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Ih, Realität… Pfui, geh weg!

Festgenagelte Realität

Bild: autopoiet used under CC License  /  Text: Heiko Nieft

Die Realität hat eine dumme Angewohnheit: sofern man nicht unter ständigem Drogeneinfluss steht wird man sie früher oder später immer wieder kennen lernen. Kann manchmal echt nervig sein. Vor allem wenn diese Realität schneller „Hallo“ sagt als einem selbst lieb ist. Man würde ihr am liebsten mit voller Wucht die Türe vor die Nase knallen und schreien „Heute nicht, bitch!“. Dann stellt sich jedoch raus die dumme Sau hat ne Axt dabei und bahnt sich ihren Weg. Unaufhaltsam. Ohne eine Chance sie aufzuhalten.
Was lange als Beschreibung für unsere Siegesserie herhalten konnte ist nun eben wieder der Boden unter unseren Füßen. Muss man sich erst einmal wieder daran gewöhnen. Der Boden federt nicht mehr bei jedem Schritt nach sondern sorgt für einen Bandscheibenvorfall, die Sonnenstrahlen streicheln einem nicht mehr sanft das wallende Haupthaar sondern blasen dir wie ein Föhn auf Höchststufe jegliche Frisur nach Walhalla. Muss man nicht mögen. Man sollte jedoch wissen das sowas eigentlich der Normalzustand ist.

Und ich glaube das haben manche von uns vergessen. Wie es ist mal ein paar Spiele zu verlieren. Nicht jeden Gegner mit 5:0 nach Hause zu schicken, oder, noch besser, den Gastgeber 5:0 zu besiegen und dann fröhlich beschwingt in die eigenen vier Wände zurück zu fahren. Die letzten zwei Jahre waren ein permanenter Höhenflug. Ein Dauerhoch. Da kann sich schon einmal das Gefühl einstellen nichts und niemand kann einem was anhaben. Naja, und dann kommt eben diese blöde Realität zurück ins Spiel und erinnert einen daran das es nichts geschenkt gibt, und jegliche Form einer ständigen Schwankung unterliegt die sich in Gipfeln und Tälern äußert.
Weil aber nicht sein kann was nicht sein darf stellen wieder Holzköpfe alles in Frage was für dieses Dauerhoch einst gesorgt hatte. Natürlich immer unter der Prämisse das so ein „Absturz“ ja schon längst klar gewesen sein müsste, und man sich ja eh gewundert hat wie lange diese Phase angedauert hatte. Wäre ja viel besser gewesen wenn… Wenn was?!? Diese Flucht ins Konjunktiv wenn die Realität einem nicht mehr schmeckt hilft da auch nicht mehr.
Das perverseste an dem Ganzen: wir sind noch nicht einmal im Ansatz in einem Tal angekommen. Wir haben noch nicht einmal richtig mit dem Abstieg begonnen! Da möchte ich nicht wissen was einmal passieren sollte wenn wir nicht jedes Jahr mindestens ins Halbfinale der Champions League kommen, nicht im März Meister werden und nicht im Pokalfinale stehen. Das muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen.
Wir spielen nach der Triple-Saison die zweitbeste Bundesliga-Saison der Geschichte, ziehen zum dritten Mal in Folge ins Pokalfinale ein und standen zum vierten Mal in fünf Jahren im Halbfinale der Königsklasse. Und weil wir nicht auch dort den dritten Finaleinzug in Folge geschafft haben ist alles doof.
Mit solch einem schwarz/weiß-denken werde ich mich in meinem Leben nicht mehr anfreunden. Wie schnell man von „Superbayern superbayern, hey hey“ zu Pfiffen zur Halbzeit kommt. Erschließt sich mir nicht Freunde, ehrlich nicht. Wer keine Überraschungen mag soll halt russisches Roulette mit 6 Kugeln in der Trommel spielen. Sicherer Ausgang garantiert!

Ich hingegen nehme mir in solchen Momenten gerne die Zeit für einen Rückblick. Schön in Ruhe, vielleicht mit einem kühlen Bierchen in der Hand. Um überhaupt zu begreifen was für eine geile, kranke Tour diese letzten 24 Monate waren. Mir helfen dabei die in dieser Zeit aufgenommenen Bilder, sowohl die im Kopf als auch die digitalen. Dann stellt sich recht schnell ein warmes, wohliges Gefühl ein. Weil man, naja, weil zumindest ich, Dankbarkeit empfinde. Das ich diese geile, kranke Tour miterleben durfte. Das ich dabei meinen Verein begleiten durfte. Die Stationen dieser Tour, nur um ein paar zu nennen: Barcelona. London. Prag. Manchester. Marrakesch.

Unseren Spielern geht es doch letztlich nicht anders. Vor etwas mehr als 24 Monaten war all dies noch undenkbar. Und auf einmal steht man auf der höchsten Stufe. Quasi über Nacht. Du weißt gar nicht was passiert, wirst ständig mit Medaillen überhäuft und darfst ständig Pokale in die Höhe stemmen.
Vollkommen klar dabei ist: ob gewollt oder nicht, irgendwann bist du nicht mehr mit 100% dabei. Irgendwann denkst du es läuft von selbst. Und genau da fängt der Abstieg an. Weil sich dadurch Fehler einschleichen. Weil sich diese Fehler vervielfältigen. Du gehst nicht mehr mit 100% in jeden Zweikampf, der Kollege wird es schon richten – hat ja sonst auch funktioniert. Auf einmal merkst du Tore schießen sich nicht von selbst…
Nichts anderes ist die derzeitige Situation. Das Resultat aus einer gewissen Zufriedenheit, als Ergebnis einer historischen letzten Saison. Kann und sollte man verstehen wenn man Menschen als Menschen und nicht als Roboter sieht.

Und wenn man sich das einmal vergegenwärtigt ist der nächste logische Schritt: Stolz. Unbändiger Stolz. Darauf das die Mannschaft, mit einem neuen Trainer und neuer Spielidee, dennoch die Liga dominiert hat. Das die Mannschaft wieder in Berlin steht. Das die Mannschaft erst im Halbfinale der Champions League ausgeschieden ist. Klar durfte man davon träumen der erste Verein zu werden der es schafft den Henkelpott zu verteidigen. Aber das es bislang kein Verein geschafft hat sollte zeigen das dies ein sehr schwieriges Unterfangen ist.
Unsere Gegner aus dem Halbfinale streben seit über einem Jahrzehnt „la decima“ an. Die standen seit 2002 nicht mehr im Finale. Wir hingegen schafften es 2010, 2012 und 2013. Dankbarkeit. Stolz. DAS sind die zwei Worte die man damit verbinden sollte.

Ich hatte das Glück in den letzten fünf Jahren unzählige Champions League-Spiele live gesehen zu haben. Erst vor kurzem hatte ich das Privileg meine Mannschaft im Estadio Santiago Bernabéu unterstützen zu dürfen, und beim Anblick der Videos des Gästeblocks nach Spielende bekomme ich feuchte Augen.
Zur Königsklasse kommen ebenfalls einige Spiele des DFB-Pokals, nicht zu vergessen die Bundesliga. Ich habe in den letzten zwei Jahren Dinge erlebt von denen manch ein Fan sein Leben lang träumt. Dankbarkeit. Stolz. Auch hier die passenden zwei Worte.

Und als ob es nicht genug wäre das alles so erlebt zu haben hatte ich auch noch das Glück diese Momente mit besonderen Menschen teilen zu können. Weil ich, egal wo ich war, immer wieder die gleichen Gesichter gesehen habe. Weil sich dadurch das Gefühl einer „Familie“ einstellt, auch wenn man sich ggf. ausserhalb der Stadien nicht häufig sieht. Weil man dadurch realisiert das man das gleiche will: die Jungs auf dem Rasen sehen, anfeuern, unterstützen. Weil man dadurch realisiert das Urlaubstage und auch Geld irgendwo egal sind wenn man mit Freunden sonstwo sitzt und gemeinsam isst, trinkt, Spaß hat. Ohne die Erfolge der letzten 24 Monate weitaus weniger häufig realisierbar.
Gestern in Hamburg habe ich Leute getroffen die ich vergleichsweise lange nicht mehr gesehen hatte. Und ich hatte mich sehr darauf gefreut, weil auch hier gleich das Gefühl der „Familie“ wieder da war. Für all das passt nur ein Wort: Dankbarkeit.

Wenn ich mir all das durch den Kopf gehen lasse möchte ich meinen Titel etwas korrigieren: Realität, komm her du geile Sau!
Es bringt nichts in einer Traumwelt zu leben, und sich den Alltag dadurch zu zerstören in dem man versucht die Realität auszublenden. Indem man die Realität akzeptiert kann man die Höhen besser genießen, und die Tiefen (die sicherlich wieder kommen werden) ehrlicher betrauern.
Ich habe die Hoffnung viel mehr Menschen, Fans, wird das einmal bewusst. Das alles heißt nicht das man einfach nur alles hinnehmen muss, und sich nicht mehr kritisch äußern darf. Aber es heißt eben nicht Leute (Spieler, Trainer etc.) anhand des eigenen Wunschdenkens zu beurteilen, wenn die Wünsche völlig fern jeglicher Realität sind. Es heißt auch nicht das streben nach „Perfektionismus“ einzustellen, danach sich zu verbessern. Aber es heißt auch einmal mit dem zufrieden zu sein was man erreicht hat, wenn man alles versucht hat.

Ich bin froh das die Sommerpause vor der Tür steht. Ganz ehrlich. Nicht weil ich die Mannschaft nicht mehr sehen will, sondern weil sich diese Zeit anbietet zu reflektieren. Anschließend geht man frisch in die neue Saison, und lässt sich von dem überraschen was die Realität dann anbietet. Auch darauf kann man sich freuen. Darauf sollten sich alle freuen.

Ich geb mein Herz für dich

Wolke 7 aka. Goldene Generation 2.0

Wie im Himmel…

Bild: Skley used under CC License  /  Text: Heiko Nieft

Seit gestern sind es also 20 Punkte Vorsprung auf den nächsten „Verfolger“. Da Leverkusen gegen Mainz verloren hat heißt dieser nun wieder Borussia Dortmund. Aber mal ernsthaft: wen interessiert das denn überhaupt noch?
Die anderen Vereine können anstellen was sie wollen, den Meistertitel haben wir eigentlich schon in der Tasche. Wenn selbst der Tabellenvierte innerhalb von knapp 30 Minuten fachmännisch zerlegt wird, und nur dank unserer reduzierten Leistung in der restlichen Spielzeit nicht völlig pulverisiert wurde.

Aber eigentlich wollte ich nicht über den Vorsprung schreiben, sondern über den Höhenflug ansich, über diese völlige innere Ruhe die daraus resultiert. Über das was wir alle aktuell als Zeitzeugen begleiten dürfen.
Ich bin weit davon entfernt von einer „Ära“ zu sprechen, denn dafür sind wir erst zu kurz dabei einen Rekord nach dem anderen einzustellen und die Liga (sowie teilweise auch Europa) zu dominieren.
Insbesondere auf europäischer Ebene sind wir noch nicht in der Lage jeden Gegner nach Belieben zu dominieren, das Spiel in London kann hier gerne als Referenz betrachtet werden.
Was wir aber national aufbieten, seit über einem Jahr, macht mich einfach nur sprachlos. Dachte man nach der letzten Saison noch das es so nicht weiter gehen könnte werden wir Woche für Woche eines Besseren belehrt. Es sind aber nicht nur die Ergebnisse die einen verblüffen, es ist unsere Spielweise, die Spielfreude. Wir sind fast immer in der Lage noch einen Gang hochzuschalten, sei es durch taktische Umstellungen im laufenden Spiel als durch Einwechslungen von der Bank. Ich kann mir schon vorstellen das es als Gegner derzeit keine Freude ist gegen uns zu spielen, und dabei dürfte es relativ egal sein ob das ein Heim- oder Auswärtsspiel ist.

Zu der positiven Entwicklung auf dem Spielfeld kommt noch die positive Entwicklung im Dialog Fans/Verein hinzu. Regelmäßig gibt es nun gute Nachrichten, und plötzlich scheint vieles möglich was lange Jahre als nicht machbar galt. Egal ob man damit mehrere Megafone meint, niedrigere Zäune zwischen 112/3 und den Nebenblöcken, oder neuerdings sogar eine komplette Stehplatzkurve im gesamten Unterrang der Südkurve.
Man braucht sich nur meinen Beitrag „Totengräber Sommermärchen“ ansehen, der ist knapp 1,5 Jahre alt und wirkt im Rückblick surreal. Genauso wie die jetzige Entwicklung damals völlig bekloppt gewirkt hätte. Wobei meine Grundhaltung wohl immer noch die gleiche ist, und ich die WM nach wie vor nicht zwingend als Grundstein für eine positive Entwicklung sehen würde.
Die positive Entwicklung jetzt resultiert aus mehreren kleinen Themen, einmal dem Verhalten der Fans selbst (ich erwähne nur zu gern das Supercup-Finale in Prag) als auch das Umdenken im Verein. Woher dieses umdenken stammt lass ich hier mal aussen vor.

National kann jeder Bayern-Fan mit einer völligen Ruhe in das jeweils nächste Spiel gehen. International schwankt man zwischen Sieg und Unentschieden, von einer Niederlage wird auch hier eher selten gesprochen. Dies ist das Resultat einer Entwicklung die ich wohl erst in ein paar Jahren vollständig verstanden haben werde. Ich erfreue mich an den positiven Berichterstattungen aus dem Ausland, an der Beachtung die dem FC Bayern inzwischen entgegen gebracht wird. Endlich sind wir auf einem Level angelangt das bislang den anderen Größen vorbehalten war, namentlich Real Madrid, FC Barcelona, Manchester United…
Etwas von dem man jahrelang nur träumen konnte ist nun Realität, und die Zukunft schaut eher besser als schlechter aus. Die Arena ist abbezahlt (wobei man darüber streiten kann ob wir dies nun mit Hilfe der Allianz regeln mussten, oder die paar Jahre auch noch selbst hätten zahlen können), wir haben somit keine „ablenkenden“ Ausgaben mehr. Die Einnahmen der Arena fließen direkt in unseren Topf, das sollte uns in den nächsten Jahren weiterhin die Möglichkeit geben gute und sinnvolle Transfers zu tätigen, die Spieler entsprechend zu entlohnen, und dennoch mit einem positiven Ergebnis da zu stehen.

Es ist unbeschreiblich wie viel Spaß es derzeit macht ein Fan des FC Bayern zu sein. Welch ein Privileg es ist die Gegenwart erleben zu dürfen, im Stadion oder vor dem TV. Diese „Schwerelosigkeit“ mit der aktuell das Geschehen verfolgt werden kann, weil es scheinbar nichts gibt was die Laune trüben könnte. In 10 Jahren wird man auf diese Zeit zurück blicken, voller schöner Erinnerungen. Sollte ich einmal Enkelkinder haben, die hoffentlich ähnlich fußballbegeistert wären wie ich, es wäre diese Zeitspanne von der ich wieder und wieder erzählen würde. Wie wir die Liga dominierten, wie wir auch international glänzten.
Es wäre sicherlich vermessen zu sagen das meine allerletzten Gedanken noch einmal meine Erlebnisse mit dem FCB rekapitulieren würden, aber mit Sicherheit werde ich sie nie vergessen und sie gerne und oft in Erinnerung rufen wenn es vllt. einmal nicht mehr so gut läuft. Diese Zeit kann mir, kann uns, keiner mehr nehmen. Erst recht nicht die Leute die jetzt heulen wie langweilig die Liga wäre.
Die Liga ist nicht langweilig, der Fußball ist nicht tot. Ganz im Gegenteil. Er ist quicklebendig, und so schön wie nie zuvor.

Das wir dabei diejenigen sind die dafür Sorge tragen sollte uns nicht stören, sondern mit Stolz erfüllen. Auf das der FC Bayern niemals untergeht!

Triplesieger 2013

…and the story continues…

München leuchtet – strahlender als je zuvor.

Bild: Mr Weeeee used under CC License  /  Text: Heiko Nieft

4, 7, 13, 30, 38, 50 – das sind unsere sechs richtigen. Seit gestern. 4 Punkte Vorsprung auf Platz 2 – gut, die hatten wir auch schon vor der Länderspielpause. 7 Punkte Vorsprung auf Dortmund hingegen sind neu. Das ganze nach 13 Spieltagen in denen wir 30 Tore geschossen haben. Inzwischen sind wir seit 38 Spielen in der Bundesliga ungeschlagen, haben in 50 Spielen in Folge mindestens ein Tor selbst erzielt.
Liest sich nicht nur bockstark, sondern ist es auch.

Ich hatte vor dem gestrigen Spiel ehrlich gesagt etwas Sorge. Unsere letzten Auftritte in Dortmund, inklusive dem Supercup vor der Saison, waren nur bedingt souverän. Und auch gestern waren wir trotz aller Ausfälle beim BVB nicht überlegen, erst recht nicht in der ersten Hälfte.
Da muss man so ehrlich sein und dem Gegner Respekt zollen. Klar, auch wir hatten mit Verletzungen zu kämpfen, mussten u.a. auf Schweinsteiger und Ribéry verzichten. Nicht zu vergessen das Badstuber auch noch im Krankenstand weilt.
Was jedoch bemerkenswert ist: unsere taktische Variabilität durch die Spieler auf der Bank. Wir haben natürlich auch letzte Saison schon hier und da die Taktik angepasst, unter Jupp Heynckes. Was diese Saison jedoch unter Guardiola passiert ist gigantisch.
Man kann sicherlich lange darüber diskutieren ob es besser ist von Anfang an den Gegner unter Druck zu setzen und ihn in das eigene Taktikspielchen zu zwingen als „immer“ erst in Halbzeit 2 daraus zu lernen. Fakt ist jedoch: solange das funktioniert kann man sich darüber nicht beschweren.

Die Idee des Ganzen scheint zu sein: beobachten was der Gegner in der ersten Hälfte macht, und darauf in Hälfte 2 reagieren – sofern notwendig. Dadurch das Guardiola seine Spieler flexibel einsetzen möchte, auf versch. Positionen, erhöht das unsere Möglichkeiten. Durch einen einzigen Wechsel, und weitere Umstellungen der restlichen 9 Feldspieler sind wir in der Lage in kurzer Zeit das System vollständig zu wechseln. Und genau damit haben unsere Gegner Probleme. Vorherige Zuordnungen passen nicht mehr, die Defensivspieler müssen sich neu orientieren.
Erschwerend für den Gegner kommt noch hinzu das wir durch unsere Wechsel nicht an Stärke einbüßen, und „ungebremst“ weitermachen können. Addiert man das mit der allgemeinen Spielweise des „totalen Ballbesitzes“ machen wir den Gegner mürbe und müde. Je länger das Spiel dauert, desto mehr spielt uns das in die Karten.
Zu verdanken ist dies den Transfers vor der Saison, sowie den Gedanken unseres neuen Trainers.

Wir müssen uns nur überlegen das wir letzte Saison das Triple geholt haben, danach den Trainer gewechselt haben und aktuell eigentlich noch schlagkräftiger sind wie vor ein paar Monaten. Das Guardiola die Erfolge von Heynckes nicht einfach nur verwaltet und im Detail verändert, sondern im laufenden Betrieb eine OP am offenen Herzen durchführt, und dennoch Erfolge verbucht ist aller Ehren wert.
Das witzige dabei: Pep sagt die Mannschaft sei noch nicht „seine Mannschaft“. Das mag richtig sein. Aber was soll denn bitte das Ergebnis sein wenn es einmal seine Mannschaft ist? Müssen wir uns dann darüber unterhalten das wir in 13 Spielen bereits 2 Punkte abgegeben haben? Es wirkt surreal, aber wir haben aktuell auch erst 4 Punkte liegen lassen. Das ist nahe am Optimum, und stellt einen neuen Bundesligarekord dar, immerhin haben wir unseren eigenen Rekord von 34 Punkten aus 13 Spielen gebrochen und überboten.

Seit der letzten Saison befinden wir uns auf einer irrwitzigen Rekordjagd. Uralte Rekorde werden quasi im vorbeigehen geknackt und überboten. Die bislang 38 Bundesligaspiele am Stück ohne Niederlage dürften noch nicht das Ende der Fahnenstange, und damit wohl wirklich für lange Zeit uneinholbar sein. Der FC Bayern hat das verlieren verlernt. Aber nicht nur in der Bundesliga.
In der Champions League haben wir am kommenden Mittwoch die Chance das zehnte Spiel in Folge zu gewinnen, und damit den Rekord von Barcelona zu überbieten – aktuell haben wir ihn „nur“ eingestellt. Nur zum Verständnis: hier geht es nicht darum nicht zu verlieren, sondern aus jedem Spiel als Sieger hervor zu gehen. In der Königsklasse!

Derzeit sind wir wie ein Güterzug mit Höchstgeschwindigkeit. Auf dem Gleis vor uns mögen noch andere unterwegs sein, wenn sie jedoch nicht schnell genug sind werden sie einfach aus dem Weg geräumt. Klar ist jedoch: irgendwann werden auch wir wieder ein Spiel verlieren. Aber selbst dann gilt das wir seit mehr als einem Jahr die besten Bayern erleben dürfen die es je gab. Wir werden noch eine Menge Spaß mit dem jetzigen Kader, dem jetzigen Trainer haben, so viel steht fest. Wir dürfen des weiteren gespannt sein was passiert wenn der gesamte Kader fit ist, ob wir dann noch mehr rotieren, oder eine „Stammelf“ haben werden und durch die Auswechselspieler während eines Spiels mehrfach unser System umstellen, noch mehr als das heute schon der Fall ist.

Ich bin unfassbar stolz auf die aktuellen Leistungen, und ich bin froh diese Zeit miterleben zu dürfen. Warten wir einmal ab was die aktuelle Saison noch zu bieten hat, und wohin die Reise geht. Die Richtung scheint klar zu sein: nur nach vorne, und in neue Höhen.

Triplesieger 2013

Aller guten Dinge sind 3

3 gute Gründe zu feiern.

Bild: ElRey_MUC used under CC License  /  Text: Heiko Nieft

„Der FC Bayern lässt sich nicht unterkriegen, wir kommen wieder. Jetzt erst recht!“
Das waren die letzten Worte unter meinem Artikel zum „Fiasko dahoam“, nie im Leben hätte ich gedacht das wir so stark wiederkommen. Aber wir haben es geschafft. Das wovon sicher jeder Fußballfan träumt. Wir haben das Triple gewonnen, den Mount Everest unter allen möglichen Erfolgen. Und nebenbei haben wir noch so gut alle Rekorde (zumindest national) eingestellt die wir einstellen konnten. Eine Saison, die so herausragend war das man sich selbst in Jahrzehnten noch daran zurück erinnern wird – und damit meine ich wirkliche Jahrzehnte, und keine Dortmund-Jahrzehnte die nach knapp 12 Monaten vorbei sind (keine Sorge, das bleibt der einzige Verweis auf den BVB, aber den konnte ich mir nicht nehmen lassen).
WARNUNG: Dieser Beitrag wird lang. Sehr lang. Ich wollte schon seit einiger Zeit wieder etwas schreiben, zu den aktuellen Geschehnissen. Es hatte sich nur keine Zeit gefunden. So kommt nun alles geballt. Ich versuche mich dennoch kurz zu halten, bzw. nicht auf jedes Detail einzugehen. Hoffentlich bringt ihr dennoch die Geduld mit den Beitrag in Gänze zu lesen. Sollten sich Leute melden die Interesse an einem Reclam-Heftchen haben weiß ich dann immerhin für die Zukunft wann Schluß sein sollte. 🙂

Wir schreiben den 02.06.2013, einen Tag nach dem Gewinn des DFB Pokals. Aber es war nicht nur der Pokal den wir gestern errungen haben, wir haben damit den letzten von drei Titeln geholt und somit das erste Mal in der Geschichte des deutschen Fußballs das sogenannte Triple geholt. Also diesen „sagenumwobenen“ Triumph-Mix aus nationaler Meisterschaft, dem nationalen Pokal sowie dem Gewinn der Königsklasse, der Champions League. Die Chance hierzu hatten wir u.a. auch 2010, als wir im Finale auf Inter Mailand trafen – die ihrerseits auch die Chance auf ihr Triple hatten. Der Ausgang ist bekannt. Sie schafften es, wir nicht. Wir mussten noch 3 Jahre warten, aber das warten hat sich gelohnt.

Der erste Titel war die Meisterschaft, nach langen 2 Jahren „Pause“ konnten wir die Schale wieder in München in Empfang nehmen. Ein hartes Stück Arbeit, auch wenn der Saisonverlauf das nicht vermuten lässt. Es schien phasenweise so als ob wir die Meisterschaft im Vorbei-gehen holen würden, mit Resultaten wie einem 6:1 gegen Stuttgart (nach 0:1-Rückstand), einem 9:2 gegen Hamburg oder einem 1:6 in Hannover. Wir standen von Tag 1 an auf Platz 1, haben die Tabellenführung nie hergegeben, und konnten am 34. Spieltag sogar 25 Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten vorweisen. Als Bayern-Fan war das schon eine Genugtuung, zu sehen mit welch einem Fußball wir die Gegner dominiert haben, wie wir selbst nach einem 3:0 weiter spielten, weiter Tore schießen wollten. Dies führte dann zu sagenhaften 98 Saisontoren, nur knapp an der „magischen“ Grenze von 100 Toren vorbeigeschrammt. Ein Durchschnitt von 2,88 Toren – pro Spiel. Dazu mit einer Defensive die so wenig Gegentore zugelassen hat wie nie zuvor, nur mickrige 18 Stück (und 3 davon am letzten Spieltag – wobei wir selbst dann immer noch gewinnen konnten). Dies macht einen Durchschnitt von nur 0,53 Gegentoren.
Das erwähnte harte Stück Arbeit bezieht sich auf die Konstanz die wir dieses Jahr gezeigt haben, unter der Regie von Trainer Jupp Heynckes der es geschafft hat selbst namhafte Spieler wie Robben oder Gomez auf die Bank zu setzen. Das wir nicht, wie in den letzten Jahren, zu Beginn der Rückrunde strauchelten. Die Spieler gingen jedes Spiel wahnsinnig fokussiert an, immer den Sieg im Blick. Nur selten hatte man das Gefühl das ein Spiel verloren gehen könnte. Und je länger die Saison ging umso schwieriger war es zu glauben man könnte noch verlieren. Das genau in diesem Moment jedoch kein Leichtsinn aufkam ist bravourös, stattdessen hatten wir mit Matthias Sammer einen stetigen Mahner, der den Finger in die offene Wunde legte – auch wenn die Wunde nur ein kleiner Kratzer war.
Natürlich war der Gewinn ein erlösendes Gefühl, aber (in meinen Augen) der am wenigsten emotionalsten dieser Saison. Das soll die Wichtigkeit nicht kleinreden, oder respektlos klingen. Aber durch diese totale Dominanz war der Gewinn ab einem gewissen Zeitpunkt überhaupt nicht mehr in Gefahr. Die Frage war nicht mehr ob wir Meister werden, sondern nur noch wann. Als es dann endlich so weit war das wir auch mathematisch nicht mehr einzuholen waren, nach dem 0:1-Sieg in Frankfurt (durch den Hackentrick von Schweinsteiger), war man zwar froh endlich „Gewissheit“ zu haben, aber es war eben kein plötzlicher Gewinn. Man konnte sich wochen- oder gar monatelang darauf vorbereiten. Nichtsdestotrotz war die Übergabe der Schale am 33. Spieltag in der heimischen Arena ein schönes Gefühl. Titel 1/3 war somit perfekt.

Titel Nummer 2 war der Triumph in der Champions League. Auf diesen Titel haben wir 12 Jahre warten müssen, auch wenn wir in den letzten Jahren mehrfach im Finale standen. Das schmerzhaft verlorene Endspiel im letzten Jahr ist noch in guter Erinnerung, und auch wenn der Verlust damals durch den diesjährigen Gewinn nicht wettgemacht wird so sorgt es zumindest für etwas Erleichterung.
Ich muss gestehen das ich lange Zeit nicht geglaubt hatte wir könnten erneut ins Endspiel einziehen, auch wenn wir national dominiert haben ist die internationale Bühne eben doch noch etwas anderes. Hier werden Fehler im Regelfall gnadenlos ausgenutzt. So hätten wir es immerhin fast geschafft nach einem deutlichen 1:3-Sieg in London bei Arsenal im Rückspiel das Weiterkommen noch aus der Hand zu geben. 0:2 stand es am Ende, und man musste zittern. Froh war man als der Abpfiff erfolgte, und man in die nächste Runde einziehen konnte. Das Viertelfinale brachte uns Juventus, einen wiedererstarkten Gegner der international wieder angreifen will. Das frühe Tor von David Alaba im Hinspiel war der Türöffner. Das Rückspiel in Turin war eine Premiere für mich persönlich, auch wenn ich schon seit Jahren auswärts dabei bin war bisher Schluß an der deutschen Grenze. Noch nie war ich bei einem internationalen Auswärtsspiel dabei (ja, Asche auf mein Haupt). Wir gewannen in Turin 0:2, ich war glücklich dabei gewesen zu sein ohne zu erahnen was die Saison noch bringen sollte. Die Auslosung des Halbfinals brachte uns den FC Barcelona, DIE Mannschaft der letzten Jahre. In meinen Augen das beste Los, einmal weil ich nicht „schon wieder“ gegen Madrid spielen wollte, und auch weil im Hinterkopf der Gedanke aufkam ein ausscheiden gegen eben diesen FC Barcelona wäre die kleinste Schmach. Wie wir wissen konnten wir Barcelona viel deutlicher schlagen als jeder erwartet hatte. Das 4:0 im Hinspiel wurde durch ein 0:3 im Camp Nou fast übertroffen, denn wann hatte der spanische FCB das letzte Mal so klar zu Hause verloren? Auch beim Spiel in Barcelona war ich dabei, ein absolutes Highlight dieses Stadion live erlebt zu haben, dazu noch mit einem deutlichen Sieg und dem damit verbundenen Finaleinzug. 14 Stunden Fahrt einfach im 9er, für andere eher schon „Normalität“, für mich noch nicht. Ich war mehr als glücklich dabei gewesen zu sein. Ein Panoramafoto des „leeren“ Camp Nou nach Spielende (nur die Bayern-Fans waren noch im Stadion) wird demnächst gedruckt und bei mir einen Ehrenplatz bekommen.
Am Tag vor unserem Rückspiel in Barcelona schaffte es der BVB gegen Madrid ins Finale, somit stand unser Gegner schon fest. Eine Kartenanfrage beim FCB für ein Finalticket war schon seit längerem möglich, und auch ich hatte (wie in den Jahren zuvor) eine Anfrage gestellt. Aus Erfahrung der letzten Jahre (und weil das letzte Finale quasi vor der Haustüre stattfand) hatte ich mich bis dahin weder um Unterkunft noch um den Transport gekümmert, ich wartete eher auf den Zeitpunkt der Absage und der Gewissheit das Finale wieder irgendwo in München mit Freunden sehen zu müssen. Mein Versuch über FCB Tours zu buchen scheiterte nur knapp, während ich meine Kreditkarten-Daten eingab schnappten mir andere die letzten Plätze vor der Nase weg. Das war der Moment an dem ich dachte es sollte einfach nicht sein. Es kam jedoch anders, eines morgens lag die Zusage in meinem E-Mail-Postfach. Die Nachricht musste ich mehrfach lesen, um sicher zu sein. Hatte ich nicht irgendwo das Wörtchen „Absage“ überlesen? Hatte ich nicht. Ich bekam tatsächlich eine Karte für das Finale in Wembley. Über den offiziellen Weg. In der günstigsten Kategorie. In der Saison in der ich erst anfing international auch auswärts dabei zu sein. Als ich die Karte dann endlich in Händen hielt (der Umschlag lag bei Nachbarn da ich am Zustellungstag im Ausland weilte, welch ein Glück das die nicht wussten was der Umschlag enthielt) war das für mich so etwas die der heilige Gral. Bloß nicht zu oft anfassen, nach Möglichkeit nie aus den Augen lassen. Dieses Stück Papier war mein Schatz. Ich konnte sogar noch einen Mitfahrer-Platz im C12-Flieger ergattern, den bis dato eigenen Platz in einem anderen Tagesflieger weitergeben und das Hotelzimmer (das ich zwischen Halbfinale und Finale von einem guten Bekannten übernommen hatte) auch noch kurzfristig abtreten. Somit stand alles fest.
Das Spiel rückte näher, mehr und mehr Arbeitskollegen (die wissen das ich Bayern-Fan bin) fragten mich ob ich dabei bin, und als ich sagen konnte „Ja, Ticket liegt zu Hause, ich flieg am Samstag“ war die Reaktion meist ungläubig. Vor gut einem Jahr hätte ich es auch nicht glauben können. Aber so war es halt. Der Trip nach London (nachdem ich bereits im März beruflich für ein paar Tage in London weilte) hatte etwas von einer vorherbestimmten Wiederkehr. Ich glaube so ganz begriffen habe ich das alles auch heute noch nicht. Ich weiß nur das der Tag wunderschön war, mit traumhaftem Wetter. Mit vielen Bekannten (die wie ich vor einem Jahr im Backstage gelitten hatten), die auch alle irgendwie Karten bekommen haben. Die Zeit bis zum Anpfiff ging sehr schnell vorbei, und ich war deutlich weniger nervös wie im Jahr davor. Auch deshalb weil ich selbst immer ruhiger bin wenn ich selbst vor Ort bin, egal in welchem Wettbewerb. Das Gefühl das Finalstadion betreten zu dürfen war phänomenal, auch wenn das Innere mit den Rolltreppen eher etwas von einem Shopping Center hat. Auch das Stadion insgesamt hat mich, um ehrlich zu sein, nicht vollkommen „weggeflasht“. Ich kann nicht genau beschreiben weshalb. Für mich wirkte das Dach zu massiv, und somit eher wie für eine Halle als für ein Stadion gedacht. Mir fehlte die „Patina“, es wirkte alles so klar und sauber – der komplette Kontrast zum Camp Nou. Versteht mich nicht falsch, es ist ein riesiges Stadion, und ich fühle mich geehrt das ich es sehen durfte, aber so dieses gewisse etwas fehlte irgendwie. Oder es war die doch vorhandene Anspannung auf das Spiel das den Rest quasi ausgeblendet hat.
Über das Spiel selbst könnte ich Seiten schreiben. Über jede Gefühlsregung, wie es mir ging. Aber ich beschränke mich auf das Ende. Der Treffer von Robben in der 89. Minute entfachte Gefühle wie noch nie, ein Torjubel der in seiner Monströsität nicht zu fassen ist. Im nachhinein ist so etwas niemandem auch nur annähernd zu erklären, ich selbst wünschte mir man könnte solche Momente konservieren und mit der gleichen Intensität auf „Knopfdruck“ wieder durchleben, weil man weiß das es sie nicht so häufig geben wird. Ich kriege feuchte Augen wenn ich an den Moment denke, könnte losheulen wie im Stadion, vllt. drückt das die Gefühlslage noch am besten aus. Als der Abpfiff ertönte war es ähnlich, ich lag meinen Kumpels in den Armen, sie in meinen, es war die reinste Ekstase. Ich musste einfach nur schreien, immer wieder rollten Tränen. Ich konnte es nicht fassen. Nicht begreifen das wir den Titel wirklich sicher haben, nicht glauben das ausgerechnet ich dabei war. Ich fühlte mich wie im siebten Himmel. Gleichzeitig war ich total entkräftet, ich konnte nicht mehr stehen. Als ich mich nach einiger Zeit hinsetzte konnte ich nicht mehr aufstehen. Dennoch fühlte ich nichts ausser dem reinen Glück. Ein Moment so schön das er für immer in meinem Gedächtnis bleiben wird. Nun weiß ich ungefähr wie sich die Leute 2001 in Mailand gefühlt haben müssen. Und ich bin überglücklich zu diesen Leuten zu zählen. Nach dem Verlassen des Stadions Treffen mit den Jungs die ich vor dem Spiel nicht mehr gesehen habe, es wäre die Untertreibung schlechthin zu sagen sie wären froh gewesen. All das verdiente eigentlich mehr Zeilen, um euch noch besser sagen zu können wie es mir an diesem Tag erging. In einem ähnlichen Maßstab wie ich vor einem Jahr das „Fiasko dahoam“ beschrieben hatte. Nur noch soviel: nach meiner Rückkehr in meine Wohnung am Sonntag früh, nach einer kurzen Dusche, lag ich auf meinem Sofa und schaute die Aufzeichnung an. Die Tage darauf waren durch ein Dauergrinsen geprägt, die nachfragenden Kollegen („Na, wie wars?“) musste ich mit einem „War schon ganz nett“ abspeisen, hätte ich dort mehr erzählt wären sicherlich wieder Tränen gerollt. So wie sie es jetzt tun, nur beim niederschreiben und dem Gedanken daran wie es wirklich war. Gigantisch. Monströs. Phänomenal. „As good as it gets“.

Der letzte Titel folgte nun gestern, in Berlin. Mein Ticket für Berlin hatte ich schon relativ lange sicher, also konnte ich ich auch hier persönlich vor Ort mitfeiern. Für mich auch deshalb eine aussergewöhnliche Pokalsaison da ich es das erste Mal geschafft hatte alle Spiele im Stadion zu verfolgen. Natürlich auch bedingt durch vergleichsweise viele Heimspiele, und ebenfalls vergleichsweise naheliegende Auswärtsspiele.
Auf dem Weg nach Berlin hatten wir schon den Titelverteidiger aus Dortmund aus dem Weg geräumt, das Halbfinale gegen Wolfsburg war eine eher klare Nummer. Im Finale traf man auf Stuttgart, sicherlich nicht die erste Wahl wenn man vor der Saison die Finalisten hätte tippen sollen. Aber es kam eben wie es kam. Auch hier wieder vor dem Spiel Treffen mit den üblichen Verdächtigen, die Begrüßung war dann auch erwartungsgemäß ein „Ne, nicht deine Fresse schon wieder“. Natürlich mit einem Augenzwinkern.
Das Spiel selbst war deutlich enger als gedacht, unsere Spieler hatten wohl den Hinweis mit den 1,8 Promille für voll genommen und es scheinbar versucht auf Sparflamme erledigen zu können. Die kurzfristigen Ausfälle von Dante und Luiz Gustavo spielten möglicherweise auch eine Rolle, denn so wirklich sicher standen wir defensiv nicht. Stuttgart hatte sehr gute Torchancen, und man hätte sich nicht wundern dürfen in Rückstand zu geraten. Wenn wir dieses Jahr aber eins geschafft haben ist es selbst doch noch zum Zug zu kommen und in Führung zu gehen. So auch dieses Mal. Müller per Foulelfmeter, das Triple schien sehr sehr nah.
Noch näher schien es nach der Pause, als wir auf 2:0 und 3:0 erhöhen konnten. Warum wir dann vollkommen vergessen haben nachzulegen, oder immerhin hinten dicht zu machen, kann ich mir nicht erklären. Auf jeden Fall stand es 10 Minuten vor Ende nur noch 3:2, und man musste doch nochmal zittern. Auch hier war der Abpfiff eine Erlösung. Der Pokal gehörte uns. Und damit schafften wir auch als erste deutsche (männliche Fußball-)Mannschaft das Triple. Eine Sache die ich, wie so vieles aus dieser Saison, noch nicht ganz begriffen habe. Man kennt irgendwie jeden einzelnen Titel ja schon, man erinnert sich an die CL-Trophäe aus 2001, an div. Meisterschaften sowie an mehrere Pokalsiege. Aber alle Titel auf einmal zu holen wirkt noch surreal. So wie eine Kollage, oder eine Ausstellung aller bisher gewonnenen Titel.

Ich denke wir alle werden noch eine Weile brauchen diese Saison zu „verdauen“. Und ehe man es begriffen hat geht es schon wieder weiter. Am Ende des Monats läuft der Vertrag mit Jupp Heynckes aus, und Pep Guardiola fängt an. Man darf gespannt sein was nächste Saison geschieht, eins steht jedenfalls fest: eine Saison wie 12/13 wird es so schnell nicht wieder geben. Und das heißt für alle von uns: nachdem wir jetzt die Sau rausgelassen und gefeiert haben was das Zeug hält beginnt die nächste Spielzeit wieder bei Null. Man kann nicht erwarten das es so weiterläuft. Weder von den Ergebnissen der einzelnen Spiele, als auch von den Titeln am Ende der Saison. Es bleibt zu hoffen das alle so denken, und nicht irgendwelche Vögel dann selbst bei einem 1:0 zur Halbzeit das pfeifen anfangen weil sie sich nicht genug unterhalten fühlen.
Wir haben darüber hinaus gesehen was wir schaffen können wenn wir, wie in Wembley, alle gemeinsam für Stimmung sorgen. Sollten wir es schaffen einen Teil davon in die Arena zu bringen wäre das traumhaft. Wird sicherlich kein leichtes unterfangen, nicht zuletzt durch die Drehkreuze auf die wir uns sicherlich schon alle so richtig „freuen“, aber darauf möchte ich nun nicht auch noch eingehen.
Freuen wir uns über die abgelaufene Saison, auf das einmalige das wir erreicht haben. Auf Storys die wir unseren Kindern und Enkelkindern erzählen können. Freuen wir uns über die Erinnerungen die uns keiner mehr nehmen kann.

Allen Lesern Danke fürs lesen, und fürs durchhalten. 😉 Aber eine aussergewöhnliche Saison lässt sich eben nicht in 10 Zeilen zusammenfassen.

Triplesieger 2013

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