Archiv der Kategorie: FC Bayern

Ih, Realität… Pfui, geh weg!

Festgenagelte Realität

Bild: autopoiet used under CC License  /  Text: Heiko Nieft

Die Realität hat eine dumme Angewohnheit: sofern man nicht unter ständigem Drogeneinfluss steht wird man sie früher oder später immer wieder kennen lernen. Kann manchmal echt nervig sein. Vor allem wenn diese Realität schneller „Hallo“ sagt als einem selbst lieb ist. Man würde ihr am liebsten mit voller Wucht die Türe vor die Nase knallen und schreien „Heute nicht, bitch!“. Dann stellt sich jedoch raus die dumme Sau hat ne Axt dabei und bahnt sich ihren Weg. Unaufhaltsam. Ohne eine Chance sie aufzuhalten.
Was lange als Beschreibung für unsere Siegesserie herhalten konnte ist nun eben wieder der Boden unter unseren Füßen. Muss man sich erst einmal wieder daran gewöhnen. Der Boden federt nicht mehr bei jedem Schritt nach sondern sorgt für einen Bandscheibenvorfall, die Sonnenstrahlen streicheln einem nicht mehr sanft das wallende Haupthaar sondern blasen dir wie ein Föhn auf Höchststufe jegliche Frisur nach Walhalla. Muss man nicht mögen. Man sollte jedoch wissen das sowas eigentlich der Normalzustand ist.

Und ich glaube das haben manche von uns vergessen. Wie es ist mal ein paar Spiele zu verlieren. Nicht jeden Gegner mit 5:0 nach Hause zu schicken, oder, noch besser, den Gastgeber 5:0 zu besiegen und dann fröhlich beschwingt in die eigenen vier Wände zurück zu fahren. Die letzten zwei Jahre waren ein permanenter Höhenflug. Ein Dauerhoch. Da kann sich schon einmal das Gefühl einstellen nichts und niemand kann einem was anhaben. Naja, und dann kommt eben diese blöde Realität zurück ins Spiel und erinnert einen daran das es nichts geschenkt gibt, und jegliche Form einer ständigen Schwankung unterliegt die sich in Gipfeln und Tälern äußert.
Weil aber nicht sein kann was nicht sein darf stellen wieder Holzköpfe alles in Frage was für dieses Dauerhoch einst gesorgt hatte. Natürlich immer unter der Prämisse das so ein „Absturz“ ja schon längst klar gewesen sein müsste, und man sich ja eh gewundert hat wie lange diese Phase angedauert hatte. Wäre ja viel besser gewesen wenn… Wenn was?!? Diese Flucht ins Konjunktiv wenn die Realität einem nicht mehr schmeckt hilft da auch nicht mehr.
Das perverseste an dem Ganzen: wir sind noch nicht einmal im Ansatz in einem Tal angekommen. Wir haben noch nicht einmal richtig mit dem Abstieg begonnen! Da möchte ich nicht wissen was einmal passieren sollte wenn wir nicht jedes Jahr mindestens ins Halbfinale der Champions League kommen, nicht im März Meister werden und nicht im Pokalfinale stehen. Das muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen.
Wir spielen nach der Triple-Saison die zweitbeste Bundesliga-Saison der Geschichte, ziehen zum dritten Mal in Folge ins Pokalfinale ein und standen zum vierten Mal in fünf Jahren im Halbfinale der Königsklasse. Und weil wir nicht auch dort den dritten Finaleinzug in Folge geschafft haben ist alles doof.
Mit solch einem schwarz/weiß-denken werde ich mich in meinem Leben nicht mehr anfreunden. Wie schnell man von „Superbayern superbayern, hey hey“ zu Pfiffen zur Halbzeit kommt. Erschließt sich mir nicht Freunde, ehrlich nicht. Wer keine Überraschungen mag soll halt russisches Roulette mit 6 Kugeln in der Trommel spielen. Sicherer Ausgang garantiert!

Ich hingegen nehme mir in solchen Momenten gerne die Zeit für einen Rückblick. Schön in Ruhe, vielleicht mit einem kühlen Bierchen in der Hand. Um überhaupt zu begreifen was für eine geile, kranke Tour diese letzten 24 Monate waren. Mir helfen dabei die in dieser Zeit aufgenommenen Bilder, sowohl die im Kopf als auch die digitalen. Dann stellt sich recht schnell ein warmes, wohliges Gefühl ein. Weil man, naja, weil zumindest ich, Dankbarkeit empfinde. Das ich diese geile, kranke Tour miterleben durfte. Das ich dabei meinen Verein begleiten durfte. Die Stationen dieser Tour, nur um ein paar zu nennen: Barcelona. London. Prag. Manchester. Marrakesch.

Unseren Spielern geht es doch letztlich nicht anders. Vor etwas mehr als 24 Monaten war all dies noch undenkbar. Und auf einmal steht man auf der höchsten Stufe. Quasi über Nacht. Du weißt gar nicht was passiert, wirst ständig mit Medaillen überhäuft und darfst ständig Pokale in die Höhe stemmen.
Vollkommen klar dabei ist: ob gewollt oder nicht, irgendwann bist du nicht mehr mit 100% dabei. Irgendwann denkst du es läuft von selbst. Und genau da fängt der Abstieg an. Weil sich dadurch Fehler einschleichen. Weil sich diese Fehler vervielfältigen. Du gehst nicht mehr mit 100% in jeden Zweikampf, der Kollege wird es schon richten – hat ja sonst auch funktioniert. Auf einmal merkst du Tore schießen sich nicht von selbst…
Nichts anderes ist die derzeitige Situation. Das Resultat aus einer gewissen Zufriedenheit, als Ergebnis einer historischen letzten Saison. Kann und sollte man verstehen wenn man Menschen als Menschen und nicht als Roboter sieht.

Und wenn man sich das einmal vergegenwärtigt ist der nächste logische Schritt: Stolz. Unbändiger Stolz. Darauf das die Mannschaft, mit einem neuen Trainer und neuer Spielidee, dennoch die Liga dominiert hat. Das die Mannschaft wieder in Berlin steht. Das die Mannschaft erst im Halbfinale der Champions League ausgeschieden ist. Klar durfte man davon träumen der erste Verein zu werden der es schafft den Henkelpott zu verteidigen. Aber das es bislang kein Verein geschafft hat sollte zeigen das dies ein sehr schwieriges Unterfangen ist.
Unsere Gegner aus dem Halbfinale streben seit über einem Jahrzehnt „la decima“ an. Die standen seit 2002 nicht mehr im Finale. Wir hingegen schafften es 2010, 2012 und 2013. Dankbarkeit. Stolz. DAS sind die zwei Worte die man damit verbinden sollte.

Ich hatte das Glück in den letzten fünf Jahren unzählige Champions League-Spiele live gesehen zu haben. Erst vor kurzem hatte ich das Privileg meine Mannschaft im Estadio Santiago Bernabéu unterstützen zu dürfen, und beim Anblick der Videos des Gästeblocks nach Spielende bekomme ich feuchte Augen.
Zur Königsklasse kommen ebenfalls einige Spiele des DFB-Pokals, nicht zu vergessen die Bundesliga. Ich habe in den letzten zwei Jahren Dinge erlebt von denen manch ein Fan sein Leben lang träumt. Dankbarkeit. Stolz. Auch hier die passenden zwei Worte.

Und als ob es nicht genug wäre das alles so erlebt zu haben hatte ich auch noch das Glück diese Momente mit besonderen Menschen teilen zu können. Weil ich, egal wo ich war, immer wieder die gleichen Gesichter gesehen habe. Weil sich dadurch das Gefühl einer „Familie“ einstellt, auch wenn man sich ggf. ausserhalb der Stadien nicht häufig sieht. Weil man dadurch realisiert das man das gleiche will: die Jungs auf dem Rasen sehen, anfeuern, unterstützen. Weil man dadurch realisiert das Urlaubstage und auch Geld irgendwo egal sind wenn man mit Freunden sonstwo sitzt und gemeinsam isst, trinkt, Spaß hat. Ohne die Erfolge der letzten 24 Monate weitaus weniger häufig realisierbar.
Gestern in Hamburg habe ich Leute getroffen die ich vergleichsweise lange nicht mehr gesehen hatte. Und ich hatte mich sehr darauf gefreut, weil auch hier gleich das Gefühl der „Familie“ wieder da war. Für all das passt nur ein Wort: Dankbarkeit.

Wenn ich mir all das durch den Kopf gehen lasse möchte ich meinen Titel etwas korrigieren: Realität, komm her du geile Sau!
Es bringt nichts in einer Traumwelt zu leben, und sich den Alltag dadurch zu zerstören in dem man versucht die Realität auszublenden. Indem man die Realität akzeptiert kann man die Höhen besser genießen, und die Tiefen (die sicherlich wieder kommen werden) ehrlicher betrauern.
Ich habe die Hoffnung viel mehr Menschen, Fans, wird das einmal bewusst. Das alles heißt nicht das man einfach nur alles hinnehmen muss, und sich nicht mehr kritisch äußern darf. Aber es heißt eben nicht Leute (Spieler, Trainer etc.) anhand des eigenen Wunschdenkens zu beurteilen, wenn die Wünsche völlig fern jeglicher Realität sind. Es heißt auch nicht das streben nach „Perfektionismus“ einzustellen, danach sich zu verbessern. Aber es heißt auch einmal mit dem zufrieden zu sein was man erreicht hat, wenn man alles versucht hat.

Ich bin froh das die Sommerpause vor der Tür steht. Ganz ehrlich. Nicht weil ich die Mannschaft nicht mehr sehen will, sondern weil sich diese Zeit anbietet zu reflektieren. Anschließend geht man frisch in die neue Saison, und lässt sich von dem überraschen was die Realität dann anbietet. Auch darauf kann man sich freuen. Darauf sollten sich alle freuen.

Ich geb mein Herz für dich

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Mit allem was wir haben auf nach Lissabon

Titelbild lasst die Bestie raus

Text: Marco Thielsch

Servus ihr Roten!

„FC Bayern stürmt das Olimpico“ – So titelte der Kicker am 8.12.2009, nachdem unsere Männer nach Jahren internationaler Abstinenz von den ganz großen Fleischtöpfen im entscheidenden Vorrundenspiel um den Achtelfinaleinzug in der Champions League Juventus Turin im eigenen Stadion mit 4:1 besiegten. Wenn ich auf die letzten fünf Jahre zurück blicke, denke ich oft an dieses Spiel und ich kann mich in meine damalige Gefühlswelt sehr gut zurück versetzen. Es war noch nicht lange her, da führte uns der FC Barcelona am Nasenring durch das Stadion. Ein Spiel, welches sinnbildlich dafür stand, wie weit wir von der internationalen Spitze entfernt waren. Ich sehe unseren wackeren Kapitän Mark van Bommel noch heute flehend mit den Armen rudernd vor mir und es brach mir das Herz zu sehen, wie unsere Jungs zweifellos wollten, aber es einfach keine Möglichkeit gab irgendwie in auch nur einen richtigen Zweikampf zu kommen. Es war das chancenloseste Spiel des FCB, das ich jemals gesehen hatte. Als würden wir Fußball aus einem anderen Jahrhundert spielen. Und so war es ja auch mit einem schwäbischen Bäcker an der Seitenlinie, der außer pseudoesotherischen Zenober und „wenn er auf Klo geht, gehst du mit“ keine weiteren taktischen Finessen kannte. Und dann kam diese magische Dezembernacht in Turin. Aus heutiger Sicht die Geburtsstunde einer Jahrhundertmannschaft. Erstmals bezwangen wir wieder mal einen (damals) großen Gegner in einem entscheidenden Spiel. Und zwar mit einem taktischen Plan. Wie hatte man sich als Roter danach gesehnt!

4 1/2 Jahre und drei Champions League Endspiele später stehen wir kurz vor dem Erreichen des vierten Finals der Königsklasse in fünf Jahren. Aber wenn man den Fernseher anstellt, die Zeitung aufschlägt oder sich dem Wahnsinn der sozialen Netzwerke hingibt, sind viele die es mit unserem FCB halten vorsichtig gesagt unzufrieden. Und viele Medien und „Experten“ scheinen nach 1 1/2 Jahren ohne der Möglichkeit sportlicher Kritik geradezu ausgehungert endlich mal wieder den Dampfhammer rausholen zu können. Und so entstehen zig Diskussionen hier, unzählige Meinungen da, und überall hat man unter dem Strich das Gefühl, wir können nichts gewinnen, aber alles verlieren, wenn am Dienstag Real Madrid kommt.

Das ist ein Trugschluss. Das was wir uns in den letzten fünf Jahren aufgebaut haben, was diese Mannschaft geleistet hat, was sie uns an Willen und fantastischen Augenblicken beschert hat, das alles ist so viel größer als all die Zweifel, all die Diskussionen um personelle oder taktische Entscheidungen des Trainers und auch so viel größer als all diejenigen, die davon leben dem FCB Krisen anzudichten, oder neunmalkluge Ratschläge zu erteilen.

Wenn am Dienstag also Real Madrid zu uns kommt, haben wir alles zu gewinnen und nichts zu verlieren. So rum wird ein Schuh draus. Die wissen Gott sei Dank nicht, was hierzulande für sinnlose Diskussionen geführt werden. Die wissen nur, dass wir jederzeit in der Lage dazu sind über 90 Minuten im eigenen Stadion einen 0:1 Rückstand zu drehen. Sie wissen durch die Leistungen unserer Jungs in den letzten Jahren, wozu diese im Stande sind. Sie wissen um ihre Bilanz gegen uns. Dazu ihre Obsession für La Decima, die wenn es in dem Spiel knapp werden sollte auch ganz schnell in Lähmung umschlagen kann. Das entsetzte Gesicht Ronaldos in der Schlussphase in Dortmund und die Spielweise seiner Kollegen kann da denk ich durchaus als Beleg dienen.

Wir dagegen haben 1000 Gründe uns auf dieses erneute europäische Highlight zu freuen und wenige bis keine, uns übertriebene Sorgen zu machen. Was auch immer am Dienstag unter dem Strich steht, unsere Jungs sind und bleiben unsterblich. Was allerdings nicht bedeutet, dass wir dem Gegner auch nur einen Zentimeter Boden freiwillig überlassen werden. Ganz im Gegenteil, die Jungs werden alles reinwerfen und wir werden ihnen bis zum letzten Atemzug mit brennenden Herzen folgen. Es wird Europapokal pur werden mit dem Spannungsbogen kurz vor Herzinfarkt. Pack ma´s ihr Roten! MIT ALLEM WAS WIR HABEN AUF NACH LISSABON!

München ich geb mein Herz für dich

Wolke 7 aka. Goldene Generation 2.0

Wie im Himmel…

Bild: Skley used under CC License  /  Text: Heiko Nieft

Seit gestern sind es also 20 Punkte Vorsprung auf den nächsten „Verfolger“. Da Leverkusen gegen Mainz verloren hat heißt dieser nun wieder Borussia Dortmund. Aber mal ernsthaft: wen interessiert das denn überhaupt noch?
Die anderen Vereine können anstellen was sie wollen, den Meistertitel haben wir eigentlich schon in der Tasche. Wenn selbst der Tabellenvierte innerhalb von knapp 30 Minuten fachmännisch zerlegt wird, und nur dank unserer reduzierten Leistung in der restlichen Spielzeit nicht völlig pulverisiert wurde.

Aber eigentlich wollte ich nicht über den Vorsprung schreiben, sondern über den Höhenflug ansich, über diese völlige innere Ruhe die daraus resultiert. Über das was wir alle aktuell als Zeitzeugen begleiten dürfen.
Ich bin weit davon entfernt von einer „Ära“ zu sprechen, denn dafür sind wir erst zu kurz dabei einen Rekord nach dem anderen einzustellen und die Liga (sowie teilweise auch Europa) zu dominieren.
Insbesondere auf europäischer Ebene sind wir noch nicht in der Lage jeden Gegner nach Belieben zu dominieren, das Spiel in London kann hier gerne als Referenz betrachtet werden.
Was wir aber national aufbieten, seit über einem Jahr, macht mich einfach nur sprachlos. Dachte man nach der letzten Saison noch das es so nicht weiter gehen könnte werden wir Woche für Woche eines Besseren belehrt. Es sind aber nicht nur die Ergebnisse die einen verblüffen, es ist unsere Spielweise, die Spielfreude. Wir sind fast immer in der Lage noch einen Gang hochzuschalten, sei es durch taktische Umstellungen im laufenden Spiel als durch Einwechslungen von der Bank. Ich kann mir schon vorstellen das es als Gegner derzeit keine Freude ist gegen uns zu spielen, und dabei dürfte es relativ egal sein ob das ein Heim- oder Auswärtsspiel ist.

Zu der positiven Entwicklung auf dem Spielfeld kommt noch die positive Entwicklung im Dialog Fans/Verein hinzu. Regelmäßig gibt es nun gute Nachrichten, und plötzlich scheint vieles möglich was lange Jahre als nicht machbar galt. Egal ob man damit mehrere Megafone meint, niedrigere Zäune zwischen 112/3 und den Nebenblöcken, oder neuerdings sogar eine komplette Stehplatzkurve im gesamten Unterrang der Südkurve.
Man braucht sich nur meinen Beitrag „Totengräber Sommermärchen“ ansehen, der ist knapp 1,5 Jahre alt und wirkt im Rückblick surreal. Genauso wie die jetzige Entwicklung damals völlig bekloppt gewirkt hätte. Wobei meine Grundhaltung wohl immer noch die gleiche ist, und ich die WM nach wie vor nicht zwingend als Grundstein für eine positive Entwicklung sehen würde.
Die positive Entwicklung jetzt resultiert aus mehreren kleinen Themen, einmal dem Verhalten der Fans selbst (ich erwähne nur zu gern das Supercup-Finale in Prag) als auch das Umdenken im Verein. Woher dieses umdenken stammt lass ich hier mal aussen vor.

National kann jeder Bayern-Fan mit einer völligen Ruhe in das jeweils nächste Spiel gehen. International schwankt man zwischen Sieg und Unentschieden, von einer Niederlage wird auch hier eher selten gesprochen. Dies ist das Resultat einer Entwicklung die ich wohl erst in ein paar Jahren vollständig verstanden haben werde. Ich erfreue mich an den positiven Berichterstattungen aus dem Ausland, an der Beachtung die dem FC Bayern inzwischen entgegen gebracht wird. Endlich sind wir auf einem Level angelangt das bislang den anderen Größen vorbehalten war, namentlich Real Madrid, FC Barcelona, Manchester United…
Etwas von dem man jahrelang nur träumen konnte ist nun Realität, und die Zukunft schaut eher besser als schlechter aus. Die Arena ist abbezahlt (wobei man darüber streiten kann ob wir dies nun mit Hilfe der Allianz regeln mussten, oder die paar Jahre auch noch selbst hätten zahlen können), wir haben somit keine „ablenkenden“ Ausgaben mehr. Die Einnahmen der Arena fließen direkt in unseren Topf, das sollte uns in den nächsten Jahren weiterhin die Möglichkeit geben gute und sinnvolle Transfers zu tätigen, die Spieler entsprechend zu entlohnen, und dennoch mit einem positiven Ergebnis da zu stehen.

Es ist unbeschreiblich wie viel Spaß es derzeit macht ein Fan des FC Bayern zu sein. Welch ein Privileg es ist die Gegenwart erleben zu dürfen, im Stadion oder vor dem TV. Diese „Schwerelosigkeit“ mit der aktuell das Geschehen verfolgt werden kann, weil es scheinbar nichts gibt was die Laune trüben könnte. In 10 Jahren wird man auf diese Zeit zurück blicken, voller schöner Erinnerungen. Sollte ich einmal Enkelkinder haben, die hoffentlich ähnlich fußballbegeistert wären wie ich, es wäre diese Zeitspanne von der ich wieder und wieder erzählen würde. Wie wir die Liga dominierten, wie wir auch international glänzten.
Es wäre sicherlich vermessen zu sagen das meine allerletzten Gedanken noch einmal meine Erlebnisse mit dem FCB rekapitulieren würden, aber mit Sicherheit werde ich sie nie vergessen und sie gerne und oft in Erinnerung rufen wenn es vllt. einmal nicht mehr so gut läuft. Diese Zeit kann mir, kann uns, keiner mehr nehmen. Erst recht nicht die Leute die jetzt heulen wie langweilig die Liga wäre.
Die Liga ist nicht langweilig, der Fußball ist nicht tot. Ganz im Gegenteil. Er ist quicklebendig, und so schön wie nie zuvor.

Das wir dabei diejenigen sind die dafür Sorge tragen sollte uns nicht stören, sondern mit Stolz erfüllen. Auf das der FC Bayern niemals untergeht!

Triplesieger 2013

Reisebericht Marokko – und wieder ein Titel mehr

Und wieder ein Pokal mehr für die Vitrine.

Bild: ElRey_MUC used under CC License  /  Text: Heiko Nieft

Das Finale ist inzwischen über eine Woche her, seit einigen Tagen bin ich auch wieder zurück in der heimischen Wohnung. Dennoch möchte ich euch einen kleinen Einblick in meine Reise geben, meine Eindrücke schildern. Vom Gewinn der WM in Marokko, die hier in Deutschland eher wenig Beachtung findet.
Der folgende Beitrag wird der längste den ich bislang geschrieben habe, je nach Lesegeschwindigkeit solltet ihr aber bis Silvester durch sein. Sorry dafür. 😉

Anfang August diesen Jahres begann meine Reise, naja, zumindest damit Hotel und Flug zu buchen. Über Bekannte hatte ich Tipps erhalten, in welchem Hotel sie sich einquartieren würden, wie sie fliegen… Allerdings hatten sie schon deutlich früher gebucht, die gleiche Reise wäre nun deutlich teurer gewesen, knapp über 1.000 Euro. Ich war schon kurz davor zu buchen, habe mich dann jedoch dazu entschieden nochmal weiter zu suchen.
Letztlich konnte ich doch noch günstiger reisen, sogar mit Direktflug von München nach Agadir und gleiche Route zurück. Gleiches Hotel wie die Bekannten. Einziger Unterschied: ich flog zwei Tage später hin, und zwei Tage später auch wieder zurück. Kosten für eine Woche All-inclusive im 4-Sterne-Hotel direkt am Strand in Agadir, mit Direktflügen von Condor: ca. 830 Euro.
Knackpunkt: der Hinflug erfolgte am 17.12., also am Spieltag des Halbfinals. Zeitlich ausreichend, allerdings ohne großen Puffer.

Knapp 2 Monate später dann die Ticketanfrage beim FC Bayern gestellt, das „Kombipaket“ aus Halbfinale und Finale. Mitte November kam die erwartbare Zusage, Kostenpunkt für beide Tickets gesamt: 91 Euro. Bedenkt man dass das Ticket für den gesamten Finaltag gültig war, also auch für das Spiel um Platz 3, konnte man sich so 3 Spiele für 91 Euro ansehen. Geht preislich durchaus in Ordnung finde ich.
Zwei Wochen vor Reisebeginn die letzte Hürde: den Chef auf Urlaub ansprechen. Der war bislang nicht geklärt, durch bisherige Erfahrungen war ich jedoch guter Dinge dass das klappt. Und das tat es auch, so das ich am 13.12. meinen letzten Arbeitstag hatte, und am Dienstag darauf nach Marokko fliegen konnte.
Letzte Einkäufe erledigen, Koffer packen – die Kleidungsauswahl fiel recht einfach aus. Die Temperaturen in Agadir lagen immerhin bei gut 20 Grad, also recht angenehm im Vergleich zum winterlichen München.

Dann endlich der Tag des Hinflugs. Der Flug mit 4 Stunden zeitlich absolut okay, immer schön an der südeuropäischen Küste entlang rüber nach Afrika. Die Landung problemlos, die Suche nach dem Terminalgebäude war da schon schwieriger. Nicht für die Piloten, aber für die Passagiere. Bei dem Blick aus dem Fenster sah man nichts was irgendwie nach Flughafen aussah. So klein hatte, zumindest ich mir, den Flughafen nicht vorgestellt. Immerhin ist Agadir durchaus ein Touristenziel.
Als der Flieger endlich parkte und man aussteigen durfte schlug einem erstmal die angenehme Wärme entgegen, willkommen im Urlaub. Der Weg zum Terminal dann zu Fuß, über die Parkfläche der Flugzeuge. Kurz nach uns landete ein zweiter Flieger, dieser parkte nah bei unserem. Durch dessen Wendemanöver wäre man fast in dessen Triebwerkstrahl hineingelaufen – wenn nicht noch ein Flughafenangestellter gemerkt hätte das die Wegwahl kritisch hätte werden können.
Für die Einreise musste ein Einreiseformular ausgefüllt werden, das wirklich nervige dabei: sowohl im Flugzeug als auch im Terminalgebäude gab es eigentlich keine Stifte um dieses Formular auszufüllen. Keine Ahnung warum, aber vermutlich Sparmaßnahmen, Sicherheitsvorkehrungen oder ähnlicher Mist.
Abgesehen davon stellte die Einreise keine Probleme dar. Noch schnell den Koffer geholt, Geld gewechselt (erfreulicher Weise ohne jegliche Gebühren direkt im Flughafengebäude), und mit dem Taxi zum Hotel. Die Taxis sind zu 95% alte Mercedes, und mit alt meine ich: die meisten davon würden hier mit H-Kennzeichen rumfahren. Allerdings deutlich weniger gepflegt. Angst musste man sicherlich keine haben, eher Galgenhumor.
Die Fahrt zum Hotel, ca. 25 Minuten lang, bot einen ersten Eindruck der dortigen Verkehrsregeln. Zebrastreifen, Fahrbahnmarkierungen etc. sind eher als grobe Orientierung zu sehen, und keinesfalls als Richtlinien. Eine 3-spurige Straße wird kurzerhand 4-spurig, mit Mofas teilweise sogar 5-spurig. Wer seinem Überholmanöver Nachdruck verleihen möchte hupt, das kann man auch in jeder anderen Situation einfach mal machen. Scheint geholfen zu haben. Ohne Unfall kam ich im Hotel an.
Checkin erstaunlich schnell, der Rezeptionist konnte recht gut deutsch, versuchte sich direkt an einem Fangesang. Das klappte nicht soooo gut. Egal, kurz ins Zimmer, umgezogen, und wieder raus. Direkt die Bekannten Gesichter getroffen, mit dem Hinweis ich könne noch schnell was essen bevor es um 15 Uhr zum Treffpunkt geht für das Spiel. Auf dem kurzen Weg schon gesehen das ein Großteil der Gäste wohl auch zum Fußball wollte. Sehr nett.

Um 15 Uhr als Treffen an der Strandpromende (wirklich sehr hübsch hergerichtet), und zu Fuß zum Abfahrtsort der Shuttle-Busse. Da wir deutlich als Bayern-Fans, und somit als Touristen, erkennbar waren dauerte es nicht allzu lange bis div. Händler ihre Waren anboten. War zu erwarten. Weniger zu erwarten: ständige „Bayern“-Rufe von allen Seiten, Daumen hoch, Ergebnisansagen etc… Selbst von einem Baugerüst riefen die Arbeiter runter. Zum jetzigen Zeitpunkt noch witzig und amüsant.
Nach einem kurzen Fußmarsch dann am provisorischen „Busbahnhof“ angekommen, um den Bus besteigen zu können musste man das erste Mal seine Eintrittskarte vorzeigen. Rein in den Bus, kurz auf die Abfahrt warten, und dann ging´s los. Immer weiter raus aus der Stadt. Mitten ins nichts. Und „nichts“ heißt hier wirklich: nichts.
Man sagt zwar auch die Allianz Arena steht irgendwo auf dem Mond, aber im Vergleich dazu steht die Arena mitten in der Stadt. Rund um das, sehr neue, Stadion in Agadir ist: Schotter. Beispiel gefällig?


So sah es aus. Rund um das Stadion. Es gab keinen Weg zum Stadion, man musste über Stock und Stein. Wenn man sich in München beschwert das es auf der Esplanade nichts gibt war das hier der Beweis das noch weniger durchaus möglich ist. Gut, hier und da ein Händler die unterschiedlichste Waren anboten, mehr aber auch nicht.
Erst kurz vor dem Stadion sah man dann das die direkte Stadionumgebung ebenso neu war. Asphaltierte Straßen und groß angelegte Parkplatzareale – die die Frage aufwarfen warum der Shuttlebus nicht dorthin fuhr. Die örtliche Polizei wollte wohl auch ihre Macht demonstrieren, und so konnte man unzählige Einsatzfahrzeuge auf den Parkplätzen sehen. Fein säuberlich aufgereiht, hier und da noch ein paar Wasserwerfer die sichtlich gut gepanzert waren.
Achja, Kioske oder Toiletten gibt es ausserhalb des Stadions nicht. Ab und an eine „Garage“, deren Sinn und Zweck sich mir nicht entschloss. Aber das war es dann auch.
Glücklicherweise durften wir zu unserem Eingang einmal um das Stadion herumlaufen. Auf dem Weg wurden wir unzählige Male nach unseren Tickets gefragt, auch das erschien eher sinnfrei oder als eigens ausgedachte Beschäftigungsmaßnahme der Ordnungskräfte – die sonst gelangweilt rumstanden.

Soweit ich das sehen konnte waren am Bau dieses Stadions auch Tiere beteiligt, zumindest konnte man Pfotenabdrücke im Beton rund um das Stadion sehen. Leider habe ich davon kein Foto gemacht, es wirkte aber sehr amüsant. Links das neue Stadion, sauber geleckt (bis auf den Wüstensand), und dann liefen da Hunde über die frisch betonierten Anlagen.

Wie dem auch sei, irgendwann erreichten wir den richtigen Eingang. Nochmal Karte vorzeigen, und dann die Körperkontrolle. Die war vergleichsweise deutlich, bei den Frauen wohl noch „präziser“ als bei den Männern.
Im Stadion dann erstmal Plätze suchen, und die Zeit zum Anst0ß totschlagen. Ich machte mich auf die Suche nach einem „Souvenirshop“, da ich es mir zur Angewohnheit gemacht habe von den internationalen Auswärtsspielen Schals zu kaufen. Die Suche war aber deutlich schwieriger als erwartet. Man muss sich vorstellen das die Stadien innen quasi „hohl“ sind, also ausser den Aufgängen zu den Blöcken und den Toiletten nichts zu bieten haben. Die „Kioske“ waren Areale mit Kühlschränken und Chipspaletten, die durch Absperrgitter abgegrenzt waren. Nach längerer Suche dann auch noch einen Stand der Fifa entdeckt, der offizielle Souvenirs zu recht günstigen Preisen vertickte. Allerdings keine Schals im Angebot. Leider. So holte ich mir ein T-Shirt und einen Pin, für zusammen ca. 12-13 Euro.
3 Flaschen Cola sowie 2 Tüten Chips kosteten zusammen 70 Dirham, also ca. 7 Euro. Über die Preise kann man nicht meckern.


Hier ein Bild vom Stadioninneren. Hübsch, modern. Aber mehr auch nicht. Kein großes Tam-tam, nichts besonders erwähnenswertes.
Zum Spiel gegen Evergrande werde ich nur das sagen: Pflichtsieg mit niedrigem Aufwand. Finaleinzug perfekt, alles andere wäre auch eine Überraschung gewesen.

Nach dem Spiel gleich mehrere Erkenntnisse:
1) es kühlt sehr schnell ab
2) es kühlt sehr stark ab
3) die diesmal in Stadionnähe stehenden Shuttlebusse (warum ging das vor dem Spiel nicht?) fahren nicht bis alle Busse voll sind

Meine Schlußfolgerung für das Finalspiel in Marrakesch: ich nehme meine dünne Kapuzenjacke mit. Denn nachts hat es wirklich nur noch ein paar Grad über null, und einige waren so naiv wie ich zu glauben ein T-Shirt würde reichen. Sollte jemand von euch mal nach Marokko fliegen, im Dezember: langärmlige Klamotten sind wirklich keine dumme Idee!

Irgendwann fuhren aber auch die Busse einmal los, im Konvoi zurück zum Ausgangspunkt nähe der Strandpromenade. Von dort aus mit den „Petit Taxi“ (vorzugsweise Peugeot 206, Zustand und Alter wie bei den Mercedes-Taxi) zum Hotel. Fahrpreis: knapp 20 Dirham, also verschmerzbare 2 Euro. Da war übrigens das Trinkgeld schon mit drin.

Die Hotelbar hatte noch geöffnet, also die Vorzüge eines All-inclusive-Urlaubs ausgenutzt. Die „Kellner“ wurden dazu angehalten Tablett nach Tablett mit Bier anzukarren, mit Trinkgeld als Überzeugungswerkzeug ging das recht gut. Hier und da ein Missverständnis bezüglich der gewünschten Menge, aber sonst sehr freundlich.

Die Tage bis zum Finale habe ich abwechselnd mit am Pool liegen, essen, lesen, schlafen oder am Strand entlanglaufen verbracht. Ich war an Ausflügen in die Stadt oder ähnlichem nicht interessiert, Möglichkeiten dazu hätte es jedoch gegeben. Hin und wieder hätte ich mir gewünscht Ohropax eingepackt zu haben, spätestens als mal wieder „Gangnam Style“ von den Animateuren lautstark unters Volk gebracht wurde. Das ist dann der Nachteil an einem Clubhotel. Ansonsten aber konnte man am Pool wirklich seine Ruhe haben, es war spürbar Nebensaison so das kein Gerangel um Sonnenliegen oder ähnliches stattfand.

Kommen wir zum Finaltag, bevor der Artikel hier noch Romanlänge annimmt. Bis zum Freitag hatte ich noch keine Ahnung wie ich am Samstag nach Marrakesch kommen sollte, dank der Verbindungen eines Freundes fand ich noch Platz in einem Mietwagen, also entging ich dem Linienbus.
Am Samstagmorgen also Treffpunkt in der Hotellobby, und die erste Info war das es einen Mitfahrer erwischt hatte. Scheißerei. Der üblen Sorte. Neben der Erkältung (mit der gegen Ende fast jeder zu kämpfen hatte) die zweite Möglichkeit sich seinen Urlaub zu versauen.
Also nur kurz zum anderen Hotel gefahren, Karte abgeholt, und dann zu dritt anstatt zu viert nach Marrakesch. Die Autobahn dahin ist sehr gut ausgebaut, durchgehend mit Tempolimit 120. Mehr hätte unser Auto wohl auch nicht geschafft, obwohl ein aktuelles Modell mit unter 70.000 km spürbar „zugeritten“. Das Schicksal eines Mietwagens.
Kurzer Zwischenstopp an einer „Raststätte“, das erste Treffen mit Fans des Gegners Raja Casablanca. Die ersten Gruppenfotos. Dann Weiterfahrt und das erreichen der Mautstelle. Der zweite Wunsch nach Ohropax kam mir in den Sinn. Hupkonzert, völlig am Rad drehende Marokkaner, auf den Türen sitzend Fahnen schwenkend, Fotos machend, singend… Ein irrer Eindruck. Nicht in Bildern festzuhalten, und auch Videos geben nur unzulänglich Eindruck davon wie heiß die Leute auf das Finale waren. Wobei „heiß“ eher nett gemeint ist, die waren einfach nur froh und glücklich ins Finale zu kommen.

Als wir in Marrakesch ankamen erstmal rein in die Stadt, über einen der dortigen Märkte schlendern. Der Parkplatz neben dem Markt war übrigens eine Mischung aus Taxisammelplatz, Werkstatt, Waschanlage, und Verpflegungsmöglichkeit.
Der Markt selbst wie man sich afrikanische Märkte eben so vorstellt. Lebensmittel neben SIM-Karten neben Kleidung neben Gewürzen neben Metzgern etc… Und mittendrin: stinkende Mofas. Die wuselten in den engen Gassen zwischen den Menschen durch, irre. Als Fußgänger hilft dabei nur eins: nicht hektisch werden. Einfach so laufen als wäre da nichts. Klappt erstaunlich gut. Sobald man versuchen sollte auszuweichen wirds kritisch, weil damit nämlich die Mofa-Fahrer nicht rechnen. Das als kleiner Survival-Tipp an alle Leser. 😉
Achso, Survival-Tipp 2: möchtet ihr nicht alle paar Meter angehalten werden versteckt eure Fanutensilien. Ansonsten wird man ständig angesprochen ob man nicht ein Foto machen könnte. Da halten sogar Mofas mitten im Verkehr, die Fahrer laufen zu euch hin und fragen nach Bildern. Am Anfang wirkt das noch sehr nett, sehr freundlich. Aber spätestens nach dem tausendsten Bild will man nicht mehr mitmachen. Aber es kommen trotzdem weitere Leute auf euch zu, und da „Nein“ zu sagen fällt wirklich schwer. Also immer gesagt „Quick quick, one photo“, und darauf gehofft das es wirklich schnell ging.

Anschließend die Suche nach einer Möglichkeit noch was zu essen. Dabei suchten wir etwas das zumindest auf den ersten Blick vertrauenswürdig aussah. Fündig wurden wir kurz ausserhalb von Marrakesch, auf der Hinfahrt dauerte die Fahrt vllt. 5 Minuten vom Stadion aus. Nach dem essen (Pizza für 22 Dirham, und geschmacklich mehr als erträglich) wollten wir den gleichen Weg zurück nehmen, da wären wir direkt am Stadion rausgekommen. Genau dieser Weg war jedoch zwischenzeitlich abgesperrt worden. Die gesamte Anfahrt wurde über eine Straße gelenkt, quer durch Marrakesch. Anfahrtszeit: knapp 2 Stunden.
Organisatorisch die reinste Vollkatastrophe. Mit der üblichen Fahrweise gepaart kommt einem das vor wie der Vorhof zur Hölle. Ja, in München muss man manchmal 2 Stunden im Parkhaus waren um raus zu kommen. Dabei geht es allerdings gesittet zu! Da steht man in einer Schlange, und kann grob abschätzen wie lange das dauert. Das geht hier nicht! Mofas die eben noch über Bürgersteige gefahren sind müssen sich wieder einordnen, weil ein Polizist mal versucht Ordnung reinzubringen. Jegliche Verkehrskontrolle durch die Ordnungskräfte sieht übrigens wie folgt aus: Trillerpfeife in den Mund, sich einen Wolf blasen, und dabei immer wieder winken. Das war es. Ab und an ein VIP-Konvoi, für den dann die Fahrbahn freigemacht wurde, aber sonst nur Chaos. Die Fahrt auf den Parkplatz war nicht anders. Die Leute wussten nicht einmal im Ansatz wo noch Plätze frei waren. Da wurde einfach fleißig weiter gewunken, immer weiter, bis man nicht mehr weiter konnte. Irgendein Ordner bemühte sich dann „Klärung“, am Ende standen wir quer auf einem Busparkplatz. Irgendwo. Versucht euch nicht zu merken WO ihr geparkt habt, merkt euch lieber wie ihr gelaufen seid um zum Stadion zu kommen.


A propos Stadion: das Stadion in Marrakesch ist ebenso neu wie das in Agadir. Hat sogar Drehkreuze. Das Problem dabei: die einheimische Bevölkerung kennt sowas nicht! Man kann es auf dem Bild oben nur schwer erkennen, es wurde aufgenommen nachdem ich es durch das Kreuz geschafft hatte. Man blickt also nach aussen.
Da drängen Menschenmassen in Richtung der Drehkreuze, ähnlich wie im Straßenverkehr drängt sofort jemand von der Seite rein sobald die Person der Meinung ist hier geht es nur etwas schneller vorwärts. Von hinten drängen die Massen nach, inzwischen war das Spiel um Platz 3 fast zu Ende, also wollten die Leute schnellstmöglich rein um bloß nicht das Finale zu verpassen.
Die marrokanische Lösung dafür: man stellt einen Ordner vor jedes Drehkreuz. Dieser Ordner bekommt dein Ticket in die Hand gedrückt, und zwar wirklich gedrückt. Warte nicht bis du an der Reihe bist, denn dann würdest du noch in 10 Tagen da stehen.
Wenn du dein Ticket erfolgreich losgeworden bist steckt es der Ordner in den Scanner, und schiebt dich anschließend persönlich durch das Drehkreuz. Dabei muss er aufpassen das sich nicht noch ein zweiter dazuquetscht, was sonst definitiv passiert wäre. Anschließend, wenn man es einmal durch das Kreuz geschafft hat, reicht einem der Ordner das entwertete Ticket durch das Kreuz hinterher.
Man kann sich vorstellen das dies weder schnell geht, noch in halbwegs geordneten Bahnen. Völlig abartig das Ganze, und so in Deutschland nicht im Ansatz vorstellbar.
Sollte Marokko versuchen sich durch die Klub-WM (die nächstes Jahr im übrigen wieder in Marokko stattfinden wird) für die Verbands-WM zu bewerben ist da ein deutlicher Nachholbedarf zu sehen.

Im Stadion konnte ich mir die letzten 4 Minuten vom Spiel um Platz 3 ansehen, sah also noch den Siegtreffer von Mineiro. Danach durchstreifte ich das Stadion ähnlich wie in Agadir, auf der Suche nach der Möglichkeit einen Finalschal zu kaufen. Ich sah ihn schon beim Halbfinale in Agadir, da hatte ihn schon jemand. Ich wusste nur nicht ob es ein Fake war, oder echt, wo der zu kaufen war etc.
Das Stadion in Marrakesch ist aber innen ähnlich „hohl“ wie in Agadir. Der Fifa-Stand war ausserhalb des Stadions, und selbst ein Ordner der ein paar Meter davon entfernt stand konnte mir nicht sagen ob es hier einen Stand gibt oder nicht. Leider wieder ohne Schal, und daher hoch in unseren Block. Nachdem es allen Zuschauern freigestellt war sich seinen Platz zu suchen waren also auch im Bayern-Block Raja-Fans, zwar deutlich in der Minderheit, aber dennoch mittendrin. Auch das unvorstellbar, einmal hier in Deutschland und sicherlich auch von der Fifa alles andere als gewollt. Auf den Tickets steht derweil noch ein Dank, das man sich doch bitte an seinen Platz setzen möchte. Hach ja, die Ironie…

Zum Spiel wieder nur ein kurzer Satz: nach der frühen 2:0-Führung wurden auch die durchaus lautstarken Raja-Fans deutlich leiser, das Spiel plätscherte nur noch vor sich hin. Am Ende etwas zu nachlässig, fast noch ein Gegentor kassiert. Insgesamt aber souverän, auch weil wir nicht annähernd an unser Limit gehen mussten.
Nach Spielende das gewohnte Bild: Siegeszeremonie, Spieler kommen mit Pokal zu den Fans, bisschen feiern, und das war´s. Den Spielern war der „Wert“ dieses Pokals anzusehen, lediglich Dante und Rafinha waren völlig aus dem Häuschen.
Größter Erfolg des Tages: das eigene Auto wurde erstaunlich schnell wieder gefunden. Hat aber auch nichts geholfen. Bis wir vom Parkplatz runter waren dauerte es über eine Stunde. Die noch anwesenden Ordnungskräfte haben vollends aufgegeben, Autos fuhren kreuz und quer über Gehwege, nur um ein paar Meter schneller voran zu kommen.


Teilweise wurden sogar die Gullideckel als Rampen umfunktioniert, um auf die Gehsteige fahren zu können. Zwischendrin standen immer mal wieder Fahrzeuge deren Fahrer noch nicht zurück waren, also musste man zu allem Übel auch noch den parkenden Autos ausweichen. Einfach nur völlig krank.
Es gab auch Jugendliche die zwischen den Autos langliefen und, so meine Interpretation, bettelten. Manche wollten zwanghaft Schals, Mützen oder ähnliches tauschen. Abgesehen davon das ich (zum Glück) meinen Südkurven-Schal im Hotel gelassen hatte, warum sollte ich einen Bayern-Schal gegen einen Raja-Schal eintauschen? Noch dazu weil man sicherlich nicht wissen konnte ob das ein Original war, oder nicht.
Immerhin gab es auf den Märkten auch Bayern-Trikots mit 5 Sternen zu kaufen, mit „E.V.“ auf dem Wappen etc… Qualitätsware also.

Gegen 23:30 Uhr konnten wir den Parkplatz immerhin endlich verlassen, und die Autobahn ist in kürzester Zeit zu erreichen.
Die Fahrt nach Agadir, über den Atlas mitten in der Nacht, war absolut ruhig. Hier und da warnen zwar Leute davor mit einem Mietwagen auf eigene Faust dort zu fahren, ich hatte jedoch in keinem Moment ein mulmiges Gefühl.
Sehr nett auch zu sehen das selbst die kleinsten Dörfer in den Bergen irgendwoher Strom haben. Zumindest konnte man immer wieder Lichter sehen.

Nach einer Pause und ein bisschen Irrfahrt in Agadir war ich gegen 3 Uhr morgens wieder im Hotel angekommen, die meisten Bekannten hatten ihre Rückreise am Sonntag morgen, so das am Sonntag mittag schon deutlich weniger Bayern-Fans im Hotelareal unterwegs waren.

Die letzten Tage verbrachte ich wie die vorherigen, gegen Weihnachten wurde es zwar wieder etwas voller, aber dennoch konnte man tagsüber in Ruhe am Pool liegen (von „Gangam Style“ vllt. mal abgesehen).
Am 24.12. trat ich dann endlich meinen Heimweg an. Mit dem Taxi raus zum Flughafen, der Taxifahrer konnte etwas deutsch sprechen, also beklagte er sich erst einmal darüber das wir Bayern den Pokal mitgenommen hätten. 🙂
Nett wie die Marokkaner nun einmal sind durfte ich als Bayern-Fan sogar noch einen kleinen Aufschlag für die Fahrt zum Flughafen zahlen. Anstatt 220 Dirham wollte der Fahrer mit einem Augenzwinkern 250 Dirham. Ich war sogar so nett ihm darüber hinaus etwas Trinkgeld zu geben. Mir ist bewusst das man günstiger zum Flughafen kommt, und das ich selbst die 250 Dirham nicht hätte zahlen müssen, aber in dem Moment war es mir ehrlich gesagt vollkommen wurst. Ob ich jetzt 20 Euro für die Fahrt zahle, oder 25 Euro… Mir sind die 5 Euro egal, für den Fahrer hingegen nicht. Also warum Terz machen…


Um auf den Anfang zurück zu kommen, auf die Dimension des Flughafens, noch ein Bild. Aufgenommen auf dem Weg vom Terminal zum Flugzeug, also innerhalb des Flughafens.
Gates sind dort im übrigens nichts weiter als Türen raus zum Parkareal der Flugzeuge. Und auch hier zeigte sich noch einmal die Organisationsschwierigkeit der Marokkaner. 3 Passagiere meines Flugs waren im Rollstuhl, also musste erst einmal Personal angekarrt werden das die Rollstuhlfahrer zum Flugzeug brachte etc… Scheint nicht sooooo einfach gewesen zu sein. Dauerte jedenfalls gute 15 Minuten. Vorher konnte das Boarding nicht beginnen, aber Zeit ist hier kein Faktor. Man muss auch nicht zwingend einen Slot für die Rollbahn erwischen, denn neben uns gab es gerade mal ein zweites Flugzeug auf dem Gelände – und das war erst gelandet.

Der Flug zurück war nicht im Ansatz ausgebucht, also konnte man sich hinsetzen wo man wollte. Dank starkem Rückenwind und stellenweise über 900 km/h Reisegeschwindigkeit dauerte der Flug nur 3,5 Stunden, so das wir vor der geplanten Ankunft in München landeten. Und ich war irgendwie froh darüber auch wieder zu Hause zu sein.

Dennoch möchte ich die Reise nicht missen, und auch wenn der Titel keine großen Emotionen ausgelöst hat wie es der CL-Gewinn tat, es war nett dabei gewesen zu sein. Miterlebt zu haben wie wir uns auch noch diesen Pokal geholt haben, und uns jetzt offiziell ein Jahr lang Weltmeister nennen können.
Solch ein Pokal rundete das fantastische Jahr perfekt ab. Nicht zu vergessen das der 17. Spieltag der Bundesliga in unserer Abwesenheit auch nicht gerade schlecht lief für uns.

Ich könnte noch deutlich mehr schreiben, aber ich denke der Artikel ist jetzt schon mehr als lang genug. Danke an alle die es bis zum Ende geschafft haben, danke an die die auch meine anderen Artikel gelesen haben und mich so dazu gebracht haben doch ein paar Artikel mehr zu schreiben.
Auch wenn das Jahr noch nicht ganz rum ist wünsche ich euch allen schon einmal einen guten Rutsch, auf dass das nächste Jahr ähnlich grandios wird wie 2013. Auf das der FC Bayern auch im nächsten Jahr für emotionale Höhepunkte sorgen wird.

Forza Minga

…and the story continues…

München leuchtet – strahlender als je zuvor.

Bild: Mr Weeeee used under CC License  /  Text: Heiko Nieft

4, 7, 13, 30, 38, 50 – das sind unsere sechs richtigen. Seit gestern. 4 Punkte Vorsprung auf Platz 2 – gut, die hatten wir auch schon vor der Länderspielpause. 7 Punkte Vorsprung auf Dortmund hingegen sind neu. Das ganze nach 13 Spieltagen in denen wir 30 Tore geschossen haben. Inzwischen sind wir seit 38 Spielen in der Bundesliga ungeschlagen, haben in 50 Spielen in Folge mindestens ein Tor selbst erzielt.
Liest sich nicht nur bockstark, sondern ist es auch.

Ich hatte vor dem gestrigen Spiel ehrlich gesagt etwas Sorge. Unsere letzten Auftritte in Dortmund, inklusive dem Supercup vor der Saison, waren nur bedingt souverän. Und auch gestern waren wir trotz aller Ausfälle beim BVB nicht überlegen, erst recht nicht in der ersten Hälfte.
Da muss man so ehrlich sein und dem Gegner Respekt zollen. Klar, auch wir hatten mit Verletzungen zu kämpfen, mussten u.a. auf Schweinsteiger und Ribéry verzichten. Nicht zu vergessen das Badstuber auch noch im Krankenstand weilt.
Was jedoch bemerkenswert ist: unsere taktische Variabilität durch die Spieler auf der Bank. Wir haben natürlich auch letzte Saison schon hier und da die Taktik angepasst, unter Jupp Heynckes. Was diese Saison jedoch unter Guardiola passiert ist gigantisch.
Man kann sicherlich lange darüber diskutieren ob es besser ist von Anfang an den Gegner unter Druck zu setzen und ihn in das eigene Taktikspielchen zu zwingen als „immer“ erst in Halbzeit 2 daraus zu lernen. Fakt ist jedoch: solange das funktioniert kann man sich darüber nicht beschweren.

Die Idee des Ganzen scheint zu sein: beobachten was der Gegner in der ersten Hälfte macht, und darauf in Hälfte 2 reagieren – sofern notwendig. Dadurch das Guardiola seine Spieler flexibel einsetzen möchte, auf versch. Positionen, erhöht das unsere Möglichkeiten. Durch einen einzigen Wechsel, und weitere Umstellungen der restlichen 9 Feldspieler sind wir in der Lage in kurzer Zeit das System vollständig zu wechseln. Und genau damit haben unsere Gegner Probleme. Vorherige Zuordnungen passen nicht mehr, die Defensivspieler müssen sich neu orientieren.
Erschwerend für den Gegner kommt noch hinzu das wir durch unsere Wechsel nicht an Stärke einbüßen, und „ungebremst“ weitermachen können. Addiert man das mit der allgemeinen Spielweise des „totalen Ballbesitzes“ machen wir den Gegner mürbe und müde. Je länger das Spiel dauert, desto mehr spielt uns das in die Karten.
Zu verdanken ist dies den Transfers vor der Saison, sowie den Gedanken unseres neuen Trainers.

Wir müssen uns nur überlegen das wir letzte Saison das Triple geholt haben, danach den Trainer gewechselt haben und aktuell eigentlich noch schlagkräftiger sind wie vor ein paar Monaten. Das Guardiola die Erfolge von Heynckes nicht einfach nur verwaltet und im Detail verändert, sondern im laufenden Betrieb eine OP am offenen Herzen durchführt, und dennoch Erfolge verbucht ist aller Ehren wert.
Das witzige dabei: Pep sagt die Mannschaft sei noch nicht „seine Mannschaft“. Das mag richtig sein. Aber was soll denn bitte das Ergebnis sein wenn es einmal seine Mannschaft ist? Müssen wir uns dann darüber unterhalten das wir in 13 Spielen bereits 2 Punkte abgegeben haben? Es wirkt surreal, aber wir haben aktuell auch erst 4 Punkte liegen lassen. Das ist nahe am Optimum, und stellt einen neuen Bundesligarekord dar, immerhin haben wir unseren eigenen Rekord von 34 Punkten aus 13 Spielen gebrochen und überboten.

Seit der letzten Saison befinden wir uns auf einer irrwitzigen Rekordjagd. Uralte Rekorde werden quasi im vorbeigehen geknackt und überboten. Die bislang 38 Bundesligaspiele am Stück ohne Niederlage dürften noch nicht das Ende der Fahnenstange, und damit wohl wirklich für lange Zeit uneinholbar sein. Der FC Bayern hat das verlieren verlernt. Aber nicht nur in der Bundesliga.
In der Champions League haben wir am kommenden Mittwoch die Chance das zehnte Spiel in Folge zu gewinnen, und damit den Rekord von Barcelona zu überbieten – aktuell haben wir ihn „nur“ eingestellt. Nur zum Verständnis: hier geht es nicht darum nicht zu verlieren, sondern aus jedem Spiel als Sieger hervor zu gehen. In der Königsklasse!

Derzeit sind wir wie ein Güterzug mit Höchstgeschwindigkeit. Auf dem Gleis vor uns mögen noch andere unterwegs sein, wenn sie jedoch nicht schnell genug sind werden sie einfach aus dem Weg geräumt. Klar ist jedoch: irgendwann werden auch wir wieder ein Spiel verlieren. Aber selbst dann gilt das wir seit mehr als einem Jahr die besten Bayern erleben dürfen die es je gab. Wir werden noch eine Menge Spaß mit dem jetzigen Kader, dem jetzigen Trainer haben, so viel steht fest. Wir dürfen des weiteren gespannt sein was passiert wenn der gesamte Kader fit ist, ob wir dann noch mehr rotieren, oder eine „Stammelf“ haben werden und durch die Auswechselspieler während eines Spiels mehrfach unser System umstellen, noch mehr als das heute schon der Fall ist.

Ich bin unfassbar stolz auf die aktuellen Leistungen, und ich bin froh diese Zeit miterleben zu dürfen. Warten wir einmal ab was die aktuelle Saison noch zu bieten hat, und wohin die Reise geht. Die Richtung scheint klar zu sein: nur nach vorne, und in neue Höhen.

Triplesieger 2013

Kommentar zum Bloggertreffen mit Club Nr. 12 und Schickeria München

Die Südkurve München – aus dem Jahr 2005.

Bild: probek used under CC License  /  Text: Heiko Nieft

Eines vorweg, dieser Beitrag wird kein „Protokoll“ des Treffens werden, sondern ein Kommentar mit meiner persönlichen Sichtweise.

Für alle die es noch nicht mitbekommen hatten, sowohl der Club Nr. 12 (der Einfachheit halber künftig nur noch C12 genannt) sowie die Schickeria München (künftig SM genannt) haben sich vor einiger Zeit vorgenommen richtig transparent und offen zu werden. Also nach außen hin „kommunikativer“ unterwegs zu sein. Beides nicht zuletzt sicherlich aus der Not heraus um der recht einseitigen medialen Berichterstattung entgegenzuwirken, und selbst „in den Angriff“ zu gehen und die eigene Sichtweise besser darzustellen.
Daraus resultierten inzwischen schon mehrere Gespräche, seitens der SM gab es nach dem Spiel gg. Nürnberg die Einladung zu einer Diskussionsrunde an alle Bayernfans. Gekommen sind damals 40-50 Personen, das mag im ersten Moment nicht viel erscheinen, ist aber dennoch beachtlich. Auch weil nicht nur ultra-nahe Fans dabei waren, sondern Leute aus allen möglichen Bereichen des Stadions.
Später gab es eine „Presserunde“ seitens des C12, um direkt mit Pressevertretern sprechen zu können sowie zu erklären warum es vorerst schwierig wird in der Allianz Arena Stimmung zu erzeugen, was dazu geführt hat usw. Auch dieses Gespräch kann man durchaus als erfolgreich betrachten. Nicht dabei waren bei diesem Treffen jedoch Blogger und Podcaster, dies wurde nun auf Wunsch der Blogger nachgeholt.

Das Treffen fand bereits am Sonntag Abend statt, und manch einer mag bereits auf anderen Blogs die Inhalte gelesen haben, aber wie gesagt geht es hier nicht um ein Protokoll. Themen gab es reichlich, insbesondere wurde über die anstehenden Tests bzgl. der freien Platzwahl in der Südkurve diskutiert, Sinn und Zweck jedoch war vielmehr dem C12 sowie der SM „auf den Zahn zu fühlen“.
Das klingt jedoch härter als es eigentlich ist, von meiner Warte aus meinen es sowohl C12 als eben auch die SM wirklich ernst damit offener nach außen zu kommunizieren. Insbesondere beim C12 scheitert es jedoch an der geringen Zahl der Helfer. Daher hier auch ein kleiner Aufruf an alle die helfen wollen, der C12 sucht händeringend Helfer in allen möglichen Bereichen. Natürlich wäre es dabei gut wenn der- oder diejenige eine gewisse Nähe zur Fanszene hat um auch ein bisschen „Hintergrundwissen“ zu haben, aber davon gehe ich einfach mal aus dass dies bei den Lesern hier vorhanden ist. 😉

Es ist deutlich zu spüren das der Wille da ist zukünftig besser zu informieren, und vor allem aufzuklären. Selbst ich, der jetzt nicht vollkommen außen vor ist, bin immer wieder von Erklärungen/Erzählungen überrascht die aufzeigen warum etwas so oder so geschehen ist. Wie soll es da erst Leuten gehen die deutlich weiter weg sind, und nicht einfach mal so im Stadion mit den Leuten sprechen können?!
Vieles ist eigentlich unglaublich, und erklärt auf einmal so vieles. So wird auch ersichtlich das es beim FC Bayern dringend eine Fanbetreuung braucht dir ihrem Namen auch gerecht wird. Die auch ein „Sprachrohr“ der Fans ist. Hierbei geht es mitnichten um „Machtübernahme“ oder Einfluss in sportliche Entscheidungen. Es geht schlicht und ergreifend darum etwas zu schaffen das in anderen Städten schon längst zum Alltag gehört: ein echter Dialog zwischen Verein und Fanszene. Natürlich sind die jetzigen kleinen Schritte ein positives Signal, das will ich garantiert nicht leugnen. Ich freue mich auf die kommenden beiden Heimspiele, insbesondere da ich in Prag vor Ort war und somit live miterlebt habe was doch noch bei uns möglich ist (und bei der Erinnerung daran immer noch Gänsehaut kriege). Aber die jetzigen Schritte sind eigentlich längst überfällig, man hätte vor Jahren damit starten müssen. Somit muss man jetzt erstmal mühsam den gegenseitigen Argwohn ablegen, und ein Vertrauen aufbauen. Alleine das braucht Zeit, und viel Kraft sowie Geduld. Nichts wird über Nacht besser.
Zudem sind noch viele Fragen offen. Wie es nach dem Versuch weitergeht. Wie es mit dem Aus- und erneuten Einlass geregelt wird. Ob es auch zukünftig 200 Karten für die Leute geben wird die keine Karte für 109-117 haben. All das ist nicht im geringsten klar. Das ganze Gebilde ist nach wie vor äußerst fragil. Ich kann nur inständig hoffen das man durch die beiden Spiele dem Verein zeigt das es sich lohnt mehr Gedanken an die Fans zu „verschwenden“. Und das es nötig ist bei über 230.000 Mitgliedern und mehreren tausend Fanclubs eine Fanbetreuung aufzubauen die mehr als nur eine handvoll Leute bietet.

Wenn Fanthemen weiterhin scheinbar „zwischendurch“ von Vorstand & Co. abgehandelt werden wird das dem Engagement der Fanszene nicht gerecht. Es wird unserem Verein nicht gerecht. Wir haben uns in den letzten Jahren überall professionalisiert, es wurden dutzendfach Leute eingestellt. Es gibt inzwischen ein Social Media-Team dem ich nur gratulieren kann zu der guten Arbeit. Es gibt mehrere hundert Mitarbeiter an der Säbener Straße. Nur die Fanbetreuung fristet ein Schattendasein. Das darf kein Dauerzustand bleiben wenn man ernsthaft daran interessiert ist den Fans die Hand zu reichen.
Auch das mag „drohender“ klingen als es letztlich gemeint ist, es soll nur aufzeigen das es noch viel grundlegendem Änderungswillen bedarf um die Situation nachhaltig zu verbessern.

Das Gespräch vom Sonntag wird sicherlich nicht das letzte seiner Art gewesen sein, ich hoffe darauf das solche Gespräche öfters stattfinden. Die SM wird regionale Treffen organisieren, um auch mit den Fans/Fangruppen zu sprechen die nicht zu einem Termin in München fahren können. Wenn solch ein Treffen bei euch in der Nähe stattfindet, meldet euch an, nehmt daran teil. Es geht nicht darum danach als größter Ultra-Fan rauszugehen, sondern darum auch innerhalb der gesamten Fanszene das gegenseitige Verständnis zu steigern. Wie im Verhältnis zwischen Fans und Verein gibt es auch innerhalb der Fanszene mehrere Missverständnisse. Hört euch an was die Jungs zu sagen haben, sie tun es genauso.
Wenn ihr aus München kommt geht zu den „offenen“ Abenden der Schickeria, am Freitag findet wieder einer statt. Ich für meinen Teil habe fest geplant dort hinzugehen.
Der C12 sucht wie bereits geschrieben Helfer in allen Bereichen. Wenn ihr Lust habt langfristig dabei zu helfen Aufklärung zu betreiben, die Kommunikation zu fördern, meldet euch beim C12. Wir können nur dann etwas erreichen wenn wir an einem Strang ziehen. Und damit meine ich die gesamte Fanszene, genauso wie das Zusammenspiel von Fans und Verein.

Ich habe das erste Mal seit langem das Gefühl das sich etwas positiv verändern kann. Sollte es uns allen dieses Mal nicht gelingen weiß ich beim besten Willen nicht mehr was noch helfen sollte. Daran möchte ich jedoch auch keinen Gedanken verschwenden. Gehen wir davon aus das der Verein der Fanszene wirklich die Hand entgegenstreckt, und gehen wir davon aus das die Fans mit dem Verein zusammenarbeiten (der Willen hierzu ist auf alle Fälle vorhanden, mehr als sich manch einer wohl vorstellen mag). Dann können wir auch davon ausgehen das etwas wie in Prag öfters möglich ist. Die Vorzeichen stimmen. Jetzt muss die Addition nur das richtige Ergebnis bringen.

Treue kann man nicht kaufen

Aller guten Dinge sind 3

3 gute Gründe zu feiern.

Bild: ElRey_MUC used under CC License  /  Text: Heiko Nieft

„Der FC Bayern lässt sich nicht unterkriegen, wir kommen wieder. Jetzt erst recht!“
Das waren die letzten Worte unter meinem Artikel zum „Fiasko dahoam“, nie im Leben hätte ich gedacht das wir so stark wiederkommen. Aber wir haben es geschafft. Das wovon sicher jeder Fußballfan träumt. Wir haben das Triple gewonnen, den Mount Everest unter allen möglichen Erfolgen. Und nebenbei haben wir noch so gut alle Rekorde (zumindest national) eingestellt die wir einstellen konnten. Eine Saison, die so herausragend war das man sich selbst in Jahrzehnten noch daran zurück erinnern wird – und damit meine ich wirkliche Jahrzehnte, und keine Dortmund-Jahrzehnte die nach knapp 12 Monaten vorbei sind (keine Sorge, das bleibt der einzige Verweis auf den BVB, aber den konnte ich mir nicht nehmen lassen).
WARNUNG: Dieser Beitrag wird lang. Sehr lang. Ich wollte schon seit einiger Zeit wieder etwas schreiben, zu den aktuellen Geschehnissen. Es hatte sich nur keine Zeit gefunden. So kommt nun alles geballt. Ich versuche mich dennoch kurz zu halten, bzw. nicht auf jedes Detail einzugehen. Hoffentlich bringt ihr dennoch die Geduld mit den Beitrag in Gänze zu lesen. Sollten sich Leute melden die Interesse an einem Reclam-Heftchen haben weiß ich dann immerhin für die Zukunft wann Schluß sein sollte. 🙂

Wir schreiben den 02.06.2013, einen Tag nach dem Gewinn des DFB Pokals. Aber es war nicht nur der Pokal den wir gestern errungen haben, wir haben damit den letzten von drei Titeln geholt und somit das erste Mal in der Geschichte des deutschen Fußballs das sogenannte Triple geholt. Also diesen „sagenumwobenen“ Triumph-Mix aus nationaler Meisterschaft, dem nationalen Pokal sowie dem Gewinn der Königsklasse, der Champions League. Die Chance hierzu hatten wir u.a. auch 2010, als wir im Finale auf Inter Mailand trafen – die ihrerseits auch die Chance auf ihr Triple hatten. Der Ausgang ist bekannt. Sie schafften es, wir nicht. Wir mussten noch 3 Jahre warten, aber das warten hat sich gelohnt.

Der erste Titel war die Meisterschaft, nach langen 2 Jahren „Pause“ konnten wir die Schale wieder in München in Empfang nehmen. Ein hartes Stück Arbeit, auch wenn der Saisonverlauf das nicht vermuten lässt. Es schien phasenweise so als ob wir die Meisterschaft im Vorbei-gehen holen würden, mit Resultaten wie einem 6:1 gegen Stuttgart (nach 0:1-Rückstand), einem 9:2 gegen Hamburg oder einem 1:6 in Hannover. Wir standen von Tag 1 an auf Platz 1, haben die Tabellenführung nie hergegeben, und konnten am 34. Spieltag sogar 25 Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten vorweisen. Als Bayern-Fan war das schon eine Genugtuung, zu sehen mit welch einem Fußball wir die Gegner dominiert haben, wie wir selbst nach einem 3:0 weiter spielten, weiter Tore schießen wollten. Dies führte dann zu sagenhaften 98 Saisontoren, nur knapp an der „magischen“ Grenze von 100 Toren vorbeigeschrammt. Ein Durchschnitt von 2,88 Toren – pro Spiel. Dazu mit einer Defensive die so wenig Gegentore zugelassen hat wie nie zuvor, nur mickrige 18 Stück (und 3 davon am letzten Spieltag – wobei wir selbst dann immer noch gewinnen konnten). Dies macht einen Durchschnitt von nur 0,53 Gegentoren.
Das erwähnte harte Stück Arbeit bezieht sich auf die Konstanz die wir dieses Jahr gezeigt haben, unter der Regie von Trainer Jupp Heynckes der es geschafft hat selbst namhafte Spieler wie Robben oder Gomez auf die Bank zu setzen. Das wir nicht, wie in den letzten Jahren, zu Beginn der Rückrunde strauchelten. Die Spieler gingen jedes Spiel wahnsinnig fokussiert an, immer den Sieg im Blick. Nur selten hatte man das Gefühl das ein Spiel verloren gehen könnte. Und je länger die Saison ging umso schwieriger war es zu glauben man könnte noch verlieren. Das genau in diesem Moment jedoch kein Leichtsinn aufkam ist bravourös, stattdessen hatten wir mit Matthias Sammer einen stetigen Mahner, der den Finger in die offene Wunde legte – auch wenn die Wunde nur ein kleiner Kratzer war.
Natürlich war der Gewinn ein erlösendes Gefühl, aber (in meinen Augen) der am wenigsten emotionalsten dieser Saison. Das soll die Wichtigkeit nicht kleinreden, oder respektlos klingen. Aber durch diese totale Dominanz war der Gewinn ab einem gewissen Zeitpunkt überhaupt nicht mehr in Gefahr. Die Frage war nicht mehr ob wir Meister werden, sondern nur noch wann. Als es dann endlich so weit war das wir auch mathematisch nicht mehr einzuholen waren, nach dem 0:1-Sieg in Frankfurt (durch den Hackentrick von Schweinsteiger), war man zwar froh endlich „Gewissheit“ zu haben, aber es war eben kein plötzlicher Gewinn. Man konnte sich wochen- oder gar monatelang darauf vorbereiten. Nichtsdestotrotz war die Übergabe der Schale am 33. Spieltag in der heimischen Arena ein schönes Gefühl. Titel 1/3 war somit perfekt.

Titel Nummer 2 war der Triumph in der Champions League. Auf diesen Titel haben wir 12 Jahre warten müssen, auch wenn wir in den letzten Jahren mehrfach im Finale standen. Das schmerzhaft verlorene Endspiel im letzten Jahr ist noch in guter Erinnerung, und auch wenn der Verlust damals durch den diesjährigen Gewinn nicht wettgemacht wird so sorgt es zumindest für etwas Erleichterung.
Ich muss gestehen das ich lange Zeit nicht geglaubt hatte wir könnten erneut ins Endspiel einziehen, auch wenn wir national dominiert haben ist die internationale Bühne eben doch noch etwas anderes. Hier werden Fehler im Regelfall gnadenlos ausgenutzt. So hätten wir es immerhin fast geschafft nach einem deutlichen 1:3-Sieg in London bei Arsenal im Rückspiel das Weiterkommen noch aus der Hand zu geben. 0:2 stand es am Ende, und man musste zittern. Froh war man als der Abpfiff erfolgte, und man in die nächste Runde einziehen konnte. Das Viertelfinale brachte uns Juventus, einen wiedererstarkten Gegner der international wieder angreifen will. Das frühe Tor von David Alaba im Hinspiel war der Türöffner. Das Rückspiel in Turin war eine Premiere für mich persönlich, auch wenn ich schon seit Jahren auswärts dabei bin war bisher Schluß an der deutschen Grenze. Noch nie war ich bei einem internationalen Auswärtsspiel dabei (ja, Asche auf mein Haupt). Wir gewannen in Turin 0:2, ich war glücklich dabei gewesen zu sein ohne zu erahnen was die Saison noch bringen sollte. Die Auslosung des Halbfinals brachte uns den FC Barcelona, DIE Mannschaft der letzten Jahre. In meinen Augen das beste Los, einmal weil ich nicht „schon wieder“ gegen Madrid spielen wollte, und auch weil im Hinterkopf der Gedanke aufkam ein ausscheiden gegen eben diesen FC Barcelona wäre die kleinste Schmach. Wie wir wissen konnten wir Barcelona viel deutlicher schlagen als jeder erwartet hatte. Das 4:0 im Hinspiel wurde durch ein 0:3 im Camp Nou fast übertroffen, denn wann hatte der spanische FCB das letzte Mal so klar zu Hause verloren? Auch beim Spiel in Barcelona war ich dabei, ein absolutes Highlight dieses Stadion live erlebt zu haben, dazu noch mit einem deutlichen Sieg und dem damit verbundenen Finaleinzug. 14 Stunden Fahrt einfach im 9er, für andere eher schon „Normalität“, für mich noch nicht. Ich war mehr als glücklich dabei gewesen zu sein. Ein Panoramafoto des „leeren“ Camp Nou nach Spielende (nur die Bayern-Fans waren noch im Stadion) wird demnächst gedruckt und bei mir einen Ehrenplatz bekommen.
Am Tag vor unserem Rückspiel in Barcelona schaffte es der BVB gegen Madrid ins Finale, somit stand unser Gegner schon fest. Eine Kartenanfrage beim FCB für ein Finalticket war schon seit längerem möglich, und auch ich hatte (wie in den Jahren zuvor) eine Anfrage gestellt. Aus Erfahrung der letzten Jahre (und weil das letzte Finale quasi vor der Haustüre stattfand) hatte ich mich bis dahin weder um Unterkunft noch um den Transport gekümmert, ich wartete eher auf den Zeitpunkt der Absage und der Gewissheit das Finale wieder irgendwo in München mit Freunden sehen zu müssen. Mein Versuch über FCB Tours zu buchen scheiterte nur knapp, während ich meine Kreditkarten-Daten eingab schnappten mir andere die letzten Plätze vor der Nase weg. Das war der Moment an dem ich dachte es sollte einfach nicht sein. Es kam jedoch anders, eines morgens lag die Zusage in meinem E-Mail-Postfach. Die Nachricht musste ich mehrfach lesen, um sicher zu sein. Hatte ich nicht irgendwo das Wörtchen „Absage“ überlesen? Hatte ich nicht. Ich bekam tatsächlich eine Karte für das Finale in Wembley. Über den offiziellen Weg. In der günstigsten Kategorie. In der Saison in der ich erst anfing international auch auswärts dabei zu sein. Als ich die Karte dann endlich in Händen hielt (der Umschlag lag bei Nachbarn da ich am Zustellungstag im Ausland weilte, welch ein Glück das die nicht wussten was der Umschlag enthielt) war das für mich so etwas die der heilige Gral. Bloß nicht zu oft anfassen, nach Möglichkeit nie aus den Augen lassen. Dieses Stück Papier war mein Schatz. Ich konnte sogar noch einen Mitfahrer-Platz im C12-Flieger ergattern, den bis dato eigenen Platz in einem anderen Tagesflieger weitergeben und das Hotelzimmer (das ich zwischen Halbfinale und Finale von einem guten Bekannten übernommen hatte) auch noch kurzfristig abtreten. Somit stand alles fest.
Das Spiel rückte näher, mehr und mehr Arbeitskollegen (die wissen das ich Bayern-Fan bin) fragten mich ob ich dabei bin, und als ich sagen konnte „Ja, Ticket liegt zu Hause, ich flieg am Samstag“ war die Reaktion meist ungläubig. Vor gut einem Jahr hätte ich es auch nicht glauben können. Aber so war es halt. Der Trip nach London (nachdem ich bereits im März beruflich für ein paar Tage in London weilte) hatte etwas von einer vorherbestimmten Wiederkehr. Ich glaube so ganz begriffen habe ich das alles auch heute noch nicht. Ich weiß nur das der Tag wunderschön war, mit traumhaftem Wetter. Mit vielen Bekannten (die wie ich vor einem Jahr im Backstage gelitten hatten), die auch alle irgendwie Karten bekommen haben. Die Zeit bis zum Anpfiff ging sehr schnell vorbei, und ich war deutlich weniger nervös wie im Jahr davor. Auch deshalb weil ich selbst immer ruhiger bin wenn ich selbst vor Ort bin, egal in welchem Wettbewerb. Das Gefühl das Finalstadion betreten zu dürfen war phänomenal, auch wenn das Innere mit den Rolltreppen eher etwas von einem Shopping Center hat. Auch das Stadion insgesamt hat mich, um ehrlich zu sein, nicht vollkommen „weggeflasht“. Ich kann nicht genau beschreiben weshalb. Für mich wirkte das Dach zu massiv, und somit eher wie für eine Halle als für ein Stadion gedacht. Mir fehlte die „Patina“, es wirkte alles so klar und sauber – der komplette Kontrast zum Camp Nou. Versteht mich nicht falsch, es ist ein riesiges Stadion, und ich fühle mich geehrt das ich es sehen durfte, aber so dieses gewisse etwas fehlte irgendwie. Oder es war die doch vorhandene Anspannung auf das Spiel das den Rest quasi ausgeblendet hat.
Über das Spiel selbst könnte ich Seiten schreiben. Über jede Gefühlsregung, wie es mir ging. Aber ich beschränke mich auf das Ende. Der Treffer von Robben in der 89. Minute entfachte Gefühle wie noch nie, ein Torjubel der in seiner Monströsität nicht zu fassen ist. Im nachhinein ist so etwas niemandem auch nur annähernd zu erklären, ich selbst wünschte mir man könnte solche Momente konservieren und mit der gleichen Intensität auf „Knopfdruck“ wieder durchleben, weil man weiß das es sie nicht so häufig geben wird. Ich kriege feuchte Augen wenn ich an den Moment denke, könnte losheulen wie im Stadion, vllt. drückt das die Gefühlslage noch am besten aus. Als der Abpfiff ertönte war es ähnlich, ich lag meinen Kumpels in den Armen, sie in meinen, es war die reinste Ekstase. Ich musste einfach nur schreien, immer wieder rollten Tränen. Ich konnte es nicht fassen. Nicht begreifen das wir den Titel wirklich sicher haben, nicht glauben das ausgerechnet ich dabei war. Ich fühlte mich wie im siebten Himmel. Gleichzeitig war ich total entkräftet, ich konnte nicht mehr stehen. Als ich mich nach einiger Zeit hinsetzte konnte ich nicht mehr aufstehen. Dennoch fühlte ich nichts ausser dem reinen Glück. Ein Moment so schön das er für immer in meinem Gedächtnis bleiben wird. Nun weiß ich ungefähr wie sich die Leute 2001 in Mailand gefühlt haben müssen. Und ich bin überglücklich zu diesen Leuten zu zählen. Nach dem Verlassen des Stadions Treffen mit den Jungs die ich vor dem Spiel nicht mehr gesehen habe, es wäre die Untertreibung schlechthin zu sagen sie wären froh gewesen. All das verdiente eigentlich mehr Zeilen, um euch noch besser sagen zu können wie es mir an diesem Tag erging. In einem ähnlichen Maßstab wie ich vor einem Jahr das „Fiasko dahoam“ beschrieben hatte. Nur noch soviel: nach meiner Rückkehr in meine Wohnung am Sonntag früh, nach einer kurzen Dusche, lag ich auf meinem Sofa und schaute die Aufzeichnung an. Die Tage darauf waren durch ein Dauergrinsen geprägt, die nachfragenden Kollegen („Na, wie wars?“) musste ich mit einem „War schon ganz nett“ abspeisen, hätte ich dort mehr erzählt wären sicherlich wieder Tränen gerollt. So wie sie es jetzt tun, nur beim niederschreiben und dem Gedanken daran wie es wirklich war. Gigantisch. Monströs. Phänomenal. „As good as it gets“.

Der letzte Titel folgte nun gestern, in Berlin. Mein Ticket für Berlin hatte ich schon relativ lange sicher, also konnte ich ich auch hier persönlich vor Ort mitfeiern. Für mich auch deshalb eine aussergewöhnliche Pokalsaison da ich es das erste Mal geschafft hatte alle Spiele im Stadion zu verfolgen. Natürlich auch bedingt durch vergleichsweise viele Heimspiele, und ebenfalls vergleichsweise naheliegende Auswärtsspiele.
Auf dem Weg nach Berlin hatten wir schon den Titelverteidiger aus Dortmund aus dem Weg geräumt, das Halbfinale gegen Wolfsburg war eine eher klare Nummer. Im Finale traf man auf Stuttgart, sicherlich nicht die erste Wahl wenn man vor der Saison die Finalisten hätte tippen sollen. Aber es kam eben wie es kam. Auch hier wieder vor dem Spiel Treffen mit den üblichen Verdächtigen, die Begrüßung war dann auch erwartungsgemäß ein „Ne, nicht deine Fresse schon wieder“. Natürlich mit einem Augenzwinkern.
Das Spiel selbst war deutlich enger als gedacht, unsere Spieler hatten wohl den Hinweis mit den 1,8 Promille für voll genommen und es scheinbar versucht auf Sparflamme erledigen zu können. Die kurzfristigen Ausfälle von Dante und Luiz Gustavo spielten möglicherweise auch eine Rolle, denn so wirklich sicher standen wir defensiv nicht. Stuttgart hatte sehr gute Torchancen, und man hätte sich nicht wundern dürfen in Rückstand zu geraten. Wenn wir dieses Jahr aber eins geschafft haben ist es selbst doch noch zum Zug zu kommen und in Führung zu gehen. So auch dieses Mal. Müller per Foulelfmeter, das Triple schien sehr sehr nah.
Noch näher schien es nach der Pause, als wir auf 2:0 und 3:0 erhöhen konnten. Warum wir dann vollkommen vergessen haben nachzulegen, oder immerhin hinten dicht zu machen, kann ich mir nicht erklären. Auf jeden Fall stand es 10 Minuten vor Ende nur noch 3:2, und man musste doch nochmal zittern. Auch hier war der Abpfiff eine Erlösung. Der Pokal gehörte uns. Und damit schafften wir auch als erste deutsche (männliche Fußball-)Mannschaft das Triple. Eine Sache die ich, wie so vieles aus dieser Saison, noch nicht ganz begriffen habe. Man kennt irgendwie jeden einzelnen Titel ja schon, man erinnert sich an die CL-Trophäe aus 2001, an div. Meisterschaften sowie an mehrere Pokalsiege. Aber alle Titel auf einmal zu holen wirkt noch surreal. So wie eine Kollage, oder eine Ausstellung aller bisher gewonnenen Titel.

Ich denke wir alle werden noch eine Weile brauchen diese Saison zu „verdauen“. Und ehe man es begriffen hat geht es schon wieder weiter. Am Ende des Monats läuft der Vertrag mit Jupp Heynckes aus, und Pep Guardiola fängt an. Man darf gespannt sein was nächste Saison geschieht, eins steht jedenfalls fest: eine Saison wie 12/13 wird es so schnell nicht wieder geben. Und das heißt für alle von uns: nachdem wir jetzt die Sau rausgelassen und gefeiert haben was das Zeug hält beginnt die nächste Spielzeit wieder bei Null. Man kann nicht erwarten das es so weiterläuft. Weder von den Ergebnissen der einzelnen Spiele, als auch von den Titeln am Ende der Saison. Es bleibt zu hoffen das alle so denken, und nicht irgendwelche Vögel dann selbst bei einem 1:0 zur Halbzeit das pfeifen anfangen weil sie sich nicht genug unterhalten fühlen.
Wir haben darüber hinaus gesehen was wir schaffen können wenn wir, wie in Wembley, alle gemeinsam für Stimmung sorgen. Sollten wir es schaffen einen Teil davon in die Arena zu bringen wäre das traumhaft. Wird sicherlich kein leichtes unterfangen, nicht zuletzt durch die Drehkreuze auf die wir uns sicherlich schon alle so richtig „freuen“, aber darauf möchte ich nun nicht auch noch eingehen.
Freuen wir uns über die abgelaufene Saison, auf das einmalige das wir erreicht haben. Auf Storys die wir unseren Kindern und Enkelkindern erzählen können. Freuen wir uns über die Erinnerungen die uns keiner mehr nehmen kann.

Allen Lesern Danke fürs lesen, und fürs durchhalten. 😉 Aber eine aussergewöhnliche Saison lässt sich eben nicht in 10 Zeilen zusammenfassen.

Triplesieger 2013

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