Archiv für den Tag 8. September 2009

The real Bastian Schweinsteiger

Bild: nicholas macgowan used under CC License

Nachdem ich mir die Hetzjagd auf Bastian Schweinsteiger ein paar Tage mit angeschaut habe, kribbelt´s mitlerweile zu sehr in den Fingern, als das ich weiter schweigen könnte. Medial ist Schweinsteiger nun also die nächste Sau nach Rensing und Ribery, die durch´s Dorf getrieben wird. Dabei wird mit populistischem Müll um sich geschmissen, der nur ein Ziel hat: Persönliche Abrechnungen einiger „Journalisten“ mit Bastian Schweinsteiger. Besonders hervor tun sich in diesen Sachen zum Beispiel der werte Herr Christian Gödecke vom Spiegel, Jan Janssen und Mario Volpe von der tz, oder auch Stefan Osterhaus vom Stern. Ich werde diese vor Polemik triefenden Ergüße der Herren nicht verlinken, das wäre um einiges zu viel der Ehre. Ich denke aber, ihr habt alle dieses oder ähnliches in den letzten Tagen sowieso zu Hauf gelesen.

Es ist immer das selbe Spiel: Ein Spieler spurt nicht so, wie sich das die schreibende Zunft so vorstellt und verweigert die Zusammenarbeit und schon wird er niedergeschrieben, als gäb´s kein Morgen. Das ist wie im Kindergarten im Sandkasten, als ob ihnen jemand ihr Förmchen geklaut hätte. Beleidigte kleine Bockwürstchen.

Das allein ist eigentlich nicht wirklich schlimm, schließlich ist das eigentlich mit ein kleines bißchen Verstand sehr leicht zu durchschauen. Wenn ich mir dann allerdings eine große Anzahl von Kommentaren selbst ernannter Bayernfans unter den Schmierereien Artikeln so anschaue und auch die einschlägigen Foren so durchforste, so wird mir erst richtig schlecht.

Ich habe nichts dagegen, wenn Spieler der eigenen Mannschaft kritisiert werden. Ich denke, dazu hat jeder, der mit dem Herzen dabei ist das Recht. Ich muss diesen Leuten zwar knallhart an den Kopf werfen, keine Ahnung von Fußball zu haben in diesem speziellen Fall Schweinsteiger, aber das ist dann widerrum mein gutes Recht. Schließlich haben die schlicht und ergreifend den Schuss nicht gehört und hängen sich immer noch an einem auf den Flügeln dribbelnden Schweinsteiger auf, der er nie wirklich war und längst nicht mehr ist. Wer nach drei Jahren, in denen Bastian Schweinsteiger völlig andere Aufgaben auf dem Platz hatte als als Flügelflitzer zu agieren, immer noch irgendwelche Bilder von der WM 2006 im Kopf hat, dem muss man einfach jeglichen Sachverstand aberkennen. Wer dann noch einfach nur doof nachplappert, was er irgendwo mal aufgeschnappt hat, der verhält sich sogar nichts anderes als vereinsschädigend.

Da wird davon gesprochen, er sei zu langsam. Für die Flügel stimmt das, aber Schweini ist kein Flügelspieler. Böser Denkfehler. Es wird gesagt, seine Entwicklung würde stagnieren und gleichzeitig werden wieder Flügelaktionen von vorvorgestern als Beweis bemüht, die er in den letzten Jahren nicht hatte. Aber Schweini ist kein Flügelspieler. Simpler Denkfehler.

Schweinsteiger hatte in den letzten Jahren ganz andere Vorgaben umzusetzen auf dem Platz. Wer den Fußball versteht, dem kann das gar nicht entgangen sein. Selbst wenn er rechts oder links begonnen hat, so hat er nie einen klassischen Flügelmittelfeldspieler gegeben, sondern auch von da aus war sein Aufgabenbereich eher in der Zentrale, bzw. in den Halbpositionen. Wer da einen dribbelnden und flankenden Schweinsteiger erwartet, ist simpel auf dem Holzweg. Schweinsteiger fungiert viel defensiver, seine Aufgabe ist es Löcher in der Defensive zu stopfen, als Anspielstation im Mittelfeld zu fungieren und eher den vorletzten als den letzten Pass zu spielen. Das ist wesentlich unspektakulärer als seine viel offensivere Einstellung in den Jahren zuvor, aber er hilft der Mannschaft in unglaublichem Maße mit seiner Technik, seinem exzellenten Abschirmen des Balls und seinem grandiosen Spielverständnis. Wenn man aber so wenig von Fußball versteht, dass einem nur bei Tempodribblings eines Ribery (mit dem er von diesen Laien auch noch voll lange völlig bekloppter Weise verglichen wurde) die Hose feucht wird, ja dann sollte man sich am besten gar nicht äußern zu solchen Themen, sondern Häkeln gehen oder so. Oder sich zumindest mal fragen, warum er bei so vielen unterschiedlichen Trainern praktisch gesetzt war. Bestimmt nicht, weil sie unzufrieden damit waren, wie er seine taktischen Vorgaben umgesetzt hat.

Aber selbst wenn man als Bayernfan den unergründlichen Drang hat, ständig auf Schweinsteiger einzukloppen, so frage ich mich, wo die Tugenden hin sind, die uns einmal ausgezeichnet haben. Wozu definitiv gehört, den richtigen Zeitpunkt für Kritik zu finden, aber auch den richtigen Zeitpunkt, um sich schützend vor eigene Spieler zu stellen, wenn sie offensichtlich von allen Seiten angegriffen werden. Wo ist euer roter Stolz hin? Ich bin absolut fassungslos, wie viele Blinde es mitlerweile gibt, die sich von der offensichtlichen Propaganda bereitwillig vor den Karren spannen lassen. Es gibt eine Zeit für Kritik – und es gibt eine Zeit in der Zusammenhalt angesagt ist. Das gilt nicht nur für die jetzige Situation um Schweinsteiger, sondern das gilt allgemein in den letzten Jahren. Säue sind genug durch die Dörfer getrieben worden, man hatte immer wieder die Chance ehrenhaft oder unehrenhaft zu handeln. Viel zu viele entscheiden sich für Zweiteres. Und dafür habe ich nichts als Verachtung übrig.

Ich hoffe es fühlt sich jetzt nicht jeder, der Schweini kritisch sieht angesprochen. Es gibt große Unterschiede in der Art und Weise wie Kritik vorgebracht wird. Gegen sachliche Kritik hat keiner etwas. Allerdings wird auch sachliche Kritik ab einer gewissen Frequenz und Penetranz zu einem Destruktivum. Jeder sollte für sich als echter Roter einfach ein gewisses Feingefühl haben. Das ist in erster Linie gar kein Plädoyer für Bastian Schweinsteiger, sondern für einen einstmals gottgegebenen roten Stolz.

© 2009 Traumtorschuetze

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