Der Lutscher unter der Lupe

Der (Schein-)Heilige blickt herab auf uns unwürdige Würmer

Robert Bolz schreibt regelmäßig für das Online Fußballmagazin Gib mich die Kirsche und stellt in dem folgenden Artikel ein paar sehr berechtigte Fragen an einen gewissen Herrn Frings, besser bekannt als der Lutscher.

Ich hätte da mal ein paar Fragen, Herr Frings. Kaum ist die erste Trainingswoche Ihres neuen Arbeitsjahres vorbei, schon zeigen Sie allen, dass sie der Leitwolf von Werder Bremen sind. Um Ihrem Status als Führungsspieler gerecht zu werden, zeigen Sie natürlich auch von Beginn der Saison dass Sie, Herr Frings, den Ton angeben. Auf dem Platz sowieso, neben dem Platz und vor allem in Nähe von Mikrofonen aber auch. Doch hat es eigentlich einen Grund, warum in Bremen weiterhin einer Ihrer Mitspieler, der in der letzten Saison nur fünf Spiele über 90 Minuten gespielt hat Kapitän ist und nicht Sie? Liegt das möglicherweise daran, dass Sie mit Ihren Interviews ein ums andere Mal beweisen, dass sie für das Repräsentieren der Meinung Ihrer Mannschaft nicht fähig sind? Vielleicht kommen wir zu einer Erkenntnis, wenn wir ein paar Ihrer Aussagen näher beleuchten.

„Wäre Miro in Bremen geblieben, hätte es nur Ärger gegeben, weil er sich nicht mehr voll auf Werder konzentriert hätte“ (Saisonbeginn, Juli 2007).

Wieso reden Sie eigentlich immer noch über Spieler, die schon längst weg sind? Sieht so volle Konzentration auf Werder Bremen aus, Herr Frings? Ärgert es Sie, dass Miroslav Klose sich bei einem Verein durchsetzen wird, bei dem Sie nie Fuß fassen konnten? Spricht da vielleicht der Neid auf Kloses Weiterentwicklung aus Ihnen heraus? Aber natürlich, Sie hätten ja zu Juventus Turin gehen können, zu Ihren italienischen Bewunderern. Sie haben bestimmt ein inniges Verhältnis mit dem italienischen Fußball nach der „Petzerei“ vor dem WM-Halbfinale („Argentinier attackieren uns, ich wehre mich, Italiener regen sich auf.“ Juli 2006). Und in der Verhandlungszeit haben Sie ja eindrucksvoll bewiesen, wie sehr Ihnen Werder am Herzen liegt, als Sie schon mal eben für Kurztrips nach Turin flogen, während Ihre anderen Kameraden trainiert haben. Und die satte Gehaltserhöhung in Bremen ist für Sie bestimmt auch nur ein Zuckerl, das keiner braucht, oder?

„Unsere Fans werden Klose auspfeifen, denn er hat sich in Bremen zu viel kaputt gemacht“ (Saisonbeginn, Juli 2007).

Auf der einen Seite möchte ich zwar Ihre hellseherischen Fähigkeiten loben, denn auf diese Idee wäre sicher kein anderer Mensch gekommen, doch andererseits frage ich mich, ob das Publikum nicht selbst entscheiden darf, ob sie einen Spieler, der Werder oft genug zu Sieg und Meriten geschossen hat einen fairen Empfang bereitet oder nicht. Ganz davon abgesehen ist es natürlich nicht die feine – allerdings englische – Art, schon jetzt das Spitzenspiel des zweiten Spieltages anzuheizen (natürlich nur eines der beiden, denn ein anderes, ungleich wichtigeres, findet zur selben Zeit ja in Gelsenkirchen statt).

„Wir können jeden Klub in Europa schlagen“ (Vor dem Spiel gegen Espanyol, April 2007).

Und jeder Klub in Europa kann Euch schlagen, Herr Frings. Das mit dem sicher geglaubten UEFA-Cup war ja wohl nichts. Und die Meisterschaft wurde auch derbe vergeigt, bei gleich zwei Chancen, an dem damaligen Spitzenreiter von der Emscher vorbeizuziehen. Nein, das war wohl wirklich nicht Eure Saison. Jeder redet über den Absturz der Bayern, aber mal Hand aufs Herz: hat Werder die Schwäche der Bayern ausgenutzt? Hat Werder in der Champions League erst im Viertelfinale die Segel gestrichen? Sicher ist auch das Erreichen des UEFA-Cup Halbfinals und das extrem knappe Ausscheiden gegen das spanische „Überteam“ aus der anderen Ecke Barcelonas ein Erfolg, aber Teams wie Alkmaar und das Amsterdam der heutigen Zeit sind sicher nicht die absolute Weltspitze des Vereinsfußballs. In der nächsten Saison wird sich zeigen, ob Bayern es nicht vielleicht auch bis ins Halbfinale des „Verlierercups“ schafft. Dann allerdings mit Miroslav Klose, den Sie ja geringschätzen. Doch nun genug zu den unwichtigen Sachen des Lebens, widmen wir einen Blick auf Ihre bisherigen Stationen:

„Werder versaut mir meine Karriere!“ (2002, Wechsel nach Dortmund)

Was wollten Sie mit diesem Satz eigentlich genau sagen? Bezog sich die Aussage vielleicht darauf, dass Sie in Ihrer Karriere möglichst viele Titel gewinnen wollten und dieses Ziel in Bremen nicht als erfolgversprechend ansahen? Der amtierende Meister Borussia Dortmund ließ sich Ihretwegen sogar mit stattlichen 8 Mio. von Herrn Allofs übern Tisch ziehen, damit Ihren Wünschen umgehend Folge geleistet werden konnte… Tomas Rosicky hätte Sie so sehr neben sich gebraucht, aber das Drängen an die Mikrofone war eben damals wichtiger, als das Glänzen auf dem Platz. Im Endeffekt wissen wir ja, was passiert ist. Eine einzige Meisterschaft in Ihrer Karriere – und das ausgerechnet in der Saison, in welcher Sie nur 16 Spiele durchgespielt haben. Eine feste Position hatten Sie eigentlich gar nicht. Sie kamen dort zum Einsatz, wo gerade ein Stammspieler verletzt oder gesperrt fehlte. Ein Allrounder sind Sie also auch noch. Jetzt wird mir natürlich auch klar, warum ihr jeweiliger Verein Sie nicht lange halten kann: Sie sind einfach zu begehrt!

„In Dortmund ging es zuletzt drunter und drüber. Da war nicht absehbar, dass ich meine Ziele erreiche. Und wie das eben so ist im Fußball, möchte man sich immer verbessern“ (Juni 2004, Wechsel zu Bayern).

Zwischendurch hatten Sie eigentlich schon den richtigen Ansatz, als Sie sagten: „Wenn es nun auch nicht klappt [er spricht vom Gewinn der Meisterschaft] muss es an mir liegen.“ (September 2004). Dabei waren die Teams, zu denen Sie wechselten, doch immer am oberen Ende der Tabelle platziert. Sie sind zum frisch gebackenen Meister nach Dortmund gewechselt, doch richtig glücklich wurden Sie dort nicht. Woran das wohl lag? Na immerhin können Sie sich ans Revers heften, mit Ihrer Ablösesumme einen großen Schritt zur Sanierung von Borussia Dortmund beigetragen haben. Das zählt doch, unter uns gesagt, auch mehr als irgendwelche Titel. Sie haben halt einfach den Blick für das Gesamtbild. Eine Bundesliga ohne Dortmund? Nicht, wenn Torsten Frings das verhindern kann.

„Ich habe mich in München vom ersten Tag an nicht wohlgefühlt. Bayern – das war nicht mein Ding. Ich hab‘ da von meiner Art her einfach nicht hingepasst“ (Juni 2005, Wechsel zu Werder Bremen).

Nachtreten gegen den alten Verein ist für Sie natürlich tabu, sowas kennen Sie gar nicht. Aber zugegebenermaßen war Bayern wirklich nicht Ihr Ding, Herr Frings. Von 34 Bundesligaspielen der einzigen Saison, die sie dort aushalten mussten, spielten Sie weniger als die Hälfte, genau 16, über 90 Minuten durch. Und welche „Art“, die nicht zu Ihnen passt, meinen Sie eigentlich? Sie regeln Sachen halt einfach nicht gerne über die Medien, das merkt man in dieser Zeit sehr schnell. Vielleicht haben Sie relativ schnell gemerkt, dass Sie sich einfach nicht die Klasse haben, um bei Bayern München eine Führungsrolle einzunehmen. Möglicherweise genießen Sie es ein bisschen, im Rampenlicht zu stehen und der große Zampano zu sein, wie jetzt bei Werder? Und in München waren Sie nur eine kleine Nummer? Ein Objekt, dass nach Meinung vieler Fans nicht aus sportlichen Gesichtspunkten gekauft wurde, sondern nur, um den damals hochverschuldeten Dortmundern nebst bettelndem Führungsduo Niebaum/Meier etwas unter die Arme zu greifen. Sie haben auf jeden Fall keinen bleibenden Eindruck in der Isarmetropole hinterlassen. Eigentlich erinnert sich kaum noch jemand an Sie und ihre „glorreiche“ Zeit, in der sie immerhin das Double gewonnen haben.

Doch jetzt haben Sie ja ihr Glück gefunden, nicht nur durch den Werbevertrag, der Sie täglich im Fernsehen zeigt, sondern auch sportlich. Mit Werder Bremen wurden Sie im letzten Jahr überzeugender Dritter der deutschen Bundesliga, zweifelsohne der stärksten Liga (im deutschsprachigen Bereich) Europas. Wer braucht da Turin? Sie haben aber wirklich auch ein Pech, Herr Frings. In jeder Mannschaft, in der Sie spielen, wimmelt es nur so von Ja-Sagern und Opportunisten, die ihre Meinung über die Medien preisgeben, was meist damit endet, dass der Erfolg ausbleibt – und das trotz Ihrer überragenden Leistungen. Eine Schande!

© 2007 Robert Bolz für www.die-kirsche.com / Foto: SimSullen used under Creative Commons License

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2 Kommentare zu “Der Lutscher unter der Lupe

  1. jensen 20. Juli 2007 um 2:31 pm

    Das ist ne schmerzende Wahrheit. Weil irgendwie ist er mir doch sympathisch (gewesen??).

    Gefällt mir

  2. Fussball-Rundschau 20. Juli 2007 um 2:55 pm

    Och! Es wird nur kurz ein bißchen weh tun! 🙂

    Greetz

    Traumtorschuetze

    Gefällt mir

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