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Klischee Massaker

Facepalm

Typische Handbewegung eines Bayernfans, wenn über den FCB berichtet wird. Text: Marco Thielsch

Habt ihr gewusst, dass Carlo Ancelotti gutes Essen liebt und Pep Guardiola wenig Wert auf die Defensive legt? Ihr hörtet davon. Wahrscheinlich tausendfach in den letzten Wochen und Monaten. Auch wenn es eigentlich keiner Erwähnung bedarf, dass ein Italiener das gute Leben genießt. Und auch wenn es mehr über die eigene Fachkenntnis, als über die defensive Kompetenz von Pep Guardiola aussagt, so etwas im Angesicht des letzte Saison frisch aufgestellten Rekordes der wenigsten Gegentore aller Zeiten in der Bundesliga zu behaupten. Die Berichterstattung über unseren FC Bayern München ist eigentlich nur noch ein ständiges auf- und zuschieben von den immer gleichen Schubladen.

Am Beispiel Pep vs Carlo kann man das sehr gut festmachen. Monatelang wurde bezüglich Guardiola gebetsmühlenartig landauf, landab der gleiche Schwachsinn rezitiert. Er überfordert die Spieler, Weitschüsse sind verboten, er trainiert falsch und so weiter. Alles unrichtig und unhaltbar. Alles dennoch unzählige Male von unzähligen Protagonisten gehört. Lange habe ich gerätselt, wie das sein kann. Schließlich machen diejenigen von denen sowas kommt – Kommentatoren, TV-Experten, Redakteure, schreibende Journalisten – den ganzen Tag nichts anderes als sich mit Fußball zu beschäftigen. Irgendwann hatte ich allerdings keine Lust mehr herauszufiltern, wer diesen Blödsinn gerade aus reiner Aufmerksamkeitsgier, wer es aus einer Art persönlichen Feldzuges und wer es aus reiner Ignoranz und Faulheit nachzudenken sagt und schreibt. Alles einzeln zu widerlegen hat irgendwann auch keinen Spaß mehr gemacht. Und so wird aus Klischees am Ende ein allgemeiner Tenor. Und aus einem allgemeinen Tenor ein kollektives Gedächnis. In dem aus einem der genialsten Trainer aller Zeiten ein Eigenbrödler und Sonderling wird, der ja nie so richtig gepasst hat. Allen Zahlen, Fakten und Erfolgen zum Trotz.

Aber jetzt haben wir ja Carlo. Ein Lebemann, ein Kuschelbär, jemand mit dem sich jung und alt auf ein Stück Parmaschinken zum Plausch treffen und für den ein Zlatan und ein Ronaldo sterben möchten. So bekommen wir es eingehämmert. Und schon wieder Vereinfachungen wohin das Auge blickt und das Ohr hört. Ancelotti ist ein cooler Typ, das ist doch keine Frage. Aber es ist nicht weniger anstrengend ständig und überall positiv behaftete Klischees über Carlo zu hören und zu lesen, als es anstrengend war dies mit negativ behafteten über Pep zu tun. Immerhin ist es nun erstmal positiv, was um Carlo gesponnen wird. Das wird uns zumindest ein bißchen mehr Ruhe verschaffen als es zuletzt der Fall war. Auch wenn weder das eine, noch das andere logisch begründbar war und ist.

Am Mittwoch treffen die beiden im direkten Duell aufeinander. Es wird wieder eine Menge Zlatan zitiert werden und am Ende werden wir alle mit Carlo kuscheln und Pep ein Hausmittelchen gegen Hyperaktivität empfehlen wollen. Man wird damit menschlich und fachlich weder Ancelotti, noch Guardiola, noch sich selbst als Sportberichterstatter gerecht, wenn man wieder in diese altbekannten und durchgekauten Hörner bläst. Jeder weiß das oder sollte es zumindest wissen. Die Uhr danach stellen dass es passieren wird können wir alle trotzdem.

Ein Schuss. Ein Tor. DIE BAYERN!

 

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Herzlich Willkommen Carlo Ancelotti

Ancelotti stencil

Servus Mister! Text: Marco Thielsch

Heute beginnt also wieder eine neue Ära bei unserem FC Bayern München. Wir freuen uns denke ich alle auf unsere mit den Neuzugängen nochmal stärkere und ohnehin schon großartige Mannschaft und sind gespannt, welche neuen Impulse Carlo Ancelotti den Jungs mitgibt. Die PK zu seiner Vorstellung verlief erst einmal wesentlich ruhiger und unaufgeregter als dies vor drei Jahren bei Pep Guardiola der Fall war. Weniger feuchte Unterhosen bei den Journalisten als damals und ein entspannter Trainer auf dem Podium, der halt bereits jedes erdenkliche Rodeo geritten ist, während Guardiola damals sichtlich positiv nervös war vor seiner zweiten Station als Trainer.

Inhaltlich war da nicht sehr viel rauszuholen aus Carlo. Das Telefonat mit Götze damals bleibt privat, der Kader ist toll, aber das Transferfenster ist noch sehr lange offen, spielerisch wird nicht so viel verändert und am wichtigsten ist ihm das Verhältnis mit seinen Spielern. Und natürlich viel Lob für den FC Bayern und seine Tradition und für die Arbeit seines Vorgängers, die er fortführen möchte. Vielleicht hätte man sich etwas konkretere Aussagen zu seinen Vorstellungen bezüglich seiner bevorzugten Spielweise und des Spielsystems wünschen können, welches er spielen lassen möchte. Ansonsten dienten aber schon die Fragen nicht dazu, wirklich konkrete Antworten zu bekommen.

Abgerundet wurde die Fragerunde mit dem letzten Wortbeitrag, der von Karlheinz Wild vom kicker stammte, welcher sich in seiner in jüngster Vergangenheit gewohnt folkloristischen Art bemüßigt und berechtigt fühlte, die Wünsche und Sehnsüchte des FC Bayern zu formulieren. Die natürlich ausschließlich aus dem Gewinn der Champions League bestehen. Dieser Wahnsinn geht also nahtlos weiter.

Ansonsten war Carlo Ancelotti ja von allen Seiten als Menschenfänger angekündigt. Abgesehen davon, dass ich dieses Wort nur in einem negativen Zusammenhang bei Sektenführern oder Populisten kannte, dies aber in Bezug auf Carlo merkwürdigerweise positiv gemeint war, bin ich persönlich nach der ersten Pressekonferenz noch nicht wirklich gefangen und in seinen Bann gezogen worden. Ich glaube das Charisma entfaltet sich bei ihm mehr auf den zweiten Blick. Aber das ist so oder so nur eine Randnotiz. Wichtig ist auf dem Platz und da werden wir zusammen mit dieser Mannschaft und sicherlich auch diesem Trainer sehr viel Spaß haben.

IMMER VORWÄRTS FCB!

München regiert

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