Archiv der Kategorie: Champions League

Ih, Realität… Pfui, geh weg!

Festgenagelte Realität

Bild: autopoiet used under CC License  /  Text: Heiko Nieft

Die Realität hat eine dumme Angewohnheit: sofern man nicht unter ständigem Drogeneinfluss steht wird man sie früher oder später immer wieder kennen lernen. Kann manchmal echt nervig sein. Vor allem wenn diese Realität schneller „Hallo“ sagt als einem selbst lieb ist. Man würde ihr am liebsten mit voller Wucht die Türe vor die Nase knallen und schreien „Heute nicht, bitch!“. Dann stellt sich jedoch raus die dumme Sau hat ne Axt dabei und bahnt sich ihren Weg. Unaufhaltsam. Ohne eine Chance sie aufzuhalten.
Was lange als Beschreibung für unsere Siegesserie herhalten konnte ist nun eben wieder der Boden unter unseren Füßen. Muss man sich erst einmal wieder daran gewöhnen. Der Boden federt nicht mehr bei jedem Schritt nach sondern sorgt für einen Bandscheibenvorfall, die Sonnenstrahlen streicheln einem nicht mehr sanft das wallende Haupthaar sondern blasen dir wie ein Föhn auf Höchststufe jegliche Frisur nach Walhalla. Muss man nicht mögen. Man sollte jedoch wissen das sowas eigentlich der Normalzustand ist.

Und ich glaube das haben manche von uns vergessen. Wie es ist mal ein paar Spiele zu verlieren. Nicht jeden Gegner mit 5:0 nach Hause zu schicken, oder, noch besser, den Gastgeber 5:0 zu besiegen und dann fröhlich beschwingt in die eigenen vier Wände zurück zu fahren. Die letzten zwei Jahre waren ein permanenter Höhenflug. Ein Dauerhoch. Da kann sich schon einmal das Gefühl einstellen nichts und niemand kann einem was anhaben. Naja, und dann kommt eben diese blöde Realität zurück ins Spiel und erinnert einen daran das es nichts geschenkt gibt, und jegliche Form einer ständigen Schwankung unterliegt die sich in Gipfeln und Tälern äußert.
Weil aber nicht sein kann was nicht sein darf stellen wieder Holzköpfe alles in Frage was für dieses Dauerhoch einst gesorgt hatte. Natürlich immer unter der Prämisse das so ein „Absturz“ ja schon längst klar gewesen sein müsste, und man sich ja eh gewundert hat wie lange diese Phase angedauert hatte. Wäre ja viel besser gewesen wenn… Wenn was?!? Diese Flucht ins Konjunktiv wenn die Realität einem nicht mehr schmeckt hilft da auch nicht mehr.
Das perverseste an dem Ganzen: wir sind noch nicht einmal im Ansatz in einem Tal angekommen. Wir haben noch nicht einmal richtig mit dem Abstieg begonnen! Da möchte ich nicht wissen was einmal passieren sollte wenn wir nicht jedes Jahr mindestens ins Halbfinale der Champions League kommen, nicht im März Meister werden und nicht im Pokalfinale stehen. Das muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen.
Wir spielen nach der Triple-Saison die zweitbeste Bundesliga-Saison der Geschichte, ziehen zum dritten Mal in Folge ins Pokalfinale ein und standen zum vierten Mal in fünf Jahren im Halbfinale der Königsklasse. Und weil wir nicht auch dort den dritten Finaleinzug in Folge geschafft haben ist alles doof.
Mit solch einem schwarz/weiß-denken werde ich mich in meinem Leben nicht mehr anfreunden. Wie schnell man von „Superbayern superbayern, hey hey“ zu Pfiffen zur Halbzeit kommt. Erschließt sich mir nicht Freunde, ehrlich nicht. Wer keine Überraschungen mag soll halt russisches Roulette mit 6 Kugeln in der Trommel spielen. Sicherer Ausgang garantiert!

Ich hingegen nehme mir in solchen Momenten gerne die Zeit für einen Rückblick. Schön in Ruhe, vielleicht mit einem kühlen Bierchen in der Hand. Um überhaupt zu begreifen was für eine geile, kranke Tour diese letzten 24 Monate waren. Mir helfen dabei die in dieser Zeit aufgenommenen Bilder, sowohl die im Kopf als auch die digitalen. Dann stellt sich recht schnell ein warmes, wohliges Gefühl ein. Weil man, naja, weil zumindest ich, Dankbarkeit empfinde. Das ich diese geile, kranke Tour miterleben durfte. Das ich dabei meinen Verein begleiten durfte. Die Stationen dieser Tour, nur um ein paar zu nennen: Barcelona. London. Prag. Manchester. Marrakesch.

Unseren Spielern geht es doch letztlich nicht anders. Vor etwas mehr als 24 Monaten war all dies noch undenkbar. Und auf einmal steht man auf der höchsten Stufe. Quasi über Nacht. Du weißt gar nicht was passiert, wirst ständig mit Medaillen überhäuft und darfst ständig Pokale in die Höhe stemmen.
Vollkommen klar dabei ist: ob gewollt oder nicht, irgendwann bist du nicht mehr mit 100% dabei. Irgendwann denkst du es läuft von selbst. Und genau da fängt der Abstieg an. Weil sich dadurch Fehler einschleichen. Weil sich diese Fehler vervielfältigen. Du gehst nicht mehr mit 100% in jeden Zweikampf, der Kollege wird es schon richten – hat ja sonst auch funktioniert. Auf einmal merkst du Tore schießen sich nicht von selbst…
Nichts anderes ist die derzeitige Situation. Das Resultat aus einer gewissen Zufriedenheit, als Ergebnis einer historischen letzten Saison. Kann und sollte man verstehen wenn man Menschen als Menschen und nicht als Roboter sieht.

Und wenn man sich das einmal vergegenwärtigt ist der nächste logische Schritt: Stolz. Unbändiger Stolz. Darauf das die Mannschaft, mit einem neuen Trainer und neuer Spielidee, dennoch die Liga dominiert hat. Das die Mannschaft wieder in Berlin steht. Das die Mannschaft erst im Halbfinale der Champions League ausgeschieden ist. Klar durfte man davon träumen der erste Verein zu werden der es schafft den Henkelpott zu verteidigen. Aber das es bislang kein Verein geschafft hat sollte zeigen das dies ein sehr schwieriges Unterfangen ist.
Unsere Gegner aus dem Halbfinale streben seit über einem Jahrzehnt „la decima“ an. Die standen seit 2002 nicht mehr im Finale. Wir hingegen schafften es 2010, 2012 und 2013. Dankbarkeit. Stolz. DAS sind die zwei Worte die man damit verbinden sollte.

Ich hatte das Glück in den letzten fünf Jahren unzählige Champions League-Spiele live gesehen zu haben. Erst vor kurzem hatte ich das Privileg meine Mannschaft im Estadio Santiago Bernabéu unterstützen zu dürfen, und beim Anblick der Videos des Gästeblocks nach Spielende bekomme ich feuchte Augen.
Zur Königsklasse kommen ebenfalls einige Spiele des DFB-Pokals, nicht zu vergessen die Bundesliga. Ich habe in den letzten zwei Jahren Dinge erlebt von denen manch ein Fan sein Leben lang träumt. Dankbarkeit. Stolz. Auch hier die passenden zwei Worte.

Und als ob es nicht genug wäre das alles so erlebt zu haben hatte ich auch noch das Glück diese Momente mit besonderen Menschen teilen zu können. Weil ich, egal wo ich war, immer wieder die gleichen Gesichter gesehen habe. Weil sich dadurch das Gefühl einer „Familie“ einstellt, auch wenn man sich ggf. ausserhalb der Stadien nicht häufig sieht. Weil man dadurch realisiert das man das gleiche will: die Jungs auf dem Rasen sehen, anfeuern, unterstützen. Weil man dadurch realisiert das Urlaubstage und auch Geld irgendwo egal sind wenn man mit Freunden sonstwo sitzt und gemeinsam isst, trinkt, Spaß hat. Ohne die Erfolge der letzten 24 Monate weitaus weniger häufig realisierbar.
Gestern in Hamburg habe ich Leute getroffen die ich vergleichsweise lange nicht mehr gesehen hatte. Und ich hatte mich sehr darauf gefreut, weil auch hier gleich das Gefühl der „Familie“ wieder da war. Für all das passt nur ein Wort: Dankbarkeit.

Wenn ich mir all das durch den Kopf gehen lasse möchte ich meinen Titel etwas korrigieren: Realität, komm her du geile Sau!
Es bringt nichts in einer Traumwelt zu leben, und sich den Alltag dadurch zu zerstören in dem man versucht die Realität auszublenden. Indem man die Realität akzeptiert kann man die Höhen besser genießen, und die Tiefen (die sicherlich wieder kommen werden) ehrlicher betrauern.
Ich habe die Hoffnung viel mehr Menschen, Fans, wird das einmal bewusst. Das alles heißt nicht das man einfach nur alles hinnehmen muss, und sich nicht mehr kritisch äußern darf. Aber es heißt eben nicht Leute (Spieler, Trainer etc.) anhand des eigenen Wunschdenkens zu beurteilen, wenn die Wünsche völlig fern jeglicher Realität sind. Es heißt auch nicht das streben nach „Perfektionismus“ einzustellen, danach sich zu verbessern. Aber es heißt auch einmal mit dem zufrieden zu sein was man erreicht hat, wenn man alles versucht hat.

Ich bin froh das die Sommerpause vor der Tür steht. Ganz ehrlich. Nicht weil ich die Mannschaft nicht mehr sehen will, sondern weil sich diese Zeit anbietet zu reflektieren. Anschließend geht man frisch in die neue Saison, und lässt sich von dem überraschen was die Realität dann anbietet. Auch darauf kann man sich freuen. Darauf sollten sich alle freuen.

Ich geb mein Herz für dich

Mit allem was wir haben auf nach Lissabon

Titelbild lasst die Bestie raus

Text: Marco Thielsch

Servus ihr Roten!

„FC Bayern stürmt das Olimpico“ – So titelte der Kicker am 8.12.2009, nachdem unsere Männer nach Jahren internationaler Abstinenz von den ganz großen Fleischtöpfen im entscheidenden Vorrundenspiel um den Achtelfinaleinzug in der Champions League Juventus Turin im eigenen Stadion mit 4:1 besiegten. Wenn ich auf die letzten fünf Jahre zurück blicke, denke ich oft an dieses Spiel und ich kann mich in meine damalige Gefühlswelt sehr gut zurück versetzen. Es war noch nicht lange her, da führte uns der FC Barcelona am Nasenring durch das Stadion. Ein Spiel, welches sinnbildlich dafür stand, wie weit wir von der internationalen Spitze entfernt waren. Ich sehe unseren wackeren Kapitän Mark van Bommel noch heute flehend mit den Armen rudernd vor mir und es brach mir das Herz zu sehen, wie unsere Jungs zweifellos wollten, aber es einfach keine Möglichkeit gab irgendwie in auch nur einen richtigen Zweikampf zu kommen. Es war das chancenloseste Spiel des FCB, das ich jemals gesehen hatte. Als würden wir Fußball aus einem anderen Jahrhundert spielen. Und so war es ja auch mit einem schwäbischen Bäcker an der Seitenlinie, der außer pseudoesotherischen Zenober und „wenn er auf Klo geht, gehst du mit“ keine weiteren taktischen Finessen kannte. Und dann kam diese magische Dezembernacht in Turin. Aus heutiger Sicht die Geburtsstunde einer Jahrhundertmannschaft. Erstmals bezwangen wir wieder mal einen (damals) großen Gegner in einem entscheidenden Spiel. Und zwar mit einem taktischen Plan. Wie hatte man sich als Roter danach gesehnt!

4 1/2 Jahre und drei Champions League Endspiele später stehen wir kurz vor dem Erreichen des vierten Finals der Königsklasse in fünf Jahren. Aber wenn man den Fernseher anstellt, die Zeitung aufschlägt oder sich dem Wahnsinn der sozialen Netzwerke hingibt, sind viele die es mit unserem FCB halten vorsichtig gesagt unzufrieden. Und viele Medien und „Experten“ scheinen nach 1 1/2 Jahren ohne der Möglichkeit sportlicher Kritik geradezu ausgehungert endlich mal wieder den Dampfhammer rausholen zu können. Und so entstehen zig Diskussionen hier, unzählige Meinungen da, und überall hat man unter dem Strich das Gefühl, wir können nichts gewinnen, aber alles verlieren, wenn am Dienstag Real Madrid kommt.

Das ist ein Trugschluss. Das was wir uns in den letzten fünf Jahren aufgebaut haben, was diese Mannschaft geleistet hat, was sie uns an Willen und fantastischen Augenblicken beschert hat, das alles ist so viel größer als all die Zweifel, all die Diskussionen um personelle oder taktische Entscheidungen des Trainers und auch so viel größer als all diejenigen, die davon leben dem FCB Krisen anzudichten, oder neunmalkluge Ratschläge zu erteilen.

Wenn am Dienstag also Real Madrid zu uns kommt, haben wir alles zu gewinnen und nichts zu verlieren. So rum wird ein Schuh draus. Die wissen Gott sei Dank nicht, was hierzulande für sinnlose Diskussionen geführt werden. Die wissen nur, dass wir jederzeit in der Lage dazu sind über 90 Minuten im eigenen Stadion einen 0:1 Rückstand zu drehen. Sie wissen durch die Leistungen unserer Jungs in den letzten Jahren, wozu diese im Stande sind. Sie wissen um ihre Bilanz gegen uns. Dazu ihre Obsession für La Decima, die wenn es in dem Spiel knapp werden sollte auch ganz schnell in Lähmung umschlagen kann. Das entsetzte Gesicht Ronaldos in der Schlussphase in Dortmund und die Spielweise seiner Kollegen kann da denk ich durchaus als Beleg dienen.

Wir dagegen haben 1000 Gründe uns auf dieses erneute europäische Highlight zu freuen und wenige bis keine, uns übertriebene Sorgen zu machen. Was auch immer am Dienstag unter dem Strich steht, unsere Jungs sind und bleiben unsterblich. Was allerdings nicht bedeutet, dass wir dem Gegner auch nur einen Zentimeter Boden freiwillig überlassen werden. Ganz im Gegenteil, die Jungs werden alles reinwerfen und wir werden ihnen bis zum letzten Atemzug mit brennenden Herzen folgen. Es wird Europapokal pur werden mit dem Spannungsbogen kurz vor Herzinfarkt. Pack ma´s ihr Roten! MIT ALLEM WAS WIR HABEN AUF NACH LISSABON!

München ich geb mein Herz für dich

Wolke 7 aka. Goldene Generation 2.0

Wie im Himmel…

Bild: Skley used under CC License  /  Text: Heiko Nieft

Seit gestern sind es also 20 Punkte Vorsprung auf den nächsten „Verfolger“. Da Leverkusen gegen Mainz verloren hat heißt dieser nun wieder Borussia Dortmund. Aber mal ernsthaft: wen interessiert das denn überhaupt noch?
Die anderen Vereine können anstellen was sie wollen, den Meistertitel haben wir eigentlich schon in der Tasche. Wenn selbst der Tabellenvierte innerhalb von knapp 30 Minuten fachmännisch zerlegt wird, und nur dank unserer reduzierten Leistung in der restlichen Spielzeit nicht völlig pulverisiert wurde.

Aber eigentlich wollte ich nicht über den Vorsprung schreiben, sondern über den Höhenflug ansich, über diese völlige innere Ruhe die daraus resultiert. Über das was wir alle aktuell als Zeitzeugen begleiten dürfen.
Ich bin weit davon entfernt von einer „Ära“ zu sprechen, denn dafür sind wir erst zu kurz dabei einen Rekord nach dem anderen einzustellen und die Liga (sowie teilweise auch Europa) zu dominieren.
Insbesondere auf europäischer Ebene sind wir noch nicht in der Lage jeden Gegner nach Belieben zu dominieren, das Spiel in London kann hier gerne als Referenz betrachtet werden.
Was wir aber national aufbieten, seit über einem Jahr, macht mich einfach nur sprachlos. Dachte man nach der letzten Saison noch das es so nicht weiter gehen könnte werden wir Woche für Woche eines Besseren belehrt. Es sind aber nicht nur die Ergebnisse die einen verblüffen, es ist unsere Spielweise, die Spielfreude. Wir sind fast immer in der Lage noch einen Gang hochzuschalten, sei es durch taktische Umstellungen im laufenden Spiel als durch Einwechslungen von der Bank. Ich kann mir schon vorstellen das es als Gegner derzeit keine Freude ist gegen uns zu spielen, und dabei dürfte es relativ egal sein ob das ein Heim- oder Auswärtsspiel ist.

Zu der positiven Entwicklung auf dem Spielfeld kommt noch die positive Entwicklung im Dialog Fans/Verein hinzu. Regelmäßig gibt es nun gute Nachrichten, und plötzlich scheint vieles möglich was lange Jahre als nicht machbar galt. Egal ob man damit mehrere Megafone meint, niedrigere Zäune zwischen 112/3 und den Nebenblöcken, oder neuerdings sogar eine komplette Stehplatzkurve im gesamten Unterrang der Südkurve.
Man braucht sich nur meinen Beitrag „Totengräber Sommermärchen“ ansehen, der ist knapp 1,5 Jahre alt und wirkt im Rückblick surreal. Genauso wie die jetzige Entwicklung damals völlig bekloppt gewirkt hätte. Wobei meine Grundhaltung wohl immer noch die gleiche ist, und ich die WM nach wie vor nicht zwingend als Grundstein für eine positive Entwicklung sehen würde.
Die positive Entwicklung jetzt resultiert aus mehreren kleinen Themen, einmal dem Verhalten der Fans selbst (ich erwähne nur zu gern das Supercup-Finale in Prag) als auch das Umdenken im Verein. Woher dieses umdenken stammt lass ich hier mal aussen vor.

National kann jeder Bayern-Fan mit einer völligen Ruhe in das jeweils nächste Spiel gehen. International schwankt man zwischen Sieg und Unentschieden, von einer Niederlage wird auch hier eher selten gesprochen. Dies ist das Resultat einer Entwicklung die ich wohl erst in ein paar Jahren vollständig verstanden haben werde. Ich erfreue mich an den positiven Berichterstattungen aus dem Ausland, an der Beachtung die dem FC Bayern inzwischen entgegen gebracht wird. Endlich sind wir auf einem Level angelangt das bislang den anderen Größen vorbehalten war, namentlich Real Madrid, FC Barcelona, Manchester United…
Etwas von dem man jahrelang nur träumen konnte ist nun Realität, und die Zukunft schaut eher besser als schlechter aus. Die Arena ist abbezahlt (wobei man darüber streiten kann ob wir dies nun mit Hilfe der Allianz regeln mussten, oder die paar Jahre auch noch selbst hätten zahlen können), wir haben somit keine „ablenkenden“ Ausgaben mehr. Die Einnahmen der Arena fließen direkt in unseren Topf, das sollte uns in den nächsten Jahren weiterhin die Möglichkeit geben gute und sinnvolle Transfers zu tätigen, die Spieler entsprechend zu entlohnen, und dennoch mit einem positiven Ergebnis da zu stehen.

Es ist unbeschreiblich wie viel Spaß es derzeit macht ein Fan des FC Bayern zu sein. Welch ein Privileg es ist die Gegenwart erleben zu dürfen, im Stadion oder vor dem TV. Diese „Schwerelosigkeit“ mit der aktuell das Geschehen verfolgt werden kann, weil es scheinbar nichts gibt was die Laune trüben könnte. In 10 Jahren wird man auf diese Zeit zurück blicken, voller schöner Erinnerungen. Sollte ich einmal Enkelkinder haben, die hoffentlich ähnlich fußballbegeistert wären wie ich, es wäre diese Zeitspanne von der ich wieder und wieder erzählen würde. Wie wir die Liga dominierten, wie wir auch international glänzten.
Es wäre sicherlich vermessen zu sagen das meine allerletzten Gedanken noch einmal meine Erlebnisse mit dem FCB rekapitulieren würden, aber mit Sicherheit werde ich sie nie vergessen und sie gerne und oft in Erinnerung rufen wenn es vllt. einmal nicht mehr so gut läuft. Diese Zeit kann mir, kann uns, keiner mehr nehmen. Erst recht nicht die Leute die jetzt heulen wie langweilig die Liga wäre.
Die Liga ist nicht langweilig, der Fußball ist nicht tot. Ganz im Gegenteil. Er ist quicklebendig, und so schön wie nie zuvor.

Das wir dabei diejenigen sind die dafür Sorge tragen sollte uns nicht stören, sondern mit Stolz erfüllen. Auf das der FC Bayern niemals untergeht!

Triplesieger 2013

…and the story continues…

München leuchtet – strahlender als je zuvor.

Bild: Mr Weeeee used under CC License  /  Text: Heiko Nieft

4, 7, 13, 30, 38, 50 – das sind unsere sechs richtigen. Seit gestern. 4 Punkte Vorsprung auf Platz 2 – gut, die hatten wir auch schon vor der Länderspielpause. 7 Punkte Vorsprung auf Dortmund hingegen sind neu. Das ganze nach 13 Spieltagen in denen wir 30 Tore geschossen haben. Inzwischen sind wir seit 38 Spielen in der Bundesliga ungeschlagen, haben in 50 Spielen in Folge mindestens ein Tor selbst erzielt.
Liest sich nicht nur bockstark, sondern ist es auch.

Ich hatte vor dem gestrigen Spiel ehrlich gesagt etwas Sorge. Unsere letzten Auftritte in Dortmund, inklusive dem Supercup vor der Saison, waren nur bedingt souverän. Und auch gestern waren wir trotz aller Ausfälle beim BVB nicht überlegen, erst recht nicht in der ersten Hälfte.
Da muss man so ehrlich sein und dem Gegner Respekt zollen. Klar, auch wir hatten mit Verletzungen zu kämpfen, mussten u.a. auf Schweinsteiger und Ribéry verzichten. Nicht zu vergessen das Badstuber auch noch im Krankenstand weilt.
Was jedoch bemerkenswert ist: unsere taktische Variabilität durch die Spieler auf der Bank. Wir haben natürlich auch letzte Saison schon hier und da die Taktik angepasst, unter Jupp Heynckes. Was diese Saison jedoch unter Guardiola passiert ist gigantisch.
Man kann sicherlich lange darüber diskutieren ob es besser ist von Anfang an den Gegner unter Druck zu setzen und ihn in das eigene Taktikspielchen zu zwingen als „immer“ erst in Halbzeit 2 daraus zu lernen. Fakt ist jedoch: solange das funktioniert kann man sich darüber nicht beschweren.

Die Idee des Ganzen scheint zu sein: beobachten was der Gegner in der ersten Hälfte macht, und darauf in Hälfte 2 reagieren – sofern notwendig. Dadurch das Guardiola seine Spieler flexibel einsetzen möchte, auf versch. Positionen, erhöht das unsere Möglichkeiten. Durch einen einzigen Wechsel, und weitere Umstellungen der restlichen 9 Feldspieler sind wir in der Lage in kurzer Zeit das System vollständig zu wechseln. Und genau damit haben unsere Gegner Probleme. Vorherige Zuordnungen passen nicht mehr, die Defensivspieler müssen sich neu orientieren.
Erschwerend für den Gegner kommt noch hinzu das wir durch unsere Wechsel nicht an Stärke einbüßen, und „ungebremst“ weitermachen können. Addiert man das mit der allgemeinen Spielweise des „totalen Ballbesitzes“ machen wir den Gegner mürbe und müde. Je länger das Spiel dauert, desto mehr spielt uns das in die Karten.
Zu verdanken ist dies den Transfers vor der Saison, sowie den Gedanken unseres neuen Trainers.

Wir müssen uns nur überlegen das wir letzte Saison das Triple geholt haben, danach den Trainer gewechselt haben und aktuell eigentlich noch schlagkräftiger sind wie vor ein paar Monaten. Das Guardiola die Erfolge von Heynckes nicht einfach nur verwaltet und im Detail verändert, sondern im laufenden Betrieb eine OP am offenen Herzen durchführt, und dennoch Erfolge verbucht ist aller Ehren wert.
Das witzige dabei: Pep sagt die Mannschaft sei noch nicht „seine Mannschaft“. Das mag richtig sein. Aber was soll denn bitte das Ergebnis sein wenn es einmal seine Mannschaft ist? Müssen wir uns dann darüber unterhalten das wir in 13 Spielen bereits 2 Punkte abgegeben haben? Es wirkt surreal, aber wir haben aktuell auch erst 4 Punkte liegen lassen. Das ist nahe am Optimum, und stellt einen neuen Bundesligarekord dar, immerhin haben wir unseren eigenen Rekord von 34 Punkten aus 13 Spielen gebrochen und überboten.

Seit der letzten Saison befinden wir uns auf einer irrwitzigen Rekordjagd. Uralte Rekorde werden quasi im vorbeigehen geknackt und überboten. Die bislang 38 Bundesligaspiele am Stück ohne Niederlage dürften noch nicht das Ende der Fahnenstange, und damit wohl wirklich für lange Zeit uneinholbar sein. Der FC Bayern hat das verlieren verlernt. Aber nicht nur in der Bundesliga.
In der Champions League haben wir am kommenden Mittwoch die Chance das zehnte Spiel in Folge zu gewinnen, und damit den Rekord von Barcelona zu überbieten – aktuell haben wir ihn „nur“ eingestellt. Nur zum Verständnis: hier geht es nicht darum nicht zu verlieren, sondern aus jedem Spiel als Sieger hervor zu gehen. In der Königsklasse!

Derzeit sind wir wie ein Güterzug mit Höchstgeschwindigkeit. Auf dem Gleis vor uns mögen noch andere unterwegs sein, wenn sie jedoch nicht schnell genug sind werden sie einfach aus dem Weg geräumt. Klar ist jedoch: irgendwann werden auch wir wieder ein Spiel verlieren. Aber selbst dann gilt das wir seit mehr als einem Jahr die besten Bayern erleben dürfen die es je gab. Wir werden noch eine Menge Spaß mit dem jetzigen Kader, dem jetzigen Trainer haben, so viel steht fest. Wir dürfen des weiteren gespannt sein was passiert wenn der gesamte Kader fit ist, ob wir dann noch mehr rotieren, oder eine „Stammelf“ haben werden und durch die Auswechselspieler während eines Spiels mehrfach unser System umstellen, noch mehr als das heute schon der Fall ist.

Ich bin unfassbar stolz auf die aktuellen Leistungen, und ich bin froh diese Zeit miterleben zu dürfen. Warten wir einmal ab was die aktuelle Saison noch zu bieten hat, und wohin die Reise geht. Die Richtung scheint klar zu sein: nur nach vorne, und in neue Höhen.

Triplesieger 2013

Aller guten Dinge sind 3

3 gute Gründe zu feiern.

Bild: ElRey_MUC used under CC License  /  Text: Heiko Nieft

„Der FC Bayern lässt sich nicht unterkriegen, wir kommen wieder. Jetzt erst recht!“
Das waren die letzten Worte unter meinem Artikel zum „Fiasko dahoam“, nie im Leben hätte ich gedacht das wir so stark wiederkommen. Aber wir haben es geschafft. Das wovon sicher jeder Fußballfan träumt. Wir haben das Triple gewonnen, den Mount Everest unter allen möglichen Erfolgen. Und nebenbei haben wir noch so gut alle Rekorde (zumindest national) eingestellt die wir einstellen konnten. Eine Saison, die so herausragend war das man sich selbst in Jahrzehnten noch daran zurück erinnern wird – und damit meine ich wirkliche Jahrzehnte, und keine Dortmund-Jahrzehnte die nach knapp 12 Monaten vorbei sind (keine Sorge, das bleibt der einzige Verweis auf den BVB, aber den konnte ich mir nicht nehmen lassen).
WARNUNG: Dieser Beitrag wird lang. Sehr lang. Ich wollte schon seit einiger Zeit wieder etwas schreiben, zu den aktuellen Geschehnissen. Es hatte sich nur keine Zeit gefunden. So kommt nun alles geballt. Ich versuche mich dennoch kurz zu halten, bzw. nicht auf jedes Detail einzugehen. Hoffentlich bringt ihr dennoch die Geduld mit den Beitrag in Gänze zu lesen. Sollten sich Leute melden die Interesse an einem Reclam-Heftchen haben weiß ich dann immerhin für die Zukunft wann Schluß sein sollte. 🙂

Wir schreiben den 02.06.2013, einen Tag nach dem Gewinn des DFB Pokals. Aber es war nicht nur der Pokal den wir gestern errungen haben, wir haben damit den letzten von drei Titeln geholt und somit das erste Mal in der Geschichte des deutschen Fußballs das sogenannte Triple geholt. Also diesen „sagenumwobenen“ Triumph-Mix aus nationaler Meisterschaft, dem nationalen Pokal sowie dem Gewinn der Königsklasse, der Champions League. Die Chance hierzu hatten wir u.a. auch 2010, als wir im Finale auf Inter Mailand trafen – die ihrerseits auch die Chance auf ihr Triple hatten. Der Ausgang ist bekannt. Sie schafften es, wir nicht. Wir mussten noch 3 Jahre warten, aber das warten hat sich gelohnt.

Der erste Titel war die Meisterschaft, nach langen 2 Jahren „Pause“ konnten wir die Schale wieder in München in Empfang nehmen. Ein hartes Stück Arbeit, auch wenn der Saisonverlauf das nicht vermuten lässt. Es schien phasenweise so als ob wir die Meisterschaft im Vorbei-gehen holen würden, mit Resultaten wie einem 6:1 gegen Stuttgart (nach 0:1-Rückstand), einem 9:2 gegen Hamburg oder einem 1:6 in Hannover. Wir standen von Tag 1 an auf Platz 1, haben die Tabellenführung nie hergegeben, und konnten am 34. Spieltag sogar 25 Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten vorweisen. Als Bayern-Fan war das schon eine Genugtuung, zu sehen mit welch einem Fußball wir die Gegner dominiert haben, wie wir selbst nach einem 3:0 weiter spielten, weiter Tore schießen wollten. Dies führte dann zu sagenhaften 98 Saisontoren, nur knapp an der „magischen“ Grenze von 100 Toren vorbeigeschrammt. Ein Durchschnitt von 2,88 Toren – pro Spiel. Dazu mit einer Defensive die so wenig Gegentore zugelassen hat wie nie zuvor, nur mickrige 18 Stück (und 3 davon am letzten Spieltag – wobei wir selbst dann immer noch gewinnen konnten). Dies macht einen Durchschnitt von nur 0,53 Gegentoren.
Das erwähnte harte Stück Arbeit bezieht sich auf die Konstanz die wir dieses Jahr gezeigt haben, unter der Regie von Trainer Jupp Heynckes der es geschafft hat selbst namhafte Spieler wie Robben oder Gomez auf die Bank zu setzen. Das wir nicht, wie in den letzten Jahren, zu Beginn der Rückrunde strauchelten. Die Spieler gingen jedes Spiel wahnsinnig fokussiert an, immer den Sieg im Blick. Nur selten hatte man das Gefühl das ein Spiel verloren gehen könnte. Und je länger die Saison ging umso schwieriger war es zu glauben man könnte noch verlieren. Das genau in diesem Moment jedoch kein Leichtsinn aufkam ist bravourös, stattdessen hatten wir mit Matthias Sammer einen stetigen Mahner, der den Finger in die offene Wunde legte – auch wenn die Wunde nur ein kleiner Kratzer war.
Natürlich war der Gewinn ein erlösendes Gefühl, aber (in meinen Augen) der am wenigsten emotionalsten dieser Saison. Das soll die Wichtigkeit nicht kleinreden, oder respektlos klingen. Aber durch diese totale Dominanz war der Gewinn ab einem gewissen Zeitpunkt überhaupt nicht mehr in Gefahr. Die Frage war nicht mehr ob wir Meister werden, sondern nur noch wann. Als es dann endlich so weit war das wir auch mathematisch nicht mehr einzuholen waren, nach dem 0:1-Sieg in Frankfurt (durch den Hackentrick von Schweinsteiger), war man zwar froh endlich „Gewissheit“ zu haben, aber es war eben kein plötzlicher Gewinn. Man konnte sich wochen- oder gar monatelang darauf vorbereiten. Nichtsdestotrotz war die Übergabe der Schale am 33. Spieltag in der heimischen Arena ein schönes Gefühl. Titel 1/3 war somit perfekt.

Titel Nummer 2 war der Triumph in der Champions League. Auf diesen Titel haben wir 12 Jahre warten müssen, auch wenn wir in den letzten Jahren mehrfach im Finale standen. Das schmerzhaft verlorene Endspiel im letzten Jahr ist noch in guter Erinnerung, und auch wenn der Verlust damals durch den diesjährigen Gewinn nicht wettgemacht wird so sorgt es zumindest für etwas Erleichterung.
Ich muss gestehen das ich lange Zeit nicht geglaubt hatte wir könnten erneut ins Endspiel einziehen, auch wenn wir national dominiert haben ist die internationale Bühne eben doch noch etwas anderes. Hier werden Fehler im Regelfall gnadenlos ausgenutzt. So hätten wir es immerhin fast geschafft nach einem deutlichen 1:3-Sieg in London bei Arsenal im Rückspiel das Weiterkommen noch aus der Hand zu geben. 0:2 stand es am Ende, und man musste zittern. Froh war man als der Abpfiff erfolgte, und man in die nächste Runde einziehen konnte. Das Viertelfinale brachte uns Juventus, einen wiedererstarkten Gegner der international wieder angreifen will. Das frühe Tor von David Alaba im Hinspiel war der Türöffner. Das Rückspiel in Turin war eine Premiere für mich persönlich, auch wenn ich schon seit Jahren auswärts dabei bin war bisher Schluß an der deutschen Grenze. Noch nie war ich bei einem internationalen Auswärtsspiel dabei (ja, Asche auf mein Haupt). Wir gewannen in Turin 0:2, ich war glücklich dabei gewesen zu sein ohne zu erahnen was die Saison noch bringen sollte. Die Auslosung des Halbfinals brachte uns den FC Barcelona, DIE Mannschaft der letzten Jahre. In meinen Augen das beste Los, einmal weil ich nicht „schon wieder“ gegen Madrid spielen wollte, und auch weil im Hinterkopf der Gedanke aufkam ein ausscheiden gegen eben diesen FC Barcelona wäre die kleinste Schmach. Wie wir wissen konnten wir Barcelona viel deutlicher schlagen als jeder erwartet hatte. Das 4:0 im Hinspiel wurde durch ein 0:3 im Camp Nou fast übertroffen, denn wann hatte der spanische FCB das letzte Mal so klar zu Hause verloren? Auch beim Spiel in Barcelona war ich dabei, ein absolutes Highlight dieses Stadion live erlebt zu haben, dazu noch mit einem deutlichen Sieg und dem damit verbundenen Finaleinzug. 14 Stunden Fahrt einfach im 9er, für andere eher schon „Normalität“, für mich noch nicht. Ich war mehr als glücklich dabei gewesen zu sein. Ein Panoramafoto des „leeren“ Camp Nou nach Spielende (nur die Bayern-Fans waren noch im Stadion) wird demnächst gedruckt und bei mir einen Ehrenplatz bekommen.
Am Tag vor unserem Rückspiel in Barcelona schaffte es der BVB gegen Madrid ins Finale, somit stand unser Gegner schon fest. Eine Kartenanfrage beim FCB für ein Finalticket war schon seit längerem möglich, und auch ich hatte (wie in den Jahren zuvor) eine Anfrage gestellt. Aus Erfahrung der letzten Jahre (und weil das letzte Finale quasi vor der Haustüre stattfand) hatte ich mich bis dahin weder um Unterkunft noch um den Transport gekümmert, ich wartete eher auf den Zeitpunkt der Absage und der Gewissheit das Finale wieder irgendwo in München mit Freunden sehen zu müssen. Mein Versuch über FCB Tours zu buchen scheiterte nur knapp, während ich meine Kreditkarten-Daten eingab schnappten mir andere die letzten Plätze vor der Nase weg. Das war der Moment an dem ich dachte es sollte einfach nicht sein. Es kam jedoch anders, eines morgens lag die Zusage in meinem E-Mail-Postfach. Die Nachricht musste ich mehrfach lesen, um sicher zu sein. Hatte ich nicht irgendwo das Wörtchen „Absage“ überlesen? Hatte ich nicht. Ich bekam tatsächlich eine Karte für das Finale in Wembley. Über den offiziellen Weg. In der günstigsten Kategorie. In der Saison in der ich erst anfing international auch auswärts dabei zu sein. Als ich die Karte dann endlich in Händen hielt (der Umschlag lag bei Nachbarn da ich am Zustellungstag im Ausland weilte, welch ein Glück das die nicht wussten was der Umschlag enthielt) war das für mich so etwas die der heilige Gral. Bloß nicht zu oft anfassen, nach Möglichkeit nie aus den Augen lassen. Dieses Stück Papier war mein Schatz. Ich konnte sogar noch einen Mitfahrer-Platz im C12-Flieger ergattern, den bis dato eigenen Platz in einem anderen Tagesflieger weitergeben und das Hotelzimmer (das ich zwischen Halbfinale und Finale von einem guten Bekannten übernommen hatte) auch noch kurzfristig abtreten. Somit stand alles fest.
Das Spiel rückte näher, mehr und mehr Arbeitskollegen (die wissen das ich Bayern-Fan bin) fragten mich ob ich dabei bin, und als ich sagen konnte „Ja, Ticket liegt zu Hause, ich flieg am Samstag“ war die Reaktion meist ungläubig. Vor gut einem Jahr hätte ich es auch nicht glauben können. Aber so war es halt. Der Trip nach London (nachdem ich bereits im März beruflich für ein paar Tage in London weilte) hatte etwas von einer vorherbestimmten Wiederkehr. Ich glaube so ganz begriffen habe ich das alles auch heute noch nicht. Ich weiß nur das der Tag wunderschön war, mit traumhaftem Wetter. Mit vielen Bekannten (die wie ich vor einem Jahr im Backstage gelitten hatten), die auch alle irgendwie Karten bekommen haben. Die Zeit bis zum Anpfiff ging sehr schnell vorbei, und ich war deutlich weniger nervös wie im Jahr davor. Auch deshalb weil ich selbst immer ruhiger bin wenn ich selbst vor Ort bin, egal in welchem Wettbewerb. Das Gefühl das Finalstadion betreten zu dürfen war phänomenal, auch wenn das Innere mit den Rolltreppen eher etwas von einem Shopping Center hat. Auch das Stadion insgesamt hat mich, um ehrlich zu sein, nicht vollkommen „weggeflasht“. Ich kann nicht genau beschreiben weshalb. Für mich wirkte das Dach zu massiv, und somit eher wie für eine Halle als für ein Stadion gedacht. Mir fehlte die „Patina“, es wirkte alles so klar und sauber – der komplette Kontrast zum Camp Nou. Versteht mich nicht falsch, es ist ein riesiges Stadion, und ich fühle mich geehrt das ich es sehen durfte, aber so dieses gewisse etwas fehlte irgendwie. Oder es war die doch vorhandene Anspannung auf das Spiel das den Rest quasi ausgeblendet hat.
Über das Spiel selbst könnte ich Seiten schreiben. Über jede Gefühlsregung, wie es mir ging. Aber ich beschränke mich auf das Ende. Der Treffer von Robben in der 89. Minute entfachte Gefühle wie noch nie, ein Torjubel der in seiner Monströsität nicht zu fassen ist. Im nachhinein ist so etwas niemandem auch nur annähernd zu erklären, ich selbst wünschte mir man könnte solche Momente konservieren und mit der gleichen Intensität auf „Knopfdruck“ wieder durchleben, weil man weiß das es sie nicht so häufig geben wird. Ich kriege feuchte Augen wenn ich an den Moment denke, könnte losheulen wie im Stadion, vllt. drückt das die Gefühlslage noch am besten aus. Als der Abpfiff ertönte war es ähnlich, ich lag meinen Kumpels in den Armen, sie in meinen, es war die reinste Ekstase. Ich musste einfach nur schreien, immer wieder rollten Tränen. Ich konnte es nicht fassen. Nicht begreifen das wir den Titel wirklich sicher haben, nicht glauben das ausgerechnet ich dabei war. Ich fühlte mich wie im siebten Himmel. Gleichzeitig war ich total entkräftet, ich konnte nicht mehr stehen. Als ich mich nach einiger Zeit hinsetzte konnte ich nicht mehr aufstehen. Dennoch fühlte ich nichts ausser dem reinen Glück. Ein Moment so schön das er für immer in meinem Gedächtnis bleiben wird. Nun weiß ich ungefähr wie sich die Leute 2001 in Mailand gefühlt haben müssen. Und ich bin überglücklich zu diesen Leuten zu zählen. Nach dem Verlassen des Stadions Treffen mit den Jungs die ich vor dem Spiel nicht mehr gesehen habe, es wäre die Untertreibung schlechthin zu sagen sie wären froh gewesen. All das verdiente eigentlich mehr Zeilen, um euch noch besser sagen zu können wie es mir an diesem Tag erging. In einem ähnlichen Maßstab wie ich vor einem Jahr das „Fiasko dahoam“ beschrieben hatte. Nur noch soviel: nach meiner Rückkehr in meine Wohnung am Sonntag früh, nach einer kurzen Dusche, lag ich auf meinem Sofa und schaute die Aufzeichnung an. Die Tage darauf waren durch ein Dauergrinsen geprägt, die nachfragenden Kollegen („Na, wie wars?“) musste ich mit einem „War schon ganz nett“ abspeisen, hätte ich dort mehr erzählt wären sicherlich wieder Tränen gerollt. So wie sie es jetzt tun, nur beim niederschreiben und dem Gedanken daran wie es wirklich war. Gigantisch. Monströs. Phänomenal. „As good as it gets“.

Der letzte Titel folgte nun gestern, in Berlin. Mein Ticket für Berlin hatte ich schon relativ lange sicher, also konnte ich ich auch hier persönlich vor Ort mitfeiern. Für mich auch deshalb eine aussergewöhnliche Pokalsaison da ich es das erste Mal geschafft hatte alle Spiele im Stadion zu verfolgen. Natürlich auch bedingt durch vergleichsweise viele Heimspiele, und ebenfalls vergleichsweise naheliegende Auswärtsspiele.
Auf dem Weg nach Berlin hatten wir schon den Titelverteidiger aus Dortmund aus dem Weg geräumt, das Halbfinale gegen Wolfsburg war eine eher klare Nummer. Im Finale traf man auf Stuttgart, sicherlich nicht die erste Wahl wenn man vor der Saison die Finalisten hätte tippen sollen. Aber es kam eben wie es kam. Auch hier wieder vor dem Spiel Treffen mit den üblichen Verdächtigen, die Begrüßung war dann auch erwartungsgemäß ein „Ne, nicht deine Fresse schon wieder“. Natürlich mit einem Augenzwinkern.
Das Spiel selbst war deutlich enger als gedacht, unsere Spieler hatten wohl den Hinweis mit den 1,8 Promille für voll genommen und es scheinbar versucht auf Sparflamme erledigen zu können. Die kurzfristigen Ausfälle von Dante und Luiz Gustavo spielten möglicherweise auch eine Rolle, denn so wirklich sicher standen wir defensiv nicht. Stuttgart hatte sehr gute Torchancen, und man hätte sich nicht wundern dürfen in Rückstand zu geraten. Wenn wir dieses Jahr aber eins geschafft haben ist es selbst doch noch zum Zug zu kommen und in Führung zu gehen. So auch dieses Mal. Müller per Foulelfmeter, das Triple schien sehr sehr nah.
Noch näher schien es nach der Pause, als wir auf 2:0 und 3:0 erhöhen konnten. Warum wir dann vollkommen vergessen haben nachzulegen, oder immerhin hinten dicht zu machen, kann ich mir nicht erklären. Auf jeden Fall stand es 10 Minuten vor Ende nur noch 3:2, und man musste doch nochmal zittern. Auch hier war der Abpfiff eine Erlösung. Der Pokal gehörte uns. Und damit schafften wir auch als erste deutsche (männliche Fußball-)Mannschaft das Triple. Eine Sache die ich, wie so vieles aus dieser Saison, noch nicht ganz begriffen habe. Man kennt irgendwie jeden einzelnen Titel ja schon, man erinnert sich an die CL-Trophäe aus 2001, an div. Meisterschaften sowie an mehrere Pokalsiege. Aber alle Titel auf einmal zu holen wirkt noch surreal. So wie eine Kollage, oder eine Ausstellung aller bisher gewonnenen Titel.

Ich denke wir alle werden noch eine Weile brauchen diese Saison zu „verdauen“. Und ehe man es begriffen hat geht es schon wieder weiter. Am Ende des Monats läuft der Vertrag mit Jupp Heynckes aus, und Pep Guardiola fängt an. Man darf gespannt sein was nächste Saison geschieht, eins steht jedenfalls fest: eine Saison wie 12/13 wird es so schnell nicht wieder geben. Und das heißt für alle von uns: nachdem wir jetzt die Sau rausgelassen und gefeiert haben was das Zeug hält beginnt die nächste Spielzeit wieder bei Null. Man kann nicht erwarten das es so weiterläuft. Weder von den Ergebnissen der einzelnen Spiele, als auch von den Titeln am Ende der Saison. Es bleibt zu hoffen das alle so denken, und nicht irgendwelche Vögel dann selbst bei einem 1:0 zur Halbzeit das pfeifen anfangen weil sie sich nicht genug unterhalten fühlen.
Wir haben darüber hinaus gesehen was wir schaffen können wenn wir, wie in Wembley, alle gemeinsam für Stimmung sorgen. Sollten wir es schaffen einen Teil davon in die Arena zu bringen wäre das traumhaft. Wird sicherlich kein leichtes unterfangen, nicht zuletzt durch die Drehkreuze auf die wir uns sicherlich schon alle so richtig „freuen“, aber darauf möchte ich nun nicht auch noch eingehen.
Freuen wir uns über die abgelaufene Saison, auf das einmalige das wir erreicht haben. Auf Storys die wir unseren Kindern und Enkelkindern erzählen können. Freuen wir uns über die Erinnerungen die uns keiner mehr nehmen kann.

Allen Lesern Danke fürs lesen, und fürs durchhalten. 😉 Aber eine aussergewöhnliche Saison lässt sich eben nicht in 10 Zeilen zusammenfassen.

Triplesieger 2013

Qiumi.de Medienkritik – Thurn und Taxis in Weißrussland

Qiumi.de Medienkritik – Jetzt wird zurückgeschossen!

Duselbayern? FC Hollywood? Ekstatische Kommentatoren, wenn Bayern München mal nicht gewinnt? Die Mitglieder des Bayernboards von www.qiumi.de nehmen sich die Medien zur Brust, wenn sie Unsinn über unseren ruhmreichen FC Bayern München verbreiten, oder mal wieder einfach nur stupide sind. Jetzt wird zurückgeschossen!

Heute: Thurn und Taxis in Weißrussland von bayern.qiumi.de User 69

Als klar war wer da für den Bezahlsender kommentiert wetzten sicherlich viele Freunde des gepflegten Bloggens die Messer, sorry: die Tastaturen natürlich. Vom Blaublut aus Österreich wird man nie enttäuscht- wenn man das Richtige erwartet. Also erwarte ich -diszipliniert wie ich bin- wenig Reif und Fuss, dafür viel Frauke Ludowig.

Es geht los: Erst berichtet er vom Umzug des Gegners in ein großes Stadion „bei großen Spielen“. Damit ist man eingenordet: Fritz ist da, weil es groß wird- das halbleere Stadion stört des Kommentators eigene Logik nicht.
Aus dem harmlosen Verbalgeplänkel zwischen Sammer und Heynckes macht er schon vor Spielbeginn mal eben handfeste „Auseinandersetzungen“. Nun ja, als Ösi in Weissrußland ist Zurückhaltung eben schwierig…da gibt’s Scharmützel, so oder so….

Das alles gibt’s schon vor Spielbeginn, TuT´s Nachspielzeit ist mal wieder vorverlegt. In Minute 2 das erste „uiiiii“ – er lässt eben nichts aus, der alte Fritz. Und dann lauert man eben schon in wenig freudiger Erwartung auf das erste „fandassstisch“- es wird nicht kommen, nicht die einzige Enttäuschung des Abends. Hat der Linzer seinen Spickzettel mit all den erprobten Floskeln aus gefühlten 74 Jahren TV- Präsenz im Hotel gelassen?

Nach 10 Minuten muss ich mir dank TuT vorstellen Gomez würde sich rückwirkend zur letzten Saison verletzen. Unser Problem wäre dann jetzt Petersen. TuT überfordert meine Fantajalousie gerade, ich gebs zu.

TuT geht heute freudvoll zum Bankett, wo es zwischen Sammer und Heynckes brenzlig wird, verkündet er. „Geh, jetzt, sofort“ ruf ich durch den Raum…obwohl es erst 20.57 Uhr ist…

21 Uhr, das wird ein langer Eintrag, aber TuT ist unerschöpflich in seinem TuN: Badstuber kommt ein bißchen zäh daher, meint er, so in der Aussendarstellung freilich. Der Medienberater himself sorgt sich um Holger, da kann nichts mehr schief gehen. Beruhigt lehne ich mich zurück und überlege wie ich in den nächsten anderthalb Stunden mit diesem unerschöpflichem Quell aus Adels Hausen umgehe. Ich gedenke den Bericht einem geeigneten Lektor zu übersenden, der dann kürzt was irgendwie kürzbar ist, ohne dass das Gesamtkunstwerk „Fritz von TuT“ zerstört wird. Wer kann geeignet sein? Dittmann? Nee, der ist zu lustig. Gloria vielleicht, die hat Verständnis für gestörte Adlige. Aber die schnackselt bestimmt gerade… Alles Mist, machts eben Steffen Simon: der hat schwer Ahnung von Fußball, liebt uns Bayern^^ – und der kann immer, sagen Kenner der WDR- Szenerie…

21.21: ich hielt mich zurück, TuT nicht. Aber jetzt überfordert er mich: er verortet vor den Fernsehgeräten „einige eingefleischte Bayernfans“. Nein, wirklich? Ich seh mich schon auf dem Balkon stehen und wie weiland Roger Waters hinausstöhnen „Is there anybody out there?“.

Wir erfahren jetzt dass Shaqiri TuT´s Favorit ist. Ich habe Angst um unseren Kraftwürfel. Aber zum Glück ist Fritz schon anderweitig im Stress: er schwadroniert darüber wie man den weissen Russen über deren Flanken beikommen kann. Und ne Frau könnte jetzt hier helfen- aaaaaja, ich bin fassungslos, Fritzchen macht aus allem was….

22.12 Uhr: mein Hund leidet, sorry „ich leide wie ein Hund“ sagt der Skymann. Hmm, ich auch- doppelt sogar. Hätt ich bloss auf das Tippen für Mingablog verzichtet und auf Stadionton geschaltet…bei schlechtem Bayernspiel ist TuT zuviel des Unguten. Kein Bild lässt der Mann unkommentiert, schrec klich. Keine Szene kommt ungeschoren davon. Zieht dem Mann den Monitorstecker- und labert er dann immer noch, dann zieht bitte die anderen auch noch, welche auch immer den Mann umgeben.

UUUUUUUIIIII- hoffentlich wird’s noch besser mit den Bayern, sonst gibt mir TuT den Rest. Minus mal Minus ist nicht immer Plus.

Und jetzt greift ein Flugtier noch Don Jupp an, sagt Don Fritz. Die Weissrussen lassen nichts aus, haben uns bestimmt die Stukas nachgebaut- fies und hinterhältig, armer Jupp. Kein gutes Pflaster für Deutsche.

MAN: Behaltet doch den Ösi da…meine schlechte Laune erträgt jetzt nicht noch mehr Thurn und Taxis. Nach 88 Minuten ist TuT Geschichte.

Aus- das Spiel ist aus. Wir haben verloren, die Welt steht dennoch noch, wenigstens bis zum 21.12. Tut auch gar nicht so weh, kann halt passieren.

TuT tut aber weh, ernsthaft…Der Mann raubt einem den letzten Nerv. Übelste und tendenziöse Dampflaberei, völlig frei vom Erkennen von Spielentwicklungen oder gar taktischen Finessen. Der Mann entwickelt null Genussempfinden am Spiel- er hangelt sich stattdessen selbstverliebt von Floskel zu Floskel, von einer Plattitüde zur nächsten sinnfreien Anekdote.

Friedrich Leonhard Ignatius Josef Maria Lamoral Balthasar- mich hast Du geschafft. Nicht zum ersten Mal, auch nicht zum letzten Mal, da schreit der Masochist in mir nach mehr.

Gute Nacht, allerseits. Jungs von Sky: Tut was, TuT (ihn) weg!

Qiumi.de ist eines der größten, vereinsübergreifenden Fußballforen Deutschlands. Die Mitglieder des Bayernboards sind landauf, landab berühmt für ihre Sangesfreude und berüchtigt für ihre Trinkfestigkeit. Hier schlägt das Herz des Fußballs noch in seiner reinsten Form. Schaut vorbei und diskutiert mit auf bayern.qiumi.de . Nur der FCB!

la bestia negra FC Bayern München Fanartikel

Fiasko dahoam – ein Emotionsrückblick

Zu diesem Zeitpunkt hatte man noch Hoffnung.

Bild: Markus Unger used under CC License  /  Text: Heiko Nieft

1822 schrieb ein gewisser Franz Schubert seine Sinfonie in h-Moll, dieses klassische Stück ging als „Die Unvollendete“ in die Geschichte ein. 190 Jahre später hatte der FC Bayern die Möglichkeit erneut Geschichte zu schreiben, doch auch dieses Mal geht es höchstens als „die Unvollendete“ in die Historie ein – als unvollendete Saison in der Champions League wohlgemerkt. Es gibt noch weitere Parallelen, sofern man denn etwas großzügig interpretiert. Sowohl Schuberts Werk als auch die CL-Saison 11/12 des FC Bayern hören sich prinzipell gut an, beide fangen eher düster an und werden in ihrem Verlauf von einem stolzen Charakter geprägt. Doch unglücklicherweise fehlt beiden das „happy end“. Stattdessen steht man am Ende leicht irritiert im Raum, und fragt sich ob es das denn schon gewesen sein soll.

Zugegeben, ich bin kein großer Klassik-Fan, und die Beschreibung des Verlaufs entstammt in ihren Grundzügen aus Wikipedia. Ich habe jedoch lange nach einer passenden Einleitung gesucht, ohne gleich mit der Tür ins Haus zu fallen. Und was passt besser als der Vergleich zwischen einem nicht vollendeten Meisterwerk und einem… naja… nicht vollendeten Meisterwerk.
Ich will aber gar nicht großartig über das Spiel schreiben, ich gehe davon aus jeder hat es gesehen weshalb ich mir tiefgehende Analysen ersparen kann. Mir geht es viel mehr darum einen kleinen Einblick in meine Gefühlswelt zu offenbaren, wobei ich mir vorstellen kann das es anderen ähnlich ergangen ist.

Fangen wir am besten von vorne an. Vor einem Jahr hätte ich nie damit gerechnet das der FC Bayern in das Finale der Champions League 2011/2012 einzieht, noch dazu im eigenen Stadion. Zu unvorstellbar schien es. Erst die CL-Quali, durch den schlechteren Topf auch die Gefahr einer schweren Gruppe. Doch beides hatte man geschafft, aber bereits im ersten KO-Spiel wurde es wieder kritisch – Stichwort Basel. Danach steigerte sich die Mannschaft international von Spiel zu Spiel, und jedem schwirrte mehr und mehr die Aussage von Uli Hoeneß im Hinterkopf herum. Sollte es wahr werden? Das „Finale dahoam“? Wie wir alle wissen wurde es wahr, nachdem die Truppe im Halbfinale auch Real Madrid ausschalten konnte. Aber jetzt war nicht mehr das erreichen des Finales das Gesprächsthema, sondern eher das der FC Chelsea der Gegner ist. Fest mit einem Sieg rechnend verging die Zeit bis zum Finale recht rasant, die Spannung stieg und stieg, die Landeshauptstadt München fing an ob des Ereignisses zu vibrieren. Eigentlich überall wurde man mit Werbung zu diesem Spiel bombardiert, in den letzten Tagen vor dem Finale konnte man kaum noch aus dem Haus gehen ohne an das Spiel erinnert zu werden. Man hatte einfach dieses Gefühl das es eine einzige große rot-weiße Party werden würde, an diesem 19. Mai 2012. Sponsoren drückten per Werbefläche die Daumen, anderenorts wurde das „Champions Festival“ im Olympiapark angepriesen. Einfach alles deutete auf diesen einen Tag, auf diese wenigen Stunden am Abend hin. Selbst Arbeitskollegen die sonst nicht allzu viel mit Fußball anfangen konnten wussten von dem Spiel und fragten ständig nach dem eigenen Empfinden. Ich hatte das Glück das alles jeden Tag direkt in München genießen zu können, weniger Glück hatte ich (und viele viele andere) jedoch beim Thema Kartenvergabe. Schon vorher war klar das die Preise auf dem Schwarzmarkt explodieren werden, was sie dann auch taten. Daher stand recht früh fest das ich, wie viele meiner Kurvenkollegen, das Finale wohl leider nicht live im Stadion verfolgen kann.
Zum Glück gibt es jedoch ein kleines aber feines Forum namens Qiumi – ich selbst bin dort seit vielen Jahren aktiv, viele der dort registrierten Bayernfans sind aktive Supporter, aber alle mindestens mit Herzblut dabei. Die User verstreuen sich über das gesamte Bundesgebiet, dennoch entschloss man sich ein gemeinsames „Public Viewing“ zu organisieren. Leichter gesagt als getan, schnell stand fest das die Anzahl der Teilnehmer eine gewisse Planung erfordert. Da sowohl das off. Public Viewing im Olympiastadion als auch auf der Theresienwiese ziemlich schnell ausverkauft waren musste also etwas anderes herhalten. Die Wahl fiel auf das Backstage-Gelände, und man hatte sogar das Glück noch einige Tische reservieren zu können. Lange Rede, kurzer Sinn, am Ende waren es mehr als 50 Leute aus ganz Deutschland die sich gemeinsam das Finale angesehen haben. Ich für meinen Teil fand alleine das einfach nur wunderbar, auch weil ich viele der Auswärtigen bereits kannte und mich auf ein Wiedersehen freute. Dies trug natürlich auch seinen Teil dazu bei das dieser Tag einfach kein Tag wie jeder andere wurde – unabhängig vom Spielausgang.

Den Finaltag im Detail zu beschreiben würde jeden Rahmen sprengen, und selbst dann nicht dem Gefühl im Ansatz gerecht werden das man hatte als man auf die illustre Runde blickte. Das Wetter war wie eigentlich alles einfach perfekt für diesen Tag, für diesen Abend. Jeder war guter Dinge, man trank das ein oder andere Bier, sang fröhlich und ausgelassen und man spürte die immense Vorfreude. Im Hinterkopf hatte wohl auch jeder schon irgendwie den Gedanken an die Nacht gerichtet, ich für meinen Teil tat dies auf jeden Fall. Alleine dir Vorstellung was bei einem Sieg des FC Bayern in München los gewesen wäre verleiht mir auch heute noch Gänsehaut.
Ich habe es selten erlebt das jeder vom Gewinn so überzeugt war, dieser unbändige Wille und das Glänzen in den Augen aller Anwesenden ist eines der Dinge an die ich mich sicherlich noch lange erinnern werde. Wohlgemerkt war das alles noch Stunden vom Anpfiff entfernt, die Zeit bis dahin wollte nicht so recht vergehen.
Die Anspannung stieg je näher der Anstoß rückte, man merkte das die Ausgelassenheit ein wenig dem kribbeln wich, dieser Art von kribbeln das es so wohl nur bei einem CL-Finale gibt – erst recht wenn es quasi vor der eigenen Haustüre stattfindet und der eigene Verein teilnehmen darf.
Als das Spiel endlich anfing konnte man schnell erkennen das die Hausherren den Ton angaben, im Regelfall nennt man sowas ein Spiel auf ein Tor. Entsprechend gut war die Stimmung, dieses Spiel konnte einfach nicht verloren werden. Man hatte Chance um Chance, jedes Mal bereit für den Torschrei, jedes Mal bereit für inbrünstigen Jubel. Aber irgendwie wollte einfach kein Tor fallen,  keine Ahnung ob es an fehlendem Zielwasser lag oder am teils übertriebenen Spieltrieb. Dennoch war man auch in der Halbzeit davon überzeugt den Henkelpott heute nach 11 Jahren endlich wieder nach München zu holen.
Die zweite Hälfte lief ähnlich zu der ersten, wieder waren wir am Drücker, wieder hatten wir die Chancen. Ribéry netzte sogar einmal ein, leider war es Abseits weshalb es nicht zählte. Doch diese Situation zeigte welche Stimmungsexplosion einen erwarten würde wenn am Ende der Sieger Bayern heißt, lauter Jubel überall, bis jeder realisierte das der Treffer nicht zählte dauerte es ein Weilchen. Weiter 0:0, bis zur 83. Minute. Ausgerechnet Müller, der Müller der vor zwei Jahren seine Chancen nicht nutzen konnte, trifft zum lang erwarteten und absolut verdienten 1:0. Sowohl die Stimmung im Stadion, als auch im Backstage kocht über. Lange Freudenschreie, Jubel ohne Grenzen, Tränen des Glücks bereits in den Augen. Einfach unbeschreiblich was in diesem Moment in einem vorgeht, pure Extase. 7 Minuten noch zu spielen, Bayern haushoch überlegen, was sollte da noch schiefgehen?

Doch dann wurde Müller ausgewechselt, und das Spiel änderte sich. Chelsea drückte, und kam durch den deren ersten Eckball in der 88. Minute zum Ausgleich. Schock… War das wirklich gerade passiert? Zählt der Treffer? Hat sich Drogba vllt. aufgestützt, irgendein anderes Foul? Nein, leider nicht. Fassungslosigkeit wenige Minuten nach dem ultimativen Jubel. Erste Gedanken schossen einem durch den Kopf, als Bayernfan ist man seit ’99 ein gebranntes Kind was späte Gegentore in einem CL-Finale angeht. Auf einen Schlag wich die Ausgelassenheit der Sorge, die Vorfreude dem Bangen.
Gegenseitige Zusprüche nach der regulären Spielzeit. „Das schaffen wir noch!“, „Wir packen das Jungs!“ und ähnliche Sprüche. Fast wäre es ja auch so gekommen, ein Elfmeter für uns in der Verlängerung, der Torschrei bleibt einem jedoch im Halse stecken. Verschossen… Im CL-Finale… Das kann doch nicht sein! Wieder eine 180°-Wendung der Gefühle in kurzer Zeit. Die Stimmung wird wieder nervöser, der spontante Glaube an einen Gott erwacht, Stoßgebete gen Himmel oder sonstwohin schwirren durch die Luft. Nichts mehr zu spüren von der Ausgelassenheit vor Spielbeginn.
Die Verlängerung geht zu Ende, es gibt mal wieder Elfmeterschießen. Diese Lotterie, bei der die Deutschen eigentlich immer das Quentchen Glück haben. Bayern geht in Führung, wieder großer Jubel als Neuer hält, der Glaube an den Titel ist zurück. Jetzt muss es doch klappen!

Doch es klappt nicht. Olic und ausgerechnet Schweinsteiger verschießen, während Drogba den entscheidenden Elfmeter versenkt. Sofort wird es still, keiner fiebert mehr mit, keiner schreit mehr. Aus, vorbei… Verschenkt… Ein elendiges Gefühl bahnt sich seinen Weg, man ist nur noch fassungslos.
Als ich mich das erste Mal umblicke nachdem ich selbst erst einmal nur noch allein sein wollte sehe ich die gleichen Gesichter wie das ganze Spiel über, aber der Ausdruck ist anders. Keine Freude, kein Glänzen in den Augen. Nur noch absolute Leere. Niemand wütet, es hat keiner mehr die Kraft. Eine emotionale Achterbahnfahrt gipfelt im Absturz. Die Leute sitzen regungslos da, oder stehen ebenso regungslos an den Tischen. Irgendwann fängt der erste an rumzulaufen, und versucht die anderen anwesenden Forumskollegen zu trösten. Wortlos. Mit der Zeit weicht die Ohnmacht, und immer mehr Leute wollen ihre Freunde trösten. Schulterklopfen, wenige Worte fallen.
Mir ist irgendwie nur noch übel, ich fühle mich ausgekotzt und orientierungslos. Am liebsten würde ich mich auf der Stelle eingraben, die Uhr zurückdrehen oder auch wahlweise einfach nur vergessen was gerade passiert ist.

Diejenigen die mit dem Auto gekommen sind machen sich relativ schnell auf den Rückweg. Aus der geplanten durchzechten Partynacht wird nichts. Unser „Mob“ löst sich Stück für Stück auf, auf diejenigen Kumpels die im Stadion waren warten wir nicht mehr. Wir wissen auch gar nicht ob sie überhaupt zurückkommen würden. Und selbst wenn, was würde das ändern?
Ein paar bleiben noch länger wie versteinert sitzen, während ich mich mit Marco verabschiede. Sein Zug fährst erst Sonntag früh, aber auf durchmachen hat niemand mehr Lust. Also ab in meine Wohnung, nur noch schlafen. Sofern möglich… Gedanken schießen durch den Kopf, was wäre wenn… Aber letztlich ist es ein Labyrinth ohne Ausgang, man verrennt sich in Gedanken, dreht sich im Kreis. Findet keine Lösung.

Der Sonntag, eigentlich für die Triumphfahrt geplant, ist ein Tag zum vergessen. Irgendwie habe ich ein paar Stunden geschlafen, aber ich fühle mich weiterhin einfach nur miserabel. Kein Bock auf schönes Wetter, die Vorhänge bleiben zu. Irgendwann fängt man an zu realisieren welche historische Chance man verpasst hat. Das Kopfkino kommt zurück, man stellt sich vor wie die Party in München wohl gewesen wäre wenn Bayern gewonnen hätte. Wie „episch“ es doch geworden wäre. So sitzt man nur wie betäubt vor dem Fernseher, und vermeidet jegliche Sendung zum Thema CL-Finale. Die Aufzeichnung habe ich selbst noch direkt nach meiner Rückkehr gelöscht, bloß keine Erinnerung.
Die folgenden Tage in der Arbeit sind nicht großartig anders. Zum Glück halten sich die Kollegen, die wissen das ich leidenschaftlicher Bayernfan bin, mit „Beileid“ oder irgendwelchen Witzen zurück. Ändert aber nichts daran das man nachwievor neben sich steht, weiterhin nicht wirklich wahrhaben will was am Samstag spät abends passiert ist.

Irgendwann höre ich mal einen Kollegen fragen wie man denn wegen so einem Spiel so emotional sein kann und sogar weint, ich glaube sogar das Wörtchen „dumm“ gehört zu haben. Die Frage ging zum Glück nicht an mich, und ich habe auch keinerlei Interesse mich einzumischen. Wie soll man so jemandem sowas auch erklären?
„Ist doch nur ein Spiel“, dieser Satz klingt wie Hohn für jeden Fan mit Herzblut. Egal wo. Es ist viel mehr als „nur ein Spiel“. Jeglicher Erklärungsversuch wieso das so ist ist überflüssig. Emotionale Verbundenheit ist allgemein nur schwer zu erklären. Es ist so wie es ist, wer es nicht selbst erlebt kann es nicht verstehen.

Jetzt, knapp eine Woche später, ist das vergebene Finale immer noch allgegenwärtig. Und das wird es auch bleiben. Ähnlich wie ’99 wird sich dieses Spiel einbrennen. Barcelona ’99 war für mich auch deutlich weniger schlimm, aus verschiedenen Gründen. Ich war damals noch jünger, bei weitem nicht so emotional und fanatisch wie heute. Und ich war damals alleine im Oly, hatte danach nur mit mir zu kämpfen. Dieses Mal erinnere ich mich auch noch an die leeren Gesichter, an die Tränen der Freunde mit denen ich gerne zusammen gefeiert hätte.
Und dennoch möchte ich diesen Tag nicht mehr missen. Ja, wir haben das Spiel verloren. Aber die gemeinsame Vorfreude, das gemeinsame Leiden, sind irgendwie auch Momente die diesen Tag so einzigartig gemacht haben. Alleine die wenigen Minuten zwischen Führung und Ausgleich waren so wahnsinnig geil… Das Wissen das man, wenn man einige bei einem Auswärtsspiel nächste Saison wiedersieht, diese Momente zusammen erlebt hat schweißt einen zusammen. Genau aus diesem Grund spüre ich sogar schon wieder eine gewisse Vorfreude auf eben diese Auswärtsspiele. Und natürlich auch auf die Heimspiele, aber die Auswärtsauftritte sind halt das i-Tüpfelchen.

Was bleibt ist die Hoffnung das die Mannschaft aus diesem Spiel lernt, die Kaltschnäuzigkeit wiederfindet die den FCB die vergangenen Jahre über so ausgezeichnet hat. ’99 und ’01 haben uns gelehrt niemals aufzugeben, diese Einstellung muss wieder zurückkehren an die Säbener Straße. Dann stellt sich auch die Frage nach dem nächsten CL-Finale nicht, nur die Frage nach dem „wann“. Klar wird ein Sieg in naher Zukunft die jetzige Niederlage nicht gutmachen, der Jubel in der Stadt wird vermutlich eine Stufe kleiner ausfallen. Aber wir werden auch diesen Titel richtig feiern, soviel steht fest. Am liebsten im Kreise der Leute mit denen ich auch die Niederlage vor einer Woche erleben durfte, damit ich dieses Glänzen in den Augen auch nach dem Spiel sehen kann, und nicht nur davor.

Jetzt heißt es erstmal die Zeit bis zur nächsten Saison damit zu verbringen seine Wunden zu lecken, wirklich Bock auf Fußball hat man eh erst einmal nicht. Die anstehende EM interessiert mich persönlich nur äußerst gering, Nationalmannschaften sind nicht so mein Ding. Aber spätestens ab Mitte August, wenn der Ball in der Bundesliga wieder rollt, muss man das Finale hinter sich gelassen haben und wieder daran glauben Titel zu holen. Der FC Bayern lässt sich nicht unterkriegen, wir kommen wieder. Jetzt erst recht!

FCBM Unbreakable since 1900 FC Bayern München Fanartikel

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