Uli Hoeneß zu Philipp Lahm und gegen den Rest der Welt

Heilige Kühe. Bild: Life As Art used under CC License

Ihr habt das Interview mit Uli Hoeneß in der Zeit wahrscheinlich alle schon gelesen. Bleibt einem da die Spucke weg? Da schlägt einer um sich, dass man staunend relativ sprachlos dasteht im nassen Hemd. Ich trau mich gar nicht zu sagen was ich denke. Es tut mir viel zu weh die Wahrheit zu sagen. Dieser Mann hat so unglaublich großes geleistet für den Verein in der Vergangenheit. Und in der letzten Phase schlägt er nur noch blind um sich, leider muss man sagen, ohne Sinn und Verstand.

Philipp Lahm hat offensichtlich ziemlich wunde Punkte getroffen. Heilige Kühe. Wenn man nicht getroffen ist, reagiert man auf sowas um einiges souveräner. Ich glaube Hoeneß die Geschichte mit dem Telefonat mit Roman Grill, dem Berater von Lahm. Und da bin ich bei ihm, das ist eine absolute Sauerei. Aber das verblasst leider doch sehr im Rest des Interviews.

Einerseits ist der Tonfall echt unter aller Sau – und zwar durchgängig. Die Höhe ist sicherlich der Satz über Trochowski. Man stelle sich vor, ein Manager eines anderen Clubs hätte sowas über einen unserer Spieler sagen. Uli Hoeneß würde ihn verbal lynchen.

Andererseits ist aber auch der Inhalt einfach nur schwach. Wo sind denn zum Beispiel die wöchentlichen Interviews von Michael Rensing?? Ich kann mich irgendwie nur an zwei erinnern in der ganzen Zeit. Und es ist nicht so, dass ich da besonders viel verpasst haben könnte. Ich bekomme täglich so ziemlich alles in die Finger, was über den FC Bayern geschrieben wird.

Er antortet teilweise auch gar nicht auf die Fragen. Wenn über die Philosophien der europäischen Topclubs gesprochen wird, schmettert er es einfach mit dem Verweis auf deren Schulden ab. Ist ja alles richtig. Aber darum ging´s doch in der Frage gar nicht. Man kann auch einer Philosophie mit günstigeren Spielern Leben einhauchen. Da ging es um Identität, nicht um Geld. Das verrät einiges über die Sichtweise von Uli Hoeneß auf alle Dinge. Den Audi-Deal lass ich mal beiseite in dem Zusammenhang. Aber da kann sich jeder seine eigene Meinung bilden.

Man braucht ja keine Selbstkritik erwarten in so einem Interview, wär ja auch Quatsch. Aber nur Attacke zu brüllen und Gott und die Welt für alles die Schuld zu geben, das kann es auch nicht sein. Mitlerweile stellt sich bei mir schon wieder Resignation ein. Solche unglaublichen Verdienste um diesen Verein. Und so ein zäher Abgang. Es macht mich schon gar nicht mehr wütend. Es macht mich nur noch traurig.

Ich kann auch nicht mal auf die Zeit für ihre polemische Antwort auf das Hoeneß-Interview einkloppen. Polemischer als der Auslöser ist das leider auch nicht.

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17 Kommentare zu “Uli Hoeneß zu Philipp Lahm und gegen den Rest der Welt

  1. Static 13. November 2009 um 4:27 pm

    Ich gebe dir da Recht! Also wenn der Phillip 90% falsch liegt, müsste das im Umkehrschluss bedeuten, dass der Uli nur 10% Recht hat…

    Ne im Ernst: Ich bin auch total enttäuscht von ihm. Weicht den Fragen aus und immer auf die anderen verweisen. Wir müssen jetzt auf uns kucken, besonders in dieser Phase.

    Sonst liest sich das Interview genauso wie vorrangegangenen, also nichts neues.

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  2. Static 13. November 2009 um 4:29 pm

    Nachtrag: sollte natürlich „die“ vorrangegangenen heissen 😀

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  3. flopper 13. November 2009 um 5:08 pm

    natürlich sehe ich auch ein,dass der heutige uli hoeneß nicht mehr der ist, der er noch vor 3, 4 jahren war.das interview war wirklich extrem und in der wortwahl auch oft unglücklich.
    jedoch bin ich trotzdem der meinung, dass man nie vergessen sollte was dieser mann für den fc bayern geleistet hat!!! ich hoffe die mehrheit der fans hat das auch nicht vergessen und bereitet ihm am 27. einen würdigen abschied!!!
    (by the way: ich glaub am 27. passiert doch einiges.die nachfolge is meiner meinung nach mit nerlinger nicht zufiedenstellen geklärt. und in dem interview sagt er ja auch, dass da mehrere noch dazu kommen. könnte mir vorstellen dass er sich als letzten großen coup einen „richtigen“nachfolger vorstellt. naja, mal schaun, ich bin gespannt)

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  4. vier-zehn 13. November 2009 um 7:31 pm

    Hallo Bayern-Fans

    Ich habe dazu auch ein Beitrag geschrieben:

    http://www.vier-zehn.ch/?p=32

    Lahm hat in Minimum 90 Prozent des Interviews recht!!!

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  5. nedfuller 13. November 2009 um 7:45 pm

    Also, anders als in diesem Interview bleibt mir euer Manager nicht im Gedächtnis. Verteidigung des Status Quo. Immerhin ist der FCB der reichste, gesündeste und bestgeführteste Verein der Welt, also so sieht es der Uli Hoeneß halt.

    Ich finde diese Einstellung erinnert an die letzten Monate des Helmut Kohl: Den Blick für die Realität, für das Heute, das Morgen total verloren, nur noch das Loben des erreichten, das fast mantraartige wiederholen der Verdienste aus der Vergangenheit.

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  6. attila65 14. November 2009 um 5:27 am

    Ich persönlich glaube, weil der Uli Hoeneß sich so aufregt, muss ´ne ganze Menge Wahrheit an den Aussagen von Philipp Lahm sein, anders kann ich die Aussagen von Hoeneß nicht verstehen.
    Übrigens, tolle Seite hier!!!

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  7. antikas 14. November 2009 um 5:35 am

    Wann immer sein heissgeliebter FCB in den letzten 30 Jahren angegriffen wurde, hat Uli emotional und meistens auch überzogen reagiert. Ihm das jetzt als Unsouveränität auslegen zu wollen, ist doch wohl ein Witz. Ich find es eher geil, das der Mann nach 30 Jahren Amtszeit noch so viel Feuer und Leidenschaft in sich trägt.

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  8. probek 14. November 2009 um 10:42 am

    @Nedfuller

    „There is no doubt that Bayern is perhaps the most organised club in Europe and also the world,“ a source at UEFA told ESPN Soccernet.

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  9. Gustavo 14. November 2009 um 12:09 pm

    Uiuiui, also bei mir überwiegt da ja tatsächlich das Mitleid!
    Ich glaube Uns-Uli versteht wirklich die Welt nicht mehr –
    alle sind gegen Ihn…
    Der hat echt das Stoiber-Syndrom 🙂

    Wieso kann er nicht einfach mal nen Fehler eingestehen,
    siehe z.B. Klinsmann-Thematik.
    Is klar, der ist gescheitert weil er von den Fans von Anfang nicht respektiert wurde…
    Hallo???
    Das meint er doch nicht wirklich ernst, oder?

    Da gibts nichts mehr drauf zu sagen…

    @ Antikas:
    Wer greift denn hier den FC Bayern an?
    Niemand!
    Genau das stimmt nicht,
    „man“ greift nämlich gerade Ihn persönlich und den Rumme an!!!
    Und damit geht er meiner Meinung nach alles andere als souverän um!

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  10. Mighty Miri 14. November 2009 um 12:17 pm

    Also Leute, so langsam solltet ihr doch wissen, dass Uli im November – Dezember die Verbalgrätsche auspackt!
    Das sind die Ablenkungsmanöver, die er schon seit 30 Jahren praktiziert. Ich glaube, er weiß selber, was er da verzapft! Aber das gehört dazu, das macht er schon immer so! Öffentliches Image 😉

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  11. antikas 14. November 2009 um 3:28 pm

    @gustavo: Lahm greift den FCB an. Und nicht weil es ihm eine Herzensangelegenheit ist, sondern weil er sich von seinem Berater manipulieren lässt. Und so eine Marionette soll unser Kapitän werden?

    Und nehmen wir doch mal das Inhaltliche aus Lahms Interview. Dünn, mehr als dünn. Wo sind denn unsere Baustellen im Kader? Torwart und rechter AV.
    Was will man dem Vorstand vorwerfen? Bonsingwa hat man nicht bekommen , und Rafinha ist von vG abgelehnt worden.
    Und das Michael Rensing es mittlerweile auch unter dem 2ten Trainer nicht auf die Reihe bekommt, ist sicher nicht Schuld des Vorstands.Will man Uli jetzt vorwerfen, das er ein grosser Fürsprecher Rensings gewesen ist, und deshalb keinen neuen Torwart verpflichtet hat?
    Zum albernen Vergleich mit Chelsea braucht man glaub ich auch nicht viel sagen.

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  12. Gustavo 15. November 2009 um 1:13 pm

    also, erstmal:
    du glaubst doch nicht im ernst daß der lahm als ferngesteuerter
    zombie willenlos ausführt was sein berater ihm einflüstert –
    der weiß schon was er macht.
    das uns-uli das wieder populistisch abtut is ja schön und recht – deswegen finde ich ihn ja (manchmal) auch gut, aber diesmal ist mir da zuviel beleidigte leberwurst im spiel!!!

    und außerdem interessiert mich diese frage auch nicht, warum der lahm dieses macht und jenes nicht.

    ich finde es im gegensatz zu dir nämlich SEHR interessant was er inhaltlich von sich gibt!

    und wenn das die einzelnen baustellen sind die du zur zeit da im kader siehst kommen wir beide eh nicht überein!
    ganz davon abgesehen daß mir das wichtigste tatsächlich
    die „philosophie-debatte“ ist!
    (kannst du mir sagen welcher rote faden in der mannschaftspolitik seid dem champions-league gewinn
    verfolgt wurde?)

    und ich bleibe dabei daß der lahm NICHT den fc bayern angreift.
    entschuldige, aber so ein schmarrn!
    derlahmgreiftdenulianundwennderlahmdenuliangreiftgreifterdenfcbayeranundwennerdenfcbayernangreiftgreifterauchmichan!
    oder wie?
    der nennt doch die schuldigen beim namen!
    (daß er da auch spieler nennt, finde ich auch nicht gut!
    ich bin jetzt auch nicht der persönliche fürsprecher von phillip lahm…)

    weiß ja nich, aber ich finds echt NICHT dünn inhaltlich…
    ich finde es mehr als relevant!
    mehr kann ich dazu nicht sagen.

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  13. Gustavo 15. November 2009 um 1:14 pm

    haha!
    das sprengt sogar den rahmen 🙂

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  14. antikas 15. November 2009 um 2:02 pm

    Rechter AV und Torwart sind sicher nicht die einzigen Baustellen im Kader ,aber meiner Meinung nach die dringlichsten.

    Ich finds inhaltlich dünn. Vergleiche mit irgendwelchen Vereinen, die absolut unseriös arbeiten hinken total hinterher. Mal ernsthaft, das Lahm die Transferpolitik von Chelsea lobt kann doch nicht sein Ernst sein.

    Und sich hinzustellen und zu sagen, das ganze Mittelfeld ist nicht in der Lage einen vernünftigen Pass zu spielen ,mag inhaltlich richtig sein, aber zeugt von keinem guten Stil.

    Und wenn man dann sieht das scheinbar alle Klienten von Roman Grill plötzlich ein unglaubliches Mitteilungsbedürfniss haben, dann wirkt es schon etwas fremdgesteuert.

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  15. sportinsider 16. November 2009 um 10:48 am

    Ich habe Uli Hoeneß das erste mal als 10-jähriger Bub 1973 live im Europapokal der Landesmeister spielen sehen. 1976 habe ich beim verschossenen Elfmeter von Belgrad im EM Finale mir die Haare gerauft. Er war und ist für mich der beste Fußballmanager über Jahrzehnte gewesen. Seine Leidenschaft und sein Feuer waren immer stark. Natürlich musste er auch einiges austeilen. Einstecken auch. Ich wünsche ihm einen würdigen Abgang. Etwas mehr Gelassenheit im Umgang mit dem Lahm Interview wäre sicher eine gute Variante gewesen.

    Das Zeit-Interview hast Du ganz gut aufgedröselt. Die Passage mit Trochowski geht gar nicht. Das ist nicht in Ordnung. Lahm hat sicherlich viele wunde Punkte angesprochen. Er ist jedoch auch nicht als Waisenknabe durch sein SZ Interview gelaufen. Die Worte über seine Mittelfeldspieler und die Anspielmöglichkeiten sind auch nicht okay. Die Geschichte mit dem Grill Telefonat und dem -Aha- Effekt – Doch nicht an der Tür von Uli Hoeneß und Kalle Rummenigg geklopft und intern über die Dinge gesprochen- Eingeständnis bzgl. der Profilierung der Persönlichkeit von Lahm ist auch ein Slide-Tackling in Kniekehlenhöhe.

    Die Rensing Dauer-Interview Kampagne habe ich auch nicht wahr genommen.

    In den Kommentaren ist auch die Politik und Kohl und Stoiber angesprochen worden. Auch Biedenkopf hat seinen Abgang damals vergeigt. Es scheint wirklich nicht einfach im richtigen Moment aufzuhören.

    Bei Uli Hoeneß sehe ich die Dinge jedoch anders. Er brennt noch. Er hat Leidenschaft und Power. Mein Bauchgefühl sagt mir: Die einstigen Fußball-Manager Assauer oder Calmund waren bei Ihren Abgängen in wesentlich schlechterer Verfassung.

    Uli Hoeneß hat Bayern München geprägt. Den Verein groß gemacht. Nicht alleine. Das geht auch gar nicht. Doch er war über 30 Jahre lang Lokomotive. Er hat auch stets im Erfolgsfall an die Spieler gedacht die sich mit Verletzungen rumgeschlagen haben, denen es zwischenzeitlich dreckig ging und persönliche Lebenskrisen hatten. Er hat dort immer ein sehr großes Herz gehabt. Mitr fallen da spontan seine Unterstützung für Gerd Müller am Krankenbett ein. Seine Hilfe für Zickler, die anerkennung für Jeremies seinen körperlichen und gesundheitlichen Einsatz in der Champions-League Saison 2000/20001Zickler, die Bemühungen um Sebastian Deisler oder das einstige auffangen von Mehmet Scholl in einer schwierigen Lebensphase. Uli Hoeneß hat immer alles gegeben.

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  16. mingarot 16. November 2009 um 1:05 pm

    @ Sportinsider

    Klasse Beitrag. Im Grunde sehe ich es genauso und die Verdienste von UH werde ich nie vergessen. Wie könnte man. Trotzdem wünschte ich wenig so sehr, als wären einige Sachen in den letzten Jahren anders gelaufen. Das wird leider auch in seinem Erbe stehen. Aber am Ende des Tages haben wir ihm alle natürlich wahnsinnig viel zu verdanken. Trotzdem, oder gerade deswegen, sollte unser Verhältnis zu diesem Manager offen und wahrhaftig sein können. Bei aller Kritik die ich anbringe, ich werde die Verdienste nie in Vergessenheit geraten lassen.

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  17. elmarinho 17. November 2009 um 8:20 am

    So ein Interview war von ihm ja schon zu erwarten. Im Ton war es zwar etwas heftiger als sonst, aber da sitzt halt einer, der sich gerade ein wenig verarscht vorkommt. Einerseits soll toller Fußball mit tollen Spielern gespielt werden, andererseits darf das Ganze auch keine Wahnsinnssummen kosten, worauf seine kurz angebundenen Antworten auf die Vergleiche mit Barca, Arsenal und ManU abzielen. Ich möchte nämlich nicht wissen, was los ist, wenn der FCB auf seiner Jahreshauptversammlung auf eimal einen Verlust von 10 Mio. verkünden muss, ein Betrag, bei dem sich andere Vereine kaputtlachen würden.

    Ich kann mir auch gut vorstellen, dass es eben besagtes Telefonat mit Roman Grill war, das bei Uli das Fass zum Überlaufen brachte und er einfach seine Version der Geschichte erzählen wollte, denn bei aller Leidenschaft ist er auch ein Gerechtigkeitsfanatiker.

    Und wenn man sehr wohlwollend ist, dann könnte man dieses Interview auch als schönes Ablenkungsmanöver interpretieren, da er so die gesamte Aufmerksamkeit auf sich lenkt, während woanders vielleicht wieder Ruhe einkehrt.

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