Zusammenreißen, das ist unser Ziel

Alles sauber! Sagt die Putzfrau im „Hort der Glückseligkeit“ FCB und versteckt den Dreck hinter der Tapete.

Bild: eddiedangerous used under CC License  /  Text: Marco Thielsch

Einen „Hort der Glückseligkeit“ nannte Uli Hoeneß unseren FCB im Aktuellen Sportstudio. Abgesehen davon, dass mir da unweigerlich Bilder von in Blümchenkleidern gehüllte Präsidenten und Vorstandsvorsitzende in den Kopf schießen, die an der Säbener Strasse Hand in Hand mia san mia auf den Rasen tanzen, sowie noch abgesehener davon, dass er bei allen Querelen der letzten Monate mit den Fans diese Glückseligkeit ziemlich exklusiv verspürt, ist mir auf der anderen Seite der Medaille ein kleines bißchen zu viel Glückseligkeit im Spiel bei unserem momentanen FCB. Wir scheinen vor lauter Selbstverliebtheit das Kämpfen verlernt zu haben.

Wenn ich zwei Tage vor dem Spiel in Mainz ein Zitat von Philipp Lahm lese, der uns in den Sphären des FC Barcelona wähnt und wenn ich dann sehe, wie eben jener Philipp Lahm bisweilen anteilnahmslos über den Platz schleicht, dann stelle ich mir schon ein paar Fragen über den Realitätssinn unserer Mannschaft. Oder zumindest unseres Kapitäns. Es geht gar nicht darum, dass wir so wahnsinnig weit vom FC Barcelona weg sind, wir sind vielleicht sogar näher dran als je zuvor. Wenn man dann allerdings in ein Spiel wie gegen Dortmund, denen man nach der letzten Saison eigentlich vom reinen Selbstverständnis her hätte so richtig einen mitgeben müssen, oder in ein Spiel wie gegen Mainz, wo man nach der Niederlage gegen den BVB eigentlich vom reinen Selbstverständnis her doppelt so gallig hätte sein müssen, wenn man in solche Spiele mit weniger als 100 % geht, dann sollte man das Wort Barcelona vielleicht erstmal nicht zu laut in den Raum werfen. Und ich mag eigentlich keine Einzelkritik nach Spielen, in denen die ganze Mannschaft wie die Nachtwächter gespielt hat, aber eines muss doch immer und immer wieder gesagt werden: Philipp Lahm ist ein toller Außenverteidiger. Aber er ist so ziemlich der falscheste Kapitän. Er bekleidet das Amt wie ein Politiker, nicht wie ein Fußballer. Und auf dem Platz ist er kapitänsspezifisch absolut keine Hilfe für die Mannschaft.

Eigentlich müsste ich auch ein paar Worte zu Manuel Neuer verlieren. Nicht weil er, welch Überraschung, Fehler macht. Damit hat wohl jeder gerechnet, der sich von der Pro Neuer Propaganda nicht hat den Fußballsachverstand benebeln lassen. Ich ärgere mich auch nicht mehr oder weniger über Fehler von ihm, wenn sie uns Punkte kosten, nur um das von vornherein klarzustellen. Eigentlich unnötig das zu betonen, aber für die speziellen Experten, die jedem Neuer-Kritiker blinden Hass unterstellen, sei es dazu gesagt. Ich plädiere nur dafür, endlich mal Realismus und Wahrhaftigkeit in diese Personalie zu bringen. Man sollte mal offen und ehrlich sagen wie es ist: Man hat perspektivisch 25 Millionen für einen jungen Torwart ausgegeben. Der wird Fehler machen, die werden uns Punkte kosten, aber wir hoffen, dass seine Entwicklung so verläuft, dass er gegen Ende seiner Vertragslaufzeit den Wahnsinnspreis rechtfertigen kann. Uli sagte auf der Jahreshauptversammlung, jeder der immernoch glaubt, dass die Verpflichtung von Manuel Neuer ein Fehler war, der soll zu Hause bleiben. Ich sage, jeder der glaubt einen Torwart im Alter von Mitte 20 zum weltbesten, weltsympathischsten und weltschlausten Schnapper des Universums hochzustilisieren, gräbt sich damit selbst seine Grube. Uli Hoeneß hätte lernen können aus den Lobeshymnen, die er auf einen Rensing oder einen Kroos gesungen hat und die ihm fein säuberlich mit ganz scharfem Wind ins Gesicht zurückgepfiffen wurden. Er tut damit auch Neuer keinen Gefallen. Ich sage nicht, dass Neuer zwangsläufig zerbricht an diesem Druck, aber die Wahrscheinlichkeit ist durch diese unmenschlichen Attribute, die er von allen Seiten auferlegt bekommt, wahrlich um einiges höher, als wenn man ihn als den entwicklungsfähigen Torwart sehen würde, der er ist und nicht als den einzig wahren Messias. Mal von der fehlenden Identifikationmöglichkeit des Neuer und gegenüber Neuer abgesehen, wäre es äußerst wünschenswert, wenn wenigstens rein sportlich mal ein bißchen Wahrhaftigkeit in diese Personalie käme.

Aber jetzt habe ich mich doch viel zu lange mit diesen beiden einzelnen Personalien beschäftigt. Des Pudels Kern liegt natürlich woanders. Wir haben im Moment definitiv ein Einstellungsproblem. Und zwar die gesamte Mannschaft. Diese Galligkeit ist Grundvoraussetzung, um gegen Mannschaften wie Dortmund oder Mainz zu bestehen. Wir haben aber auch ein spielerisches Problem. Wir haben nicht umsonst mit Hannover, Dortmund und Mainz in den letzten Wochen gegen Mannschaften verloren, die von der Spielanlage her sehr ähnlich agieren. Hoch verteidigen, aggressiv pressen und blitzschnelles Umkehrspiel in der Offensive. Damit sind wir schon letzte Saison nicht klargekommen. Und bei aller Freude über den grandiosen Saisonstart, in diesem Punkt sind wir im Moment keinen Schritt weiter gekommen. Jupp wird sich da etwas einfallen lassen müssen und das wird nicht einfach. Früh ein Tor zu erzielen kann nicht der einzige Plan sein, den wir für solche Spiele haben. Und die Mannschaft muss sich zusammenreißen und mal wieder so richtig giftig in ein Spiel gehen. Mehr Motivation als gegen Dortmund, die uns letztes Jahr den Titel geklaut haben und mehr Motivation als gegen Mainz, wo es gerade nach der Pleite gegen Dortmund galt ein Zeichen an Fußballdeutschland zu senden, mehr Motivation wird kaum von außen her kommen. Die Jungs müssen von innen brennen. Genau das und nicht weniger erwarte ich in den letzten Spielen dieses Kalenderjahres auf dem Platz zu spüren. Also auf geht´s ihr Roten, aufstehen und Brust raus! Man kann verlieren, aber verschenkt werden darf jetzt gar nichts mehr.

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