Archiv für den Monat März 2012

Kleiner Heißmacher

Das wird unsere Nacht, ihr Roten!

Bild: CPando used under CC License  /  Text: Marco Thielsch

Die Aufgabe heute Abend ist klar: Einen Rückstand von einem Tor in 90 Minuten aufholen. Manch ein Zauderer gibt mit weinerlicher Stimme zu bedenken, dass es ja ganz schwierig würde, wenn Basel ein Tor schießt. Die würden ja auch so unangenehm spielen, so kompakt, so konterstark. Und überhaupt, wenn das schief ginge heute Abend, wäre ja die ganze Saison gelaufen. Ich will davon nix hören. Ihr Pussys! Mit der Einstellung holst du gar nix, außer vielleicht den Fair Play Preis beim Käthe-Kollwitz-Cup.

Die Champions League ist keine Veranstaltung für Zweifler und Konjunktivjongleure. Wir gehen da heute Abend raus und hauen die weg! Brust raus, Bauch rein und Haltung annehmen Freunde! Die rote Horde nimmt sich, was ihr zusteht. Das ist unser Stadion, unser Spiel, unsere Nacht. Und jetzt geht da raus und zeigt unsere Farben, hisst unsere Fahnen und singt unsere Lieder! Zeigt ihnen was es heißt vom ruhmreichen FC Bayern München zu sein. AUF GEHT´S IHR ROTEN, KÄMPFEN UND SIEGEN!

Auf geht´s Bayern, kämpfen und siegen Hoodie FC Bayern München Fanartikel

Heute vor 5 Jahren: Roy Makaay und das 10 Sekunden Tor gegen Real Madrid

Das unvergessene Tor-Phantom Roy Makaay

Bild: probek (Flickr / Twitter / Blog) used under CC License  /  Text: Marco Thielsch

Der 07.03.2007, ein Tag, der in die rot-weiße Geschichte eingegangen ist. Das Champions League Achtelfinal-Rückspiel gegen Real Madrid in München steht an. 3:2 hatten wir das Hinspiel in Madrid verloren, in einem Spiel, in dem sich ganz Madrid phasenweise zurück auf dem Fußball-Olymp gewähnt hatte, aus dem wir aber letztendlich mit einer brachialen Willensleistung mit einem guten Ergebnis für das Rückspiel hervorgingen. Ich sage nur van Bommel, die legendäre Faust, la bestia negra!

Real fuhr siegessicher zum Rückspiel nach München an diesem 07.03.2007. Doch jeder Rote spürte, heute liegt was in der Luft, man konnte die Spannung mit Händen greifen. Je näher der Anstoss rückte, desto größer wurde die Anspannung, jede Phaser im Körper war geil auf dieses Spiel. FC Bayern München gegen Real Madrid, die geilste Mannschaft der Welt gegen unfassbare Einzelspieler. KO-Runde. Alles kann passieren an so einem Abend. Also legst du dein Schicksal in die Hände des Fußballgottes, betest für deine Mannschaft und gibst dich ihr hin, dieser grenzenlosen Anspannung, diesem Wahnsinn. Und wenn der Anpfiff nach immer endloser werdenden letzten Minuten vor dem Spiel endlich ertönt, bist du schon fast nicht mehr bei Bewusstsein vor undefinierbar durch dich durch rasender Energie.

Eine unfassbare Stimmung liegt über dem Stadion, als der Schiedsrichter die Partie anpfeift, während du gerade den ersten und letzten klaren Gedanken des Tages hattest: Ein 1:0 würde ja schon reichen. Ein verdammtes, verficktes 1:0 würde schon reichen! Anstoss durch Real Madrid. Der Ball wird schlampig auf ihre linke Seite zu Roberto Carlos gespielt. Unsere Roten stürmen wie von der Tarantel gestochen in die Hälfte der Madrilenen, allen voran der wahnsinnige Brazzo, der Roberto Carlos sofort unter Druck setzt. Dieser weiß seine brasilianische Herkunft in diesem Moment erfolgreich zu verbergen, ihm verspringt ob des Schreckes eines Salihamidzic mit Schaum vor dem Mund die Kugel unglücklich. Brazzo lässt sich nicht zweimal bitten, nimmt ihm die Kugel ab, bricht auf der rechten Seite durch die spanischen Verteidigungslinien bis zum Strafraumeck durch, legt die Murmel quer auf den einzigartigen, unvergessenen Roy Makaay, der in gewohnter Manier kalt wie eine Hundeschnauze den Ball mit einer Berührung mit der Innenseite am verduzten Iker Cassilas vorbei links unten im langen Eck platziert.

10 Sekunden vom Anpfiff bis zum ersehnten Treffer. 10 Sekunden von zerberstender Anspannung bis zu einer Atombomben-Explosion im Stadion. Emotionen für die Ewigkeit. Sollte es stimmen, dass ein Mensch kurz vor seinem Tod nochmal die wichtigsten Stationen seines Lebens im Schnelldurchlauf vor dem geistigen Auge vorbeirasen sieht, so wird dieser Moment mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bei jedem Roten, der das damals erleben durfte, mit dabei sein.

Am Ende gewann der ruhmreiche FC Bayern München mit 2:1 und hinterließ zerstörte Madrilenen, die wieder einmal an der schwarzen Bestie aus München scheiterten.

la bestia negra van Bommel Retro Shirt FC Bayern München Fanartikel

Von Schein und Sein des FC Bayern München

…ich mach mir die Welt widdewiddde wie sie mir gefällt… (inoffizielles Vereinslied)

Bild: allthecolor used under CC License  /  Text: Marco Thielsch

Freunde, diejenigen von euch, die diesen Blog schon seit Jahren verfolgen wissen, mit welch klaren Worten ich bestimmte Entwicklungen im Verein seit je her angeprangert habe. Die unfassbare Jahreshauptversammlung 2007, die Spaltung des Vereins durch die Verpflichtung von Jürgen Klinsmann, die sportliche Hinrichtung des Michael Rensing, die sportliche Hinrichtung des Thomas Kraft, der selbstherrliche Umgang mit Louis van Gaal, die erneute Spaltung des Vereins durch die Verpflichtung von Manuel Neuer, der Umgang des Vereins mit den Protesten der Kurve, um nur einige wenige Beispiele zu nennen. Und immer habe ich vor den langfristigen Folgen all dieser Dinge gewarnt, habe auf die immer realitätsfremder werdende Sichtweise unserer Vereinsspitze hingewiesen. Und ich habe einen Punkt vorausgesagt, an dem all dies unseren hohen Herren um die Ohren fliegen wird.

Viele haben genau das nicht für möglich gehalten, zu sicher schienen die Herren Hoeneß, Rummenigge und Co. im Sattel zu sitzen. Zu blind wurde ihnen vom gemeinen Volk zugejubelt. Dass dieser Jubel aber zu großen Teilen auf puren Opportunismus beruhte, das haben weder die Vereinsbosse verstanden, denen er in unendlichem Maß zu Kopf stieg, noch haben es die Kritiker verstanden, die sich ein bißchen zu sehr in einem Kampf gegen Windmühlen wähnten. Opportunismus hat nunmal die Eigenschaft in dem Augenblick umzuschlagen, an dem es opportun erscheint dies zu tun. Das gilt für die Heerscharen der Erfolgsfans und Klatschaffen genauso wie für die gemeine Presse.

An diesem Punkt, an dem alles umschlägt, an dem die gravierenden Fehler unserer Vereinsspitze nicht mehr von sportlichem Erfolg, blindem Jubel und dem Rausch der Selbstbeweihräucherung verdeckt werden, an diesem Punkt sind wir nun angekommen.

Ich bin nicht so naiv, irgendwelche Köpfe an der Vereinsspitze rollen sehen zu wollen. Das wird nicht passieren. Und bei allem Ärger, bei dem man sich vielleicht im ersten Moment auch gewünscht hatte, der ein oder andere würde seinen Hut nehmen, bin ich gar nicht so sicher, ob ich das will. Aber eins will ich sicher, nämlich das was viele wollen, das was so plakativ mit „ich will meinen alten FC Bayern zurück“ umschrieben wird. Nicht im Sinne eines Nostalgikers, der mit verklärtem Blick die Vergangenheit überhöht und dabei die Gegenwart mißachtet. Sondern im Sinne eines Menschen, der die Ideale dieses Vereins so viele Jahre in Ehren gehalten, für sie gekämpft und sie in vielen Teilen zu seinen eigenen Idealen gemacht hat.

Das was diesen „alten FCB“ mal ausmachte, das ist das Werk der gleichen Leute, die noch heute an den Schalthebeln der Macht im Verein sitzen. Ich bin nicht der Überzeugung, dass das was mal so unendlich gut war, was mich selbst so unendlich inspirierte, ins komplette Gegenteil umschlagen und unendlich schlecht werden kann. Die Geschichte des FC Bayern der letzten Jahre ist nicht die Geschichte vom Paulus zum Saulus. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Vereinsführung zwar an jedem Tag das Beste für den FCB wollte und will, aber dass sie sich irgendwo zwischen dem Mammutprojekt neues Stadion, dem teuflisch gefährlichen Rausch des Sommermärchens und der daraus resultierenden Zielgruppenerweiterung, sowie im Rausch des Geldes und des Applaus selbst verloren haben. Ihre Denkweise und ihre Handlungsweise was Transfers betrifft, was Trainerverpflichtungen betrifft, was den Umgang mit Trainern betrifft, was den Krieg gegen die eigenen Fans betrifft, all das ist nicht die Krankheit, sondern sind die Symptome der Krankheit.

Die Krankheit ist am besten mit dem altmodischen Begriff Großmannssucht zu beschreiben. Natürlich leben wir rein finanziell nicht über unsere Verhältnisse, was dieser Begriff auch impliziert. Aber wo früher noch das Sein das alles entscheidende Kriterium unserer Vereinsführung war, da ist es heute vor allem der Schein. Das ist in allen Handlungen des Vereins maßgeblich. Und genau darin liegen die haarsträubenden Fehler der letzten Jahre begründet.

Was muss jetzt passieren? Alles beginnt in unserer Führungsetage! Dort muss dringend eine gesunde Selbstreflexion einkehren. Warum haben wir in den letzten zehn Jahren sage und schreibe sieben Trainer verschlissen? Wie konnte es zu diesem Bruch des Vereins mit der hiesigen Fanszene, mit gerade denen, denen der Verein am meisten am Herzen liegt kommen? Ist es sinnvoll, nach jeder titellosen Saison blindlinks Unsummen in die Mannschaft zu stecken nur um sich ein Jahr später auf die Schulter zu klopfen und sich zwei Jahre später zu wundern, warum man wieder am Ausgangspunkt angekommen ist? Darf das Erschließen neuer Zielgruppen zum Zweck der Umsatzmaximierung auf Kosten der Basis des Vereins und deren Wünsche und Nöte gehen? Warum schaffen es Vereine mit viel geringeren finanziellen Möglichkeiten das Maximum aus diesen herauszuholen und warum haben diese Vereine keinerlei Grund mehr, Spiele gegen uns von vornherein abzuschenken? Wieso haben die einen fußballerischen, taktischen und strukturellen Plan und wir nicht? Wieviel Potenzial verschenken wir dadurch?

Die Liste der Fragen, die sich die Vereinsspitze dringend selbst zu stellen hat, ist endlos. Spätestens im Sommer muss ein radikales Umdenken einkehren beim FCB und die verantwortlichen Leute müssen dringend hart mit sich selbst ins Gericht gehen. Und dann müssen endlich Weichen gestellt werden, nach denen wir fußballerisch und vor allem auch menschlich zusammen (!) in die Zukunft gehen können. Ansonsten werden wir fußballerisch noch mehr den Anschluss an die Moderne verlieren und werden menschlich eine zerrüttete Bayern-Familie sein. Die hohen Herren sind seit Jahren, aber leider immer noch in zunehmendem Maße, mit Eifer dabei mit dem Arsch einzureissen, was sie mühselig mit den Händen aufgebaut haben. Ich halte die aktuelle Situation für die allerletzte Chance zur Selbstreflexion für unsere Vereinsführung. Wenn sie jetzt nicht begreifen, wird ihr Denkmal irreperablen Schaden nehmen, der Schein ist dahin und das Sein bedarf vieler mühselige Jahre der Aufbauarbeit, in denen man fassungslos auf das Potenzial und die Möglichkeiten der heutigen Zeit zurückblicken und nicht verstehen können wird, wie und warum man diese Chancen verstreichen ließ.

Treue kann man nicht kaufen T-Shirt FC Bayern München Fanartikel

%d Bloggern gefällt das: