Offener Brief gegnerischer Fangruppen an Karl-Heinz Rummenigge

Chiggedi-check yourself before you wreck yourself… Bild: gholzer used under CC License

Ein ganz kleines bißchen peinlich für uns, aber vor allem sehr wahr, ist der folgende offene Brief einiger gegnerischer Fangruppen an Karl-Heinz Rummenigge als Reaktion auf die Pressemitteilung des FCB vom 13.01.10 mit dem damaligen Titel „Respekt und Toleranz für Gegner und Fans“ (der Mingablog berichtete) Somit äußern sich diejenigen direkt, für die diese von Rummenigge ins Leben gerufene Aktion angeblich gemacht war – und zeigen die vollkommene Absurdität dessen sehr schön auf.

Nicht dass Karl-Heinz Rummenigge das groß interessieren wird, die Zielgruppe seiner so toleranten Geistesblitze sind eh andere als die wahren Fans. Euch aber möchte ich diese alles andere als unklugen Zeilen nicht vorenthalten:

Respekt und Toleranz in München? Ein offener Brief an Karl-Heinz Rummenigge

Lieber Karl-Heinz Rummenigge,

mit Erstaunen, wenn nicht gar Fassungslosigkeit, haben wir die Hausmitteilung des FC Bayern München zum Thema Respekt und Toleranz zur Kenntnis genommen und uns die diversen Presseberichte dazu durchgelesen sowie den Bericht von TV München angesehen.

Tenor des Ganzen: Der FC Bayern München tritt für Respekt und Toleranz gegenüber dem Gegner und seinen Fans ein. Deshalb dürfen die Gegner ab sofort ihre Schwenkfahnen auf dem Rasen der Versicherungsunternehmen-Arena wedeln. Außerdem wird es weitere, nicht näher beschriebene Aktionen geben, die mit den Fanclubverantwortlichen abgestimmt sind. Das alles bezeichneten Sie, Karl-Heinz Rummenigge, als Fanprojekt.

Verehrter Karl-Heinz Rummenigge,
wir möchten nicht dreist erscheinen, wenn wir Sie fragen, ob das jetzt Ihr Ernst war. Denn München – egal ob ein Spiel beim FCB oder dem TSV 1860 – gilt für Fußballfans seit jeher als eine Auswärtsfahrt, die bestimmt ist von Polizei- und Ordnerschikane, Choreographieverboten und Restriktionen jedweder Art. Und Sie wollen der Welt allen Ernstes glauben machen, dass Ihre Fahnenidee, die Sie beinahe anmaßend als Fanprojekt bezeichnen, ein Zeichen von Respekt und Toleranz ist? Wir können nicht fassen, wie Sie dies behaupten können. Das liegt übrigens nicht daran, dass sich für populistische Äußerungen in der Vergangenheit Uli Hoeneß verantwortlich zeichnete, sondern ganz einfach daran, dass Sie offenbaren, keinerlei Ahnung zu haben, was Fans eigentlich wollen.

Auswärtige Fans wollen nicht pauschal von der Münchner Polizei und dem dazugehörigen USK wie Schwerverbrecher behandelt werden. Sie wollen ihre Fahnen in uneingeschränkter Größe IN ihrem Block schwenken und nicht auf dem Spielfeld. Sie wollen Choreographien mit Materialien ihrer Wahl durchführen, ihr Bier und ihre Stadionwurst mit Bargeld kaufen und diese IM Block anstatt davor verzehren, um auch etwas vom Spiel mit zu bekommen. Sie wollen ein Megaphon zur Koordination ihrer Unterstützung erlaubt bekommen anstatt sich von der Münchner Polizei anhören zu müssen, dass der Einsatz eines Megaphons sicherheitsgefährdend sei.

Anders ausgedrückt: auswärtige Fans möchten die Mindeststandards, die in fast allen Bundesligastadien herrschen, auch in München, dem selbst ernannten Vorreiter in Sachen Respekt und Toleranz, vorfinden.

Respekt und Toleranz sollten Sie vielleicht auch Ihren eigenen Fans entgegenbringen. In München werden die eigenen Fangruppen pauschal für Taten Einzelner abgestraft, Stadionverbote für Banalitäten verhängt und auch schon mal auf Mitgliederversammlungen die Fans vom eigenen Manager als I***ten hingestellt. Und Sie, Karl-Heinz-Rummenigge, wollen der Öffentlichkeit etwas von Respekt und Toleranz erzählen? Wenn Sie und Ihre Kollegen Respekt vor Ihren eigenen Fans hätten, dann würden Sie ihnen nicht zumuten, dass Anhänger des Gegners „ihren“ heiligen Rasen betreten!

Mit sportlichem Gruß, nehmen Sie es uns nicht übel,

Aachen Ultras
Chosen Few Hamburg 1999
Ultras Hannover
Dachverband der aktiven Fanclubs des 1.FC Köln
Supporters Crew Freiburg e.V.
Wilde Jungs Freiburg
Weekend Brothers Wolfsburg
THE UNITY – Supporters Dortmund e.V.
Harlekins Berlin ‘98
Horda Azzuro Ultras Jena
Horidos 1000 Fürth
Violet Crew Osnabrück
Generation Luzifer 1998 Kaiserslautern
Pfalz Inferno Kaiserslautern
Frenetic Youth Kaiserslautern
Ultraszene Mainz 01
Ultrá 1894 Karlsruhe
Fialova Sbor Aue
Cattiva Brunsviga

P.S.: Fanprojekte sind im Übrigen öffentliche Einrichtungen, die von Sozialpädagogen betreut werden und sich präventiv mit jungen Fans beschäftigen. Sie sind weit entfernt von unausgegorenen Ideen hoher Herren, die sich dafür auch noch in der Öffentlichkeit feiern lassen wollen. Ein solches sozialpädagogisches Fanprojekt arbeitet auch seit Jahren erfolgreich in München. Das aber wirklich nur am Rande und postscriptum.

© 2010 Traumtorschuetze

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10 Kommentare zu “Offener Brief gegnerischer Fangruppen an Karl-Heinz Rummenigge

  1. […] berichtet das Mingablog vom vielleicht deutlichsten Zeichen, wie weit sich der Vorstand des FCB von den Fans entfernt hat. […]

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  2. MightyMiri 21. Januar 2010 um 11:38 am

    Umgekehrt ist es doch das gleiche .. Welche Mannschaft will schon unsere, also vom FCB die Fahnen, auf ihrem eigenen Rasen haben. Das ist doch für die Höchststrafte …
    Oh Kalle, das solltest du echt nochmal überdenken!

    Der sollte sich mal mit den Fans an den Tisch sitzen! Nicht mit den SchickiMicki Fanclubs und „Edelfans“ … sondern die, die auch bei -20°C in der Kurve stehen. Egal ob Nord oder Süd … die, die für den Verein leben und ihn supporten.
    Kalle weiß glaub ich gar nicht, was es heißt, Fan vom FCB zu sein. Darüber sollte man ihn mal aufklären. Vielleicht geht ihm dann ein Licht auf!
    Der soll sich mal ein, zwei Heimspiele in die Südkurve stellen! Alle von den Großkopferten da oben!

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  3. Schwarze Pflaume 21. Januar 2010 um 12:50 pm

    Richtig guter Brief. Und sowas von wahr.

    Respekt und Toleranz ^^ Ohne Worte…

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  4. wirwollerotweißetrikot 22. Januar 2010 um 1:14 pm

    Da hat m. E. Kalle nicht nur ein Eigentor allererster Sahne (mit Anlauf aus 40 Metern) geschossen!
    Für mich ist sein heuchlerischer Vorschlag auch ein Zeichen, daß unsere Fanbeauftragten zu weit von der Basis entfernt sind und/oder die Strömungen, Meinungen und Bedürfnisse der Fans
    falsch einschätzen bzw. an die Vorstandschaft übermitteln.
    Sind wir doch ehrlich, wann hat sich Kalle mal wirklich mit dem Fußballfan ganz unten befasst?
    (Und ich meine damit explizit nicht unseren Geldbeutel und wie man ihn am besten leeren kann!)
    Also woher soll er´s dann besser wissen?!

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  5. Mark 22. Januar 2010 um 1:14 pm

    Wer diesen Brief verfasst hat ist sicher Arbeitslos und hat zu viel Zeit.

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  6. wirwollerotweißetrikot 22. Januar 2010 um 1:20 pm

    Hmm Mark, und selbst wenn, was geht´s Dich an bzw. was ändert das an seinem Inhalt?!?

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  7. MightyMiri 22. Januar 2010 um 1:49 pm

    Und warum das Ganze? Nur weil Hopp ständig rumheult! Vorher gings doch auch 😉

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  8. David 22. Januar 2010 um 8:39 pm

    Ich frag mich auch was sich der Kalle dabei gedacht hat, so ne Scheisse ins Leben zu rufen.
    Fremde Fahnenschwenker auf unserem Rasen. Ne Schande……………………..
    Kalle hat seine besten Zeiten gehabt, die letzte Zeit kommt nur noch Scheisse von ihm.
    Ich entschuldige mich für meine Wortwahl is aber so.

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  9. feydbraybrook 22. Januar 2010 um 9:43 pm

    Hmm,

    ganz ohne Bayern-Häme muß ich – auch, wenn ich ebenfalls gegen Restriktionen gegenüber freidlichen Fans bin – mal hiermit in Frage stellen, ob es anderes von Rummenigge und letztlich vom FCB zu erwarten ist.

    Die Unternehmenspolitik ist doch klar: Selbstverständnis vom Fußball als Geschäft. Wer so denkt, handelt auch so. Das äußert sich dann im „Vorzeigeaktionismus“ Rummenigges genauso wie jüngst in der Kritik van Gaals an Jogi Löws 4-tägigem Test: das Liga-Geschäft ist einfach zu wichtig, da ungleich lukrativer, also wird öffentlich genörgelt. Mag ja sein, daß es zutrifft (Euroleague-Prämie > WM-Prämie), aber soll man das so akzeptieren? Gehts nur noch ums Geld?

    http://feydbraybrook.wordpress.com/2010/01/22/eine-runde-mitleid-fur-die-bayern/

    Oder bezogen auf den Artikel: ist Fankultur kommerzialisierbar, choreografierbar? Das ist doch wieder so eine öffentlichkeitswirksame Werbeaktion. Wäre es nicht zu vermarkten, gäbe es das auch nicht.

    Ach so, selbstverständlich ist das beim VfB nicht anders, wenn auch eine Nummer kleiner. Nur sind die Bayern eben selbsternannte Referenz, auch, was das Geschäft angeht, und als solche müssen sie eben auch stellvertretend die Kritik an der Kommerzialisierung des Fußballs einstecken.

    Mir vergeht die Lust am Fußball.

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  10. Gustavo 23. Januar 2010 um 2:19 pm

    Yeah!
    Kallekallekalle…

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