WDR Sport Inside – Die finanzielle Lage von Schalke 04 und Bayern München

Interessante WDR Sport Inside Sendung über die finanziellen Verbindlichkeiten der Bundesligaclubs. Der Fokus in dem Bericht liegt auf Schalke 04 und unseren Bayern.

Vieles ist sicherlich nachdenkenswert. Allerdings hat man durch die Abfolge in dem Bericht das Gefühl, Schalke und Bayern wären in ähnlichen Situationen. Da sind sicherlich Unterschiede wie Tag und Nacht vorhanden, das hätte man durchaus betonen müssen. Dennoch ist natürlich nicht von der Hand zu weisen, dass die Allianz Arena, vor allem nach dem Ausstieg der 59er aus der Stadion GmbH, eine große finanzielle Belastung für uns ist. Sicherlich auch richtig ist, dass die Verluste der Stadion GmbH nicht in den Bilanzen des Vereins auftauchen. Allerdings sind diese 7 Millionen Verlust pro Jahr nichts existenzgefährdendes für uns. Bei anderen Vereinen sieht das sicherlich ganz anders aus.

Der geplante Audi-Deal wird auch nicht zu Unrecht kritisiert. Allerdings auch eher unter moralischen Gesichtspunkten, denn aus betriebswirtschaftlichen. Natürlich ist es erschreckend Uli Hoeneß im Jahr 2006 in dem Bericht reden zu hören von einer jungen Mannschaft, welche aufgebaut werden soll, ohne verrückte Summen auszugeben. Wenn man sich vor Augen hält, was seitdem bis jetzt an Geld für Stars ausgegeben wurde, muss man sich abermals fragen, was wollen die Herren in unserer Führungsetage eigentlich? Wissen sie das selbst überhaupt? De facto würden die 100 Millionen von Audi allerdings natürlich nichts anderes tun, als die kritisierten Verluste der Stadion GmbH geringer ausfallen zu lassen.

Damit sind wir aber natürlich nur in einer Lage, in der Uli Hoeneß uns garantiert nicht gern sieht, auch wenn das nach außen hin anders kommuniziert wird. Vereinsanteile zur Tilgung von Verbindlichkeiten zu verkaufen, ich denke Uli Hoeneß wäre bei dem Gedanken vor ein paar Jahren noch jedem an die Gurgel gesprungen, der diesen Gedanken ausspricht. Nur muss man dann ganz ehrlich sagen: Das hätten die Herren sich vorher überlegen müssen. Es ist sicherlich nicht unrichtig, was da im Bericht anklingt, dass sich zu viele Leute vom schönen Schein der neuen Stadionwelt haben blenden lassen. Und jetzt ist man in einem Mechanismus drin, den keiner wirklich gewollt hat für den FC Bayern München.

Aber es sei nochmal betont: Es geht hier nicht um unsere Existenz, wie etwa bei Schalke 04. Es geht bei uns „nur“ um Handlungsfreiheit und Unabhängigkeit. Etwas, das die Fanseele – auch meine – natürlich sehr umtreibt. Niemand will dabei zusehen müssen, wie Vereinsanteile an Wirtschaftsunternehmen veräußert werden. Auch nicht schleichend Stück für Stück. Denn machen wir uns nichts vor. Selbst wenn die Gegenleistung des Vereins klar formuliert ist und sich in diesen Formulierungen auf Werbemaßnahmen und Cooperationen beschränkt, so ist doch klar, dass bei den Summen die da im Spiel sind, auch Einflussnahmen weit über den Sponsoringbereich hinaus stattfinden. Und da hört der Spaß definitiv auf.

Und die Frage muss erlaubt sein: Wo hört es auf? 10 % für adidas…okay. Adidas passt ja auch ganz gut zu uns und es ist eine sehr lange und enge Zusammenarbeit. 10 % für Audi? Keine Ahnung ob man zur Tilgung von Verbindlichkeiten in den sauren Apfel beißen muss. Gefühlt schmerzt es sehr. Nun ja, immerhin ist Audi ein recht seriöses Unternehmen. Mit Schmerzen würde man es vielleicht grad noch so aushalten. Aber was dann? 10 % an die Telekom? Weils ja auch so ein enger Partner ist? Und danach? 10 % an wen auch immer? Weil sich die Leute mitlerweile nach dieser Salamischeibentaktik damit abgefunden haben und man es machen kann und dadurch wieder frisches Geld hat? Und was dann? Die lästige 50 + 1 Regel endgültig abschaffen, weil man sonst nur noch 9 % verkaufen könnte?

Holzauge sei wachsam kann ich nur sagen. Wir werden die Dinge genauestens beobachten. Ich für meinen Teil jedenfalls bin sehr schwer mit Salamischeibentaktiken ruhig zu stellen.

© 2009 Traumtorschuetze

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12 Kommentare zu “WDR Sport Inside – Die finanzielle Lage von Schalke 04 und Bayern München

  1. antikas 19. Oktober 2009 um 2:23 pm

    Hat Robben nicht einen Ausrüstervertrag mit Adidas? Das würde erklären ,warum man sich ,von den zur Verfügung stehenden Kandidaten beim Real Madrid Ausverkauf,ausgerechnet den verletzungsanfälligsten genommen hat.

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  2. mingarot 19. Oktober 2009 um 2:25 pm

    Spielt sicherlich eine Rolle, Antikas. Auch der Gomez Transfer ist teilweise über adidas finanziert. Muss mal gucken, ob ich die Quellen dazu noch finde.

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  3. bayern-fansite 19. Oktober 2009 um 7:39 pm

    Wir brauchen uns nichts vormachen. Die 10% an Audi werden nicht die letzten Anteile gewesen sein. Wir sind mittlerweile ziemlich weit von unserem alten Weg des seriösen Wirtschaften abgekommen. Wenn man da sieht was wir für Summen ausgeben. Wenn das in den nächsten Jahren so weiter geht ist das nicht anders zu finanzieren. Nur irgendwann kann mank eine Anteile mehr verkaufen und was macht man dann? Ich hoffe es wird nie soweit kommen, ich möchte nicht sehen das unser FCB bis in ein paar Jahren von lauter Unternehmen geführt wird. 10% Adidas, 10% Audi, 10% Telekom, 15% Allianz, 5% Burger King, …..

    Auch unsere Rolle bei der Diskussion um die 50+1 REgelung zeigt deutlich das da größere Pläne im Hinterkopf sind. Warum sind wir der Abschaffung auf einmal so offen gegenüber. Vor ein paar Jahren waren da die Aussagen noch ganz anders.

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  4. mingarot 19. Oktober 2009 um 7:58 pm

    @ Bayern-fansite

    So isses…

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  5. BayernUSA 20. Oktober 2009 um 12:18 am

    Ich halte das auch fuer sehr gefaehrlich. Das alles will mir gar nicht gefallen. Ich kann die Vorstellung das unser FC Bayern so zerfleischt wird ueberhaupt nicht ab. Die Frage: Wo hoert es auf?! halte ich fuer mehr als berechtigt. Die Geschichte mit der Transferpolitik gefaellt mir auch nicht. Wir haben in letzter Zeit riesige Unsummen ausgegeben und die Ergebnisse lassen immmer noch auf sich warten. Wenn man so viel Geld auf dem Rasen hat dann darf man nicht so spielen wie in Freiburg. Wo soll das noch hinfuehren….????

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  6. elmarinho 20. Oktober 2009 um 8:38 am

    @BayernUSA: Naja, gerade im Hinblick auf Freiburg spielten die großen Transferbrocken keine besondere Rolle. Toni war mit seinen 11 Mio. ja noch verhältnismäßig günstig. Die richtig heftigen Summen wurden für Ribéry, Robben und Gomez ausgegeben und die waren entweder verletzt oder auf der Bank.

    Aber prinzipiell stimmt es natürlich schon: Die Transferausgaben sind in den letzten Jahren schon mächtig angestiegen. Das Einzige, was mich an dem Audi-Deal positiv stimmt, ist, dass die Kohle wohl zur Abzahlung des Stadionkredits verwendet werden soll, so dass die AA wohl wesentlich früher schuldenfrei sein wird als gedacht. Und dann fließt auch wieder mehr Geld in die Kassen, weil man Zins und Tilgung los ist. Von daher ist es vielleicht gar nicht so wahrscheinlich, dass in absehbarer Zukunft weitere Anteil verkauft werden.

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  7. zechbauer 20. Oktober 2009 um 9:48 am

    Hoeneß sagt nichts ohne dabei etwas im Hinterkopf zu haben. Seine Aussagen zu 50+1 verursachen bei mir aus diesem Grund unschöne Vorstellungen. Mit den 20% (adidas/audi) kann ich leben – mit dem was dann noch folgen wird allerdings nicht.

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  8. Danny 20. Oktober 2009 um 10:52 am

    Auf jeden Fall ist sehr viel wahres in diesem Bericht dabei. Jedoch wird, wie Mingarot ganz richtig sagt, die Situation von Schalke und Bayern zu sehr auf eine Stufe gestellt. Schalke hat Liquiditätsprobleme, und das anscheinend nicht zu wenig. Wir haben ganz klar auch Schulden wegen dem Stadion, jedoch werden bei uns die Verbindlichkeiten bedient, bzw. die Liquidität ist gegeben.

    Das Bayern jetzt offensichtlich mit einem Anteilsverkauf an Audi liebäugelt zeigt auch das sich in den letzten Jahren einiges signifikant geändert hat, der Weg den man geht um den sportlichen Erfolg zu erreichen.
    Man ist, gefangen durch den eigenen Anspruch, in eine Situation geraten in der man durch große Investitionen den Erfolg sehr teuer erkauft.

    In der Zeit zwischen 1999 und 2006 wurde Bayern ingesamt 6x Meister, bei einem eher geringeren Investitionsvolumen. In diesem Zeitraum wurden ca. 145 Mios. für neue Spieler ausgegeben. Was einen Schnitt von ca. 18 Mios pro Saison macht.

    Als in der Saison 06/07 der Sportliche Erfolg ausblieb, und man nur auf einem UEFA Cup Platz landete hat man wohl sein Heil in der Verpflichtung von enorm vielen/teuren Spielern gesehen. Allein in den letzten 3 Jahren wurden knapp 183 Mios. auf den Transfermarkt gepumpt, was gut 61 Mios. pro Jahr macht!!
    Klar haben wir absolute Klassespieler wie Ribery, Robben oder auch Toni verpflichtet. Jedoch haben wir auch sehr viel Geld für Durchschnitt ausgegeben, bzw. für Spieler deren Integration nicht geklappt hat.
    Beim FCB wurde einfach viel nach Schema X verpflichtet, und nun zahlt man notgedrungen die Zeche.
    Allein die Gehälter der ganzen Reservisten, die den Verein nicht weiterbringen, belasten die Bilanz sehr stark.

    Ich denke das spätestens nach Saisonende der Kader radikal verändert wird. Meiner Meinung nach dient der geplante Anteilsverkauf an Audi einfach nur um erstens die Stadionkosten zu drücken, und zweitens Geld welches die letzten Jahre planlos ausgegeben wurde teilweise wieder reinzuholen.

    Es muss in der Vereinsspitze einfach der Grundgedanke von Klasse statt Masse bei den Verpflichtungen gelten, sonst werden die restlichen Anteile auch sehr schnell unters Volk gebracht.

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  9. mingarot 20. Oktober 2009 um 11:15 am

    @ Danny

    Sehr guter Beitrag, thanx a lot!

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  10. Danny 20. Oktober 2009 um 11:19 am

    Thx 🙂

    Mit meinem Beitrag bin ich jetzt auch ein Stück weiter gekommen. Der erste Absatz steht 😉

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  11. Löwenberg 22. Oktober 2009 um 6:52 pm

    Klasse, Champ!!! Alles was Du hier so machst: Klasse!!!

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  12. mingarot 22. Oktober 2009 um 6:57 pm

    😀

    Thanx a lot, Katsche! Schön dass du reingeschaut hast. Würd mich freuen öfter hier von dir zu lesen. 😉

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