Die Lehren aus der Jahreshauptversammlung 2010

Uli Hoeneß bei der JHV 2010

Text: Marco Thielsch   Bild: Probek (Flickr / Blog / Twitter) used under CC License

War das eine Harmonie am Dienstag Abend bei der Jahreshauptversammlung, holla! Einer Harmonie, der man trauen kann? Gerade unter dem Aspekt meines letzten Blogartikels (Vom FC Hollywood zum FC Casablanca) bin ich geradezu verpflichtet, mir über diese Frage einige Gedanken zu machen.

Praktisch alle sind näher zusammengerückt am Dienstag, das kann man glaube ich mit Fug und Recht so behaupten. Am enthusiastischstem ist das sicherlich zwischen den anwesenden Mitgliedern und Bastian Schweinsteiger der Fall gewesen. Letztes Jahr noch ausgepfiffen, wurde er in diesem Jahr mit Standing Ovations und großem Jubel gefeiert. Und es war ehrlich, es kam von Herzen. Man könnte ja böswillig bei einigen eine „Fähnchen-im-Wind-Einstellung“ unterstellen, aber das würde es nicht treffen. So sehr Bastian Schweinsteiger die Reihen eine Zeit lang gespalten hat, so sehr hat er scheinbar aber auch die Kraft die Reihen zu vereinen. Ein Aspekt, den ich als nimmermüder Schweinsteiger-Verteidiger zu der Zeit, als er noch sehr polarisierte, glaube ich sehr unterschätzt hatte. Dienstag Abend wurde jedenfalls allen gezeigt, ich denke auch Schweinsteiger selbst, wie sehr er ein Herzstück dieses Vereins ist und was er für eine integrative Kraft für Bayern München hat.

Was mir an den Reaktionen der Mitglieder an diesem Abend ebenfalls sehr gefallen hat, war wie sie dem Thema Hoeneß gegen van Gaal begegnet sind. Es gab großen Applaus für den Trainer und eine Sekunde lang meine ich in Hoeneß Gesicht die Überlegung erkannt zu haben, ob dies vielleicht in irgendeiner Form gegen ihn gerichtet sein könnte. War es aber nicht, zu keinem Zeitpunkt sind da Fronten entstanden. Hoeneß wurde gefeiert, van Gaal wurde gefeiert. Das klingt banal, war aber in meinen Augen auch von der Form her absolut feinfühlig. Beiden wurde gezeigt, dass wir nichts mehr wollen, als zusammen in der jetzigen Personalkonstellation Erfolg zu haben. Und ich denke, das wird auch bei beiden so angekommen sein.

Trotzdem richtig, dass Uli Hoeneß bei den Wortmeldungen zum Schluss noch einmal persönlich und deutlich zu hören bekam, dass die Aussagen bei Sky90 als schädlich empfunden wurden. Und auch wenn er sich dafür nicht direkt entschuldigt hat, so war seine Reaktion dennoch durchaus bemerkenswert, als er ganz ruhig sagte, es wäre „zumindest grenzwertig“ gewesen. So gern lässt er sich ja nicht kritisieren und was man daraus entnehmen kann, ist in jedem Fall, dass er nicht mehr auf Konfrontationskurs ist. Und das ist mir persönlich eigentlich das Wichtigste.

Tja, wer ist noch zusammengerückt? Durch die einstimmig verabschiedete Satzungsänderung, nach der zukünftig die Mitglieder mit einer Dreiviertelmehrheit zustimmen müssen, wenn weitere Anteile am FCB verkauft werden sollen, sicherlich auch der Verein mit seinen Mitgliedern. Und dadurch, auf welche Weise der Präsident dafür geworben hatte, auch namentlich die Mitglieder mit Uli Hoeneß. Der nicht nur in diesem Punkt den Mitgliedern spürbar entgegenzukommen versuchte, sondern auch in seiner mehrfachen Betonung auf die Kraft, die von den Mitgliedern von der JHV 2009 ausging, wodurch die sportliche Wende damals in der Folge erst möglich wurde. Man sah eine stolzgeschwellte Brust bei Uli Hoeneß. Stolz auf den Verein und Stolz auf die Basis dieses Verein, seine Mitglieder.

Was lernen wir also aus diesem Abend? Ich persönlich habe dieses Zusammengehörigkeitsgefühl sehr gebraucht. Es war keine Show, im Sinne von gespielt, was an diesem Abend passierte, sondern es war an allen Ecken und Enden das riesige Herz für den Verein spürbar. Dieser Club hat in allen Belangen riesige Ausmaße angenommen und dennoch ist es nach wie vor die gute, alte Familie. Um aus diesem Geist allerdings auch sportliche Erfolge zu machen, ist es dringend von Nöten, geschlossen aufzutreten. Ich weiß, es geht jedem nur um das Wohl der Familie und da steckt so viel Herzblut drin, dass man nicht immer das richtige sagt. Aber Dinge in der Außendarstellung, die letztendlich den Zusammenhalt der Familie nur schaden, dürfen einfach nicht mehr passieren, so wie es jetzt zwischen Hoeneß und van Gaal der Fall war. Natürlich kommt Streit in den besten Familien vor. Aber Familienstreitereien, die öffentlich ausgetragen werden, haben zwangsläufig das Niveau von Unterschichten-TV. In diesem Sinne, was uns alle vereint: Nur der FCB!

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5 Kommentare zu “Die Lehren aus der Jahreshauptversammlung 2010

  1. eaSportler 3. Dezember 2010 um 7:36 am

    Hi. Weiss jemand ob es irgendwo das komplette Video der JHV 2010 zu sehen gibt? FCB.TV sind nur ein paar kurze Ausschnitte 😦

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  2. Tribun 15. Dezember 2010 um 4:05 pm

    Ich denke mal, dass der Blog hier tot ist. Läuft alles nur noch über Facebook. Bedauerlich.

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  3. no swear 15. Dezember 2010 um 6:54 pm

    Ja find ich auch, kann nur auf http://www.qiumi.de/board16-fc-bayern-m%C3%BCnchen/ verweisen. Obwohl die Texte mir hier besser gefallen haben. Würde mich auch anbieten zu helfen, falls es erwünscht ist. Kontakt per mail bitte.

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  4. Andreas 19. Dezember 2010 um 5:39 pm

    Na das wird ja heute wieder ne Gemüdigung gegen den VfB. Zur Zeit steht es 3:0, wer weiss was noch kommt. Klasse, die Aufholjagt kann endlich beginnen.

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  5. moderat 10. August 2011 um 9:10 pm

    Geht hier noch was ab ?

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