Klinsmann? Oliver Kahn bringt es mal wieder auf den Punkt!

Oli beim Brötchen kaufen… 😀  Bild: Sebastian Niedlich used under CC License

Ein Titan redet Tacheles. In diesem ganz starken Interview mit Welt Online spricht mir Oliver Kahn mal wieder aus der Seele. Da ich es mit eigenen Worten nicht besser ausdrücken kann, zitiere ich mal ein paar entscheidende Passagen.

Zu Klinsmann:

Als im Januar 2008 verkündet wurde, dass Jürgen Klinsmann neuer Trainer werden würde, war das schwer nachvollziehbar für mich. Das hat keine persönlichen Gründe oder irgendetwas damit zu tun, dass sich Jürgen Klinsmann vor der WM 2006 gegen mich als Nummer eins im deutschen Tor entschieden hat. Ich sehe das aus einem ganz anderen Blickwinkel: Als Jürgen von 1995 bis 1997 in München gespielt hat, hatte er Probleme mit dem Verein FC Bayern, den Medien und dem Umfeld. Und wenn man dann auch die Geschichten mit mir und Sepp Maier (der frühere Bundestorwarttrainer wurde von Klinsmann entlassen, d. Red.) dazu nimmt, finde ich es rückblickend erstaunlich, dass man sich für ihn als neuen Trainer entschieden hat. Wie gesagt, es geht mir bei der Argumentation um die Sache, nicht um etwas Persönliches.

Innovation benötigt Zeit. Wer Dinge verändern möchte, sollte das behutsam machen und das Umfeld nicht überfordern. Der FC Bayern hat eine gewachsene Identität, die man nicht einfach „wegamerikanisieren“ kann. Durch die Verpflichtung Klinsmanns hat man den Verein gespalten. Dadurch ist eine negative Stimmung entstanden, die ich selbst aus der Ferne gespürt habe.

Im Grunde genommen ist das Fußballgeschäft ein sehr bodenständiges. Es funktioniert nach ganz einfachen Prinzipien: Am Ende des Tages hast du es immer noch mit Menschen zu tun. Die Hauptaufgabe besteht nicht nur darin, für eine gute Infrastruktur oder multifunktionale Trainingszentren zu sorgen – was natürlich auch wichtig ist -, sondern darin, Menschen zu motivieren und sie auf eine authentische Art und Weise zu führen. So wie es Alex Ferguson seit 23 Jahren in Manchester erfolgreich macht. Doch wer den Fußball permanent neu erfinden will, der schafft sich nur unnötig Probleme.

Man kann sicher hier und da mal über andere oder neuere Trainingsmethodik nachdenken oder darüber, ob ein Verein eine Grundphilosophie benötigt. Mich beschleicht aber manchmal das Gefühl, dass mit dem modernen Schnickschnack nur vom Wesentlichen abgelenkt wird. Wichtig ist der Trainer als Führer einer Mannschaft. Spieler wollen keine Projekt- oder Teamleiter. Spieler wollen einen Trainer, der mit ihnen spricht, der sie führt und fachlich sowie menschlich überzeugt.

Zu Rensing:

Iker Casillas bei Real Madrid beispielsweise hat in jungen Jahren viel mehr Fehler gemacht. An ihm hat man festgehalten. Und heute ist er einer der Besten der Welt und ist mit Spanien Europameister geworden. Im Hinblick auf den FC Bayern aber frage ich mich immer: Wo liegt eigentlich genau das Problem, dass sich dort kaum mal ein junger Spieler entwickeln kann?

Danke, Oli! Wir stinknormale Fußballfans können uns ja den Mund fusselig reden, weder die hohen Herren im Verein, noch deren eigentliche Zielgruppe – den gezüchteten Kunden – interessiert es auch nur im geringsten. Die einen, weil sie durch´s Zuhören kein frisches Geld verdienen und noch entscheidender – durch´s nicht Zuhören auch kein´s verlieren. Die anderen, weil sie soviel Ahnung von Fußball haben wie eine Pekingente vom Fliegen in den Süden.

Schön, dass es in dieser stromlinienförmigen Fußballwelt noch Menschen gibt, deren Wort Gewicht hat und die trotzdem genug Arsch in der Hose haben Klartext zu sprechen. Auch wenn Oliver Kahn sich mit solchen Interviews wohl den Weg ins Management komplett verbaut – bzw. und wohl eher zutreffend – mit diesen Einstellungen sich bereits intern in der Vergangenheit den Weg verbaut hat. Das ist definitiv zu viel Wahrheit für die Sonnenkönige an der Spitze unseres Vereins. Was mich zutiefst traurig macht. Denn genau diese Sicht der Dinge wäre das, was uns erfolgreich und dabei voller Stolz in die Zukunft führen würde. Venceremos, Oli! Bezeichnend und auch ein bißchen witzig, dass man diesen Ausruf mitlerweile einem eher trockenem BWLer entgegenschleudert, aber so ist die Zeit. Die Aufrechten sterben aus. Oder bekommen Unterstützung von der völlig falschen Seite. Gar nicht so einfach heutzutage noch ein anständiger Revoluzzer zu sein, wenn du prompt die Bild auf deiner Seite hast. 🙂

© 2009 Traumtorschuetze

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2 Kommentare zu “Klinsmann? Oliver Kahn bringt es mal wieder auf den Punkt!

  1. zechbauer 1. Juni 2009 um 7:19 am

    Gefällt mir sehr was Kahn da so von sich gibt. Schade, dass dieser Mann nicht längst beim FCB in einer Funktion tätig ist, in der er etwas bewegen kann.

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  2. Daniel 1. Juni 2009 um 3:02 pm

    sehe ich auch so. Kahn hat sehr viel Fachwissen und seine Aussagen in der Öffentlichkeit zeugen von sehr großem Sachverstand. Der müsste schon lange irgendwie eingebunden sein….

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