaal gibt Kontra. Das ist seiner starken Persönlichkeit geschuldet und ich kann es nicht nur verstehen, ich finde es sogar überaus sympathisch. Man kann über den Mann sagen was man will. Aber nicht, dass er nicht ein absolut ehrlicher, aufrechter und authentischer Mann ist. Und als solcher buckelt man nicht, sondern man tut und sagt, was man für richtig hält und wozu man stehen kann. Was genau der Grund ist, warum van Gaal in jeder seiner Mannschaften und auch in unserer Mannschaft, bombig ankommt. Auf den Mann ist Verlass. Leider allerdings nun auch darin, sich nichts gefallen zu lassen und so stehen uns auch weiterhin turbulente Wochen bevor. Manche drehen ihm daraus einen Strick. Ich nicht, auf gar keinen Fall. Jede charakterliche Stärke kann auch zur Schwäche werden, wenn die Umstände dies herausfordern. Und dies ist der Fall gewesen, als Uli völlig unnötig und ohne jede Not diesen Stein ins Rollen brachte.

Und so kann man nur hoffen, dass wir wenigstens noch diese Saison bis zum Ende in den Genuss des van Gaalschen Fußballs kommen und möglichst viel davon danach in dieser Mannschaft hängen bleibt. Frei nach einem Casablanca-Zitat: Küss mich, du wunderbarer Fußball. Küss mich, als wäre es das allerletzte Mal!

Mia san mia T-Shirt FC Bayern München Fanartikel

Das Robbensche Sommerloch im Oberschenkel

Was hier so zärtlich aussieht, war in Wahrheit das reinste Robbensterben. „Robben hätte nie bei der WM spielen dürfen!“  Bild: Globovisión used under CC License

Eines der interessantesten Naturerscheinungen ist und bleibt das Loch. Eigentlich ist ein Loch per Definition ja nichts. Obwohl eher: Nichts mit etwas drum herum. In diesem Fall einem Oberschenkel. Einem ziemlich teuren und nicht weniger begabten Oberschenkel. Und dennoch meint man ja nicht, wie ein Loch – also mit anderen Worten nichts – einen ganzen Sommer krimireif füllen kann.

Angefangen hat das Thema ja schon vor der WM. Da nannte man es von Seiten der Holländer absichtlich noch nicht „Loch“, denn sonst hätte Robben gar nicht bei der WM gespielt und demnach auch nicht anschließend das fußballerische Sommerloch bis heute recht umfangreich gefüllt. Aber seit heute wissen wir: Auch damals war es schon ein Loch! Also nichts. Naja, lassen wir das.

Denn es ist natürlich schon etwas, wenn der mit Abstand beste Spieler der vergangenen Saison um die drei Monate ausfällt, dann erst langsam reinkommen muss und innerhalb dieser Pause auch wieder die Grundlagen verliert, die er in seinem speziellen Aufbautraining in Zusammenarbeit mit unseren Ärzten erarbeitet hatte und die ihn letzte Saison so stark gemacht hatten. Und wenn es stimmt, was Karl-Heinz Rummenigge heute sagte, nämlich dass das Loch schon vor der WM erkennbar war, wie die nun vorliegenden Bilder der damaligen Untersuchungen beweisen, ja dann sind die beim holländischen Verband die personifizierten Löcher – Arschlöcher nämlich. Sie hätten damit vorsätzlich in Kauf genommen, dass wir hinterher den Mist ausbaden dürfen. Und sie hätten damit auch die gesamte Karriere von Arjen Robben vorsätzlich auf´s Spiel gesetzt. Das hätte auch ganz schnell richtig böse ausgehen können mit einer Verletzung, die ihn die Karriere kostet. Wenn sich das alles so bewahrheitet, dann ist es ein handfester Skandal was da mit Robben und um Robben herum bei der WM passiert ist.

Das interessiert mich viel mehr, als der Streit um´s Geld, welcher nun entbrannt ist. Es ist natürlich richtig vom FC Bayern, sich die Reparatur ihres „kaputten Autos in der Garage“ jetzt vom holländischen Verband bezahlen zu lassen. Und sich so ein bißchen mit der FIFA anlegen, wie es der FC Bayern nun tut, kann auch nie schaden, sonst pennen die Opis auf ihren Geldsäcken da ja ein. Aber das überlasse ich ganz unserer Kampftruppe rund um Killer-Kalle. Da darf er sich meinetwegen mal richtig austoben.

Aber letztendlich interessiert mich jetzt so langsam mal wieder vor allem auf´n Platz. Ich hab genug gehört von Löchern in Oberschenkeln, oder davon, wie toll Louis van Gaal das deutsche Fleisch findet. Mich dürstet es nach Fußball und nach Themen, die die Menschheit wirklich bewegen. „Wer will diesen FC Bayern stoppen?“ oder „Nach bestem Saisonstart aller Zeiten: Bayern schon im Winter sicher Meister?“ zum Beispiel. Gott sei Dank geht das nächste Woche wieder los. Spätestens wenn Lothar Matthäus nicht mehr täglich in den Medien ist, weiß man, jetzt rollt die Kugel wieder. Zeit wird´s! Und hoffentlich – ehe wir uns versehen – reden wir dann in einiger Zeit auch wieder nur noch von Löchern in Zusammenhang mit Arjen Robben, wenn er diese in gegnerische Abwehrreihen reißt. In diesem Sinne: Mission Titelverteidigung kann beginnen!

© 2010 Traumtorschuetze

Mia san mia seit 1900 T-Shirt FC Bayern München Fanartikel

Offener Brief gegnerischer Fangruppen an Karl-Heinz Rummenigge

Chiggedi-check yourself before you wreck yourself… Bild: gholzer used under CC License

Ein ganz kleines bißchen peinlich für uns, aber vor allem sehr wahr, ist der folgende offene Brief einiger gegnerischer Fangruppen an Karl-Heinz Rummenigge als Reaktion auf die Pressemitteilung des FCB vom 13.01.10 mit dem damaligen Titel „Respekt und Toleranz für Gegner und Fans“ (der Mingablog berichtete) Somit äußern sich diejenigen direkt, für die diese von Rummenigge ins Leben gerufene Aktion angeblich gemacht war – und zeigen die vollkommene Absurdität dessen sehr schön auf.

Nicht dass Karl-Heinz Rummenigge das groß interessieren wird, die Zielgruppe seiner so toleranten Geistesblitze sind eh andere als die wahren Fans. Euch aber möchte ich diese alles andere als unklugen Zeilen nicht vorenthalten:

Respekt und Toleranz in München? Ein offener Brief an Karl-Heinz Rummenigge

Lieber Karl-Heinz Rummenigge,

mit Erstaunen, wenn nicht gar Fassungslosigkeit, haben wir die Hausmitteilung des FC Bayern München zum Thema Respekt und Toleranz zur Kenntnis genommen und uns die diversen Presseberichte dazu durchgelesen sowie den Bericht von TV München angesehen.

Tenor des Ganzen: Der FC Bayern München tritt für Respekt und Toleranz gegenüber dem Gegner und seinen Fans ein. Deshalb dürfen die Gegner ab sofort ihre Schwenkfahnen auf dem Rasen der Versicherungsunternehmen-Arena wedeln. Außerdem wird es weitere, nicht näher beschriebene Aktionen geben, die mit den Fanclubverantwortlichen abgestimmt sind. Das alles bezeichneten Sie, Karl-Heinz Rummenigge, als Fanprojekt.

Verehrter Karl-Heinz Rummenigge,
wir möchten nicht dreist erscheinen, wenn wir Sie fragen, ob das jetzt Ihr Ernst war. Denn München – egal ob ein Spiel beim FCB oder dem TSV 1860 – gilt für Fußballfans seit jeher als eine Auswärtsfahrt, die bestimmt ist von Polizei- und Ordnerschikane, Choreographieverboten und Restriktionen jedweder Art. Und Sie wollen der Welt allen Ernstes glauben machen, dass Ihre Fahnenidee, die Sie beinahe anmaßend als Fanprojekt bezeichnen, ein Zeichen von Respekt und Toleranz ist? Wir können nicht fassen, wie Sie dies behaupten können. Das liegt übrigens nicht daran, dass sich für populistische Äußerungen in der Vergangenheit Uli Hoeneß verantwortlich zeichnete, sondern ganz einfach daran, dass Sie offenbaren, keinerlei Ahnung zu haben, was Fans eigentlich wollen.

Auswärtige Fans wollen nicht pauschal von der Münchner Polizei und dem dazugehörigen USK wie Schwerverbrecher behandelt werden. Sie wollen ihre Fahnen in uneingeschränkter Größe IN ihrem Block schwenken und nicht auf dem Spielfeld. Sie wollen Choreographien mit Materialien ihrer Wahl durchführen, ihr Bier und ihre Stadionwurst mit Bargeld kaufen und diese IM Block anstatt davor verzehren, um auch etwas vom Spiel mit zu bekommen. Sie wollen ein Megaphon zur Koordination ihrer Unterstützung erlaubt bekommen anstatt sich von der Münchner Polizei anhören zu müssen, dass der Einsatz eines Megaphons sicherheitsgefährdend sei.

Anders ausgedrückt: auswärtige Fans möchten die Mindeststandards, die in fast allen Bundesligastadien herrschen, auch in München, dem selbst ernannten Vorreiter in Sachen Respekt und Toleranz, vorfinden.

Respekt und Toleranz sollten Sie vielleicht auch Ihren eigenen Fans entgegenbringen. In München werden die eigenen Fangruppen pauschal für Taten Einzelner abgestraft, Stadionverbote für Banalitäten verhängt und auch schon mal auf Mitgliederversammlungen die Fans vom eigenen Manager als I***ten hingestellt. Und Sie, Karl-Heinz-Rummenigge, wollen der Öffentlichkeit etwas von Respekt und Toleranz erzählen? Wenn Sie und Ihre Kollegen Respekt vor Ihren eigenen Fans hätten, dann würden Sie ihnen nicht zumuten, dass Anhänger des Gegners „ihren“ heiligen Rasen betreten!

Mit sportlichem Gruß, nehmen Sie es uns nicht übel,

Aachen Ultras
Chosen Few Hamburg 1999
Ultras Hannover
Dachverband der aktiven Fanclubs des 1.FC Köln
Supporters Crew Freiburg e.V.
Wilde Jungs Freiburg
Weekend Brothers Wolfsburg
THE UNITY – Supporters Dortmund e.V.
Harlekins Berlin ‘98
Horda Azzuro Ultras Jena
Horidos 1000 Fürth
Violet Crew Osnabrück
Generation Luzifer 1998 Kaiserslautern
Pfalz Inferno Kaiserslautern
Frenetic Youth Kaiserslautern
Ultraszene Mainz 01
Ultrá 1894 Karlsruhe
Fialova Sbor Aue
Cattiva Brunsviga

P.S.: Fanprojekte sind im Übrigen öffentliche Einrichtungen, die von Sozialpädagogen betreut werden und sich präventiv mit jungen Fans beschäftigen. Sie sind weit entfernt von unausgegorenen Ideen hoher Herren, die sich dafür auch noch in der Öffentlichkeit feiern lassen wollen. Ein solches sozialpädagogisches Fanprojekt arbeitet auch seit Jahren erfolgreich in München. Das aber wirklich nur am Rande und postscriptum.

© 2010 Traumtorschuetze

Neu im Mingashop: Südkurve München – Herzblut seit 72
Südkurve München - Herzblut seit 72 FC Bayern München Fanartikel Südkurve München - Herzblut seit 72 Rückseite FC Bayern München Fanartikel

Rummenigge penetriert meinen Sinn für Ästhetik

Ich überlege die ganze Zeit, mit welchen Worten ich Rummenigge bloßstellen kann. Kennt ihr das, wenn jemand ein so tiefes Niveau ansetzt, dass es fast unmöglich ist, sich standesgemäß über ihn lustig zu machen? Das Gedicht vom kleinen Karl-Heinz an Papa Franz gehört definitiv dazu. Selbst wenn man sich vornehmen würde das schlechteste Gedicht aller Zeiten zu schreiben, selbst dann könnte man es eigentlich nicht so dermaßen grottig hinbekommen. Da ist echt keiner mehr für zuständig, außer vielleicht Knecht Ruprecht oder die Männer in weiß mit den engen Westen.

Als alter Hip Hopper mit elementarer Freude an Sprache und ihren grenzenlosen Möglichkeiten kann ich nur sagen: Shut the fuck up, bitch! Du penetrierst meinen Sinn für Ästhetik in höchstem Maße. Ich fühl mich vergewaltigt, ich geh erstmal duschen.

© 2009 Traumtorschuetze

Neu im Mingashop: Bandanas
München Bandana FC Bayern München Fanartikel Euer Hass ist unser Stolz Bandana FC Bayern München Fanartikel Südkurve München Bandana FC Bayern München Fanartikel

Hamit spricht, Philipp führt an, Uli ist stolz und die Telekom freut sich

Bild: Michael Pries used under CC License

„Ich bin dankbar, hier spielen zu dürfen. Nach dem FC Bayern gibt es weltweit nicht mehr viel. Meine Konzentration ist voll darauf ausgerichtet, wieder besser zu spielen und als Mannschaft Erfolg zu haben. Es beschäftigt mich wirklich extrem, dass wir nur Achter sind – da mache ich mir über den Vertrag keine Gedanken.“

Hamit Altintop im tz-Interview

Vom feinsten, Hamit! So möchte man doch seine Spieler hören. Mit Stolz auf den Verein, mannschaftsdienlich und zielorientiert. Welch ein wohltuendes Interview nach all dem Terz der letzten Wochen. Dass er ganz schön schleimt um wieder in die Mannschaft zu kommen, sehe ich ihm deswegen dabei freimütig nach.

Unterdessen hat Jogi Löw Philipp Lahm auserwählt, die Deutsche Nationalmannschaft beim morgigen Test gegen die Elfenbeinküste als Kapitän auf´s Feld zu führen. Ich kann mir nicht helfen, irgendwie schmeckt das Ganze wieder nach einem kleinen Wink mit dem Zaunpfahl in Richtung München. Vielleicht bin ich zu feinfühlig, aber die ein oder andere Spitze lese ich aus den Aussagen aller Beteiligten durchaus raus. Auch bei Philipp. Zwischen den Zeilen klingt das gar nicht so gut für mich. Aber ich will auch nicht zu viel hineininterpretieren. Dass er nicht begeistert ist nach den Tumulten der letzten Tage um ihn und den Vorstand ist ja nicht sonderlich verwunderlich. Ich hoffe nur, das Verhältnis ist nicht nachhaltig gestört.

Wer ist gemeint und wer sagt das?

„Ein idealer Partner und bedeutender Motor für die Realisierung völlig neuer Informations- und Unterhaltungsangebote für den Fußball insgesamt“

Richtig! Karl-Heinz Rummenigge über die Telekom. Der Sponsoring-Vertrag wurde bis 2013 verlängert. Um es auf den Punkt zu bringen: Wir kriegen genauso viel Geld wie bisher, dürfen aber viel mehr leisten. Das erstaunt auf den ersten Blick, man wähnt ja den FC Bayern immer in der besten Ausgangslage für solche Gespräche. In Zeiten der Wirtschaftskrise aber vielleicht auch irgendwie normal. Diese ganzen exklusiven Inhalte, welche Liga Total da mit uns plant und umgekehrt klingen allerdings irgendwie sehr nach Bravo TV. Ich hoffe das werden Sendungen, die sich hauptsächlich mit Fußball befassen und keine Propaganda-Shows, in denen den Spielern noch mehr Popstars-Images verliehen werden.

Zum Schluss noch ein putziges Video mit Uli Hoeneß, in dem er stolz wie Oskar durch sein „Wohnzimmer“ Allianz Arena führt. Ganz so glücklich sind natürlich nicht alle wie dort verzählt. Aber gut, dass er stolz ist kann man auch irgendwie nachvollziehen. Auch wenn er jetzt etwas verklärt wirkt wie in letzter Zeit öfter, irgendwann wird mal sein Denkmal vor diesem Stadion stehen, da bin ich mir auch sicher. Und das dann sicherlich insgesamt zurecht.

© 2009 Traumtorschuetze

15 % Novemberaktion im Mingashop FC Bayern München Fanartikel

Aufstand im Legoland – Die Wahrheit kostet 50.000 EUR

Alle Augen auf uns beim Aufstand im Legoland. Bild: markuschrysanth used under CC License

Wer sich schon immer mal gefragt hat, wie teuer eigentlich die Wahrheit ist, der hat ab heute einen Referenzpreis. Mindestens 50.000 EUR wird Philipp Lahm für sein SZ-Interview bezahlen müssen (Update: Inzwischen ist oft nur noch von 25.000 EUR die Rede. Man weiß es nicht). Ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, was die Wahrheit für Tumulte auslösen kann.

Aber ich will mal nicht zu süffisant werden, auch wenn die aktuellen Ereignisse meinem Hang zum Galgenhumor ziemlich in die Karten spielen. Das Bild, welches wir momentan abgeben ist schon mehr als peinlich. Natürlich kann man über den Stil und den Zeitpunkt streiten, in dem Lahm dieses Interview gegeben hat. Aber der Verein hat, egal was er macht, ein Problem: Philipp Lahm hat inhaltlich Recht. Und spricht auch noch aus Vereinssicht zu allem Überfluss einem überwältigenden Teil der Fans aus der Seele.

Bei weitem schlimmer als Stil und Zeitpunkt von Lahms Interview ist dann aber in meinen Augen die ebenso öffentliche Retourkutsche von Hoeneß mit seiner Bemerkung über Lahms Qualitäten als Rechtsverteidiger. Wie peinlich ist das denn? Da rüffelt man Lahm für eine Sache, die man im gleichen Atemzug selbst tut? Wir sind echt sehr weit unten angekommen. Und warum zum Henker spielt der dann überhaupt die ganze Zeit rechts? Gott, wirkt das hilflos!

Uli Hoeneß so unsouverän zu sehen tut wirklich weh. Ich erkenne den Mann, den ich so schätzen gelernt habe in der Vergangenheit, einfach nicht wieder. In meinen Augen hat er mitlerweile völlig sein Gespür verloren. Früher hatte der Mann die Instinkte für die richtigen Worte in der richtigen Situation zum genau richtigen Zeitpunkt. Die Erde bebte wenn dieser Mann sprach.

Heute ist da irgendwas auf dem Weg der letzten Jahre verloren gegangen. Das ist eins der schmerzhaften Tribute, den wir für unsere Vereinspolitik in letzter Zeit bezahlen müssen. Alles ist größer, schöner, teurer geworden. Der Verein wollte immer alles und das viel zu schnell. Das spiegelt sich in den Problemen mit dem Stadion wieder, in der Erwartungshaltung der Fans, in den Transferausgaben, in Struktur und Gehaltsgefüge der Mannschaft, in eigentlich allen Bereichen des Vereins. Und eben auch in Uli Hoeneß. Und das kommt davon wenn ein eigentlich so geerdeter Mann die ganze Zeit mit Luftschlössern zu tun hat, wie sie ein Karl-Heinz Rummenigge pflegt zu bauen.

Ein Bremer Kollege hat es in seiner Sicht als Fischkopp leider recht treffend ausgedrückt:

„Dinosaurier gleich setzt euer Vorstand auf die Macht des Geldes, ohne zu erkennen, dass moderner Fußball heute aus der Formung funktionierender Teams besteht. Ihr fahrt gerade stur in eurem Maybach mit Chauffeur 130 auf der linken Spur und werdet auf der Standspur mit 150 von einem Lada Niva überholt. Euer Navigationssystem heißt Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge hat es programmiert.“

Sicher etwas polemisch, aber die Grenzen zur Polemik sind bei Metaphern halt immer verschwimmend. Aber im Prinzip trifft es das schon gut. Und ich behaupte, die in allen Bereichen immer größer werdenden Dimensionen gehen eigentlich gegen Hoeneß Natur. Und sie haben ihn dementsprechend verändert. Aber das ist keine Entschuldigung, eher im Gegenteil. Es ist egal, ob bzw. wohl dass Karl-Heinz Rummenigge diese Dinge ursprünglich bei uns kultiviert hat, Uli Hoeneß hat sich mitreißen lassen und dabei seinen Instinkt verloren. Dafür ist er letztendlich ganz alleine verantwortlich.

Und so sind wir unter anderem als Folge aktuell an einem ziemlichen Tiefpunkt angekommen. Dass es sportlich nicht ganz rund läuft ist unschön. Aber wenn sich Spieler und Vorstand öffentlich bekriegen, dann ist das nicht der FC Hollywood, sondern der FC Afghanistan.

Dennoch schwingt bei mir ein bißchen mehr Hoffnung als Sorge mit, denn die Debatte ist durch Philipp Lahm auf alle Fälle in eine sehr richtige Richtung angestoßen worden. Das habe ich dem vorher immer so aalglatten Lahm echt nicht zugetraut. Jedenfalls wird sich auch der Vorstand dem nicht entziehen können. Wenn ich all die Umfragen sehe, ob Lahm mit seinen Aussagen Recht hat und zwischen 80 und 90 % bei ihm sind, da kann der Verein Geldstrafen aussprechen bis er schwarz wird, die öffentliche Debatte wird sich verselbstständigen. Noch mehr als jetzt. Und das kurz vor der Jahreshauptversammlung. Es liegt richtig Ärger in der Luft. Und die Hoffnung auf ein reinigendes anstelle eines vernichtenden Gewitters stirbt ja zuletzt. Um schlimmeres zu verhindern, kann ich mich an die Adresse des Vorstands gerichtet nur dem Resümee dieses guten Zeit-Kommentars anschließen. Alle wären gut beraten, sich inhaltlich mit den Äußerungen Lahms auseinanderzusetzen.

Fußball gespielt haben wir gestern natürlich auch noch. Keine besonderen Vorkommnisse, alles wie immer. Ganz gut gespielt, etwas Pech und einiges an Unvermögen vorne, langsam wird´s langweilig. Aber der Wille war zumindest da, so hatte man den Eindruck. Traurig, aber das ist ja schon eine Steigerung im Gegensatz zum Bordeaux Spiel.

Update: Sehr empfehlenswerter Kommentar zu Lahm vs Vorstand bei Spiegel Online. Zitat:

Seit Samstag wissen wir, dass es sich bei dem kleinen Mann um eine Persönlichkeit handelt, der ungeachtet persönlicher Konsequenzen das Wohl seines Vereins am Herzen liegt.

© 2009 Traumtorschuetze

Mia san mia Pullover FC Bayern München Fanartikel

%d Bloggern gefällt das: