Archiv für den Tag 1. Mai 2009

Unsere Geschichte – Die Geburt der Last Minute-Bayern

Bild: lembagg used under CC License

Fast 10 Jahre ist es nun her, die wohl schmerzlichste Niederlage der Vereinsgeschichte. Auf einestages – Zeitgeschichten auf Spiegel Online, widmet sich ein sehr schöner Artikel inklusive Bildstrecke unserer 1:2 Niederlage im Champions League Endspiel 1999 gegen Manchester United und vor allem was daraus erwuchs.

Für ganz hartgesottene und Masochisten…

Dem Artikel ist eigentlich kaum etwas hinzuzufügen. Er beschreibt sehr schön, wie wunderbar der ganze Verein, von den Spielern, über den Trainer, bis zu den Fans mit dieser Niederlage umgegangen sind. Schon in der Kabine direkt nach dem Spiel haben sich die Spieler geschworen, diese Scharte wieder auszuwetzen. Ich persönlich habe ungelogen eine Woche lang komplett meine Sprache verloren. Ich konnte nicht mehr oder vielmehr wollte einfach nicht mehr sprechen. Der Schmerz saß so unglaublich tief, kaum auszuhalten. Aber die Spieler schworen sich schon direkt nach dem Spiel darauf ein, diesen verdammten Pokal nach München zu holen. Er gehörte uns schon praktisch und wurde uns dann auf die brutalst mögliche Weise aus den Händen gerissen. Es musste nach München, was nach München gehörte.

Und daraus erwuchs ein Team, das in der Geschichte des FC Bayern auf ewig einen Platz als eine der großartigsten Mannschaften aller Zeiten haben wird. Andere Mannschaften, ja ganze andere Vereine wären daran zerbrochen. Aber unsere Mentalität ließ dies nicht zu. Unsere stolzgeschwellte Brust ließ nur einen Schluss aus der ganzen Tragödie zu. Wir müssen daraus lernen!

Und dies hat die Mannschaft in den Folgejahren auf absolut wahnsinnige Art und Weise umgesetzt. Im Jahr darauf schon gewannen wir ein um´s andere Spiel nach ähnlichem Muster wie wir 99 besiegt wurden in allerletzter Minute. Gekrönt von der Meisterschaft am letzten Spieltag, an dem wir noch von der gesamten Fußballwelt unerwartet Bayer Leverkusen von der Spitze verdrängten und Deutscher Meister wurden.

Gefolgt von dem Wahnsinnsjahr 2001, welches alle Superlative spottet. Lassen wir Bilder sprechen, sie sagen so viel mehr als 1000 Worte.

Der Wahnsinn in Fußballgestalt

Kaaaaaahn! Die Bayeeeern! Die Baaaaayeeeern! Oliver Kaahn! Wer sonst? Weeer sooonst???

Da ich im Zuge dieses Artikels diese Videos natürlich geguckt habe, kann ich jetzt schon wieder gar nicht mehr. Oh mein Gott, was diese Bilder noch 8 Jahre später und beim bestimmt 1000. mal angucken mit mir machen, ist einfach einzigartig. Die größte Bayern-Mannschaft die ich miterleben durfte. Und die Wiedergeburt der unbesiegbaren Bayern. Ein eingeschworener Haufen von Mannschaft, bespickt mit unbezahlbaren Typen wie Kahn, Jeremies, Brazzo, Effenberg, Scholli, Elber.

Und da schließt sich fast eine flehende Bitte an die Vereinsführung an. Vergesst eure Spinnereien von Weltstars und Seifenblasen-Trainern. Holt wieder Typen die zum FC Bayern passen. Die sich mit dem Verein identifizieren und mit denen wir uns identifizieren können. Holt echte Typen, holt Charakter. Holt Leute in den Verein, die unsere Wurzeln verkörpern können. Last Minute Tore hat auch schon Katsche Schwarzenbeck geschossen. Arbeitet wieder an diesem Nimbus des unbesiegbaren und vergesst mal für einen Moment die Barcelonas und Manchesters dieser Welt. Wir werden nie so spielen wie es in diesem Wahn nach Verwissenschaftlichung des Fußballs immer als Ideal beschworen wird. Hört auf Fußball in Sekunden zu messen, bis der Ball weitergeleitet wird, oder in Prozentquoten wie viele Steilpässe ein Spiel hatte.

Alles vollkommen Banane! Was wir brauchen sind unsere Tugenden, welche uns seit Jahrzehnten zu dem gemacht haben was wir sind. Natürlich mit einem Trainer, der modern denkt. Aber einer, der gleichzeitig unsere Identität nicht verleugnet, sondern all das moderne genau darauf aufbaut. Auf unsere Identität, unsere Philosophie von Fußball, unsere Stärken. Einen wie Sammer, um meine persönliche Präferenz zu nennen. Und gebt diesem Trainer Typen als Spieler, welche das Zeug haben ebenfalls den FC Bayern zu verkörpern. Wem nützt ein Ribery, der nur Unruhe bringt? Wem nützt ein Toni, der das hier alles wohl eher leichtfertig betrachtet und keinen Bezug zum Verein hat? Wo ist der legitime Nachfolger eines Elber und Makaay?

Der deutsche Fußball verrennt sich im Wahn nach irgendeinem undefinierbaren Ideal Namens moderner Fußball. Es ist wichtig immer vorwärts zu kommen und nie zu stagnieren. Aber es ist noch wichtiger, die eigenen Wurzeln als Basis für diese Fortentwicklung niemals zu vernachlässigen. Kappt man die Wurzeln, stirbt der ganze Baum. Veranschauligt auf traurigste Art und Weise in der Amtszeit von Klinsmann. Nie wieder!!

Weiterer Link zum Thema: 11 Freunde Interview mit Günter Jauch über Barcelona 99.

Empfehlung: Das aktuelle 11 Freunde Heft mit dem Titelthema „102 Sekunden Barcelona“

© 2009 Traumtorschuetze

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