Reisebericht Marokko – und wieder ein Titel mehr

Und wieder ein Pokal mehr für die Vitrine.

Bild: ElRey_MUC used under CC License  /  Text: Heiko Nieft

Das Finale ist inzwischen über eine Woche her, seit einigen Tagen bin ich auch wieder zurück in der heimischen Wohnung. Dennoch möchte ich euch einen kleinen Einblick in meine Reise geben, meine Eindrücke schildern. Vom Gewinn der WM in Marokko, die hier in Deutschland eher wenig Beachtung findet.
Der folgende Beitrag wird der längste den ich bislang geschrieben habe, je nach Lesegeschwindigkeit solltet ihr aber bis Silvester durch sein. Sorry dafür. 😉

Anfang August diesen Jahres begann meine Reise, naja, zumindest damit Hotel und Flug zu buchen. Über Bekannte hatte ich Tipps erhalten, in welchem Hotel sie sich einquartieren würden, wie sie fliegen… Allerdings hatten sie schon deutlich früher gebucht, die gleiche Reise wäre nun deutlich teurer gewesen, knapp über 1.000 Euro. Ich war schon kurz davor zu buchen, habe mich dann jedoch dazu entschieden nochmal weiter zu suchen.
Letztlich konnte ich doch noch günstiger reisen, sogar mit Direktflug von München nach Agadir und gleiche Route zurück. Gleiches Hotel wie die Bekannten. Einziger Unterschied: ich flog zwei Tage später hin, und zwei Tage später auch wieder zurück. Kosten für eine Woche All-inclusive im 4-Sterne-Hotel direkt am Strand in Agadir, mit Direktflügen von Condor: ca. 830 Euro.
Knackpunkt: der Hinflug erfolgte am 17.12., also am Spieltag des Halbfinals. Zeitlich ausreichend, allerdings ohne großen Puffer.

Knapp 2 Monate später dann die Ticketanfrage beim FC Bayern gestellt, das „Kombipaket“ aus Halbfinale und Finale. Mitte November kam die erwartbare Zusage, Kostenpunkt für beide Tickets gesamt: 91 Euro. Bedenkt man dass das Ticket für den gesamten Finaltag gültig war, also auch für das Spiel um Platz 3, konnte man sich so 3 Spiele für 91 Euro ansehen. Geht preislich durchaus in Ordnung finde ich.
Zwei Wochen vor Reisebeginn die letzte Hürde: den Chef auf Urlaub ansprechen. Der war bislang nicht geklärt, durch bisherige Erfahrungen war ich jedoch guter Dinge dass das klappt. Und das tat es auch, so das ich am 13.12. meinen letzten Arbeitstag hatte, und am Dienstag darauf nach Marokko fliegen konnte.
Letzte Einkäufe erledigen, Koffer packen – die Kleidungsauswahl fiel recht einfach aus. Die Temperaturen in Agadir lagen immerhin bei gut 20 Grad, also recht angenehm im Vergleich zum winterlichen München.

Dann endlich der Tag des Hinflugs. Der Flug mit 4 Stunden zeitlich absolut okay, immer schön an der südeuropäischen Küste entlang rüber nach Afrika. Die Landung problemlos, die Suche nach dem Terminalgebäude war da schon schwieriger. Nicht für die Piloten, aber für die Passagiere. Bei dem Blick aus dem Fenster sah man nichts was irgendwie nach Flughafen aussah. So klein hatte, zumindest ich mir, den Flughafen nicht vorgestellt. Immerhin ist Agadir durchaus ein Touristenziel.
Als der Flieger endlich parkte und man aussteigen durfte schlug einem erstmal die angenehme Wärme entgegen, willkommen im Urlaub. Der Weg zum Terminal dann zu Fuß, über die Parkfläche der Flugzeuge. Kurz nach uns landete ein zweiter Flieger, dieser parkte nah bei unserem. Durch dessen Wendemanöver wäre man fast in dessen Triebwerkstrahl hineingelaufen – wenn nicht noch ein Flughafenangestellter gemerkt hätte das die Wegwahl kritisch hätte werden können.
Für die Einreise musste ein Einreiseformular ausgefüllt werden, das wirklich nervige dabei: sowohl im Flugzeug als auch im Terminalgebäude gab es eigentlich keine Stifte um dieses Formular auszufüllen. Keine Ahnung warum, aber vermutlich Sparmaßnahmen, Sicherheitsvorkehrungen oder ähnlicher Mist.
Abgesehen davon stellte die Einreise keine Probleme dar. Noch schnell den Koffer geholt, Geld gewechselt (erfreulicher Weise ohne jegliche Gebühren direkt im Flughafengebäude), und mit dem Taxi zum Hotel. Die Taxis sind zu 95% alte Mercedes, und mit alt meine ich: die meisten davon würden hier mit H-Kennzeichen rumfahren. Allerdings deutlich weniger gepflegt. Angst musste man sicherlich keine haben, eher Galgenhumor.
Die Fahrt zum Hotel, ca. 25 Minuten lang, bot einen ersten Eindruck der dortigen Verkehrsregeln. Zebrastreifen, Fahrbahnmarkierungen etc. sind eher als grobe Orientierung zu sehen, und keinesfalls als Richtlinien. Eine 3-spurige Straße wird kurzerhand 4-spurig, mit Mofas teilweise sogar 5-spurig. Wer seinem Überholmanöver Nachdruck verleihen möchte hupt, das kann man auch in jeder anderen Situation einfach mal machen. Scheint geholfen zu haben. Ohne Unfall kam ich im Hotel an.
Checkin erstaunlich schnell, der Rezeptionist konnte recht gut deutsch, versuchte sich direkt an einem Fangesang. Das klappte nicht soooo gut. Egal, kurz ins Zimmer, umgezogen, und wieder raus. Direkt die Bekannten Gesichter getroffen, mit dem Hinweis ich könne noch schnell was essen bevor es um 15 Uhr zum Treffpunkt geht für das Spiel. Auf dem kurzen Weg schon gesehen das ein Großteil der Gäste wohl auch zum Fußball wollte. Sehr nett.

Um 15 Uhr als Treffen an der Strandpromende (wirklich sehr hübsch hergerichtet), und zu Fuß zum Abfahrtsort der Shuttle-Busse. Da wir deutlich als Bayern-Fans, und somit als Touristen, erkennbar waren dauerte es nicht allzu lange bis div. Händler ihre Waren anboten. War zu erwarten. Weniger zu erwarten: ständige „Bayern“-Rufe von allen Seiten, Daumen hoch, Ergebnisansagen etc… Selbst von einem Baugerüst riefen die Arbeiter runter. Zum jetzigen Zeitpunkt noch witzig und amüsant.
Nach einem kurzen Fußmarsch dann am provisorischen „Busbahnhof“ angekommen, um den Bus besteigen zu können musste man das erste Mal seine Eintrittskarte vorzeigen. Rein in den Bus, kurz auf die Abfahrt warten, und dann ging´s los. Immer weiter raus aus der Stadt. Mitten ins nichts. Und „nichts“ heißt hier wirklich: nichts.
Man sagt zwar auch die Allianz Arena steht irgendwo auf dem Mond, aber im Vergleich dazu steht die Arena mitten in der Stadt. Rund um das, sehr neue, Stadion in Agadir ist: Schotter. Beispiel gefällig?


So sah es aus. Rund um das Stadion. Es gab keinen Weg zum Stadion, man musste über Stock und Stein. Wenn man sich in München beschwert das es auf der Esplanade nichts gibt war das hier der Beweis das noch weniger durchaus möglich ist. Gut, hier und da ein Händler die unterschiedlichste Waren anboten, mehr aber auch nicht.
Erst kurz vor dem Stadion sah man dann das die direkte Stadionumgebung ebenso neu war. Asphaltierte Straßen und groß angelegte Parkplatzareale – die die Frage aufwarfen warum der Shuttlebus nicht dorthin fuhr. Die örtliche Polizei wollte wohl auch ihre Macht demonstrieren, und so konnte man unzählige Einsatzfahrzeuge auf den Parkplätzen sehen. Fein säuberlich aufgereiht, hier und da noch ein paar Wasserwerfer die sichtlich gut gepanzert waren.
Achja, Kioske oder Toiletten gibt es ausserhalb des Stadions nicht. Ab und an eine „Garage“, deren Sinn und Zweck sich mir nicht entschloss. Aber das war es dann auch.
Glücklicherweise durften wir zu unserem Eingang einmal um das Stadion herumlaufen. Auf dem Weg wurden wir unzählige Male nach unseren Tickets gefragt, auch das erschien eher sinnfrei oder als eigens ausgedachte Beschäftigungsmaßnahme der Ordnungskräfte – die sonst gelangweilt rumstanden.

Soweit ich das sehen konnte waren am Bau dieses Stadions auch Tiere beteiligt, zumindest konnte man Pfotenabdrücke im Beton rund um das Stadion sehen. Leider habe ich davon kein Foto gemacht, es wirkte aber sehr amüsant. Links das neue Stadion, sauber geleckt (bis auf den Wüstensand), und dann liefen da Hunde über die frisch betonierten Anlagen.

Wie dem auch sei, irgendwann erreichten wir den richtigen Eingang. Nochmal Karte vorzeigen, und dann die Körperkontrolle. Die war vergleichsweise deutlich, bei den Frauen wohl noch „präziser“ als bei den Männern.
Im Stadion dann erstmal Plätze suchen, und die Zeit zum Anst0ß totschlagen. Ich machte mich auf die Suche nach einem „Souvenirshop“, da ich es mir zur Angewohnheit gemacht habe von den internationalen Auswärtsspielen Schals zu kaufen. Die Suche war aber deutlich schwieriger als erwartet. Man muss sich vorstellen das die Stadien innen quasi „hohl“ sind, also ausser den Aufgängen zu den Blöcken und den Toiletten nichts zu bieten haben. Die „Kioske“ waren Areale mit Kühlschränken und Chipspaletten, die durch Absperrgitter abgegrenzt waren. Nach längerer Suche dann auch noch einen Stand der Fifa entdeckt, der offizielle Souvenirs zu recht günstigen Preisen vertickte. Allerdings keine Schals im Angebot. Leider. So holte ich mir ein T-Shirt und einen Pin, für zusammen ca. 12-13 Euro.
3 Flaschen Cola sowie 2 Tüten Chips kosteten zusammen 70 Dirham, also ca. 7 Euro. Über die Preise kann man nicht meckern.


Hier ein Bild vom Stadioninneren. Hübsch, modern. Aber mehr auch nicht. Kein großes Tam-tam, nichts besonders erwähnenswertes.
Zum Spiel gegen Evergrande werde ich nur das sagen: Pflichtsieg mit niedrigem Aufwand. Finaleinzug perfekt, alles andere wäre auch eine Überraschung gewesen.

Nach dem Spiel gleich mehrere Erkenntnisse:
1) es kühlt sehr schnell ab
2) es kühlt sehr stark ab
3) die diesmal in Stadionnähe stehenden Shuttlebusse (warum ging das vor dem Spiel nicht?) fahren nicht bis alle Busse voll sind

Meine Schlußfolgerung für das Finalspiel in Marrakesch: ich nehme meine dünne Kapuzenjacke mit. Denn nachts hat es wirklich nur noch ein paar Grad über null, und einige waren so naiv wie ich zu glauben ein T-Shirt würde reichen. Sollte jemand von euch mal nach Marokko fliegen, im Dezember: langärmlige Klamotten sind wirklich keine dumme Idee!

Irgendwann fuhren aber auch die Busse einmal los, im Konvoi zurück zum Ausgangspunkt nähe der Strandpromenade. Von dort aus mit den „Petit Taxi“ (vorzugsweise Peugeot 206, Zustand und Alter wie bei den Mercedes-Taxi) zum Hotel. Fahrpreis: knapp 20 Dirham, also verschmerzbare 2 Euro. Da war übrigens das Trinkgeld schon mit drin.

Die Hotelbar hatte noch geöffnet, also die Vorzüge eines All-inclusive-Urlaubs ausgenutzt. Die „Kellner“ wurden dazu angehalten Tablett nach Tablett mit Bier anzukarren, mit Trinkgeld als Überzeugungswerkzeug ging das recht gut. Hier und da ein Missverständnis bezüglich der gewünschten Menge, aber sonst sehr freundlich.

Die Tage bis zum Finale habe ich abwechselnd mit am Pool liegen, essen, lesen, schlafen oder am Strand entlanglaufen verbracht. Ich war an Ausflügen in die Stadt oder ähnlichem nicht interessiert, Möglichkeiten dazu hätte es jedoch gegeben. Hin und wieder hätte ich mir gewünscht Ohropax eingepackt zu haben, spätestens als mal wieder „Gangnam Style“ von den Animateuren lautstark unters Volk gebracht wurde. Das ist dann der Nachteil an einem Clubhotel. Ansonsten aber konnte man am Pool wirklich seine Ruhe haben, es war spürbar Nebensaison so das kein Gerangel um Sonnenliegen oder ähnliches stattfand.

Kommen wir zum Finaltag, bevor der Artikel hier noch Romanlänge annimmt. Bis zum Freitag hatte ich noch keine Ahnung wie ich am Samstag nach Marrakesch kommen sollte, dank der Verbindungen eines Freundes fand ich noch Platz in einem Mietwagen, also entging ich dem Linienbus.
Am Samstagmorgen also Treffpunkt in der Hotellobby, und die erste Info war das es einen Mitfahrer erwischt hatte. Scheißerei. Der üblen Sorte. Neben der Erkältung (mit der gegen Ende fast jeder zu kämpfen hatte) die zweite Möglichkeit sich seinen Urlaub zu versauen.
Also nur kurz zum anderen Hotel gefahren, Karte abgeholt, und dann zu dritt anstatt zu viert nach Marrakesch. Die Autobahn dahin ist sehr gut ausgebaut, durchgehend mit Tempolimit 120. Mehr hätte unser Auto wohl auch nicht geschafft, obwohl ein aktuelles Modell mit unter 70.000 km spürbar „zugeritten“. Das Schicksal eines Mietwagens.
Kurzer Zwischenstopp an einer „Raststätte“, das erste Treffen mit Fans des Gegners Raja Casablanca. Die ersten Gruppenfotos. Dann Weiterfahrt und das erreichen der Mautstelle. Der zweite Wunsch nach Ohropax kam mir in den Sinn. Hupkonzert, völlig am Rad drehende Marokkaner, auf den Türen sitzend Fahnen schwenkend, Fotos machend, singend… Ein irrer Eindruck. Nicht in Bildern festzuhalten, und auch Videos geben nur unzulänglich Eindruck davon wie heiß die Leute auf das Finale waren. Wobei „heiß“ eher nett gemeint ist, die waren einfach nur froh und glücklich ins Finale zu kommen.

Als wir in Marrakesch ankamen erstmal rein in die Stadt, über einen der dortigen Märkte schlendern. Der Parkplatz neben dem Markt war übrigens eine Mischung aus Taxisammelplatz, Werkstatt, Waschanlage, und Verpflegungsmöglichkeit.
Der Markt selbst wie man sich afrikanische Märkte eben so vorstellt. Lebensmittel neben SIM-Karten neben Kleidung neben Gewürzen neben Metzgern etc… Und mittendrin: stinkende Mofas. Die wuselten in den engen Gassen zwischen den Menschen durch, irre. Als Fußgänger hilft dabei nur eins: nicht hektisch werden. Einfach so laufen als wäre da nichts. Klappt erstaunlich gut. Sobald man versuchen sollte auszuweichen wirds kritisch, weil damit nämlich die Mofa-Fahrer nicht rechnen. Das als kleiner Survival-Tipp an alle Leser. 😉
Achso, Survival-Tipp 2: möchtet ihr nicht alle paar Meter angehalten werden versteckt eure Fanutensilien. Ansonsten wird man ständig angesprochen ob man nicht ein Foto machen könnte. Da halten sogar Mofas mitten im Verkehr, die Fahrer laufen zu euch hin und fragen nach Bildern. Am Anfang wirkt das noch sehr nett, sehr freundlich. Aber spätestens nach dem tausendsten Bild will man nicht mehr mitmachen. Aber es kommen trotzdem weitere Leute auf euch zu, und da „Nein“ zu sagen fällt wirklich schwer. Also immer gesagt „Quick quick, one photo“, und darauf gehofft das es wirklich schnell ging.

Anschließend die Suche nach einer Möglichkeit noch was zu essen. Dabei suchten wir etwas das zumindest auf den ersten Blick vertrauenswürdig aussah. Fündig wurden wir kurz ausserhalb von Marrakesch, auf der Hinfahrt dauerte die Fahrt vllt. 5 Minuten vom Stadion aus. Nach dem essen (Pizza für 22 Dirham, und geschmacklich mehr als erträglich) wollten wir den gleichen Weg zurück nehmen, da wären wir direkt am Stadion rausgekommen. Genau dieser Weg war jedoch zwischenzeitlich abgesperrt worden. Die gesamte Anfahrt wurde über eine Straße gelenkt, quer durch Marrakesch. Anfahrtszeit: knapp 2 Stunden.
Organisatorisch die reinste Vollkatastrophe. Mit der üblichen Fahrweise gepaart kommt einem das vor wie der Vorhof zur Hölle. Ja, in München muss man manchmal 2 Stunden im Parkhaus waren um raus zu kommen. Dabei geht es allerdings gesittet zu! Da steht man in einer Schlange, und kann grob abschätzen wie lange das dauert. Das geht hier nicht! Mofas die eben noch über Bürgersteige gefahren sind müssen sich wieder einordnen, weil ein Polizist mal versucht Ordnung reinzubringen. Jegliche Verkehrskontrolle durch die Ordnungskräfte sieht übrigens wie folgt aus: Trillerpfeife in den Mund, sich einen Wolf blasen, und dabei immer wieder winken. Das war es. Ab und an ein VIP-Konvoi, für den dann die Fahrbahn freigemacht wurde, aber sonst nur Chaos. Die Fahrt auf den Parkplatz war nicht anders. Die Leute wussten nicht einmal im Ansatz wo noch Plätze frei waren. Da wurde einfach fleißig weiter gewunken, immer weiter, bis man nicht mehr weiter konnte. Irgendein Ordner bemühte sich dann „Klärung“, am Ende standen wir quer auf einem Busparkplatz. Irgendwo. Versucht euch nicht zu merken WO ihr geparkt habt, merkt euch lieber wie ihr gelaufen seid um zum Stadion zu kommen.


A propos Stadion: das Stadion in Marrakesch ist ebenso neu wie das in Agadir. Hat sogar Drehkreuze. Das Problem dabei: die einheimische Bevölkerung kennt sowas nicht! Man kann es auf dem Bild oben nur schwer erkennen, es wurde aufgenommen nachdem ich es durch das Kreuz geschafft hatte. Man blickt also nach aussen.
Da drängen Menschenmassen in Richtung der Drehkreuze, ähnlich wie im Straßenverkehr drängt sofort jemand von der Seite rein sobald die Person der Meinung ist hier geht es nur etwas schneller vorwärts. Von hinten drängen die Massen nach, inzwischen war das Spiel um Platz 3 fast zu Ende, also wollten die Leute schnellstmöglich rein um bloß nicht das Finale zu verpassen.
Die marrokanische Lösung dafür: man stellt einen Ordner vor jedes Drehkreuz. Dieser Ordner bekommt dein Ticket in die Hand gedrückt, und zwar wirklich gedrückt. Warte nicht bis du an der Reihe bist, denn dann würdest du noch in 10 Tagen da stehen.
Wenn du dein Ticket erfolgreich losgeworden bist steckt es der Ordner in den Scanner, und schiebt dich anschließend persönlich durch das Drehkreuz. Dabei muss er aufpassen das sich nicht noch ein zweiter dazuquetscht, was sonst definitiv passiert wäre. Anschließend, wenn man es einmal durch das Kreuz geschafft hat, reicht einem der Ordner das entwertete Ticket durch das Kreuz hinterher.
Man kann sich vorstellen das dies weder schnell geht, noch in halbwegs geordneten Bahnen. Völlig abartig das Ganze, und so in Deutschland nicht im Ansatz vorstellbar.
Sollte Marokko versuchen sich durch die Klub-WM (die nächstes Jahr im übrigen wieder in Marokko stattfinden wird) für die Verbands-WM zu bewerben ist da ein deutlicher Nachholbedarf zu sehen.

Im Stadion konnte ich mir die letzten 4 Minuten vom Spiel um Platz 3 ansehen, sah also noch den Siegtreffer von Mineiro. Danach durchstreifte ich das Stadion ähnlich wie in Agadir, auf der Suche nach der Möglichkeit einen Finalschal zu kaufen. Ich sah ihn schon beim Halbfinale in Agadir, da hatte ihn schon jemand. Ich wusste nur nicht ob es ein Fake war, oder echt, wo der zu kaufen war etc.
Das Stadion in Marrakesch ist aber innen ähnlich „hohl“ wie in Agadir. Der Fifa-Stand war ausserhalb des Stadions, und selbst ein Ordner der ein paar Meter davon entfernt stand konnte mir nicht sagen ob es hier einen Stand gibt oder nicht. Leider wieder ohne Schal, und daher hoch in unseren Block. Nachdem es allen Zuschauern freigestellt war sich seinen Platz zu suchen waren also auch im Bayern-Block Raja-Fans, zwar deutlich in der Minderheit, aber dennoch mittendrin. Auch das unvorstellbar, einmal hier in Deutschland und sicherlich auch von der Fifa alles andere als gewollt. Auf den Tickets steht derweil noch ein Dank, das man sich doch bitte an seinen Platz setzen möchte. Hach ja, die Ironie…

Zum Spiel wieder nur ein kurzer Satz: nach der frühen 2:0-Führung wurden auch die durchaus lautstarken Raja-Fans deutlich leiser, das Spiel plätscherte nur noch vor sich hin. Am Ende etwas zu nachlässig, fast noch ein Gegentor kassiert. Insgesamt aber souverän, auch weil wir nicht annähernd an unser Limit gehen mussten.
Nach Spielende das gewohnte Bild: Siegeszeremonie, Spieler kommen mit Pokal zu den Fans, bisschen feiern, und das war´s. Den Spielern war der „Wert“ dieses Pokals anzusehen, lediglich Dante und Rafinha waren völlig aus dem Häuschen.
Größter Erfolg des Tages: das eigene Auto wurde erstaunlich schnell wieder gefunden. Hat aber auch nichts geholfen. Bis wir vom Parkplatz runter waren dauerte es über eine Stunde. Die noch anwesenden Ordnungskräfte haben vollends aufgegeben, Autos fuhren kreuz und quer über Gehwege, nur um ein paar Meter schneller voran zu kommen.


Teilweise wurden sogar die Gullideckel als Rampen umfunktioniert, um auf die Gehsteige fahren zu können. Zwischendrin standen immer mal wieder Fahrzeuge deren Fahrer noch nicht zurück waren, also musste man zu allem Übel auch noch den parkenden Autos ausweichen. Einfach nur völlig krank.
Es gab auch Jugendliche die zwischen den Autos langliefen und, so meine Interpretation, bettelten. Manche wollten zwanghaft Schals, Mützen oder ähnliches tauschen. Abgesehen davon das ich (zum Glück) meinen Südkurven-Schal im Hotel gelassen hatte, warum sollte ich einen Bayern-Schal gegen einen Raja-Schal eintauschen? Noch dazu weil man sicherlich nicht wissen konnte ob das ein Original war, oder nicht.
Immerhin gab es auf den Märkten auch Bayern-Trikots mit 5 Sternen zu kaufen, mit „E.V.“ auf dem Wappen etc… Qualitätsware also.

Gegen 23:30 Uhr konnten wir den Parkplatz immerhin endlich verlassen, und die Autobahn ist in kürzester Zeit zu erreichen.
Die Fahrt nach Agadir, über den Atlas mitten in der Nacht, war absolut ruhig. Hier und da warnen zwar Leute davor mit einem Mietwagen auf eigene Faust dort zu fahren, ich hatte jedoch in keinem Moment ein mulmiges Gefühl.
Sehr nett auch zu sehen das selbst die kleinsten Dörfer in den Bergen irgendwoher Strom haben. Zumindest konnte man immer wieder Lichter sehen.

Nach einer Pause und ein bisschen Irrfahrt in Agadir war ich gegen 3 Uhr morgens wieder im Hotel angekommen, die meisten Bekannten hatten ihre Rückreise am Sonntag morgen, so das am Sonntag mittag schon deutlich weniger Bayern-Fans im Hotelareal unterwegs waren.

Die letzten Tage verbrachte ich wie die vorherigen, gegen Weihnachten wurde es zwar wieder etwas voller, aber dennoch konnte man tagsüber in Ruhe am Pool liegen (von „Gangam Style“ vllt. mal abgesehen).
Am 24.12. trat ich dann endlich meinen Heimweg an. Mit dem Taxi raus zum Flughafen, der Taxifahrer konnte etwas deutsch sprechen, also beklagte er sich erst einmal darüber das wir Bayern den Pokal mitgenommen hätten. 🙂
Nett wie die Marokkaner nun einmal sind durfte ich als Bayern-Fan sogar noch einen kleinen Aufschlag für die Fahrt zum Flughafen zahlen. Anstatt 220 Dirham wollte der Fahrer mit einem Augenzwinkern 250 Dirham. Ich war sogar so nett ihm darüber hinaus etwas Trinkgeld zu geben. Mir ist bewusst das man günstiger zum Flughafen kommt, und das ich selbst die 250 Dirham nicht hätte zahlen müssen, aber in dem Moment war es mir ehrlich gesagt vollkommen wurst. Ob ich jetzt 20 Euro für die Fahrt zahle, oder 25 Euro… Mir sind die 5 Euro egal, für den Fahrer hingegen nicht. Also warum Terz machen…


Um auf den Anfang zurück zu kommen, auf die Dimension des Flughafens, noch ein Bild. Aufgenommen auf dem Weg vom Terminal zum Flugzeug, also innerhalb des Flughafens.
Gates sind dort im übrigens nichts weiter als Türen raus zum Parkareal der Flugzeuge. Und auch hier zeigte sich noch einmal die Organisationsschwierigkeit der Marokkaner. 3 Passagiere meines Flugs waren im Rollstuhl, also musste erst einmal Personal angekarrt werden das die Rollstuhlfahrer zum Flugzeug brachte etc… Scheint nicht sooooo einfach gewesen zu sein. Dauerte jedenfalls gute 15 Minuten. Vorher konnte das Boarding nicht beginnen, aber Zeit ist hier kein Faktor. Man muss auch nicht zwingend einen Slot für die Rollbahn erwischen, denn neben uns gab es gerade mal ein zweites Flugzeug auf dem Gelände – und das war erst gelandet.

Der Flug zurück war nicht im Ansatz ausgebucht, also konnte man sich hinsetzen wo man wollte. Dank starkem Rückenwind und stellenweise über 900 km/h Reisegeschwindigkeit dauerte der Flug nur 3,5 Stunden, so das wir vor der geplanten Ankunft in München landeten. Und ich war irgendwie froh darüber auch wieder zu Hause zu sein.

Dennoch möchte ich die Reise nicht missen, und auch wenn der Titel keine großen Emotionen ausgelöst hat wie es der CL-Gewinn tat, es war nett dabei gewesen zu sein. Miterlebt zu haben wie wir uns auch noch diesen Pokal geholt haben, und uns jetzt offiziell ein Jahr lang Weltmeister nennen können.
Solch ein Pokal rundete das fantastische Jahr perfekt ab. Nicht zu vergessen das der 17. Spieltag der Bundesliga in unserer Abwesenheit auch nicht gerade schlecht lief für uns.

Ich könnte noch deutlich mehr schreiben, aber ich denke der Artikel ist jetzt schon mehr als lang genug. Danke an alle die es bis zum Ende geschafft haben, danke an die die auch meine anderen Artikel gelesen haben und mich so dazu gebracht haben doch ein paar Artikel mehr zu schreiben.
Auch wenn das Jahr noch nicht ganz rum ist wünsche ich euch allen schon einmal einen guten Rutsch, auf dass das nächste Jahr ähnlich grandios wird wie 2013. Auf das der FC Bayern auch im nächsten Jahr für emotionale Höhepunkte sorgen wird.

Forza Minga

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2 Kommentare zu “Reisebericht Marokko – und wieder ein Titel mehr

  1. Sportnachrichten 11. Januar 2014 um 11:03 am

    Da hast du aber eine geile Reise hinter dich gebracht. War bestimmt echt geil gewesen. Der Bericht und die Fotos gefallen mir auch sehr gut.

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  2. kuzze 9. Februar 2014 um 11:31 pm

    Klasse Bericht! Sehr interessant und sehr angenehm zu lesen!
    Gruß aus GE!

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