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Klischee Massaker

Facepalm

Typische Handbewegung eines Bayernfans, wenn über den FCB berichtet wird. Text: Marco Thielsch

Habt ihr gewusst, dass Carlo Ancelotti gutes Essen liebt und Pep Guardiola wenig Wert auf die Defensive legt? Ihr hörtet davon. Wahrscheinlich tausendfach in den letzten Wochen und Monaten. Auch wenn es eigentlich keiner Erwähnung bedarf, dass ein Italiener das gute Leben genießt. Und auch wenn es mehr über die eigene Fachkenntnis, als über die defensive Kompetenz von Pep Guardiola aussagt, so etwas im Angesicht des letzte Saison frisch aufgestellten Rekordes der wenigsten Gegentore aller Zeiten in der Bundesliga zu behaupten. Die Berichterstattung über unseren FC Bayern München ist eigentlich nur noch ein ständiges auf- und zuschieben von den immer gleichen Schubladen.

Am Beispiel Pep vs Carlo kann man das sehr gut festmachen. Monatelang wurde bezüglich Guardiola gebetsmühlenartig landauf, landab der gleiche Schwachsinn rezitiert. Er überfordert die Spieler, Weitschüsse sind verboten, er trainiert falsch und so weiter. Alles unrichtig und unhaltbar. Alles dennoch unzählige Male von unzähligen Protagonisten gehört. Lange habe ich gerätselt, wie das sein kann. Schließlich machen diejenigen von denen sowas kommt – Kommentatoren, TV-Experten, Redakteure, schreibende Journalisten – den ganzen Tag nichts anderes als sich mit Fußball zu beschäftigen. Irgendwann hatte ich allerdings keine Lust mehr herauszufiltern, wer diesen Blödsinn gerade aus reiner Aufmerksamkeitsgier, wer es aus einer Art persönlichen Feldzuges und wer es aus reiner Ignoranz und Faulheit nachzudenken sagt und schreibt. Alles einzeln zu widerlegen hat irgendwann auch keinen Spaß mehr gemacht. Und so wird aus Klischees am Ende ein allgemeiner Tenor. Und aus einem allgemeinen Tenor ein kollektives Gedächnis. In dem aus einem der genialsten Trainer aller Zeiten ein Eigenbrödler und Sonderling wird, der ja nie so richtig gepasst hat. Allen Zahlen, Fakten und Erfolgen zum Trotz.

Aber jetzt haben wir ja Carlo. Ein Lebemann, ein Kuschelbär, jemand mit dem sich jung und alt auf ein Stück Parmaschinken zum Plausch treffen und für den ein Zlatan und ein Ronaldo sterben möchten. So bekommen wir es eingehämmert. Und schon wieder Vereinfachungen wohin das Auge blickt und das Ohr hört. Ancelotti ist ein cooler Typ, das ist doch keine Frage. Aber es ist nicht weniger anstrengend ständig und überall positiv behaftete Klischees über Carlo zu hören und zu lesen, als es anstrengend war dies mit negativ behafteten über Pep zu tun. Immerhin ist es nun erstmal positiv, was um Carlo gesponnen wird. Das wird uns zumindest ein bißchen mehr Ruhe verschaffen als es zuletzt der Fall war. Auch wenn weder das eine, noch das andere logisch begründbar war und ist.

Am Mittwoch treffen die beiden im direkten Duell aufeinander. Es wird wieder eine Menge Zlatan zitiert werden und am Ende werden wir alle mit Carlo kuscheln und Pep ein Hausmittelchen gegen Hyperaktivität empfehlen wollen. Man wird damit menschlich und fachlich weder Ancelotti, noch Guardiola, noch sich selbst als Sportberichterstatter gerecht, wenn man wieder in diese altbekannten und durchgekauten Hörner bläst. Jeder weiß das oder sollte es zumindest wissen. Die Uhr danach stellen dass es passieren wird können wir alle trotzdem.

Ein Schuss. Ein Tor. DIE BAYERN!

 

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Mit allem was wir haben auf nach Lissabon

Titelbild lasst die Bestie raus

Text: Marco Thielsch

Servus ihr Roten!

„FC Bayern stürmt das Olimpico“ – So titelte der Kicker am 8.12.2009, nachdem unsere Männer nach Jahren internationaler Abstinenz von den ganz großen Fleischtöpfen im entscheidenden Vorrundenspiel um den Achtelfinaleinzug in der Champions League Juventus Turin im eigenen Stadion mit 4:1 besiegten. Wenn ich auf die letzten fünf Jahre zurück blicke, denke ich oft an dieses Spiel und ich kann mich in meine damalige Gefühlswelt sehr gut zurück versetzen. Es war noch nicht lange her, da führte uns der FC Barcelona am Nasenring durch das Stadion. Ein Spiel, welches sinnbildlich dafür stand, wie weit wir von der internationalen Spitze entfernt waren. Ich sehe unseren wackeren Kapitän Mark van Bommel noch heute flehend mit den Armen rudernd vor mir und es brach mir das Herz zu sehen, wie unsere Jungs zweifellos wollten, aber es einfach keine Möglichkeit gab irgendwie in auch nur einen richtigen Zweikampf zu kommen. Es war das chancenloseste Spiel des FCB, das ich jemals gesehen hatte. Als würden wir Fußball aus einem anderen Jahrhundert spielen. Und so war es ja auch mit einem schwäbischen Bäcker an der Seitenlinie, der außer pseudoesotherischen Zenober und „wenn er auf Klo geht, gehst du mit“ keine weiteren taktischen Finessen kannte. Und dann kam diese magische Dezembernacht in Turin. Aus heutiger Sicht die Geburtsstunde einer Jahrhundertmannschaft. Erstmals bezwangen wir wieder mal einen (damals) großen Gegner in einem entscheidenden Spiel. Und zwar mit einem taktischen Plan. Wie hatte man sich als Roter danach gesehnt!

4 1/2 Jahre und drei Champions League Endspiele später stehen wir kurz vor dem Erreichen des vierten Finals der Königsklasse in fünf Jahren. Aber wenn man den Fernseher anstellt, die Zeitung aufschlägt oder sich dem Wahnsinn der sozialen Netzwerke hingibt, sind viele die es mit unserem FCB halten vorsichtig gesagt unzufrieden. Und viele Medien und „Experten“ scheinen nach 1 1/2 Jahren ohne der Möglichkeit sportlicher Kritik geradezu ausgehungert endlich mal wieder den Dampfhammer rausholen zu können. Und so entstehen zig Diskussionen hier, unzählige Meinungen da, und überall hat man unter dem Strich das Gefühl, wir können nichts gewinnen, aber alles verlieren, wenn am Dienstag Real Madrid kommt.

Das ist ein Trugschluss. Das was wir uns in den letzten fünf Jahren aufgebaut haben, was diese Mannschaft geleistet hat, was sie uns an Willen und fantastischen Augenblicken beschert hat, das alles ist so viel größer als all die Zweifel, all die Diskussionen um personelle oder taktische Entscheidungen des Trainers und auch so viel größer als all diejenigen, die davon leben dem FCB Krisen anzudichten, oder neunmalkluge Ratschläge zu erteilen.

Wenn am Dienstag also Real Madrid zu uns kommt, haben wir alles zu gewinnen und nichts zu verlieren. So rum wird ein Schuh draus. Die wissen Gott sei Dank nicht, was hierzulande für sinnlose Diskussionen geführt werden. Die wissen nur, dass wir jederzeit in der Lage dazu sind über 90 Minuten im eigenen Stadion einen 0:1 Rückstand zu drehen. Sie wissen durch die Leistungen unserer Jungs in den letzten Jahren, wozu diese im Stande sind. Sie wissen um ihre Bilanz gegen uns. Dazu ihre Obsession für La Decima, die wenn es in dem Spiel knapp werden sollte auch ganz schnell in Lähmung umschlagen kann. Das entsetzte Gesicht Ronaldos in der Schlussphase in Dortmund und die Spielweise seiner Kollegen kann da denk ich durchaus als Beleg dienen.

Wir dagegen haben 1000 Gründe uns auf dieses erneute europäische Highlight zu freuen und wenige bis keine, uns übertriebene Sorgen zu machen. Was auch immer am Dienstag unter dem Strich steht, unsere Jungs sind und bleiben unsterblich. Was allerdings nicht bedeutet, dass wir dem Gegner auch nur einen Zentimeter Boden freiwillig überlassen werden. Ganz im Gegenteil, die Jungs werden alles reinwerfen und wir werden ihnen bis zum letzten Atemzug mit brennenden Herzen folgen. Es wird Europapokal pur werden mit dem Spannungsbogen kurz vor Herzinfarkt. Pack ma´s ihr Roten! MIT ALLEM WAS WIR HABEN AUF NACH LISSABON!

München ich geb mein Herz für dich

Große Gefühle und Abwehrkräfte im Eisschrank – Der FC Bayern München vor dem Spiel beim HSV

Fußball für echte Männer!

Bild: Ha! Designs – Artbyheather used under CC License  /  Text Marco Thielsch

Gemütliche -10 Grad sind für morgen Abend in Hamburg angesagt. Die gefühlte Temperatur soll bei -13 Grad liegen. Und auch wenn ich gefühlte Temperaturen für ungefähr so sinnvoll halte, wie beispielsweise gefühlte Siege, oder den von manchen gefühlt besten Torwart der Welt im Tor zu haben, eines steht in jedem Fall fest: Es wird arschkalt! Bedingungen also, für die man echte Männer auf einem Fußballplatz braucht. Gefühlt war das bei unseren Jungs in jüngster Vergangenheit nicht immer der Fall, sonst hätten wir eventuell vielleicht mal das ein oder andere Spitzenspiel, in dem es um alles ging, für uns entschieden. Gott sei Dank ist das Spiel gegen den HSV kein solches, sondern eines gegen einen gefühlten Abstiegskandidaten. Aber wie das so ist mit den Gefühlen, manchmal trügen sie einen.

Gerade bei solch kalten Bedingungen ist es natürlich umso ärgerlicher, dass unsere Abwehrkräfte ein wenig dezimiert daherkommen. Zwangsläufig wird Jupp die Viererkette wieder umstellen müssen, welche zuletzt sowieso schon nicht wirklich große Sichereit ausstrahlte. Immerhin ist die erste Alternative unser ukrainische T-44 Panzer Tymoshchuk, der zumindest mit den äußeren Bedingungen gut zurecht kommen sollte. Viele rechnen damit, dass Tymo in die Innenverteidigung und Boateng wieder nach außen rücken wird. Im Abschlusstraining hat aber wohl Tymo die Position des rechten Verteidigers eingenommen. Man darf also gespannt sein, mit welchen Abwehrkräften Jupp uns vor der Gegentor-Krankheit bewahren möchte.

Noch wichtiger, als die personelle Zusammenstellung der Viererkette, dürfte ein nochmals verbessertes Offensivspiel unserer Mannen sein. Das altbekannte Ballgeschiebe im Nirvana rund um die Mittellinie mit anschließendem Ballverlust und viel zu weit aufgerückten Außenverteidigern bringt unsere Defensive in jedem Fall in Schwierigkeiten, egal wie sie personell zusammengestellt ist. An der Stelle muss der Hebel angesetzt werden, wir müssen vorne wieder schneller ins Tempo kommen. Und wenn wir den Ball verlieren, dann wenigstens nur in der Gefahrenzone rund um den Strafraum des Gegners und nicht in einem Bereich, der es unseren Spielern nahezu unmöglich macht rechtzeitig hinter den Ball zu kommen. So sind dann auch wieder schnellere Balleroberungen nach Ballverlusten möglich und das Umschaltspiel des Gegners wird im Keim erstickt. Das Ergebnis wäre Dauerdruck und daraus resultierend auch wieder mehr Torchancen.

Soweit die graue Theorie. Gefühlt habe ich ein gutes Gefühl, dass uns am Samstag Abend die Praxis nicht nur gefühlt gelingen wird. Auf geht´s Bayern, kämpfen und siegen!

Auf geht´s Bayern, kämpfen und siegen Hoodie FC Bayern München Fanartikel

Kleiner rot-weisser Rückblick und Ausblick und die Kalenderjahr-Tabelle 2011

Der Himmel über Deutschland leuchtet rot!

Bild: Wildfeuer used under CC License  / Text: Marco Thielsch

Servus Freunde! Das Jahr 2011 zappelt zwar noch ein bißchen, aber ist so gut wie erledigt. Wäre dies hier ein vollständiger Jahresrückblick, so müsste ich alleine bei der Abarbeitung der Vorkommnisse im Frühjahr rund um Manuel Neuer mindestens einen Roman verfassen. Er würde von Liebe handeln, von Wut, von Verrat. Er würde handeln von Geld und Macht, und was diese aus den Menschen machen. Er würde handeln von großer Politik, von Manipulation und Propaganda. Aber er würde auch von Zusammenhalt und Größe handeln. Dieser Roman hätte alles, was große Weltliteratur ausmacht. Und wahrscheinlich würde er den kurzen, aber unerschütterlichen Titel tragen: Nur der FCB!

Doch leider bin ich kein Schriftsteller, sondern nur ein bescheidener tief rot gefärbter Fußballpoet, mit dem die Emotionen zu schnell Gassi gehen würden, als das ein strukturierter Text dabei heraus kommen könnte. Fakt ist dennoch: Die Ereignisse haben bei vielen tiefe Wunden gerissen und bei manchem zu echten Sinnkrisen geführt. Dabei geht es weniger um den weltschlausten Torhüter selbst, als viel mehr um die Klufft zwischen Vereinsführung und Basis. Auch wenn es in den letzten Monaten ruhig um das Thema geworden ist, sollte man nicht denken, die Sache wäre ge- oder vergessen. Zu viele haben damit noch zu kämpfen.

Sportlich war es natürlich ein titelloses, aber alles andere als ein schlechtes Jahr. Eine Kalenderjahr-Tabelle macht natürlich Dortmunds Briefkopf nicht schlanker und unseren auch nicht größer. Aber sie sagt doch einiges darüber aus, dass wir uns sehr wohl auf einem sehr guten Weg befinden. Nimmt man das gesamte Jahr 2011 zusammen, ergibt sich folgendes Bild:

Tore / Gegentore / Punkte

Bayern München             93              30                 73
Borussia Dortmund        63              24                 66
Bayer Leverkusen           51              41                  61
Mönchengladbach          47             29                  59
VfB Stuttgart                     51              44                  52
Hannover 96                     44             42                  52
Schalke                                51              42                  52
Werder Bremen               54              57                  51
1.FC Köln                            56              64                  50
1. FC Nürnberg                42              45                  43
Mainz 05                            44              49                  43
Kaiserslautern                 34              45                  41
HSV                                      40              51                  40
Hoffenheim                       37             47                  40
Wolfsburg                          42             47                  39
Freiburg                             37             64                  29
Hertha Berlin                   24              26                  20
FC Augsburg                    15              28                   15
St Pauli                               19              38                   12
Eintracht Frankfurt        7              28                     8

Dazu kommen:

DFB Pokal im Kalenderjahr 2011
15-2 Tore / 4 Siege / 1 Niederlage

Champions League im Kalenderjahr 2011
17-9 Tore / 7 Siege / 1 Unentschieden / 2 Niederlagen

Insgesamt:

49 Pflichtspiele (34 Siege – 5 Unentschieden – 10 Niederlagen)
125 Tore
41 Gegentore
107 Punkte

Das liest sich nicht schlecht Freunde! Dass dabei kein Titel herausgesprungen ist, lag natürlich an der grottigen Hinrunde der Saison 2010/2011. Was das betrifft haben wir für diese Saison schon mal sehr vieles richtiger gemacht. Das Jahr 2012 wird mit Sicherheit ein gutes, vielleicht sogar ein grandioses. Die Meisterschaft ist mehr als realistisch, mit ein bißchen Glück der DFB-Pokal bei der verbliebenen Konkurrenz sicher auch. Und diesen wahnsinnigen Traum von der Champions League, den träumt man natürlich jedes Jahr. Aber vielleicht träumt man bei einem Finale im eigenen Stadion dann doch noch ein paar Prozentpunkte mehr. Je näher man dieser Geschichte käme, wahrscheinlich desto hemmungsloser. Wobei es eigentlich ja völlig wurscht ist, in welchem Stadion man den Henkelpott in die Höhe reckt.

Eine Zahl in der Kalenderjahr-Tabelle sticht mir noch besonders ins Auge, nämlich die der geschossenen Tore im Vergleich zum BVB. Dieser wurde ja praktisch zum Erfinder des Offensivspektakels erhoben im vergangenen Jahr, schoss aber ganze 30 Tore weniger als wir. Das ist umgerechnet ungefähr ein Mario Gomez. Oder übersetzt: Mit Gold nicht aufzuwiegen.

Alles in allem bleibt eines Fakt: Um uns als Nonplusultra des deutschen Fußballs abzulösen bedarf es um einiges mehr, als aus unserer temporären Schwäche heraus zufällig mal Meister zu werden. Dennoch ist der BVB ein anderer Zufallsmeister, als es Wolfsburg oder Stuttgart waren. Dortmund wird uns auch im Kalenderjahr 2012 noch beschäftigen. Aber die sollen ruhig kommen, wir sind prima aufgestellt. Für mich spricht wenig bis nichts dagegen, dass wir sie dominieren werden. Und sozial wie wir sind geben wir ihnen dabei unter der Woche sogar noch kostenlosen Nachhilfeunterricht, wie man sich gekonnt auf internationalem Parkett bewegt.

Es gibt vieles, auf das wir uns in 2012 freuen können. Rutscht gut rein Freunde! Nächstes Jahr sehen wir uns in alter Frische und mit dem alten nie endenem Hunger. MUNICH STATE OF MIND – NUR DER FCB!

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Zusammenreißen, das ist unser Ziel

Alles sauber! Sagt die Putzfrau im „Hort der Glückseligkeit“ FCB und versteckt den Dreck hinter der Tapete.

Bild: eddiedangerous used under CC License  /  Text: Marco Thielsch

Einen „Hort der Glückseligkeit“ nannte Uli Hoeneß unseren FCB im Aktuellen Sportstudio. Abgesehen davon, dass mir da unweigerlich Bilder von in Blümchenkleidern gehüllte Präsidenten und Vorstandsvorsitzende in den Kopf schießen, die an der Säbener Strasse Hand in Hand mia san mia auf den Rasen tanzen, sowie noch abgesehener davon, dass er bei allen Querelen der letzten Monate mit den Fans diese Glückseligkeit ziemlich exklusiv verspürt, ist mir auf der anderen Seite der Medaille ein kleines bißchen zu viel Glückseligkeit im Spiel bei unserem momentanen FCB. Wir scheinen vor lauter Selbstverliebtheit das Kämpfen verlernt zu haben.

Wenn ich zwei Tage vor dem Spiel in Mainz ein Zitat von Philipp Lahm lese, der uns in den Sphären des FC Barcelona wähnt und wenn ich dann sehe, wie eben jener Philipp Lahm bisweilen anteilnahmslos über den Platz schleicht, dann stelle ich mir schon ein paar Fragen über den Realitätssinn unserer Mannschaft. Oder zumindest unseres Kapitäns. Es geht gar nicht darum, dass wir so wahnsinnig weit vom FC Barcelona weg sind, wir sind vielleicht sogar näher dran als je zuvor. Wenn man dann allerdings in ein Spiel wie gegen Dortmund, denen man nach der letzten Saison eigentlich vom reinen Selbstverständnis her hätte so richtig einen mitgeben müssen, oder in ein Spiel wie gegen Mainz, wo man nach der Niederlage gegen den BVB eigentlich vom reinen Selbstverständnis her doppelt so gallig hätte sein müssen, wenn man in solche Spiele mit weniger als 100 % geht, dann sollte man das Wort Barcelona vielleicht erstmal nicht zu laut in den Raum werfen. Und ich mag eigentlich keine Einzelkritik nach Spielen, in denen die ganze Mannschaft wie die Nachtwächter gespielt hat, aber eines muss doch immer und immer wieder gesagt werden: Philipp Lahm ist ein toller Außenverteidiger. Aber er ist so ziemlich der falscheste Kapitän. Er bekleidet das Amt wie ein Politiker, nicht wie ein Fußballer. Und auf dem Platz ist er kapitänsspezifisch absolut keine Hilfe für die Mannschaft.

Eigentlich müsste ich auch ein paar Worte zu Manuel Neuer verlieren. Nicht weil er, welch Überraschung, Fehler macht. Damit hat wohl jeder gerechnet, der sich von der Pro Neuer Propaganda nicht hat den Fußballsachverstand benebeln lassen. Ich ärgere mich auch nicht mehr oder weniger über Fehler von ihm, wenn sie uns Punkte kosten, nur um das von vornherein klarzustellen. Eigentlich unnötig das zu betonen, aber für die speziellen Experten, die jedem Neuer-Kritiker blinden Hass unterstellen, sei es dazu gesagt. Ich plädiere nur dafür, endlich mal Realismus und Wahrhaftigkeit in diese Personalie zu bringen. Man sollte mal offen und ehrlich sagen wie es ist: Man hat perspektivisch 25 Millionen für einen jungen Torwart ausgegeben. Der wird Fehler machen, die werden uns Punkte kosten, aber wir hoffen, dass seine Entwicklung so verläuft, dass er gegen Ende seiner Vertragslaufzeit den Wahnsinnspreis rechtfertigen kann. Uli sagte auf der Jahreshauptversammlung, jeder der immernoch glaubt, dass die Verpflichtung von Manuel Neuer ein Fehler war, der soll zu Hause bleiben. Ich sage, jeder der glaubt einen Torwart im Alter von Mitte 20 zum weltbesten, weltsympathischsten und weltschlausten Schnapper des Universums hochzustilisieren, gräbt sich damit selbst seine Grube. Uli Hoeneß hätte lernen können aus den Lobeshymnen, die er auf einen Rensing oder einen Kroos gesungen hat und die ihm fein säuberlich mit ganz scharfem Wind ins Gesicht zurückgepfiffen wurden. Er tut damit auch Neuer keinen Gefallen. Ich sage nicht, dass Neuer zwangsläufig zerbricht an diesem Druck, aber die Wahrscheinlichkeit ist durch diese unmenschlichen Attribute, die er von allen Seiten auferlegt bekommt, wahrlich um einiges höher, als wenn man ihn als den entwicklungsfähigen Torwart sehen würde, der er ist und nicht als den einzig wahren Messias. Mal von der fehlenden Identifikationmöglichkeit des Neuer und gegenüber Neuer abgesehen, wäre es äußerst wünschenswert, wenn wenigstens rein sportlich mal ein bißchen Wahrhaftigkeit in diese Personalie käme.

Aber jetzt habe ich mich doch viel zu lange mit diesen beiden einzelnen Personalien beschäftigt. Des Pudels Kern liegt natürlich woanders. Wir haben im Moment definitiv ein Einstellungsproblem. Und zwar die gesamte Mannschaft. Diese Galligkeit ist Grundvoraussetzung, um gegen Mannschaften wie Dortmund oder Mainz zu bestehen. Wir haben aber auch ein spielerisches Problem. Wir haben nicht umsonst mit Hannover, Dortmund und Mainz in den letzten Wochen gegen Mannschaften verloren, die von der Spielanlage her sehr ähnlich agieren. Hoch verteidigen, aggressiv pressen und blitzschnelles Umkehrspiel in der Offensive. Damit sind wir schon letzte Saison nicht klargekommen. Und bei aller Freude über den grandiosen Saisonstart, in diesem Punkt sind wir im Moment keinen Schritt weiter gekommen. Jupp wird sich da etwas einfallen lassen müssen und das wird nicht einfach. Früh ein Tor zu erzielen kann nicht der einzige Plan sein, den wir für solche Spiele haben. Und die Mannschaft muss sich zusammenreißen und mal wieder so richtig giftig in ein Spiel gehen. Mehr Motivation als gegen Dortmund, die uns letztes Jahr den Titel geklaut haben und mehr Motivation als gegen Mainz, wo es gerade nach der Pleite gegen Dortmund galt ein Zeichen an Fußballdeutschland zu senden, mehr Motivation wird kaum von außen her kommen. Die Jungs müssen von innen brennen. Genau das und nicht weniger erwarte ich in den letzten Spielen dieses Kalenderjahres auf dem Platz zu spüren. Also auf geht´s ihr Roten, aufstehen und Brust raus! Man kann verlieren, aber verschenkt werden darf jetzt gar nichts mehr.

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Alles geben, oder nichts verdienen – Der FC Bayern wenig FC Bayern like

Alles geben, oder nichts verdienen.

Bild: liborius used under CC License / Text: Marco Thielsch

Obwohl es ja bereits morgen schon weitergeht, wenn unsere Jungs gegen Villareal das vorzeitige Erreichen des Champions League Achtelfinals festtackern werden, will ich noch ein paar kurze Worte zum Spiel gegen Dortmund verlieren. Ohne mich in die Regengesichter einreihen zu wollen, von denen ich im letzten Artikel sprach, muss ich schon ehrlich sagen, ich bin auch zwei Tage und zwei Nächte später noch recht enttäuscht vom Auftreten unserer Mannschaft in diesem Spiel.

Natürlich hatten wir die Partie im Griff, was uns ja auch fast alle wichtigen Statistiken bescheinigen. Manch einer sieht das auch als große Steigerung im Vergleich zu den Duellen gegen Dortmund in der letzten Saison, wo wir in drei von vier Halbzeiten relativ deutlich unterlegen waren. Klar ist das eine Steigerung, aber so stabil wie wir diese Saison auftreten, ist diese Steigerung nicht mehr und nicht weniger, als man mindestens erwarten konnte. Aber das kann ja für so ein Spiel wie das vom Samstag nicht der Anspruch, sondern höchstens die Gott sei Dank mittlerweile gegebene Basis für viel mehr sein.

Ich hätte erwartet, dass der Stachel der letzten Saison deutlich tiefer sitzt in unserer Mannschaft. Ich hätte erwartet, dass man in diesem Spiel voll auf Sieg spielt, um auch psycholgisch ein Zeichen zu setzen und den Dortmundern zu zeigen, dass sie vielleicht mal ein grandioses Jahr haben können, sie aber dauerhaft niemals unsere alleinige Führungsrolle im deutschen Fußball antasten können. Ich hätte deswegen direkt von Beginn an höllischen Druck unserer Jungs auf die Dortmunder Abwehr erwartet. Mindestens 20 Minuten Dauerfeuer. Ich hätte verbissene Zweikämpfe um jeden Zentimeter erwartet, in denen man ruhig mal einen weghaut wie weiland ein Effenberg oder Jeremies in solchen Duellen um die Vorherrschaft im deutschen Fußball. Ich hätte Spieler auf dem Platz erwartet, die einem mal wieder grottenschlechten Gagelmann den Marsch blasen. Kurz: Ich hätte Aggressivität in jeder Szene und eine völlig dominante Körpersprache eines jeden erwartet.

Von all dem war wenig zu sehen. Taktisch war das schon alles okay und es war ein Spiel auf Augenhöhe und bla blub. Schon okay. Aber das kann ja unter den Vorzeichen vor diesem Spiel nicht alles sein. Man kann doch als FC Bayern München nicht ernsthaft in so eine Partie gehen und mit einem Unentschieden von Anfang an zufrieden sein. Das klang ja aus so einigen Aussagen nach dem Spiel von zum Beispiel unserem Kapitän (!) oder einem Nerlinger heraus. Tja, wenn schon der Kapitän mit einem Unentschieden in so einem Prestigeduell zufrieden ist, dann weißt du bescheid und weißt mehr, als du je wissen wolltest.

Die Mannschaft hat auf Unentschieden gespielt. Bloß nicht zu viel riskieren und bloß keinem weh tun. Gut okay, wir hatten fünf Punkte Vorsprung, aus taktischer Sicht vielleicht nachvollziehbar. Aus psychologischer Sicht in meinen Augen allerdings höchst fahrlässig. So haben die Dortmunder nämlich genau das Gegenteil von dem aus diesem Spiel gelernt, als sie es hätten sollen. Die nehmen mit, dass sie uns weh tun können. Nicht nur einmal. Nicht nur zweimal. Nicht aus Zufall, oder weil wir so schwach sind. Sondern immer. Ich behaupte, wir haben durch diese genügsame Spielweise ein viel größeres Monster in Form eines dauerhaften schwarz-gelben Konkurrenten geschaffen, als wir es mit der letzten Saison getan haben.  Das war dumm. Das war, um es mit den Worten von Karl-Heinz Rummenigge zu sagen, nicht FC Bayern like. Anspruchslosigkeit, wie wir sie am Samstag an den Tag gelegt haben, steht uns überhaupt nicht.

Weiter, immer weiter! FC Bayern München Fanartikel

Im Ivica-Olic-Modus ab nach Dortmund!

Hipp hipp hurra! Die rot-weißen Bomber sind da!

Text: Marco Thielsch   Bild: Mingashop

Ich sag´s wie es ist: Gegen Dortmund müssen drei Punkte her und nix anderes! Ich habe auf den letzten Drücker noch eine Karte bekommen und werde selbstverständlich an meine Leistungsgrenze gehen im Signal-Iduna-Park, davon darf schwer ausgegangen werden. Wenn unsere Jungs genauso brennen, mache ich mir keine Sorgen, dann werden wir die drei Punkte mitnehmen.

Die Personaldecke wird natürlich immer dünner und ihr habt sicherlich bereits vernommen, dass wir nur mit 17 Mann nach Dortmund gefahren sind. Gerade im offensiven Mittelfeld ist nach dem Ausfall von Hamit Altintop nichts mehr übrig von der Überangebot-Diskussion zu Beginn der Saison, da wird´s langsam dünne. Vielleicht beginnt ja Olic links im Mittelfeld, was ich mir gut vorstellen kann. Zumal van Gaal andeutete, dass Mario Gomez vielleicht in der Spitze eine Chance von Anfang an bekommen könnte. Schaun mer mal, was der Trainer aus dem Hut zaubert.

In jedem Fall wird das ein ganz enges Höschen gegen bissige Dortmunder, die uns nichts schenken werden. Aber gerade deswegen kann das Spiel ein Wendepunkt zum Positiven für unseren nicht ganz optimalen Saisonstart werden. Sich dort durchzusetzen würde ohne Zweifel den Kick geben, welchen die Mannschaft in den nächsten Wochen brauchen wird, um nicht weiter nur guten, sondern auch konstant erfolgreichen Fußball zu spielen. Ich für meinen Teil befinde mich bereits im absoluten Ivica-Olic-Modus. Auf geht´s ihr Roten! Kämpfen und siegen!!

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