Ich vertrag den Bordeaux nicht

Zwei Tage hab ich nun erfolglos mit mir gekämpft, eine anständige Analyse zum Spiel in Bordeaux auf´s Parkett zu zaubern. Aber was soll man schon groß sagen? Ein abgefucktes scheiß Spiel war das. Das komische ist, wenn Luca das Ding nicht an den Pfosten köpft und wir dort ein Unentschieden entführt hätten, wäre es sogar ein absolut geiles Spiel gewesen. Fußballherz was willst du mehr hätte man gesagt. Schließlich war da eine ganze Menge drin in der Partie, ein echter Ritt auf den Nerven.

Aber so war es einfach ein nervenaufreibender Abend, der uns nur weiteres Selbstbewusstsein kostet und uns in allen Belangen noch mehr unter Druck setzt als es eh schon der Fall ist. Das hätte es wahrlich nicht gebraucht in dieser ohnehin etwas angespannten Situation.

Ist aber auch dämlich gelaufen das Ganze, ein Wechselbad der Gefühle. Erst der furiose Beginn und das Gefühl, das wird heute unser Abend. Aber dann sah man recht schnell, hier läuft gar nix in unsere Richtung, das wird schwer heute. Die Mannschaft hat nach der Führung komplett das Fußballspielen eingestellt, auf jeden Ballgewinn folgte ein prompter Ballverlust. Und die Franzosen haben richtig Druck gemacht, wir haben sie gar nicht zu fassen bekommen. Und wenn, dann nur mit Fouls. Es war eine Frage der Zeit wann das schief geht. Lange musste man nicht drauf warten.

Und dann ist alles passiert, was einer Mannschaft den Zahn ziehen kann. Nach dem Ausgleich waren wir gerade dabei uns ein bißchen freizustrampeln, da fliegt Müller vom Platz. Kein Vorwurf an den Jungen. Genau das sind die Situationen, die jeder junge Spieler durchmacht. Auch völlig egal in welcher Klasse er spielt. Das war ein typischer Fall von Übermotivation nach einem Senkrechtstart. Jetzt kommt es darauf an, wie er damit umgeht. Vergräbt er sich in Selbstmitleid? Trauert er der Erfolgswelle hinterher, auf der er wochenlang geritten ist? Oder hat er eine „jetzt erst Recht“ Einstellung, ohne zu verkrampfen?

Nach dem Platzverweis folgte dann noch ganz kurz vor der Pause der Rückstand, da bahnte sich eigentlich ein richtig bitterer Abend an. Aber in der zweiten Halbzeit haben wir uns nochmal richtig gewehrt. Man hat schon beim Betreten des Platzes gemerkt, die Jungs haben sich was vorgenommen. Am Ausgang der Katakomben warteten die Spieler, welche zuerst die Kabine verlassen hatten auf ihre Mitspieler, um geschlossen den Platz zu betreten. Das war schon ein Zeichen. In der Folge waren wir mit 10 Mann sogar die bessere Mannschaft. Alle hängten sich voll rein, Luca behauptete auf einmal die Bälle und wir waren echt drauf und dran, uns in dieses Spiel zurückzubeißen.

Bis zu dieser selten dämlichen Aktion von Butt, die zu dem ersten Elfmeter geführt hat. Klar hält er das Ei, aber das hat uns trotzdem wieder völlig den Rythmus genommen. Bordeaux fand wieder besser ins Spiel, auch wütend wegen der vergebenen Chance auf das 3:1. Wir wehrten uns nach Kräften, mussten aber mit zunehmender Spieldauer der Unterzahl Tribut zollen.

Und trotzdem haben wir die Riesenchance zum Ausgleich. Mit diesem einen Ball hätte Luca Toni aus einem Spiel der Nackenschläge das genaue Gegenteil machen können. Dieser eine verdammte Ball hätte die gesamte Geschichte des Spiels umgeschrieben. DAS wären sie gewesen, die Tugenden der Bayern. Der Mythos der Unbesiegbarkeit, die Kaltschnäuzigkeit, das mia san mia. Dieser verdammte abgefuckte scheiß Ball kann echt ungeahnte Auswirkungen auf die kommenden Wochen haben. Wir waren drauf und dran die alten Bayern zu werden, wir haben gekämpft und gebissen dafür in diesem Spiel. Und Luca macht ihn nicht. Er macht ihn einfach nicht. Aus zwei gottverdammten Metern.

Ab da war nicht nur das Spiel gelaufen, sondern diese Szene war wie ein Genickbruch, von dem es auch mittelfristig ganz schwer wird sich zu erholen. Die Erfahrung, dass man das Glück auch dann nicht erzwingen kann zur Zeit, wenn man alles dafür gibt, wird schwer auf den Schultern der Mannschaft lasten. Daraus resultiert fast immer Verkrampfung. Das einzige was schnell dagegen hilft, wäre mal ein Spiel, bei dem nicht alles gegen uns, sondern alles für uns läuft. Ein Spiel gegen einen großen Gegner am besten. Für Frankfurt zuhause sollte es auch in verkrampften Zustand reichen. Aber danach kommen Wochen der Wahrheit. Wir müssen aus der Opferrolle raus und wieder das Heft des Handelns in unsere Hände nehmen. Wir müssen uns mit allem was wir haben gegen diesen Trend wehren. Denn sonst wird aus einem Trend eine Spirale, aus der sich zu befreien es noch viel schwerer wird, als das was wir im Moment erleben.

© 2009 Traumtorschuetze

Weiter, immer weiter Retro Shirt FC Bayern München Fanartikel

Advertisements

Mit Tag(s) versehen: , , , , , , ,

Servus! Schreibe einen Kommentar. RWG!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: