Archiv für den Tag 15. Februar 2010

Wir schießen alles eiskalt aus der Hütte hier

Eiskalte Hütte. Bild: Färdder used under CC License

Zur Zeit ist es das pure Vergnügen über die Perle der fußballerischen Schöpfung, unseren FC Bayern zu schreiben. Siege pflastern unseren Weg und nach dem 12. Pflichtspielsieg in Folge stellt sich so langsam der reinste Größenwahn bei mir ein. Gott, sind wir unkaputtbar! Egal wen wir seit dem Herbst vor die Flinte bekommen haben, wir haben sie alle eiskalt erlegt. Da machen sogar mir mal Zahlenspiele richtig Gaudi. Mit dem 9. Bundesligasieg in Folge haben wir unseren Vereinsrekord eingestellt. Dreimal gelang uns dies bis jetzt in unserer ruhmreichen Geschichte, in den Saisons 1980/1981, 2001/2002 und 2004/2005. Dies ist aber einer der ganz wenigen Statistiken, die wir nicht anführen. Borussia Mönchengladbach in der Saison 1986/1987 und dem VFL Wolfsburg in der letzten Saison gelangen sogar 10 Siege in Folge.

Aber das nur am Rande für die Statistiker unter euch. Wichtig is auf´m Platz, wie ein ebenso betagter wie unverwüstlicher deutscher Fußballphilosoph immer zu sagen pflegt. Und dort sind wir zur Zeit einfach nicht zu stoppen. Aber man muss sagen, der Charakter unserer Siege verändert sich etwas. Während wir direkt nach der Winterpause fulminant und spektakulär unsere Spiele gewannen und dabei unzählige Torchancen vergaben, ist jetzt ein wenig Nüchternheit in unser Spiel eingekehrt. Wir haben immer noch die gleiche breite Brust und man hat nie das Gefühl während einer Partie, wir könnten dieses Spiel verlieren. Aber es ist nicht mehr das Spektakel mit um die 30 Torschüssen und dergleichen. Wir hätten mit etwas mehr Effektivität damals so manches Spiel locker zweistellig gewinnen können, das kann man glaub ich ganz ohne Arroganz so sagen. Umso mehr freut einen natürlich in dieser jetzigen Phase, dass wir diesbezüglich den Schalter mehr als umlegen konnten. Jetzt erspielen wir nicht mehr so viele Chancen, aber machen einfach humorlos zur richtigen Zeit unsere Tore. Kalt wie Hundeschnauze. Welche Art und Weise von beiden mir besser gefällt kann ich dabei gar nicht entscheiden, beides kommt bei mir echt an wie eine Hüpfburg beim Kindergeburtstag.

Diese Effektivität können wir bei den anstehenden Aufgaben – vor allem in der Champions League – auch mehr als brauchen. Was wir allerdings nicht brauchen können, ist die anhaltende Sorglosigkeit in unserer Abwehr. Gilardino und Co. darfst du solche Einladungen nicht geben, sonst endet das ganz schnell wie in den Spielen gegen Bordeaux. Das ist ein extrem schmaler Grad auf dem wir da wandeln, in der Hinsicht ist die überragende Siegesserie sogar als ein bißchen gefährlich anzusehen. Wenn das immer und immer wieder gut geht, dann können auch mal ein paar Prozent Konzentration flöten gehen. Und irgendwann geht es eben nicht mehr gut. Und das hoffentlich nicht in der Königsklasse oder auch im DFB-Pokal Halbfinale, wo man sowas nicht mehr reparieren kann.

Dabei stehen wir als Mannschaft eigentlich hervorragent, im Verbund geht eigentlich kaum etwas schief. Wenn etwas passiert, dann durch individuelle Fehler. Die allerdings in einer Häufung passieren in letzter Zeit, die einfach nicht mehr feierlich ist. Das ist aber auch gleichzeitig die gute Nachricht, denn das lässt sich einfacher abstellen, als wenn die einzelnen Mannschaftsteile als Ganzes defensiv nicht funktionieren würden. Das tun sie aber, vor allem Dank unserer beiden Chefstrategen van Bommel und Schweinsteiger in der Zentrale.

Apropros van Bommel. Gegen Dortmund hat unser Kapitän natürlich ein monströses Spiel gemacht. Im Basketball nennt man sowas „on fire“. Allein die Grätsche gegen Barrios im Strafraum, der gedanklich schon beim Torjubel war, Butt schon gefragt hatte wo er ihn hinhaben wolle, links oder rechts, flach oder hoch, der sich eine Millisekunde später mit weit aufgerissenen Augen und mit der Nase im Gras wiederfand, allein diese Grätsche war jedes Eintrittsgeld wert. „Not in my house“ hätte es da durch das weiten Rund erschallen können wie einst bei Dikembe Mutombo nach einem krachenden Monsterblock, um beim Bild mit dem Basketball zu bleiben. Für mich war van Bommel mit Abstand der Spieler des Tages in einer mit wenigen Ausnahmen guten Mannschaft.

Dennoch ist natürlich dieser unsägliche Fluch mit der Tabellenführung immer noch nicht gebrochen, die wir das letzte mal vor zeithistorischen 55 Spieltagen inne hatten (die älteren erinnern sich 😉 ). Aber das ist eine Frage der Zeit. Ich habe noch keine Mannschaft erlebt, die nicht während einer Saison wenigstens einen kleinen Durchhänger hatte. Wir hatten unseren in dieser Saison bereits ganz am Anfang. Leverkusen hatte den noch nicht. Und er wird auch bei ihnen kommen, so sicher wie das Amen in der Kirche. Und selbst ohne diesen kommen wir ja kontinuierlich Stück für Stück immer näher dran. Jetzt ist es schon nur noch ein Tor, welches uns trennt von der alleinigen Tabellenführung. Sie spüren nicht nur unseren Atem im Nacken, wir haben schon zugebissen wie ein Pitbull. Und wie ein eben solcher lassen wir nicht mehr los. Ihr seid unsere Beute, Vizekusen und ohne die Beute geht hier keiner nach Hause.

© 2010 Traumtorschuetze

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