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Totengräber Sommermärchen

Der Letzte macht das Licht aus.

Bild: onnola used under CC License  /  Text: Heiko Nieft

Es ist schon irgendwie merkwürdig… Wieder wird es Herbst, und wieder mehren sich die Fragen ob sich der ganze Scheiß eigentlich noch lohnt. Dieses immer* ins Stadion gehen, dieses auswärts fahren, dieses Leiden bei Niederlagen, diese Unterstützung für alte Werte deren Sinn allmählich komplett flöten geht. Wieder wird es Herbst, und wieder steht die nächste Jahreshauptversammlung vor der Tür. Und Jahr für Jahr stellt sich einem die Frage: wie oft bin ich noch dabei? Wie oft lasse ich mich noch verarschen, in die Eier treten, für dumm verkaufen und öffentlich vorführen? Wie oft habe ich noch diesen gottverdammten Glauben daran das irgendwann einmal Schluß ist und die Leute merken welche Scheiße sie seit Jahren anstellen. Diese absolut hirnrissige Idee…

Manch einer mag sich jetzt fragen was denn überhaupt passiert sei. Daher als Erklärung für diejenigen die es ggf. noch nicht mitbekommen haben.
Vergangenen Freitag flatterte mir, und allen weiteren Jahreskartenbesitzern in 112/113, ein Schreiben des FC Bayern zu in dem uns erklärt wurde dass das mit der Überbelegung der Südkurve jetzt nun wirklich nicht mehr ginge, und man daher gezwungenermaßen (der Verein will das ja eigentlich gar nicht, agiert selbstverständlich nur in vorauseilendem Gehorsam) den Zutritt zu den Blöcken 112/113 bei CL-Spielen zukünftig streng reglementieren müsste. Mit nem schicken Check-In-Schalter, Ein- und Auslasskarten und so nem Rotz… Ich gehe nicht zu sehr in die Details, denn darum soll es hier eigentlich gar nicht gehen.
Auf jeden Fall zeigt dieser Schritt einmal mehr welchen fatalen Weg einige Vereine, und insbesondere der FC Bayern (einmal mehr Branchenprimus – darauf sollte man anstoßen), eingeschlagen haben. Das der FC Bayern dieses umstrittene Papier „Sicheres Stadionerlebnis“ ohne murren unterschrieben hat, geschenkt. Wer etwas anderes erwartet hatte muss die letzten Jahre im Dornröschenschlaf verpasst haben.
Es geht mir vielmehr um die stetige Distanzierung zu den treuen Fans, zu den Leuten die seit Jahren die Stimmung in die Stadien bringen für die Deutschland inzwischen selbst auf der Insel (also dem Mutterland des Fußballs) beneidet wird. Es geht darum was sich in den vergangenen Jahren alles geändert hat.

Und somit kommen wir zum Sommermärchen, in meinen Augen das schlimmste Ereignis das der Fankultur passieren konnte. Seitdem ist Fußball gesellschaftsfähig, es ist „in“ mit Geschäftspartnern oder der gesamten Großfamilie zum Fußball zu gehen – wobei dann der Sport selbst eher die hässliche Nebenrolle abkriegt anstatt die grandiose Hauptrolle zu spielen – quasi Cindy aus Marzahn statt Angelina Jolie. Zu verlockend sind die Fanshops in den (Multifunktions)Arenen, zu beständig herrscht der Drang vor sich etwas zu essen zu kaufen, sich die Beine zu vertreten oder einfach nur vom Platz fliehen zu müssen weil gerade ein Regentropfen den Weg auf den Sitzplatz gefunden hat.
Seitdem die Vereine begriffen haben das diese Leute mehr Geld im Stadion lassen ist das die neue Zielgruppe. Der heilige Gral des Fußballs. Die „Mona Lisa“ mit Augenbrauen, Utopia in der Realität. In einem Comic würden den Herren Vorstände just in diesem Moment die Dollar-Zeichen in den Augen stehen.

Früher, und damit meine ich die Zeit die in München ca. 7 Jahre zurückliegt, hatte es selbst der FC Bayern noch nötig an Schulen Freikarten zu verteilen um die „olle Schüssel“ namens Olympiastadion halbwegs zu füllen – insbesondere in den kälteren Monaten (und damit meinte man damals Ende September bis Ende April). Da konnte man in der Halbzeit noch ne Schneeballschlacht veranstalten oder versuchen Weihnachtsmädels in Audi-Cabrios zu treffen. Oder, ganz verrückt, sich selbst seinen Platz in der Fankurve suchen – die damals auch wirklich noch ne Kurve war, mit mehreren Blöcken nebeneinander und so. Total verrücktes Zeug also.
Heute bekäme man für die Schneeballschlacht garantiert Stadionverbot, die Audi-Cabrios stehen jetzt sowohl vor der Arena als auch in einem extra Showroom im Stadion, und die freie Platzwahl bedeutet ob man in Block 112 oder doch lieber in Block 113 stehen will.

Dazwischen gab es eine WM im eigenen Land, die einen Hype auslöste der seines gleichen sucht und zukünftig suchen wird. Seitdem sind die Arenen dauerhaft ausverkauft, Jahreskarten sind wertvolle Schätze geworden (die sich auf Auktionsplattformen schnell in bare Münze wandeln lassen), und die Anfragen für Tickets gleichen einer Lotterie. Es spielt also de facto für die Vereine, und exemplarisch für den FC Bayern, überhaupt keine Rolle mehr WER ins Stadion geht. Stimmung ist nicht mehr wichtig, zur Not kommt sie eh vom Band. Hauptsache die Bude ist voll, und der Rubel rollt. Vorzugsweise mit Sitzplätzen. Wenn 200 Leute keine Lust mehr haben stehen bereits neue 1000 Leute Schlange, und zahlen dafür so gut wie jeden Preis.
Der feuchte Traum eines jeden Geschäftsmannes. Angebot und Nachfrage regeln den Preis, und der kennt seit Jahren eh nur noch eine Richtung. Entweder dank ausgewürfelter Topspielzuschläge, oder durch teurere Jahreskarten. Das dabei manch einer auf der Strecke bleibt, ja mei… Das Leben ist ne Schlampe, komm damit klar oder lass es sein.
Die Vereine sehen es als großzügig an das sie überhaupt noch Stehplätze zu günstigen Preisen anbieten, man darf froh darüber sein ins Stadion zu dürfen! Da hat man gefälligst seine Fresse zu halten, und nicht wahnsinnige Forderungen nach Blockfreiheit o.ä. zu stellen! Und überhaupt die Sicherheit, die ist ja inzwischen das höchste Gut und auf einmal werden halt Regeln durchgesetzt die seit Jahren konsequent gebrochen und gebeugt wurden – und vom Verein stillschweigend akzeptiert wurden. Fanblöcke sind nicht erst seit gestern „überbelegt“, Leute werden nicht erst seit gestern geschmuggelt. Das gab es bereits im Olympiastadion, und war sogar erheblich einfacher als heute. Aber heute zählt das Saubermannimage, bloß nicht die neue Klientel vergraulen. Sponsoren stehen auch eher auf die Leute die bei verblödeten „Halt diese Pappe hoch und gewinne irgendeinen Dreck“-Aktionen mitmachen, und das zieht in den Fanblöcken seit jeher nicht so richtig.
Daher muss man jetzt feinsäuberlich protokollieren wer mit seiner Karte wie oft Zutritt zu 112/113 verlangt, noch nur für die Champions League (aber dass das System von heute auf morgen auch auf die Bundesliga angewendet werden kann liegt auf der Hand, und wird auch geschehen). Und man muss zig Diskussionen führen. Über Fans, deren Verhalten, wie man sie am besten in den Griff kriegt – aber bitte immer OHNE die Fans selbst. Wäre ja auch zu einfach die auch noch zu Wort kommen zu lassen und so möglicherweise den Wandel zu behindern.

Und als sei all das noch kein Tiefschlag genug kommt dann auch noch die Hiobsbotschaft das wohl weitere Anteile an der FC Bayern AG an irgendeinen Kommunikationsriesen verkauft werden. Aber hey, der FC Bayern ist ja liquide, hat sein Festgeldkonto und ist nicht auf finanzielle Hilfe von aussen angewiesen.

Womit wir wieder am Anfang wären. Jedes Jahr im Herbst gibt es neue Aufreger, und ich werde den Verdacht nicht los der FC Bayern hat sich gehörig bei der Politik bedient. Wichtig ist nicht mehr was gesagt wird, viel wichtiger ist das was NICHT (öffentlich) gesagt wird. Wirf den Hunden einen Knochen hin, und erzähle dann kurze Zeit später genüsslich wie man gleichzeitig ein saftiges Steak in Ruhe zubereiten konnte. Oder aktuell: erfinde ein völlig blödsinniges Check-In-Verfahren, und hintenrum fädelt man den nächsten Millionen-Deal ein. Das sich die Fans erst vor kurzem bereits darüber echauffiert hatten Anteile an Audi zu verkaufen? Interessiert keinen. Wichtig ist nur das man die Leute vor vollendete Tatsachen stellt. Man stiftet Verwirrung mit etwas scheinbar banalem, so hat man seine Ruhe für das dicke Ding.
Wir rasen ungebremst in Richtung englische Verhältnisse. Und die Vereine ignorieren jegliche Warnungen, Anzeichen, sind zu stur um einmal den Blick auf die Insel zu werfen und zu sehen was dort passiert ist. Und sollte einer doch mal hinsehen sieht er nur das viele Geld das fließt. Die Fans werden für die Vereine erst wieder dann interessant wenn sich der Hype legt, die Stadien nicht mehr ständig ausverkauft sind und Leute gebraucht werden die zwar wenig, aber immerhin verlässlich Geld an den Verein zahlen. Dann wird man als Fan vllt. mal wieder am „längeren Hebel“ sitzen, und nicht jeden Dreck akzeptieren müssen. Das hat nichts mit Erpressung zu tun, sondern mit dem Umgang der Vereinsmitglieder, die letztlich einen Verein überhaupt zum Verein machen.

Wie lange es bis zu diesem Punkt dauert, keine Ahnung. Man kann nur hoffen das es in der Zwischenzeit kein weiteres großes Turnier in Deutschland gibt. Sonst fängt dieser ganze Scheiß von vorne an. Und andere Leute fragen sich Herbst für Herbst wie oft sie sich noch in die Eier treten lassen wollen. Wobei wohl eher zu befürchten ist das selbst diese Fragen dann nicht mehr auftauchen, sondern komplett abgetötet wurden. Von einem weiteren Sommermärchen – oder wann auch immer dann eine WM stattfindet.

immer* = mit immer will ich mich nicht zum Allesfahrer erklären, der bin ich nicht. Werde ich wohl auch nie sein. Aber mindestens alle Heimspiele sind Pflicht, unabhängig vom Wettbewerb. Daher bezieht sich das „immer“ in diesem Fall „nur“ auf die Heimspiele.

Treue kann man nicht kaufen

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Fiasko dahoam – ein Emotionsrückblick

Zu diesem Zeitpunkt hatte man noch Hoffnung.

Bild: Markus Unger used under CC License  /  Text: Heiko Nieft

1822 schrieb ein gewisser Franz Schubert seine Sinfonie in h-Moll, dieses klassische Stück ging als „Die Unvollendete“ in die Geschichte ein. 190 Jahre später hatte der FC Bayern die Möglichkeit erneut Geschichte zu schreiben, doch auch dieses Mal geht es höchstens als „die Unvollendete“ in die Historie ein – als unvollendete Saison in der Champions League wohlgemerkt. Es gibt noch weitere Parallelen, sofern man denn etwas großzügig interpretiert. Sowohl Schuberts Werk als auch die CL-Saison 11/12 des FC Bayern hören sich prinzipell gut an, beide fangen eher düster an und werden in ihrem Verlauf von einem stolzen Charakter geprägt. Doch unglücklicherweise fehlt beiden das „happy end“. Stattdessen steht man am Ende leicht irritiert im Raum, und fragt sich ob es das denn schon gewesen sein soll.

Zugegeben, ich bin kein großer Klassik-Fan, und die Beschreibung des Verlaufs entstammt in ihren Grundzügen aus Wikipedia. Ich habe jedoch lange nach einer passenden Einleitung gesucht, ohne gleich mit der Tür ins Haus zu fallen. Und was passt besser als der Vergleich zwischen einem nicht vollendeten Meisterwerk und einem… naja… nicht vollendeten Meisterwerk.
Ich will aber gar nicht großartig über das Spiel schreiben, ich gehe davon aus jeder hat es gesehen weshalb ich mir tiefgehende Analysen ersparen kann. Mir geht es viel mehr darum einen kleinen Einblick in meine Gefühlswelt zu offenbaren, wobei ich mir vorstellen kann das es anderen ähnlich ergangen ist.

Fangen wir am besten von vorne an. Vor einem Jahr hätte ich nie damit gerechnet das der FC Bayern in das Finale der Champions League 2011/2012 einzieht, noch dazu im eigenen Stadion. Zu unvorstellbar schien es. Erst die CL-Quali, durch den schlechteren Topf auch die Gefahr einer schweren Gruppe. Doch beides hatte man geschafft, aber bereits im ersten KO-Spiel wurde es wieder kritisch – Stichwort Basel. Danach steigerte sich die Mannschaft international von Spiel zu Spiel, und jedem schwirrte mehr und mehr die Aussage von Uli Hoeneß im Hinterkopf herum. Sollte es wahr werden? Das „Finale dahoam“? Wie wir alle wissen wurde es wahr, nachdem die Truppe im Halbfinale auch Real Madrid ausschalten konnte. Aber jetzt war nicht mehr das erreichen des Finales das Gesprächsthema, sondern eher das der FC Chelsea der Gegner ist. Fest mit einem Sieg rechnend verging die Zeit bis zum Finale recht rasant, die Spannung stieg und stieg, die Landeshauptstadt München fing an ob des Ereignisses zu vibrieren. Eigentlich überall wurde man mit Werbung zu diesem Spiel bombardiert, in den letzten Tagen vor dem Finale konnte man kaum noch aus dem Haus gehen ohne an das Spiel erinnert zu werden. Man hatte einfach dieses Gefühl das es eine einzige große rot-weiße Party werden würde, an diesem 19. Mai 2012. Sponsoren drückten per Werbefläche die Daumen, anderenorts wurde das „Champions Festival“ im Olympiapark angepriesen. Einfach alles deutete auf diesen einen Tag, auf diese wenigen Stunden am Abend hin. Selbst Arbeitskollegen die sonst nicht allzu viel mit Fußball anfangen konnten wussten von dem Spiel und fragten ständig nach dem eigenen Empfinden. Ich hatte das Glück das alles jeden Tag direkt in München genießen zu können, weniger Glück hatte ich (und viele viele andere) jedoch beim Thema Kartenvergabe. Schon vorher war klar das die Preise auf dem Schwarzmarkt explodieren werden, was sie dann auch taten. Daher stand recht früh fest das ich, wie viele meiner Kurvenkollegen, das Finale wohl leider nicht live im Stadion verfolgen kann.
Zum Glück gibt es jedoch ein kleines aber feines Forum namens Qiumi – ich selbst bin dort seit vielen Jahren aktiv, viele der dort registrierten Bayernfans sind aktive Supporter, aber alle mindestens mit Herzblut dabei. Die User verstreuen sich über das gesamte Bundesgebiet, dennoch entschloss man sich ein gemeinsames „Public Viewing“ zu organisieren. Leichter gesagt als getan, schnell stand fest das die Anzahl der Teilnehmer eine gewisse Planung erfordert. Da sowohl das off. Public Viewing im Olympiastadion als auch auf der Theresienwiese ziemlich schnell ausverkauft waren musste also etwas anderes herhalten. Die Wahl fiel auf das Backstage-Gelände, und man hatte sogar das Glück noch einige Tische reservieren zu können. Lange Rede, kurzer Sinn, am Ende waren es mehr als 50 Leute aus ganz Deutschland die sich gemeinsam das Finale angesehen haben. Ich für meinen Teil fand alleine das einfach nur wunderbar, auch weil ich viele der Auswärtigen bereits kannte und mich auf ein Wiedersehen freute. Dies trug natürlich auch seinen Teil dazu bei das dieser Tag einfach kein Tag wie jeder andere wurde – unabhängig vom Spielausgang.

Den Finaltag im Detail zu beschreiben würde jeden Rahmen sprengen, und selbst dann nicht dem Gefühl im Ansatz gerecht werden das man hatte als man auf die illustre Runde blickte. Das Wetter war wie eigentlich alles einfach perfekt für diesen Tag, für diesen Abend. Jeder war guter Dinge, man trank das ein oder andere Bier, sang fröhlich und ausgelassen und man spürte die immense Vorfreude. Im Hinterkopf hatte wohl auch jeder schon irgendwie den Gedanken an die Nacht gerichtet, ich für meinen Teil tat dies auf jeden Fall. Alleine dir Vorstellung was bei einem Sieg des FC Bayern in München los gewesen wäre verleiht mir auch heute noch Gänsehaut.
Ich habe es selten erlebt das jeder vom Gewinn so überzeugt war, dieser unbändige Wille und das Glänzen in den Augen aller Anwesenden ist eines der Dinge an die ich mich sicherlich noch lange erinnern werde. Wohlgemerkt war das alles noch Stunden vom Anpfiff entfernt, die Zeit bis dahin wollte nicht so recht vergehen.
Die Anspannung stieg je näher der Anstoß rückte, man merkte das die Ausgelassenheit ein wenig dem kribbeln wich, dieser Art von kribbeln das es so wohl nur bei einem CL-Finale gibt – erst recht wenn es quasi vor der eigenen Haustüre stattfindet und der eigene Verein teilnehmen darf.
Als das Spiel endlich anfing konnte man schnell erkennen das die Hausherren den Ton angaben, im Regelfall nennt man sowas ein Spiel auf ein Tor. Entsprechend gut war die Stimmung, dieses Spiel konnte einfach nicht verloren werden. Man hatte Chance um Chance, jedes Mal bereit für den Torschrei, jedes Mal bereit für inbrünstigen Jubel. Aber irgendwie wollte einfach kein Tor fallen,  keine Ahnung ob es an fehlendem Zielwasser lag oder am teils übertriebenen Spieltrieb. Dennoch war man auch in der Halbzeit davon überzeugt den Henkelpott heute nach 11 Jahren endlich wieder nach München zu holen.
Die zweite Hälfte lief ähnlich zu der ersten, wieder waren wir am Drücker, wieder hatten wir die Chancen. Ribéry netzte sogar einmal ein, leider war es Abseits weshalb es nicht zählte. Doch diese Situation zeigte welche Stimmungsexplosion einen erwarten würde wenn am Ende der Sieger Bayern heißt, lauter Jubel überall, bis jeder realisierte das der Treffer nicht zählte dauerte es ein Weilchen. Weiter 0:0, bis zur 83. Minute. Ausgerechnet Müller, der Müller der vor zwei Jahren seine Chancen nicht nutzen konnte, trifft zum lang erwarteten und absolut verdienten 1:0. Sowohl die Stimmung im Stadion, als auch im Backstage kocht über. Lange Freudenschreie, Jubel ohne Grenzen, Tränen des Glücks bereits in den Augen. Einfach unbeschreiblich was in diesem Moment in einem vorgeht, pure Extase. 7 Minuten noch zu spielen, Bayern haushoch überlegen, was sollte da noch schiefgehen?

Doch dann wurde Müller ausgewechselt, und das Spiel änderte sich. Chelsea drückte, und kam durch den deren ersten Eckball in der 88. Minute zum Ausgleich. Schock… War das wirklich gerade passiert? Zählt der Treffer? Hat sich Drogba vllt. aufgestützt, irgendein anderes Foul? Nein, leider nicht. Fassungslosigkeit wenige Minuten nach dem ultimativen Jubel. Erste Gedanken schossen einem durch den Kopf, als Bayernfan ist man seit ’99 ein gebranntes Kind was späte Gegentore in einem CL-Finale angeht. Auf einen Schlag wich die Ausgelassenheit der Sorge, die Vorfreude dem Bangen.
Gegenseitige Zusprüche nach der regulären Spielzeit. „Das schaffen wir noch!“, „Wir packen das Jungs!“ und ähnliche Sprüche. Fast wäre es ja auch so gekommen, ein Elfmeter für uns in der Verlängerung, der Torschrei bleibt einem jedoch im Halse stecken. Verschossen… Im CL-Finale… Das kann doch nicht sein! Wieder eine 180°-Wendung der Gefühle in kurzer Zeit. Die Stimmung wird wieder nervöser, der spontante Glaube an einen Gott erwacht, Stoßgebete gen Himmel oder sonstwohin schwirren durch die Luft. Nichts mehr zu spüren von der Ausgelassenheit vor Spielbeginn.
Die Verlängerung geht zu Ende, es gibt mal wieder Elfmeterschießen. Diese Lotterie, bei der die Deutschen eigentlich immer das Quentchen Glück haben. Bayern geht in Führung, wieder großer Jubel als Neuer hält, der Glaube an den Titel ist zurück. Jetzt muss es doch klappen!

Doch es klappt nicht. Olic und ausgerechnet Schweinsteiger verschießen, während Drogba den entscheidenden Elfmeter versenkt. Sofort wird es still, keiner fiebert mehr mit, keiner schreit mehr. Aus, vorbei… Verschenkt… Ein elendiges Gefühl bahnt sich seinen Weg, man ist nur noch fassungslos.
Als ich mich das erste Mal umblicke nachdem ich selbst erst einmal nur noch allein sein wollte sehe ich die gleichen Gesichter wie das ganze Spiel über, aber der Ausdruck ist anders. Keine Freude, kein Glänzen in den Augen. Nur noch absolute Leere. Niemand wütet, es hat keiner mehr die Kraft. Eine emotionale Achterbahnfahrt gipfelt im Absturz. Die Leute sitzen regungslos da, oder stehen ebenso regungslos an den Tischen. Irgendwann fängt der erste an rumzulaufen, und versucht die anderen anwesenden Forumskollegen zu trösten. Wortlos. Mit der Zeit weicht die Ohnmacht, und immer mehr Leute wollen ihre Freunde trösten. Schulterklopfen, wenige Worte fallen.
Mir ist irgendwie nur noch übel, ich fühle mich ausgekotzt und orientierungslos. Am liebsten würde ich mich auf der Stelle eingraben, die Uhr zurückdrehen oder auch wahlweise einfach nur vergessen was gerade passiert ist.

Diejenigen die mit dem Auto gekommen sind machen sich relativ schnell auf den Rückweg. Aus der geplanten durchzechten Partynacht wird nichts. Unser „Mob“ löst sich Stück für Stück auf, auf diejenigen Kumpels die im Stadion waren warten wir nicht mehr. Wir wissen auch gar nicht ob sie überhaupt zurückkommen würden. Und selbst wenn, was würde das ändern?
Ein paar bleiben noch länger wie versteinert sitzen, während ich mich mit Marco verabschiede. Sein Zug fährst erst Sonntag früh, aber auf durchmachen hat niemand mehr Lust. Also ab in meine Wohnung, nur noch schlafen. Sofern möglich… Gedanken schießen durch den Kopf, was wäre wenn… Aber letztlich ist es ein Labyrinth ohne Ausgang, man verrennt sich in Gedanken, dreht sich im Kreis. Findet keine Lösung.

Der Sonntag, eigentlich für die Triumphfahrt geplant, ist ein Tag zum vergessen. Irgendwie habe ich ein paar Stunden geschlafen, aber ich fühle mich weiterhin einfach nur miserabel. Kein Bock auf schönes Wetter, die Vorhänge bleiben zu. Irgendwann fängt man an zu realisieren welche historische Chance man verpasst hat. Das Kopfkino kommt zurück, man stellt sich vor wie die Party in München wohl gewesen wäre wenn Bayern gewonnen hätte. Wie „episch“ es doch geworden wäre. So sitzt man nur wie betäubt vor dem Fernseher, und vermeidet jegliche Sendung zum Thema CL-Finale. Die Aufzeichnung habe ich selbst noch direkt nach meiner Rückkehr gelöscht, bloß keine Erinnerung.
Die folgenden Tage in der Arbeit sind nicht großartig anders. Zum Glück halten sich die Kollegen, die wissen das ich leidenschaftlicher Bayernfan bin, mit „Beileid“ oder irgendwelchen Witzen zurück. Ändert aber nichts daran das man nachwievor neben sich steht, weiterhin nicht wirklich wahrhaben will was am Samstag spät abends passiert ist.

Irgendwann höre ich mal einen Kollegen fragen wie man denn wegen so einem Spiel so emotional sein kann und sogar weint, ich glaube sogar das Wörtchen „dumm“ gehört zu haben. Die Frage ging zum Glück nicht an mich, und ich habe auch keinerlei Interesse mich einzumischen. Wie soll man so jemandem sowas auch erklären?
„Ist doch nur ein Spiel“, dieser Satz klingt wie Hohn für jeden Fan mit Herzblut. Egal wo. Es ist viel mehr als „nur ein Spiel“. Jeglicher Erklärungsversuch wieso das so ist ist überflüssig. Emotionale Verbundenheit ist allgemein nur schwer zu erklären. Es ist so wie es ist, wer es nicht selbst erlebt kann es nicht verstehen.

Jetzt, knapp eine Woche später, ist das vergebene Finale immer noch allgegenwärtig. Und das wird es auch bleiben. Ähnlich wie ’99 wird sich dieses Spiel einbrennen. Barcelona ’99 war für mich auch deutlich weniger schlimm, aus verschiedenen Gründen. Ich war damals noch jünger, bei weitem nicht so emotional und fanatisch wie heute. Und ich war damals alleine im Oly, hatte danach nur mit mir zu kämpfen. Dieses Mal erinnere ich mich auch noch an die leeren Gesichter, an die Tränen der Freunde mit denen ich gerne zusammen gefeiert hätte.
Und dennoch möchte ich diesen Tag nicht mehr missen. Ja, wir haben das Spiel verloren. Aber die gemeinsame Vorfreude, das gemeinsame Leiden, sind irgendwie auch Momente die diesen Tag so einzigartig gemacht haben. Alleine die wenigen Minuten zwischen Führung und Ausgleich waren so wahnsinnig geil… Das Wissen das man, wenn man einige bei einem Auswärtsspiel nächste Saison wiedersieht, diese Momente zusammen erlebt hat schweißt einen zusammen. Genau aus diesem Grund spüre ich sogar schon wieder eine gewisse Vorfreude auf eben diese Auswärtsspiele. Und natürlich auch auf die Heimspiele, aber die Auswärtsauftritte sind halt das i-Tüpfelchen.

Was bleibt ist die Hoffnung das die Mannschaft aus diesem Spiel lernt, die Kaltschnäuzigkeit wiederfindet die den FCB die vergangenen Jahre über so ausgezeichnet hat. ’99 und ’01 haben uns gelehrt niemals aufzugeben, diese Einstellung muss wieder zurückkehren an die Säbener Straße. Dann stellt sich auch die Frage nach dem nächsten CL-Finale nicht, nur die Frage nach dem „wann“. Klar wird ein Sieg in naher Zukunft die jetzige Niederlage nicht gutmachen, der Jubel in der Stadt wird vermutlich eine Stufe kleiner ausfallen. Aber wir werden auch diesen Titel richtig feiern, soviel steht fest. Am liebsten im Kreise der Leute mit denen ich auch die Niederlage vor einer Woche erleben durfte, damit ich dieses Glänzen in den Augen auch nach dem Spiel sehen kann, und nicht nur davor.

Jetzt heißt es erstmal die Zeit bis zur nächsten Saison damit zu verbringen seine Wunden zu lecken, wirklich Bock auf Fußball hat man eh erst einmal nicht. Die anstehende EM interessiert mich persönlich nur äußerst gering, Nationalmannschaften sind nicht so mein Ding. Aber spätestens ab Mitte August, wenn der Ball in der Bundesliga wieder rollt, muss man das Finale hinter sich gelassen haben und wieder daran glauben Titel zu holen. Der FC Bayern lässt sich nicht unterkriegen, wir kommen wieder. Jetzt erst recht!

FCBM Unbreakable since 1900 FC Bayern München Fanartikel

Europa, Baby!

Sternchen sehen mal anders

Bild: Europaflagge (gemeinfrei) / Text: Heiko Nieft

Wir schreiben den 28.09.2011, es ist mal wieder Champions League – und im TV sieht man den amtierenden Meister Borussia Dortmund in Marseille mit 0:3 zurückliegen. Also ausgerechnet jener Verein der in der vergangenen Saison quasi Gesamtdeutschland mit seiner jugendlichen und frechen Spielweise beglückt hat. Landauf, landab, ob Kenner oder Laie, man hörte immer wieder wie toll doch diese Dortmunder spielen. Ab und an durfte man sich auch anhören das da richtig was ranwächst, etwas das in den kommenden Jahren wieder und wieder oben mitspielen kann. Klang ja irgendwie auch alles ganz hübsch. Naja, und dann kam die Realität zurück, also der Erzfeind jeder Träumerei. Kaum macht man die Augen auf steht man in der Liga auf Platz 8 und hat in Europa nach zwei Spieltagen einen Punkt auf dem Konto. Theorie vs. Praxis: 0:1

Manch einer wird sich jetzt sicherlich fragen warum sich hier jemand mit Borussia Dortmund beschäftigt. Ich kann es euch erklären. Weil es sympomatisch ist. Alle paar Jahre kommt so ne Truppe hoch die den Fußball scheinbar revolutioniert, worüber sich auch meist alle sogenannten Experten einig sind. Das spornt dann auch meist irgendwelche Hobbyköche (Fans der Revoluzzer-Truppen) dazu an dem Chefkoch eines 5-Sterne-Restaurants (also uns) mal so richtig klug zu erklären wie man denn eine perfekte Suppe kocht (Wasser heiß machen, Tüte auf, Pulver rein, umrühren – et voilá… so in der Art halt).
Irgendwann kommt einem dann unweigerlich der Gedanke hoch „Die schick ich jetzt zu nem Kochwettbewerb für Profis…“, (die Champions League also), „den Spaß gönn´ ich mir.“. Da steht dann also auf einmal der Hobbykoch im Rampenlicht und soll seinen Worten taten folgen lassen. Und was macht er? Richtig! Wasser heiß, Tüte auf, Pulver rein, umrühren – et voilá! Verwirrt darüber dass das keinen so recht vom Hocker haut nimmt er dann zum abschmecken auch noch ne Kuchengabel – wenn schon denn schon.

Oder um es klar zu formulieren: warum kommen alle Jahre wieder irgendwelche Blitzmerker um die Ecke und meinen große Töne spucken zu müssen, nur weil sie jetzt mal wieder mit den gr0ßen Namen spielen dürfen? Warum denken diese Typen darüber hinaus auch noch sie könnten uns daher erklären wie der Hase läuft – und wohin er wohl die nächsten Jahre laufen wird? Denn es ist immer wieder das gleiche was am Ende dabei herauskommt. Nach wenigen Monaten der Folgesaison tritt die große Ernüchterung ein, alle Experten (also die die noch vor einem Jahr wussten das da was ranwächst) wussten das dann natürlich wieder vorher und orakeln sich nen Wolf, über die Ursachen, über die Auswirkungen auf zukünftige Spiele, über die Maßnahmen die ergriffen werden müssen etc. etc., und der jeweilige Verein rutscht wieder ab.
Um nun den Bogen zum Titel zu spannen: Europa, insbesondere die Champions League, ist kein Kindergeburtstag. Wer als „Neuling“ versucht so zu spielen wie es in der Vorsaison national gut funktioniert hat beißt sich die Zähne aus. Dortmund (um beim aktuellen Beispiel zu bleiben, das aber so gut wie auf jede Mannschaft übertragbar ist) versucht weiterhin den Kombinationsfußball zu spielen der sie letztes Jahr ausgezeichnet hat, aber das geht im Moment grandios schief. In Europa gibt es nur sehr sehr wenige Mannschaften die sich diesen Luxus leisten können – Dortmund (und teils auch Bayern, das nur am Rande) gehört nicht dazu. Da geht es um kämpfen, um Einsatz, und letztendlich um Effektivität. Es bringt nichts mehr wenn man schön spielt, weil man in Europa keine insgesamt 34 Spiele hat um ein verpatztes Spiel ausbessern zu können.

Bayern spielt seit Jahren quasi durchgehend in der Königsklasse, mal mehr mal weniger erfolgreich. Die erfolgreichsten Jahre waren eigentlich immer die bei denen wir keinen großen Zirkus veranstaltet haben, sondern die Gegner niedergekämpft haben. Die glamourösen CL-Spiele kann man dabei an einer Hand abzählen. Natürlich gab es großartige Spiele, aber nicht selten waren sie deshalb großartig weil es einfach spannend war und man den Sieg vllt. erst in letzter Sekunde eingetütet hat. Und nicht weil wir versucht haben den Gegner herzuspielen.

Das alles soll nun bitte nicht so klingen als würde ich die nationalen Erfolge der „Hobbyköche“ kleinreden, sicherlich nicht. Nur: national ist halt nicht Europa. Die Königsklasse heißt nicht Königsklasse weil dort jeder „einmal in 20 Jahren“-Meister groß aufspielen kann. Nicht umsonst sind die Vereine die Jahr für Jahr in Europa oben mitspielen meist auch die Vereine die in ihrer Liga Jahr für Jahr oben dabei sind.
Ab und an wäre demnach in meinen Augen etwas mehr Respekt angebracht. Natürlich wird es auch zukünftig immer wieder die „Dusel-Bayern“ geben, über die so salopp gesprochen wird, als wäre das alles ja eigentlich gar kein so großes Problem – international oben mitzumischen. Nur hat das nichts mit Dusel zu tun, sondern mit dem Know-how. Wir wissen inzwischen was es bedeutet jedes Jahr in der CL zu stehen. Wir wissen was es bedeutet im Mittelteil einer langen Saison nur so hoch zu springen wie es erforderlich ist. Nicht weil wir satt sind, sondern weil wir mehr wollen. Und dieses „mehr“ nur erreichen können wenn die Kräfte eingeteilt werden, wenn man sich den Herausforderungen entsprechend aufstellt und dann Spiele eben auch mal „dreckig“ gewinnt. Das hat nichts mit Arroganz oder Überheblichkeit zu tun, sondern mit Erfahrung.
Selbstverständlich können sich auch weiterhin alle paar Jahre andere Vereine daran probieren, und uns versuchen etwas vorzumachen. Das konsequente scheitern von 99% der bisherigen „Wachablöser“ kommt aber nicht von ungefähr.

Europa ist eben kein 5:0 gegen einen Kreisligisten. Europa ist harter Kampf. Europa ist eben Europa, baby!

Euer Hass ist unser Stolz! FC Bayern München Fanartikel

Wenn feiern weh tut…

Marienplatz München. Bild: Luiz Felipe Castro used under CC License

Bin ich zu alt? Diese Frage stelle ich mir zwangsläufig, wenn ich daran denke, was sich in diesem Moment, in dem ich diese Zeilen schreibe, wenige Kilometer von mir entfernt auf dem Marienplatz in München abspielt.
Ich hatte mich auf diesen Tag gefreut, ich hatte mich auf gestern gefreut. Die Niederlage gegen Inter kann man verschmerzen, aber kann man das verschmerzen was sich danach und heute abspielt? Nichts gegen eine aufrichtige Feier, um die Jungs die sich das letzte Jahr den Arsch aufgerissen haben aufzubauen und zu zeigen: wir sind trotzdem stolz auf euch! Aber muss es eine „Happy-Teletubbie-Sommermärchen-Feier“ sein? Wo alle dämlich grinsend Sponsorenfähnchen schwenken, weil keine Sau mehr richtige Fahnen hat? Muss es ein Event sein, bei dem man durchgehend von Musik beschallt wird, die eher in eine Diskothek gehört als zu einer Saisonabschlußfeier? Und es ist ja nicht nur die Musik, es ist auch das Publikum…

Ich stand auf dem Marienplatz und ich fühlte mich unter den ganzen anderen Bayernfans Fehl am Platz. Als hätte ich 10 Jahre geschlafen und hätte etwas verpasst. Und das führt mich zu meiner Frage zu Beginn zurück: bin ich zu alt für das alles womit sich heute „Fans“ präsentieren?

Vor zwei Jahren waren „Vuvuzelas“ unbekannt, sie gehörten zur afrikanischen Tradition und es hat sich in Europa kein Schwein dafür interessiert. Jetzt sieht, und was noch viel schlimmer ist, hört man sie überall. Sie haben nichts mit unserer Fankultur zu tun. Sie haben nichts mit Bayern zu tun. Aber sie sind halt hip, weil Fußball hip ist. Hip seit 2006, als uns der größte Blender der Nation – der vor einem Jahr bei uns gezeigt hat wie „gut“ er wirklich ist – zu einem Sommermärchen verholfen hat das sich mehr und mehr als Albtraum entpuppt.

2001, nach unserem Triumph in der Champions League stand ich auch auf dem Marienplatz. Die Meute war heiß die Mannschaft zu sehen, mit ihr zu feiern. Ich sah ein Fahnenmeer, ich sah Leute bei denen ich mir sicher sein konnte das ihnen der Verein sooooooo viel bedeutet. Neun Jahre später steht man an gleicher Stelle, sieht einen hirnlosen Mob, der einfach nur da ist, um sich selbst zu feiern. Ich sehe ein gleichgeschaltetes Fähnchenmeer, bei dem sich unser Sponsor wohl tierisch freut wenn er das sieht. Ich sehe Leute bei denen ich das Gefühl habe, sie kommen direkt aus irgendeiner Trend-Disko. Bei denen es mir jedoch schwerfällt daran zu glauben, dass diese Leute mit Herzblut beim FC Bayern sind.

Grob geschätzt zwei Meter neben mir steht der Fernseher, der gerade die Feier, pardon, das Event auf dem Marienplatz überträgt. Ich sehe Spieler, denen ich heute liebend gern zugejubelt hätte, um ihnen zu zeigen, welchen Respekt ich vor ihrer Leistung habe. Ich sehe jedoch auch Spieler, die ausgerechnet diesem hirnlosen Mob zurufen wie toll sie doch wären. Das sagen sie zu den Leuten die vor 8 Monaten bei einem Fehlpass gepfiffen haben. Ich höre wie ständig neue Lieder vom Band kommen, ich höre jedoch keinen einzigen Fangesang. Nur das ständige rufen irgendwelcher Vornamen unserer Spieler, je nachdem wer gerade das Mikro hat. „Arjen, Arjen, Arjen“… „Philipp, Philipp, Philipp“… „Louis, Louis, Louis“…

Auch wenn ich weiß, dass wohl niemals ein Spieler unseres Vereins diese Zeilen lesen wird, möchte ich wenigstens an dieser Stelle das schreiben, was ich am liebsten jedem Spieler persönlich gesagt hätte: Ich bin so verdammt stolz auf euch, auf eure Leistung! Wie ihr es geschafft habt, eine zu Beginn schwierige Saison so zu beenden. Mir geht das Herz auf wenn ich sehe, mit welchem Spaß ihr Fußball gespielt habt in letzter Zeit. Wenn ich sehe, wieviel Spaß ihr bei den Feiern in Berlin hattet. Ich bin so froh darüber, dass dieses Team im Kern weiterbestehen wird, weil ich weiß, dass ihr euch weiterhin verbessern könnt.

Wenn ich sage, dass ich das Gefühl habe heute sei ein Teil in mir gestorben, dann meine ich damit nicht die Niederlage. Damit meine ich das was sich heutzutage als Fanschar zeigt und bei dem ich mich irgendwie unpassend fühle. Wenn ich frage ob ich zu alt bin, kenne ich eigentlich die Antwort, denn ich bin erst 26. Stelle ich mir jedoch die Frage, ob ich zu alt für die heutige Fanschar bin, weiß ich nicht was ich sagen soll. Vor allem wenn man bedenkt, was dann erst die Leute sagen müssten, die schon mehrere Jahrzehnte Herzblut für unseren Verein gegeben haben.

Gestern auf dem Nachhause-Weg habe ich mir gewünscht Fan eines Kreisligavereins zu sein, mit höchstens 200 Leuten ein Spiel auf einem holprigen Dorfplatz zu sehen. Ohne Gloryhunter… Ohne Sponsorenfähnchen… Ohne Diskomusik… Und das wo ich doch nach dieser Saison so glücklich sein müsste wie selten in den letzten Jahren… Bin ich zu alt?

© 2010 elreyloco

Südkurve München - Herzblut seit 72 FC Bayern München Fanartikel Südkurve München - Herzblut seit 72 Rückseite FC Bayern München  Fanartikel

Da hätte ich weinen können, als ich im Stadion war…

Da hätte ich weinen können, als ich im Stadion war…Hoeneß über die Liebe der Fans zum FC Bayern und was sie ihm bedeutet. Bild: probek used under CC License

Heute Abend rollt die Murmel wieder, liebe Freunde des gepflegten Kacke, Spitze 1, 2, 3. Endlich ist dieser Kaltentzug vorbei, ich hab schon wieder gegen alles getreten was auch nur annähernd wie ein Ball aussieht. Besonders bei unbeweglichen Gegenständen eine echte Gesundheitsgefährdung.

Bereits gestern veröffentlichte Spiegel Online ein lesenswertes Interview mit Uli. Dort geht er abermals auf die Wirtschaftskrise ein und findet bemerkenswerte Worte in Richtung Fans. Klinsmann ist auch super sagt er mal wieder, ist ja klar. Aber selbst in den Abschnitten erfährt man durchaus interessantes.

Zum Rückrundenauftakt gibt´s auch noch ein Zuckerl im Mingashop. Bis zum 10.02.09 gibt es bei Eingabe des Gutscheincodes: HERZ2009 einen Rabatt von 14,2 % auf alle Bestellungen.

© 2009 Traumtorschuetze

You will never walk alone Kapuzenjacke

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