Aufstand im Legoland – Die Wahrheit kostet 50.000 EUR

Alle Augen auf uns beim Aufstand im Legoland. Bild: markuschrysanth used under CC License

Wer sich schon immer mal gefragt hat, wie teuer eigentlich die Wahrheit ist, der hat ab heute einen Referenzpreis. Mindestens 50.000 EUR wird Philipp Lahm für sein SZ-Interview bezahlen müssen (Update: Inzwischen ist oft nur noch von 25.000 EUR die Rede. Man weiß es nicht). Ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, was die Wahrheit für Tumulte auslösen kann.

Aber ich will mal nicht zu süffisant werden, auch wenn die aktuellen Ereignisse meinem Hang zum Galgenhumor ziemlich in die Karten spielen. Das Bild, welches wir momentan abgeben ist schon mehr als peinlich. Natürlich kann man über den Stil und den Zeitpunkt streiten, in dem Lahm dieses Interview gegeben hat. Aber der Verein hat, egal was er macht, ein Problem: Philipp Lahm hat inhaltlich Recht. Und spricht auch noch aus Vereinssicht zu allem Überfluss einem überwältigenden Teil der Fans aus der Seele.

Bei weitem schlimmer als Stil und Zeitpunkt von Lahms Interview ist dann aber in meinen Augen die ebenso öffentliche Retourkutsche von Hoeneß mit seiner Bemerkung über Lahms Qualitäten als Rechtsverteidiger. Wie peinlich ist das denn? Da rüffelt man Lahm für eine Sache, die man im gleichen Atemzug selbst tut? Wir sind echt sehr weit unten angekommen. Und warum zum Henker spielt der dann überhaupt die ganze Zeit rechts? Gott, wirkt das hilflos!

Uli Hoeneß so unsouverän zu sehen tut wirklich weh. Ich erkenne den Mann, den ich so schätzen gelernt habe in der Vergangenheit, einfach nicht wieder. In meinen Augen hat er mitlerweile völlig sein Gespür verloren. Früher hatte der Mann die Instinkte für die richtigen Worte in der richtigen Situation zum genau richtigen Zeitpunkt. Die Erde bebte wenn dieser Mann sprach.

Heute ist da irgendwas auf dem Weg der letzten Jahre verloren gegangen. Das ist eins der schmerzhaften Tribute, den wir für unsere Vereinspolitik in letzter Zeit bezahlen müssen. Alles ist größer, schöner, teurer geworden. Der Verein wollte immer alles und das viel zu schnell. Das spiegelt sich in den Problemen mit dem Stadion wieder, in der Erwartungshaltung der Fans, in den Transferausgaben, in Struktur und Gehaltsgefüge der Mannschaft, in eigentlich allen Bereichen des Vereins. Und eben auch in Uli Hoeneß. Und das kommt davon wenn ein eigentlich so geerdeter Mann die ganze Zeit mit Luftschlössern zu tun hat, wie sie ein Karl-Heinz Rummenigge pflegt zu bauen.

Ein Bremer Kollege hat es in seiner Sicht als Fischkopp leider recht treffend ausgedrückt:

„Dinosaurier gleich setzt euer Vorstand auf die Macht des Geldes, ohne zu erkennen, dass moderner Fußball heute aus der Formung funktionierender Teams besteht. Ihr fahrt gerade stur in eurem Maybach mit Chauffeur 130 auf der linken Spur und werdet auf der Standspur mit 150 von einem Lada Niva überholt. Euer Navigationssystem heißt Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge hat es programmiert.“

Sicher etwas polemisch, aber die Grenzen zur Polemik sind bei Metaphern halt immer verschwimmend. Aber im Prinzip trifft es das schon gut. Und ich behaupte, die in allen Bereichen immer größer werdenden Dimensionen gehen eigentlich gegen Hoeneß Natur. Und sie haben ihn dementsprechend verändert. Aber das ist keine Entschuldigung, eher im Gegenteil. Es ist egal, ob bzw. wohl dass Karl-Heinz Rummenigge diese Dinge ursprünglich bei uns kultiviert hat, Uli Hoeneß hat sich mitreißen lassen und dabei seinen Instinkt verloren. Dafür ist er letztendlich ganz alleine verantwortlich.

Und so sind wir unter anderem als Folge aktuell an einem ziemlichen Tiefpunkt angekommen. Dass es sportlich nicht ganz rund läuft ist unschön. Aber wenn sich Spieler und Vorstand öffentlich bekriegen, dann ist das nicht der FC Hollywood, sondern der FC Afghanistan.

Dennoch schwingt bei mir ein bißchen mehr Hoffnung als Sorge mit, denn die Debatte ist durch Philipp Lahm auf alle Fälle in eine sehr richtige Richtung angestoßen worden. Das habe ich dem vorher immer so aalglatten Lahm echt nicht zugetraut. Jedenfalls wird sich auch der Vorstand dem nicht entziehen können. Wenn ich all die Umfragen sehe, ob Lahm mit seinen Aussagen Recht hat und zwischen 80 und 90 % bei ihm sind, da kann der Verein Geldstrafen aussprechen bis er schwarz wird, die öffentliche Debatte wird sich verselbstständigen. Noch mehr als jetzt. Und das kurz vor der Jahreshauptversammlung. Es liegt richtig Ärger in der Luft. Und die Hoffnung auf ein reinigendes anstelle eines vernichtenden Gewitters stirbt ja zuletzt. Um schlimmeres zu verhindern, kann ich mich an die Adresse des Vorstands gerichtet nur dem Resümee dieses guten Zeit-Kommentars anschließen. Alle wären gut beraten, sich inhaltlich mit den Äußerungen Lahms auseinanderzusetzen.

Fußball gespielt haben wir gestern natürlich auch noch. Keine besonderen Vorkommnisse, alles wie immer. Ganz gut gespielt, etwas Pech und einiges an Unvermögen vorne, langsam wird´s langweilig. Aber der Wille war zumindest da, so hatte man den Eindruck. Traurig, aber das ist ja schon eine Steigerung im Gegensatz zum Bordeaux Spiel.

Update: Sehr empfehlenswerter Kommentar zu Lahm vs Vorstand bei Spiegel Online. Zitat:

Seit Samstag wissen wir, dass es sich bei dem kleinen Mann um eine Persönlichkeit handelt, der ungeachtet persönlicher Konsequenzen das Wohl seines Vereins am Herzen liegt.

© 2009 Traumtorschuetze

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6 Kommentare zu “Aufstand im Legoland – Die Wahrheit kostet 50.000 EUR

  1. Bernhard 8. November 2009 um 7:41 pm

    Der Lahm hat die Strafe ganz zu Recht kassiert. Es ist einfach ne Sauerei v.a. seinen Mitspielern gegenüber so was in aller Öffentlichkeit auszusprechen. Und wenn schon, wenn er die Situation richtig analysiert, dass kann er verdammt noch mal auch intern machen. Und hätte es mal lieber schon längst getan. Dass er selbst zur Zeit auch weit unter seinen Möglichkeiten bleibt, hätte er auch mal selbst-kritisch zugeben können.

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  2. Daniel 8. November 2009 um 8:38 pm

    Hätte er das intern bei Hoeneß und Rummenigge angesprochen wäre was passiert?

    genau – NIX!

    Von daher find ich seine Aussagen und sein Interview eher positiv als negativ und von einem falschen Zeitpunkt bei so einem Interview zu sprechen ist auch etwas komisch, da es bei solchen Aussagen niemals den richtigen Zeitpunkt gibt.

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  3. Gustavo 8. November 2009 um 8:47 pm

    @ mingarot (und @ philipp lahm):

    DANKE, VIELEN DANK FÜRS WAHRHEIT SAGEN!!!
    -tränenderrührungverdrück-
    (Endlich wird die ganze Scheiss-Transferpolitik mal öffentlich thematisiert!)

    @ bernhard

    Ich muss zwar jetzt spekulieren, aber glaubste nicht auch daß
    der Philipp Lahm das schon längst mal ungefähr SEHR deutlich
    angesprochen hat? Und wieder? Und wieder?
    Und sich jetzt gedacht hat daß es vielleicht mal ganz schlau wäre sich an die Öffentlichkeit zu wenden wenn sonst nix passiert?
    Und wann soll ers bitte sonst sagen?
    In der nächsten Sommerpause?
    Natürlich ist es brisant, aber es IST gerade brisant!!!
    Genau richtig isser, der Zeitpunkt!
    (Weil, weißte, nach Uns-Uli sind wir ja eigentlich bis zur Winterpause wieder auf Platz 1. Hm, klingt echt ziemlich
    bodenständig oder? )

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  4. mingarot 8. November 2009 um 8:54 pm

    @ Gustavo

    Nich weinen, Digga! Das stehen wir auch noch durch. 😀

    @ Bernhard

    Woher weißten, dass Lahm das nicht intern probiert hat?

    Selbstkritik hätte aber in der Tat zumindest nicht geschadet. Aber dann wär UH Contra-Attacke ja noch mehr verpufft als eh schon. 🙂

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  5. Danny 9. November 2009 um 5:43 pm

    Also ich glaub ja der Lahm liest hier mit 😉

    Er spricht das an was wir hier seit Erfindung der freien Meinungsäußerung reinschreiben. Und mal eins, Wahrheit tut weh, manchmal sehr sogar. Wenn sich ein paar Fussballkoryphäen des FCB jetzt auf den Schlips getreten fühlen, tja Pech gehabt. Der Lohnzettel macht ja einiges wett 😀
    Sie zeigen mir ja Woche für Woche das Lahms Kritik vollkommen unangebracht ist.

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  6. Steffen 12. November 2009 um 11:55 am

    Was sich bei den Bayern momentan abspielt,ist einfach nur niveaulos.Der Oberdiktator droht Spielern weil sie sich in der Öffentlichkeit äußern über die Mißstände im Verein.Der rotleuchtende Kopf des Diktators ist auf den Plan gerufen und sagt der Lahm wird das bereuen.Das erinnert so ein bisschen an das DDR-Regime.Das Einzige was sich geändert hat sind die Namen.Sie heißen nicht mehr Erich,Willi oder Egon,jetzt heißen sie Karl-Heinz,Uli usw.
    Wenn der Hoeneß nur halb so gut Fußbal gespielt hätte,wie er sich jetzt aufspielt,wäre er sicher ein Großer geworden.
    Solche Leute vergessen eigentlich nur eines,daß es hier um Sport geht und nicht ums Geld.
    Wenn man dann die Pressekonferenz einer Witwe verfolgt,die durch einen Suizid ihren Mann verloren hat,so muß man sich nicht wundern.
    Hoeneß hat für sich den Fußball gepachtet und hat daraus ein swehr gut funktionierendes Geldgeschäft gemacht.
    Menschlichkeit scheint bei ihm ein Wort zu sein was in keinem Duden zu finden ist.
    Die Schnautze aufreißen kann er ganz gut.Eigener Nachwuchs fast Fehlanzeige.Man kann ja fertige Spieler einkaufen.
    Sport soll Spaß und Freude machen,aber leider ist es Dank solcher Leute wie Hoeneß nur eine Jagd nach dem Geld geworden.
    Vieleicht sollte Hoeneß dem Herrn Zwanziger die Antwort darauf geben,warum sich ein Spieler das Leben nimmt,der eigentlich ein guter Spieler war.
    Vieleicht kann er auch darauf Antwort geben warum ein junger Spieler wie Sebastian Deißler in der Psychiatrie enden mußte.
    Was Hoeneß abliefert hat nichts mehr mit Sportsmann zu tun.
    Er sollte die DDR neu gründen und sich um das Amt des Staatsratsvorsitzenden und Generalsekretärs des ZK der SED bewerben.
    Dann kann er sich ein ganzes Volk wie Sklaven halten.
    Liebe Grüße nach München

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