Archiv für den Tag 23. August 2009

2:1 in Mainz verloren – Now we sit whole beautiful in the shit

Selbst die Nostalgie war früher besser. Bild: shaun wong used under CC License

Mein lieber Herr Gesangsverein, es ist gar nicht so einfach die richtigen Worte zu finden und die Ruhe zu behalten. Eins steht fest, die Hütte brennt – und dies in so ziemlich jeder erdenklichen Ecke.

Angefangen natürlich beim Auftreten unserer Mannschaft. Die erste Halbzeit ist mit den Worten Frechheit, lächerlich, peinlich und/oder Schande noch ziemlich harmlos umschrieben. Diese Mannschaft war toter als tot, da war keinerlei Laufbereitschaft, man ist in die Zweikämpfe gegangen wie kleine Mädchen und hat sich in manchen Szenen von den Mainzern regelrecht vorführen lassen. Da das – bei allem Respekt – nur Mainz war, muss man diese erste Halbzeit zweifelsohne zu den schlechtesten Halbzeiten der Vereinsgeschichte einordnen. Und dafür gibt es nicht den Hauch einer Entschuldigung.

Exemplarisch sicherlich das 2:0 durch Bance. Da lassen wir uns an der Außenlinie wie eine Schülermannschaft düpieren, Klose (der da hinten natürlich auch eigentlich nichts verloren hat) unternimmt nicht einmal den Versuch die Flanke zu verhindern, der Ball ist 2 Minuten lang in der Luft, aber van Buyten (seines Zeichens 3,56 m groß) segelt trotzdem unter dem Ball her und Bance braucht nur noch mit einer Nick-Bewegung guten Tag sagen und die Murmel zappelt folgerichtig im Netz. Jungs, meiner E-Jugend hätte ich seinerzeit den Kopf abgebissen, wenn wir so ein Tor kassiert hätten. Und die haben für ne koffeinfreie Cola und nen Lolli gespielt. Unfassbar. Vor allem nachdem in den Minuten zuvor Bance schon zwei, dreimal völlig unbedrängt zum Abschluss kam. Man hat ihn förmlich angebettelt sein Tor zu machen.

Die zweite Halbzeit war dann nach dieser desaströsen ersten Hälfte nicht mehr als das Mindeste was man erwarten kann, nachdem man 45 Minuten lang das Bayerntrikot entehrt hat. Deswegen werde ich sicher nicht den vergebenen Chancen hinterhertrauern. Auch wenn ich gestern bis zur letzten Sekunde um den Ausgleich gezittert habe, mit einem Tag Abstand muss ich nach dieser ersten Hälfte sagen, ist es besser so, dass der nicht gefallen ist. Das was diese Woche auf die Spieler zukommt haben sie mehr als verdient. Punkt!

Allerdings sollte sich jeder einzelne Bayernfan jetzt fragen, wie er mit dieser Situation umzugehen gedenkt. Wir sind spätestens seit Klinsmann in einer unerträglichen Phase der Selbstzerfleischung angekommen, die im Moment zweifelsfrei einen ihrer Höhepunkte erlebt. Es geistern schon seit geraumer Zeit die Begriffe von „echten Fans“ und „Erfolgsfans“ rum. Das bringt seit je her einiges an Konfliktpotenzial mit sich, allein deshalb, weil es sicherlich schwer ist die Dinge so in schwarz und weiß zu klassifizieren, während ohne Zweifel auch einiges an Grauzonen existiert.

Allerdings ist eines nicht wegzudiskutieren, nämlich das es diese Erfolgsfans bei uns gibt und das zu Hauf, Grauzonen hin oder her. Und die bringen jetzt natürlich mal so richtig Unruhe rein. Irgendwie paradox, dass solange der Erfolg da ist, sich keine Sau für diese Leute und deren „Meinung“ (welche meist nur aus wüsten Beleidigungen eigener Spieler und völlig überzogener Transferwünschen besteht) interessiert, sobald der Erfolg weg bleibt aber diese Erfolgsfans ihr unverdientes Forum erhalten ihren Müll öffentlichkeitswirksam abzusondern. Erfolgsfans werden also erst mit dem Mißerfolg irgendwie halbwegs relevant, irgendwie bemerkenswert.

Wie dem auch sei, wir stehen nicht nur sportlich an einem Scheidepunkt. Jeder einzelne muss sich jetzt fragen, wie er mit dieser Situation umzugehen gedenkt. Wild auf die Mannschaft einzukloppen, den Vorstand in die Wüste schicken wollen, ständig nach internationalen Topstars schreien…tja, mit dieser Einstellung spielen wir allen Fans anderer Vereine sowas von in die Karten, die immer behauptet haben, wir hätten keine echten Fans. Ein geschätzter Kollege hat dazu folgendes geschrieben:

Wir erleben derzeit eine recht miese Phase beim FC Bayern, langfristig die Machtära Rummenigge, kurzfristig ein paar nicht gewonnene Spiele und schwache Leistungen, aber ich würde es begrüßen, wenn man nicht bei jedem Gegentor den Untergang des Abendlandes heraufbeschwören würde. Sowas hab ich bisher sonst nur in Schalke-Foren gesehen, es wäre angenehm zu beobachten, wenn Bayern-Fans in schlechten Zeiten etwas mehr Würde zu zeigen in der Lage wären. Stattdessen bringen es jene, die nicht in Selbstmitleid versinken und offenbar Mühe haben, ihr armes Bayernherz am Brechen zu hindern, gerade mal soweit, Rundumschläge gegen Trainer und Spieler zu verteilen.

Das gilt wie gesagt natürlich nur für diese Schaumschläger, die in guten Zeiten eh keiner ernst nimmt, sie sich selbst ja auch nicht. Der harte Kern ist natürlich nach wie vor vorhanden, der die Dinge realistisch, aber mit absoluter Vereinsliebe sieht. Dennoch muss man mit Erschrecken feststellen, diese Erfolgsfans kriegen grad ganz schön Gehör und das kratzt natürlich an unser aller Image, mit solchen Idioten verwechselt zu werden.

Wie geht´s weiter? Sportlich steht das erstmal ein wenig in den Sternen würde ich sagen. Die Mannschaft hatte schon letztes Jahr so einige Charaktertests nicht bestanden. Da rechnete man immer und immer wieder mit der typischen Bayern-Mentalität, nach ein oder zwei schlechten Spielen eine absolute Reaktion zu zeigen. Und man wurde immer wieder enttäuscht. Für das Spiel gegen Wolfsburg erwarte ich trotzdem wieder diese Reaktion. Es muss der Mannschaft klar sein, was es bedeutet unser Trikot tragen zu dürfen. Ein Ottmar Hitzfeld konnte dies den Spielern wie kein Zweiter vermitteln. Ich hoffe, Louis van Gaal ist dazu auch in der Lage. Denn das ist jetzt das allerwichtigste, dass die Mannschaft endlich Eier zeigt und solche Fights abliefert, dass kein normal denkender Fan irgendwie unzufrieden sein kann. Es muss ganz klar ein Signal von der Mannschaft ausgehen, dass sie die Zeichen der Zeit verstanden haben und dass sie gewillt sind um ihr Leben zu rennen. Das ist das Mindeste was ich von den Spielern jetzt erwarte in den nächsten Wochen.

Wie geht´s sonst weiter? Wenn man sich Rummenigge und Hoeneß so angeguckt hat während und nach dem Spiel in Mainz, so könnte man durchaus auf die Idee kommen, sie werden nochmal aktiv auf dem Transfermarkt. Die Gesichtsausdrücke kenn ich doch, die werden glaub ich heute ziemlich angestrengt diskutieren. Man kann nur beten, dass es nicht van der Vaart wird. Das wäre in meinen Augen der endgültige Todesstoß für eine Mannschaft, die offensichtlich jetzt schon das ein oder andere Charakterproblem hat. An Kreativen ist sonst nur noch Sneijder auf dem Markt, sollte es stimmen, dass es mit Inter noch nicht perfekt ist.

Meiner Meinung nach hakt es aber gar nicht vor allem im kreativen Bereich. Klingt vielleicht erstaunlich, nachdem uns drei Spiele lang nach vorne so gut wie nix eingefallen ist. In meinen Augen ist es aber eher wichtig, die Defensive zu stärken. Wenn die steht, dann kommen die anderen Dinge fast von allein. Es ist nicht zu übersehen, dass Lahm auf der rechten Seite nicht ansatzweise das zu leisten im Stande ist, was er links leisten kann. Somit wäre mein Wunschtransfer wenn dann immer noch ein rechter Verteidiger, der diesen Namen auch verdient, so dass Lahm wieder auf links rücken kann. Und in der Innenverteidigung hat van Buyten gestern leider mal wieder bewiesen, dass er zwar eine gute Ergänzung ist, aber wahrlich kein Abwehrchef. Das sind in meinen Augen die Baustellen Nummer eins.

Aber auch diese Mannschaft jetzt ist zweifelsfrei stark genug. Kann mir ja keiner erzählen, wir wären zu schwach besetzt um zum Beispiel in Mainz zu gewinnen. Jetzt noch panikartig irgendwen zu verpflichten, würde demnach nicht ansatzweise das eigentliche Problem lösen. Welches vor allem in der Verunsicherung der Spieler zu suchen ist. So erklären sich die ganzen Alibi-Pässe, Rückpässe, die wenige Laufbereitschaft und all das an was es unserem Spiel krankt. Dies zu lösen ist sicherlich Aufgabe des Trainers. Aber das ist eine verdammt schwere Aufgabe. Schließlich muss er ein ganzes Jahr aus den Köpfen rausbekommen, in welchem Klinsmann die Spieler komplett verrückt gemacht und ihnen jegliches Selbstvertrauen genommen hat. Zur Erinnerung, Klinsmann übernahm einen Kader von Hitzfeld, welcher vor Selbstvertrauen nur so strotzte. Er hat es innerhalb weniger Monate geschafft, dass die meisten Spieler nur noch ein Schatten ihrer selbst und ihrer in der Vergangenheit häufig gezeigten Leistungen sind. Und es ist nunmal normal, dass es nur sehr kurze Zeit braucht, etwas mit dem Arsch einzureißen, aber sehr lange, um es mit den Händen wieder aufzubauen.

Wir stehen am Scheidepunkt, in mehrfacher Hinsicht. Aber eines muss mehr als deutlich sein: FCB bis zum letzten Atemzug!! Und cool bleiben, Freunde. Jetzt durchzudrehen ist das einfachste, aber es zeugt nur von Schwäche. Wir müssen jetzt alle gemeinsam den Karren aus dem Dreck ziehen und an einem Strang ziehen. Wie es mein Mentor 2Pac einst sagte: Kriege kommen und gehen, aber unsere Soldaten stehen ewig!

© 2009 Traumtorschuetze

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