Der Kampf des Franck Ribery mit Franck Ribery

Ribery im falschen Film. Bild: az1172 used under CC License

Es muss so um die 15 Minute herum gewesen sein am Samstag gegen Hannover. Wir waren klar überlegen, aber noch stand es 0:0, da wagte sich ein Hannoveraner mit Ball (!) über die Mittellinie, als auf einmal Franck Ribery wie ein französischer TGV von hinten angerauscht kam und ihm aggressiv die Murmel abluxte. Ein Bild, welches man sehr selten sah in den letzten Wochen, einen Ribery der auch defensiv mitarbeitet und konsequent nachsetzt gab es eigentlich so gut wie gar nicht mehr. Das würde gar nicht so auffallen, wenn ihm seine Offensivaktionen gelängen. Aber wenn er – wie es der Fall ist – regelmäßig den Ball verliert und dann lustlos stehenbleibt, dann sticht das natürlich umso mehr ins Auge, zumal die Spielweise der Mannschaft abhängig ist davon, dass alle mitarbeiten.

Samstag aber hatte er sich etwas vorgenommen, das hatte man von Anfang an gespürt. In der Anfangsphase war in allen seinen Aktionen seine Entschlossenheit zu spüren es allen Kritikern und sich selbst zu zeigen. Der Abschluss in der ersten Minute des Spiels, einige gelungene Dribblings und eben auch die Bereitschaft, für die Mannschaft defensiv mitzuarbeiten, wie er es in seiner Anfangszeit in München durchaus öfter getan hat. Die Zeichen standen voll auf Ribery-Day am Samstag.

Zumindest bis wir führten. Es fiel das 1:0, das 2:0, das 3:0…und irgendwann fragte man sich, wo ist eigentlich Franck Ribery? Je mehr sich die Mannschaft in einen Rausch gespielt hatte, desto weniger war vom Franzosen zu sehen. Normalerweise müsste man denken, ein Spaßfußballer wie Franck Ribery würde erst richtig Laune kriegen, je mehr seine Mitspieler selbst das Zaubern anfangen. Aber Franck führt irgendwie einen Kampf gegen sich selbst. Nicht nur am Samstag. Seit Wochen. Es läuft nicht so richtig bei ihm und er findet den Schalter einfach nicht. Und wenn die anderen dann glänzen, dann scheint ihn das erst so richtig zu wurmen. Anders ist so ein Leistungsabfall wie gegen Hannover, oder auch sein Nicht-Jubler damals im DFB-Pokal Halbfinale bei dem grandiosen Robben-Tor nicht zu erklären.

Es ist ein merkwürdiger Charakterzug, im Erfolg der ganzen Mannschaft schlechte Laune zu bekommen, wenn man selbst wenig zu diesem Erfolg beiträgt. Aber aus meiner eigenen, bescheidenen aktiven Zeit weiß ich, es ist manchmal verdammt bitter das Spiel an einem vorbeirauschen zu sehen, wenn man selbst die Erfolgserlebnisse umso dringender nötig hat. Da fällt ein Tor nach dem anderen, aber man ist an keiner dieser Situationen direkt beteiligt. Wenn man selbst in einer kleinen Krise steckt, ist man nicht so in der Situation, völlig wertfrei gönnen zu können. Es frustriert doppelt, wenn einem dann nicht einmal in so einem Spiel bedeutungsvolles gelingt.

Aber man muss auch selbst den Willen zeigen. Nach dem Spiel ist genug Zeit unzufrieden zu sein. Während des Spiels muss man in so einer Situation über Einsatz versuchen seinem eigenen Glück auf die Sprünge zu helfen. Und das vermisse ich ein wenig bei Franck Ribery. Viel zu oft lässt er sich frustrieren, setzt dann nicht ordentlich nach und fügt sich so in sein Schicksal.

Aber er hat das Glück in einer funktionierenden Mannschaft zu stehen. Irgendwie habe ich das Gefühl, eine absolute Leistungsexplosion von Ribery steht uns unmittelbar bevor. Das Team hilft ihm, schon über die letzten Spiele gesehen, in vorbildlicher Weise. Und irgwendwann muss der Knoten bei so einem Klassefußballer dann einfach mal platzen. So langsam gehen ihm natürlich die Spiele dafür aus. Aber dafür sind die wenigen noch ausstehenden Partien natürlich umso entscheidender und eventuelle Glanzleistungen damit umso wichtiger.

Auf seine Vertragssituation möchte ich in dem Zusammenhang gar nicht eingehen. Mag sein, dass ihn das tatsächlich irgendwie blockiert. Andererseits gibt´s auch größere Probleme, als dieses, ob man bei Bayern München, Real Madrid oder bei welchem europäischen Topclub auch immer seine Stiefel schnüren wird zukünftig. Und mich interessiert eh nur, was er abliefert, solange er unser Trikot trägt. Ob er wechselt, wie er wechselt, oder ob er verlängert, das sind nicht die Fragen, die mich vordergründig interessieren. Ich habe einfach keine Lust, jeden Tag den neuesten Wasserstandsmeldungen hinterherzujagen, welche seit mitlerweile 1 1/2 Jahren durch die Gazetten geistern. Ich verurteile ihn auch nicht deswegen, wie viele es machen. Ich beurteile nur, wie er unser Trikot ausfüllt. Und da gehört die Brust einfach breiter und ich hoffe Franck fängt endlich an die Bayernmentalität auch auf sich selbst zu übertragen. Von schnell beleidigt sein wenn es nicht so läuft ist beim mia san mia keine Rede. Niemals aufgeben ist das Glaubensbekenntnis dieses Vereins – das gilt vor allem zur Zeit für Franck Ribery.

© 2010 Traumtorschuetze

Mia san mia Pullover FC Bayern München Fanartikel

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7 Kommentare zu “Der Kampf des Franck Ribery mit Franck Ribery

  1. Static 19. April 2010 um 2:45 pm

    Schön geschriebe Minga, ich denke auch, dass er jetzt zum Ende nochmal was reissen kann und wird.

    Neuerdings ist ja ein Sexskandal in der Französischen Nationalelf bekannt geworden und der Franck wurde als Zeuge befragt http://www.sport1.de/de/fussball/fus_international/newspage_226966.html

    Ich hoffe, da ist nix dran…

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  2. Yalcin [fehlpass.com] 19. April 2010 um 3:16 pm

    Guter Beitrag!
    Alles in allem hast du genau das geschrieben, was ich mir dazu gedacht habe. Bis auf einen Punkt: Mich _nervt_ dieses Wechseltheater – das er selbst mit wenigen Sätzen beenden könnte – seit Beginn an und genau das trage ich ihm nach. Aber vielleicht zeigt er ja noch etwas im Saisonendspurt…

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  3. zechbauer 19. April 2010 um 4:26 pm

    Du sprichst… äh… schreibst mir aus dem Herzen.

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  4. LanceLanzelot 19. April 2010 um 6:46 pm

    oh oh ich glaub des könnt aber eklig werden wenn der ribery da mit in den sex skandal verwickelt ist, angeblich hatte er sexuellen kontakt mit einer minderjährigen hatte.. hoffe mal das is nich wahr

    hab aber ein ungutes gefühl :S
    http://www.sport1.de/de/fussball/fus_international/artikel_226740.html

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  5. Guggarutz 19. April 2010 um 7:13 pm

    Toller Beitrag!

    Leider ist an der Sache etwas dran :/
    http://de.eurosport.yahoo.com/19042010/73/uefa-champions-league-prostitutions-affaere-rib-ry-anklage.html
    Hoffe nur das beste für ihn.

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  6. supidupi77 19. April 2010 um 10:12 pm

    @minga:
    …“Recht hast“!!!….

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  7. E. Griephan 21. April 2010 um 3:31 pm

    Ein treffender Artikel, gefällt mir sehr gut.

    Gruß
    Beatsox

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