Archiv für den Monat November 2010

Vom FC Hollywood zum FC Casablanca

Schöne Fassade, turbulenter Inhalt.

Text: Marco Thielsch   Bild: Radiohead022 used under CC License

Ganz große Gefühle, öffentliche Denunziationen, tiefe Enttäuschungen und Liebe auf den ersten Blick. Was klingt wie der Teaser einer neuen, schlechten Sat 1 Telenovela, ist die Zustandsbeschreibung der FC Bayern-Familie. Männer können keine Gefühle zeigen? Geh mal zum FC Bayern, da siehst du ausgewachsene Männer sich bitterlich öffentlich ausweinen.

Vom FC Hollywood zum FC Casablanca. So lassen sich die Befindlichkeiten unser Familienoberhäupter zur Zeit wohl am besten umschreiben. Das klingt vielleicht amüsant, ist es aber ganz und gar nicht. Die Lage ist kurzfristig ernst bis langfristig hoffnungslos.

Schaut man dieser Tage in das Gesicht von Louis van Gaal, so fühlt man sich zwangsläufig in das Jahr 2007/2008 zurückversetzt. Es tun sich erstaunliche Parallelen auf in der Mimik von Louis van Gaal zu der Mimik von Ottmar Hitzfeld, nachdem dieser durch Karl-Heinz Rummenigges Satz „Fußball ist keine Mathematik“ den Boden unter den Füßen weggezogen bekam. Vor dieser Erniedrigung war dort der pure Spaß zu sehen, die Freude und der Stolz darauf, Trainer des FC Bayern München zu sein. Identifikation pur. Nach der Erniedrigung konnte man in jeder Falte, in jedem Versuch die Mimik zu kontrollieren sehen, wie tief die Enttäuschung saß. Genau das Gleiche sehen wir zur Zeit bei Louis van Gaal, nachdem ihm Uli Hoeneß verbal per Hassgrätsche öffentlich die Beine weggezogen hat. Geschichte wiederholt sich. Bei unserem FC Bayern indes allzu oft.

Aber es gibt auch Unterschiede. Während Kalle damals das Denkmal des Generals für alle Tauben dieses Landes zum Vollscheißen freigegeben hatte, er damit unfassbar vergangene Großtaten und die Verdienste von Ottmar beschmutzte, hat das was Uli bei Sky90 losgetreten hatte vor allem Auswirkungen auf die Zukunft. Wir waren sehr nahe dran, mit Louis van Gaal eine ganz neue Ära beim FC Bayern einzuleiten. Eine Ära von für FC Bayern-Verhältnisse ganz neuen, schönen, taktisch hochanspruchsvollen und nebenbei wunderschönen Fußballs. Und aber auch eine Ära von vielleicht mehreren starken Persönlichkeiten als Trainer in den folgenden Jahren. Wenn es noch einen Beweis bedurfte, dass starke Trainer, die keine Ja-Sager sind, zwischen diesen ganzen Persönlichkeiten im Verein keine Überlebenschancen haben, dann hat Uli diesen Beweis heuer spätestens geliefert.

Und das ist eine richtungsweisende Geschichte. Ja-Sager hatten wir zu genüge in den letzten Jahrzehnten. Und was war die Folge? Sie waren viel zu schwach, als dass sie sich über mehrere Jahre halten hätten können. Zu schwach, wirklich auf die Jugend zu setzen, da sie immer Angst vor dem kurzfristigen Mißerfolg hatten. Zu schwach, um taktisch wirkliche Neuerungen einzuführen, da sie schon nach ganz wenigen suboptimal laufenden Spielen ansonsten intern und medial völlig zerrieben wurden. Zu schwach, sich bei Transferwünschen wirklich nach mittel- und langfristigen Überlegungen durchzusetzen und ein Team nach ihren Vorstellungen zu bauen. In allen Belangen also zu schwach, um den FC Bayern spielerisch wirklich wieder in das europäische Top-Niveau zu führen.

Jetzt haben wir so einen Trainer. Noch. Und bei aller Schroffheit kann man ihm eigentlich rein gar nichts vorwerfen. All die Punkte im oberen Absatz erfüllt dieser Mann. Und er mag eigenwillig sein, aber vor den Aussagen von Uli war dort auch eine echte Verbundenheit mit dem FC Bayern zu sehen. Die Identifikation triefte förmlich aus diesem Mann heraus. Was also will man mehr? Was mehr kann man sich wünschen? Nada, nichts!

Und was wird sich gewünscht? Kommunikation. Aber was bedeutet dies denn? Mit wem muss so ein Mann denn kommunizieren? Doch vor allem mit der Mannschaft. Und da ist es hochinteressant zu sehen, wie ausgerechnet die Spieler, für die Uli Hoeneß in seinem Interview in die Presche springen wollte, in den höchsten Tönen vom Trainer sprechen. Wo fehlt es denn da an Kommunikation? In jedem Fall nicht beim Trainer.

Die Gründe für Ulis Ausbruch liegen tief und Louis van Gaal kann im Grunde überhaupt nichts dafür, er ist da in eine Sache reingeraten, die schon seit Jahren im Verein vor sich hin gährt. Vieles ist Spekulation, aber als aufmerksamer Beobachter des FC Bayern kann es einem nicht entgangen sein, dass sich die Führung untereinander nicht so einig ist, wie sie gerne das Bild für die Öffentlichkeit zeichnen. Es ist auch kein Zufall, dass Kalle damals Ottmar abgesägt hatte, der eher Ulis Mann war, Uli wiederrum nun Louis absägt, der eher Kalles Mann ist. Als normal sterblicher Bayernfan weißt du da gar nicht mehr zwischen gut und böse zu unterscheiden, das ist voller Irrungen und Wirrungen. In jedem Fall drängt sich der Verdacht auf, jemand erträgt es nicht, nicht zu allem immer befragt zu werden. Obwohl dieser jemand doch ganz freiwillig etwas kürzer treten und das Tagesgeschäft anderen überlassen wollte.

Natürlich ist Louis van Gaal immer noch unser Trainer und für Abgesänge ist es zu früh. Dennoch mache ich mir absolut keine Illusionen. Was wir momentan seit dem elendigen Sky90 Interview erleben, ist das qualvolle, langsame, schleichende Ende des Trainer Louis van Gaal beim FC Bayern München. Maximal sehen wir Louis bis zum Ende der Saison bei uns, da bin ich mir sicher. Wenn der Erfolg ausbleibt, wird er ganz schnell auch früher weg vom Fenster sein. Und dann geht der selbe, elendige Mist wieder von vorne los. Schwacher Trainer, hinterherhecheln hinter kurzfistigem Erfolg, dadurch Null Entwicklung der Mannschaft, zerrieben werden zwischen den Fronten der Entscheider im Verein und all diese traurigen Begebenheiten. Denn dass nochmal ein wirklich starker Trainer vom Schlag van Gaal, Mourinho, oder ein anderer mit konsequent eigenen Ideen kommt und sich das antut, davon ist nicht auszugehen. Wir haben dann zwei Königsmorde hinter uns, so verrückt ist keiner.

Bis es soweit ist, wird es allerdings noch viele kleine Scharmützel geben. Denn Louis van Gaal ist nicht Ottmar Hitzfeld, der seine Enttäuschung in sich reingefressen hat, bis es ihm seine Seele zerriss. Louis van Gaal gibt Kontra. Das ist seiner starken Persönlichkeit geschuldet und ich kann es nicht nur verstehen, ich finde es sogar überaus sympathisch. Man kann über den Mann sagen was man will. Aber nicht, dass er nicht ein absolut ehrlicher, aufrechter und authentischer Mann ist. Und als solcher buckelt man nicht, sondern man tut und sagt, was man für richtig hält und wozu man stehen kann. Was genau der Grund ist, warum van Gaal in jeder seiner Mannschaften und auch in unserer Mannschaft, bombig ankommt. Auf den Mann ist Verlass. Leider allerdings nun auch darin, sich nichts gefallen zu lassen und so stehen uns auch weiterhin turbulente Wochen bevor. Manche drehen ihm daraus einen Strick. Ich nicht, auf gar keinen Fall. Jede charakterliche Stärke kann auch zur Schwäche werden, wenn die Umstände dies herausfordern. Und dies ist der Fall gewesen, als Uli völlig unnötig und ohne jede Not diesen Stein ins Rollen brachte.

Und so kann man nur hoffen, dass wir wenigstens noch diese Saison bis zum Ende in den Genuss des van Gaalschen Fußballs kommen und möglichst viel davon danach in dieser Mannschaft hängen bleibt. Frei nach einem Casablanca-Zitat: Küss mich, du wunderbarer Fußball. Küss mich, als wäre es das allerletzte Mal!

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Text: Marco Thielsch   Bild: miked378 used under CC License

Was bin ich froh, dass heute schon wieder die Kugel rollt. Meine Wut über Florian Meyer ist nämlich noch längst nicht verflogen, ich brauche dringend neue Gründe mich aufzuregen. Wobei die Champions League momentan ja fast wie Urlaub anmutet, von daher wird das wohl eher ein entspannter Abend. Hauptsache wir bekommen einen Schiedsrichter, der mich nicht wieder zum Spontan-Tourettler macht.

Heute wird in jedem Fall der Gruppensieg eingetütet würde ich sagen. Wer sein Sky-Abo nicht nutzen kann, hat die Möglichkeit das Spiel live im Internet zu verfolgen. Auf dieser Seite findet ihr alle Sender, welche die Partie bei der Roma via Live Stream im Internet zeigen. Gegebenenfalls fehlende Software findet ihr hier.

Auf geht´s, ihr Roten! Europa leuchtet rot und weiß!

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