Der Fußballgott sagt Servus

Bastian Schweinsteiger Fußballgott

Der Spieler geht. Das Vorbild bleibt. Text: Marco Thielsch

Blutjung, blondiert und etwas nervös sah Bastian Schweinsteiger aus, als er im Jahr 2004 von Teamchef Rudi Völler gegen Ungarn zur Halbzeit eingewechselt wurde und sein Debüt in der Nationalmannschaft gab.

Von Lothar Matthäus ausgecoacht, der damals die Ungarn trainierte, verlor man die Generalprobe für die EM 2004 mit 0:2. Das Niveau der DFB Elf war zu der Zeit gruselig, bei der folgenden Europameisterschaft verabschiedete man sich kläglich in der Vorrunde und die WM im eigenen Land stand vor der Tür. Gefühlt war man also mitten im Untergang des fußballerischen Abendlandes. 12 Jahre später ist das alles nur noch blasse Erinnerung und Deutschland spielt zweifellos mit den attraktivsten Fußball auf der Welt. Zentrale Figur dieser Entwicklung war auf dem Platz sicher unter anderem Bastian Schweinsteiger. Erst als Filou auf dem Flügel, der frischen Wind in eine verkrustete Truppe brachte. Dann als dauerkritisierter immer noch Flügelspieler, dem zurecht die Schnelligkeit für diese Position, aber zu unrecht die Ernsthaftigkeit seines Lebensstils als Profi abgesprochen wurde.

Wer weiß was in den Geschichtsbücher heute geschrieben stünde, wenn Louis van Gaal unseren Fußballgott nicht bei unseren Bayern in die Mittelfeldzentrale beordert und damit endlich dessen Stärken voll zur Entfaltung gebracht hätte. Als zentrale Figur im Spiel der Bayern und der Nationalmannschaft kamen nicht nur seine fußballerischen Fähigkeiten voll zur Geltung, auch wegen seiner in der Zwischenzeit erworbenen natürlichen Autorität war er dort viel besser aufgehoben, wo er das Spiel denken und lenken konnte.

Es folgten Jahre des ständigen haarscharfen Scheiterns vor den ganz großen Silbertöpfen. Im Verein, sowie auch beim DFB. Aus Schweini wurde zwar Schweinsteiger und die Ernsthaftigkeit wurde ihm nicht mehr abgesprochen. Aber als Gesicht seiner Mannschaften wurden nicht errungene internationale Erfolge vor allem auch an ihm festgemacht. Er war angeblich ein Chefchen und ob er jemals den letzten Schritt machen würde wurde stark bezweifelt. Manch scheinbar flache Hierarchie von damals hat sich in der Retrospektive dann aber als ganz natürliche Entwicklungsstufe entpuppt. Nicht überraschend. Es wird schließlich niemand als Champions League Sieger und Weltmeister geboren.

Schweinsteiger als Kind

Träume können wahr werden. Foto: Tobi Schweinsteiger

Jeder gönnte ihm seine großen Erfolge in den letzten Jahren. Nicht nur wegen seiner fußballerischen Leistungen, sondern vor allem aufgrund seiner Persönlichkeit. Seine Entwicklung vom Schelm zum Boss ist die eine Sache und sicherlich auch außergewöhnlich. Seine Bereitschaft aufopferungsvoll für seine Mannschaft und die gemeinsamen Ziele zu kämpfen hat spätestens mit dem Cut im WM Finale 2014 eine visuelle Manifestierung für alle Zeiten gefunden. Doch was Bastian Schweinsteiger über all das hinaus ausmacht ist seine unglaubliche integrative Kraft und soziale Intelligenz. Es gab viele große Führungsspieler. Die meisten davon waren sich ihrem Status aber sehr bewusst und gefielen sich auch fürchterlich gut in der Rolle. Das war nie das Ding von Bastian Schweinsteiger. Ob er mit Mitspielern, Gegnern, Betreuern, Fans oder mit einem kleinen Kind sprach, er tat dies immer auf Augenhöhe und vermittelte dabei das Gefühl von absolutem Zusammenhalt.

Und so geht Basti als Vorbild. So ging er aus München weg. Und so verlässt er die Nationalmannschaft. Als Vorbild, welches uns allen völlig entgegen dem Zeitgeist gezeigt hat, dass man auch mit dem Gegenteil von Egoismus den obersten Olymp erreichen kann. Du musst weder abgehoben, noch ein Arschloch, noch ein abgedrehter Kanarienvogel sein. Wenn du kannst sei einfach wie Bastian Schweinsteiger.

Wir verbeugen uns Basti!

Keep it 1900

Klischee Massaker

Facepalm

Typische Handbewegung eines Bayernfans, wenn über den FCB berichtet wird. Text: Marco Thielsch

Habt ihr gewusst, dass Carlo Ancelotti gutes Essen liebt und Pep Guardiola wenig Wert auf die Defensive legt? Ihr hörtet davon. Wahrscheinlich tausendfach in den letzten Wochen und Monaten. Auch wenn es eigentlich keiner Erwähnung bedarf, dass ein Italiener das gute Leben genießt. Und auch wenn es mehr über die eigene Fachkenntnis, als über die defensive Kompetenz von Pep Guardiola aussagt, so etwas im Angesicht des letzte Saison frisch aufgestellten Rekordes der wenigsten Gegentore aller Zeiten in der Bundesliga zu behaupten. Die Berichterstattung über unseren FC Bayern München ist eigentlich nur noch ein ständiges auf- und zuschieben von den immer gleichen Schubladen.

Am Beispiel Pep vs Carlo kann man das sehr gut festmachen. Monatelang wurde bezüglich Guardiola gebetsmühlenartig landauf, landab der gleiche Schwachsinn rezitiert. Er überfordert die Spieler, Weitschüsse sind verboten, er trainiert falsch und so weiter. Alles unrichtig und unhaltbar. Alles dennoch unzählige Male von unzähligen Protagonisten gehört. Lange habe ich gerätselt, wie das sein kann. Schließlich machen diejenigen von denen sowas kommt – Kommentatoren, TV-Experten, Redakteure, schreibende Journalisten – den ganzen Tag nichts anderes als sich mit Fußball zu beschäftigen. Irgendwann hatte ich allerdings keine Lust mehr herauszufiltern, wer diesen Blödsinn gerade aus reiner Aufmerksamkeitsgier, wer es aus einer Art persönlichen Feldzuges und wer es aus reiner Ignoranz und Faulheit nachzudenken sagt und schreibt. Alles einzeln zu widerlegen hat irgendwann auch keinen Spaß mehr gemacht. Und so wird aus Klischees am Ende ein allgemeiner Tenor. Und aus einem allgemeinen Tenor ein kollektives Gedächnis. In dem aus einem der genialsten Trainer aller Zeiten ein Eigenbrödler und Sonderling wird, der ja nie so richtig gepasst hat. Allen Zahlen, Fakten und Erfolgen zum Trotz.

Aber jetzt haben wir ja Carlo. Ein Lebemann, ein Kuschelbär, jemand mit dem sich jung und alt auf ein Stück Parmaschinken zum Plausch treffen und für den ein Zlatan und ein Ronaldo sterben möchten. So bekommen wir es eingehämmert. Und schon wieder Vereinfachungen wohin das Auge blickt und das Ohr hört. Ancelotti ist ein cooler Typ, das ist doch keine Frage. Aber es ist nicht weniger anstrengend ständig und überall positiv behaftete Klischees über Carlo zu hören und zu lesen, als es anstrengend war dies mit negativ behafteten über Pep zu tun. Immerhin ist es nun erstmal positiv, was um Carlo gesponnen wird. Das wird uns zumindest ein bißchen mehr Ruhe verschaffen als es zuletzt der Fall war. Auch wenn weder das eine, noch das andere logisch begründbar war und ist.

Am Mittwoch treffen die beiden im direkten Duell aufeinander. Es wird wieder eine Menge Zlatan zitiert werden und am Ende werden wir alle mit Carlo kuscheln und Pep ein Hausmittelchen gegen Hyperaktivität empfehlen wollen. Man wird damit menschlich und fachlich weder Ancelotti, noch Guardiola, noch sich selbst als Sportberichterstatter gerecht, wenn man wieder in diese altbekannten und durchgekauten Hörner bläst. Jeder weiß das oder sollte es zumindest wissen. Die Uhr danach stellen dass es passieren wird können wir alle trotzdem.

Ein Schuss. Ein Tor. DIE BAYERN!

 

Die besten Sprüche und Zitate von Thomas Müller

Müller Thomas Erde Milliarden Jahre

Der Spruch ist von mir. Alle folgenden von Radio Müller persönlich.

 

Zur Verpflichtung von Mats Hummels:

„Wir haben auf jeden Fall Druck gemacht, aufgrund der Fehl-Transferpolitik der letzten Jahre, als uns ein Schafkopfspieler nach dem anderen abhandengekommen ist. Jetzt haben wir endlich den richtigen Weg eingeschlagen.“

 

Nach seinem Tor zum 1:0 gegen die USA bei der FIFA WM 2014:

„Den habe ich ausnahmsweise mal so getroffen wie ich wollte – geht also auch!“

 

Über das Feiern von Rekorden:

„Wenn wir für jeden Rekord, den einer bei uns aufstellt, einen ausgeben, sind wir selten nüchtern.“

 

Auf die Frage, ob er nach dem 4:4 der Dortmunder gegen Stuttgart in der Saison 11/12 einen ausgegeben habe:

„Ich habe bei der Rezeption angerufen und habe nach drei Wasser still, drei Wasser medium und zwei Bananen gefragt. Auf meine Kosten.“

 

Über die 206 Ballkontakte von Xabi Alonso beim 2:0 Sieg in Köln am 27.09.2014:

„200 Ballkontakte! Dafür brauche ich eine ganze Saison!“

 

Auf die Frage, wann er Papa werde:

„Ich bin aktuell sportlich und beruflich ziemlich eingespannt. Ich weiß nicht, wie die anderen das hinkriegen, neben dem Fußball auch noch hauptberuflich Papa zu sein. Bei uns zu Hause ist das noch kein Thema, was wir aktiv angehen. Wir sind noch in der Trainingsphase.“

 

Über seine Nervosität einen Tag vor dem Champions League Finale 2013:

„Ich kann ja nur von mir sprechen, ich weiß ja nicht wie sich die anderen fühlen, die haben natürlich nicht diese Mordserfahrung auf dem Buckel, wie ich mit meinen 23 Jahren.“

 

Über den Einfluss junger Spieler in der Nationalmannschaft auf die Etablierten:

„Das ist wie mit Hunden. Wenn du einen alten Hund hast – gut, ich bin noch kein alter Hund –, wenn du einen mittelalten Hund hast, und du kriegst einen Welpen dazu, dann belebt das den auch wieder!“

 

Über die Verletzungsmisere in der Saison 14/15:

„Ich bin der Müller ohne Wohlfahrt. Da kenne ich mich nicht aus.“

 

Auf die Frage einer kolumbianischen Reporterin nach dem Goldenen Schuh bei der WM 2014:

„Des interessiert mi ois ned, der Scheißdreck! Weltmeister samma! Den Pott hamma! Den scheiß goldnen Schuah kannst dir hinter d’Ohrn schmiern!“

 

Auf die Frage eines TV-Reporters, ob Deutschland nach dem Sieg gegen Italien jetzt Europameister 2016 werden wolle:

„Nee, auf gar keinen Fall. Unser Ziel war immer, im Halbfinale auszuscheiden und dementsprechend werden wir auch mit einer laschen Einstellung in die Partie gehen.“

 

Zum Buch von Philipp Lahm:

„Er hat noch keine Exemplare verteilt, aber ich lasse mir eine Widmung reinschreiben.“

 

Auf die Frage, wie er seiner Verlobten den Heiratsantrag gemacht hat:

„Auf die Knie geht man nur beim Torjubel.“

 

Nach dem Sieg gegen England bei der WM 2010:

„Jetzt steuern wir auf unser großes Ziel hin. Ich habe auf jeden Fall in meiner Vitrine noch einen Platz frei. Beim 3:1 habe ich Glück gehabt. Gott sei Dank habe ich mich für die richtige Ecke entschieden. Ich sage mir vorher immer, nicht hektisch werden.“ Nach kurzer Pause: „Darf ich noch jemanden grüßen? Ich grüße die beiden Omas und den Opa.“

 

Nach einem 5:0 Sieg gegen den HSV:

„Es macht Spaß uns zuzuschauen. Auch wenn ich selbst nicht zugeschaut habe.“

 

Nach Beendigung seiner 1162 minütigen Torflaute per Kopfballtreffer in der Saison 11/12 gegen Kaiserslautern:

„Ich war selbst überrascht, dass ich so hoch springen und mich gegen drei Bullen durchsetzen kann.“

 

Auf die Frage bei wieviel Prozent er sei:

„Ich weiß ja nicht, wo bei mir 100 Prozent sind.“

 

Auf die Frage, ob es einen besseren Klub für ihn gäbe als den FC Bayern:

„Das weiß man nicht, ich habe es nicht ausprobiert. Oder doch: Beim TSV Pähl habe ich mal 70 Tore in einer Saison geschossen, aber das war noch in der E-Jugend.“

 

Nach einem Pokalfight inklusive Verlängerung gegen Leverkusen:

„Es ist tatsächlich schwierig, dass man mit diesen 120 Minuten in den Knochen am Samstagmorgen aufsteht und sagt: Hurra, heute geht“s gegen Eintracht Frankfurt zu Hause und die putzen wir weg. Aber weggeputzt haben wir sie dann trotzdem.“

 

Schreit nach dem Pokalsieg und damit dem Triple 2013 ins TV-Außenmikrophon:

„Das ist die geilste Mannschaft – ääh do mundo!“

 

Über die 1:3 Niederlage in Gladbach in der Saison 11/12:

„Wir sind extrem beschissen gestartet, zwischendrin war es okay, dann war es wieder beschissen, dann war es wieder bemüht, und dann war es nochmal beschissen.“

 

Nachdem er beim 4:0 CL-Sieg gegen den FC Barcelona 2013 vor dem Tor von Arjen Robben einen Gegenspieler blockte:

„Internationale Härte. Was nicht gepfiffen wurde, muss man nicht pfeifen. Wenn ich schon mal eine clevere Aktion im Spiel habe, dann kann man das auch weiterlaufen lassen.“

 

Auf die Frage, wie er seine zwei Tore beim 4:0 CL-Sieg gegen den FC Barcelona 2013 genießt und sich drüber freut:

„Ich fahre nach Hause, beginne die Behandlung für meinen Schlag, den ich abbekommen habe, fahre zum Training, lasse mich ein bisschen feiern und dann geht es weiter Richtung Samstag.“

 

Auf die Frage, was sich in den ersten 1 1/2 Jahren als Profi bei ihm geändert hat.

„Zu Beginn der ersten Saison unter van Gaal waren noch nicht alle Spinde fertig. Ich musste mich deswegen die erste Zeit unter der Wäscheleine umziehen, an der wir unsere verschwitzten Pulsmessgurte aufhängen. Mittlerweile habe ich meinen eigenen Spind – zwischen Arjen Robben und dem Klo.“

 

Auf die Frage im Sommer 2012 nach seinen Zukunftsplänen:

„Lebenslang Bayern München? Dazu kann ich seriös erst etwas sagen, wenn ich tot bin.“

 

Zum Kleidungsstil von Jerome Boateng:

„Der trägt das mit einer Inbrunst – das passt einfach. Wenn ich so etwas tragen würde, würden mich die Leute fragen, ob jetzt ganzjährig der Fasching ausgebrochen ist.“

 

Auf die Frage, ob man denn irgendwelche Kräfte gegen die des Papstes hat, weil Argentinien (bei der WM2014) ja mit der Hilfe des Papstes antritt:

(Schließt die Augen) „Ich muss niemanden sehen, aber darf ich raten? Die Frage kommt von RTL?“

 

Auf die Frage bei der WM 2010 vor dem Spiel gegen England, was er von Frank Lampard halte:

„Es hilft ja nichts, dass du einen Lampard anschaust, als wäre er Gott.“

 

Auf die Frage, ob er selbst manchmal überrascht ist, wenn ihm plötzlich ein Tor gelingt, nachdem vorher das ganze Spiel nichts zusammen lief:

„Nein, das bin ich schon gewohnt.“

 

Nach dem WM-Titel 2014:

„Es gibt nicht mehr viel zu gewinnen, das ist schon richtig. Aber trotzdem kann ich mich nicht hinstellen und sagen, jetzt will ich keinen Fußball mehr spielen. Ich liebe Fußball.“

 

Über seine EM 2016:

„100% Torquote! In keinem Spiel getroffen.“

 

Über die Weltfußballerwahl 2011:

„Ich muss erstmal verdauen, dass ich nicht gewonnen habe. Habe mit dem Sieg gerechnet.“

 

Versucht dem überforderten russischen Reporter die Bedeutung des „Mia san mia“ zu erklären:

„We have a big breast.“

 

Nach einer Gelb-Roten Karte gegen Bordeaux in der Champions League 2009:

„Ich bin selbst etwas verblüfft. Ich hätte nie damit gerechnet, dass ich mal eine Gelb-Rote Karte bekomme. Normalerweise tue ich mich schon schwer, eine Gelbe Karte zu bekommen. Es war schon alles scheiße.“

 

Stellt Mutmaßungen an, warum er so selten verletzt ist:

„Wo keine Muskeln sind, kannst du dir auch nicht weh tun. Meine Waden sind so dünn, da kann kein Gegner die Knochen treffen, weil man sie so schlecht sieht.“

 

Über die hohen Temperaturen am 4.07.2014 im Maracana in Rio beim 1:0 WM Viertelfinalsieg gegen Frankreich:

„Es war schon wie in einer Grillbude. Da merkt man erstmal, was für ein faszinierendes Gebilde so ein Kaktus ist, da nicht einzugehen.“

 

Auf die Frage eines Bild-Reporters nach seinen Wünschen im Jahr 2016:

„Mein Hauptziel ist es, so wenig wie möglich Interviews mit der Bild zu führen.“

 

Der damals 20 jährige vor der Nominierung des Kaders für die WM 2010:

„Ich werde demnächst einen Urlaub buchen. Mit Reiserücktrittsversicherung.“

 

Über den Sieg gegen Argentien bei der WM 2010:

„Fantastisch. Es ist Wahnsinn, Argentinien mit 4:0 zu besiegen. Ein solches Ergebnis ist kaum zu beschreiben. Ich glaube, in Deutschland bebt gerade die Erde, und so muss das auch gefeiert werden.“

 

Während der WM 2014:

„Langsam habe ich das Gefühl, dass ich mit meinem linken Fuß mehr anfangen kann als nur Bier zu holen.“

 

Über seinen einzigartigen Spielstil:

„Wer mich kennt, der weiß, dass ich mehr meinem Instinkt folge als Anweisungen von Trainern.“

 

Nochmal über seinen einzigartigen Spielstil:

„Ich definiere mich eben über die Effizienz und Gradlinigkeit. Wenn ich mal irgendwo bin und ein kleines Kind fragt mich: Zeig mir mal ein paar Tricks, muss ich sagen: Ich kann keine Tricks. Die wollen dann immer irgendwelche Zaubereien sehen, Ball hoch halten, viermal um die eigene Achse und so was. Aber das war noch nie mein Fachgebiet.“

 

Auf die Frage, wie weit er nach vorne blickt:

„Wir Fußballer denken eh nur von heute bis gestern.“

 

Könnte die umfangreichste Sammlung an Thomas Müller Sprüchen und Zitaten sein. Mir ist jedenfalls keine umfangreichere begegnet. Falls ihr noch mehr Zitate und Sprüche von Thomas Müller parat habt, würde ich mich freuen, wenn ihr sie via Kommentar rüberflankt.

IHR MAUERT. WIR MÜLLERN.

Servus und vielen Dank Matthias Sammer

Sammer Blick nach oben 1900

4 Jahre lang eine tolle Konstellation: Matthias Sammer und der FCB. Text: Marco Thielsch

Als im Juli 2012 unser FC Bayern München die Verpflichtung von Matthias Sammer bekannt gab, waren die meisten, die dem FCB nahe stehen, entweder noch in Schockstarre oder in Weltuntergangsstimmung. Verpasste Meisterschaft, Pokalfinale, Finale Dahoam, die Schmerzfreien erinnern sich. Was haben wir gedürstet nach jemandem, der uns aus dem Tal der Tränen in eine goldene Zukunft führt und so waren die allermeisten hocherfreut über die Nachricht der Verpflichtung des Feuerkopfs, der eventuell genau dazu taugen konnte. Charakterstark, fachlich überragend, eloquent, engagiert, und nebenbei intime Kenntnisse des Erzrivalen. Wenn er fähig wäre den FCB in Fleisch und Blut übergehen zu lassen war es für viele von uns der perfekte Mann zur unperfekten Zeit am perfekten Ort. Und dabei hatten viele von uns vielleicht sogar etwas falsche Vorstellungen von der Rolle, die er bei uns einnehmen würde. Man stellte sich vor da käme jetzt einer, der so sehr einen eigenen Kopf hat, dass er den gegen unsere Großkopferten durchsetzen würde und genau das wünschten sich viele von uns damals. Das war natürlich ein Irrglaube. Statt Revolutionen brachte Sammer etwas viel besseres. Er war fähig die Reihen zu schließen, Zusammenhalt zu predigen und vorzuleben. Den Finger immer dann in die Wunde zu legen, wenn es auch nur die kleinste Tendenz zur Selbstzufriedenheit gab und dadurch zu allen Zeiten die Sinne aller zu schärfen. Und er führte klare Hierarchien innerhalb der Mannschaft ein, forderte und förderte damit unsere Führungsspieler und wies ihnen viel größere Rollen zu, als dies in der Zeit davor der Fall gewesen ist. Ich bin überzeugt davon, dass genau das den Anstoß zu der Entwicklung von Lahm, Schweinsteiger, Neuer und zuletzt auch Boateng gab, welche diese zu Champions League Siegern und Weltmeister machte. Außerdem rief er dazu auf die Kreativspieler nicht mit Führungsaufgaben zu überlasten, damit sie sich entfalten konnten. So einfach wie genial.

Sammer gab vom ersten Tag an Gas. In der Retrospektive herrlich sich Interviews aus seiner Anfangszeit anzusehen oder durchzulesen. Hier ein kurzes aus dem Herbst 2012, wo er offensichtlich für sich schon sehr genau wusste, welche Stellschrauben zu drehen sind.

Anfang 2013 war er dann schon sowas von mittendrin, als hätte er den Job seit 10 Jahren. Und er wartete in der Rückschau immer wieder mit nahezu prophetischen Aussagen auf.

„Es geht nicht um mich, es geht beim FC Bayern immer um Leistung, es geht darum, zum richtigen Zeitpunkt Analysen zu erstellen, um dann im Positiven mit dem gewissen Hype umzugehen, nicht die Realität zu vergessen. Genauso kann es auch mal schwierigere Phasen geben. Und dann muss man sich auch orientieren. Wir tun gut daran, dass gesamte ‚Gesabbel’ nicht zu ernst zu nehmen. Ganz simpel gesagt sollten wir uns an der Leistung orientieren – die muss im Mittelpunkt stehen. […] Es gibt Vorbilder auf dieser Welt, die drei Mal die Champions League gewonnen haben. Spanien ist zwei Mal Europameister in Folge geworden, dazu Weltmeister. Wir sind noch weit entfernt, mit Freude in Champagner zu baden – dazu ist einfach noch nicht der Zeitpunkt.“

Quelle: http://www.tz.de/sport/fc-bayern/matthias-sammer-ueber-robben-tuchel-badstuber-guardiola-2735676.html

Wir wissen alle wo diese Einstellungen hingeführt haben im Jahr 2013. Ich bin mir sicher, dass allein aus der Mannschaft heraus und im Trainerteam in dieser Saison sehr viel positive Energie und Wille es der Welt zu beweisen sowieso vorhanden war. Aber Sammer hat diese Energie sehr wahrscheinlich in genau die richtigen Bahnen gelenkt und damit einen nicht zu unterschätzenden Anteil an den epischen Erfolgen.

„Glauben Sie, dass das, was in der letzten Saison passiert ist, von allein funktioniert hat? Dass es ein Zufall war, dass diese Mannschaft so einen Geist entwickelt und wie sie Fußball gespielt hat? Und wie Spieler, die von sogenannten Experten als nicht integrierbar eingeschätzt wurden, plötzlich für ihren Einsatz Anerkennung in der Mannschaft bekommen haben? Das ist jeden Tag im Umgang miteinander gewachsen. Und die wichtigsten Gespräche waren nicht immer die mit den Spielern, die gespielt hatten, sondern mit denen, die nicht dabei waren. Damit du die Gruppe zusammenhältst. Die Qualität der Kommunikation, des Umgangs, die Sensibilität, das ist das Geheimnis.“

Quelle: http://www.faz.net/aktuell/sport/fussball/bundesliga/im-gespraech-bayern-sportvorstand-sammer-ich-liebe-konflikte-12273580.html

Die Gruppe zusammenhalten war auch in der Folgezeit eine seiner Hauptaufgaben. Mit Pep Guardiola gab es sicher auch einiges an Reibung, aber in der Außendarstellung passte glaubhaft nie ein Blatt Papier zwischen die beiden. Ich habe damals immer wieder gesagt, ich würde einiges dafür geben mal Mäuschen spielen zu dürfen, wenn Pep und Sammer sich über Fußball unterhalten. Gleiche Leidenschaft für den Fußball mit zwei völlig verschiedenen Herangehensweisen, die sich aber dennoch sehr gut ergänzen. Das muss häufig positiv Funken geschlagen haben.

Viele Konzepte und Herangehensweisen innerhalb des Vereins sind von Matthias Sammer mit angestoßen worden und haben sich verfestigt. Es gab immer mal wieder Stimmen, die seine Wichtigkeit in Frage stellten. Ich glaube das Gegenteil ist der Fall, sein Anteil an den Erfolgen der letzten Jahre war groß.

Schade, dass das Kapitel Matthias Sammer und Bayern München nun erstmal geschlosssen ist. Vollstes Verständnis natürlich dafür. Die Gesundheit geht vor und wenn er tatsächlich den Schluss aus den Ereignissen gezogen hat, mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen, so sei ihm und vor allem seiner Familie das von Herzen gegönnt, nachdem er zuvor ja nach eigener Aussage sein Leben lang 24 Stunden am Tag an Fußball gedacht hat. Es war eine relativ kurze Zeit in der Vereinshistorie, aber eine wahnsinnig intensive und erfolgreiche, die Matthias Sammer entscheidend mit geprägt hat. Dies wird nicht vergessen werden. Servus, vielen Dank und alles Gute, lieber Matthias!

Einmal Bayern, immer Bayern

Herzlich Willkommen Carlo Ancelotti

Ancelotti stencil

Servus Mister! Text: Marco Thielsch

Heute beginnt also wieder eine neue Ära bei unserem FC Bayern München. Wir freuen uns denke ich alle auf unsere mit den Neuzugängen nochmal stärkere und ohnehin schon großartige Mannschaft und sind gespannt, welche neuen Impulse Carlo Ancelotti den Jungs mitgibt. Die PK zu seiner Vorstellung verlief erst einmal wesentlich ruhiger und unaufgeregter als dies vor drei Jahren bei Pep Guardiola der Fall war. Weniger feuchte Unterhosen bei den Journalisten als damals und ein entspannter Trainer auf dem Podium, der halt bereits jedes erdenkliche Rodeo geritten ist, während Guardiola damals sichtlich positiv nervös war vor seiner zweiten Station als Trainer.

Inhaltlich war da nicht sehr viel rauszuholen aus Carlo. Das Telefonat mit Götze damals bleibt privat, der Kader ist toll, aber das Transferfenster ist noch sehr lange offen, spielerisch wird nicht so viel verändert und am wichtigsten ist ihm das Verhältnis mit seinen Spielern. Und natürlich viel Lob für den FC Bayern und seine Tradition und für die Arbeit seines Vorgängers, die er fortführen möchte. Vielleicht hätte man sich etwas konkretere Aussagen zu seinen Vorstellungen bezüglich seiner bevorzugten Spielweise und des Spielsystems wünschen können, welches er spielen lassen möchte. Ansonsten dienten aber schon die Fragen nicht dazu, wirklich konkrete Antworten zu bekommen.

Abgerundet wurde die Fragerunde mit dem letzten Wortbeitrag, der von Karlheinz Wild vom kicker stammte, welcher sich in seiner in jüngster Vergangenheit gewohnt folkloristischen Art bemüßigt und berechtigt fühlte, die Wünsche und Sehnsüchte des FC Bayern zu formulieren. Die natürlich ausschließlich aus dem Gewinn der Champions League bestehen. Dieser Wahnsinn geht also nahtlos weiter.

Ansonsten war Carlo Ancelotti ja von allen Seiten als Menschenfänger angekündigt. Abgesehen davon, dass ich dieses Wort nur in einem negativen Zusammenhang bei Sektenführern oder Populisten kannte, dies aber in Bezug auf Carlo merkwürdigerweise positiv gemeint war, bin ich persönlich nach der ersten Pressekonferenz noch nicht wirklich gefangen und in seinen Bann gezogen worden. Ich glaube das Charisma entfaltet sich bei ihm mehr auf den zweiten Blick. Aber das ist so oder so nur eine Randnotiz. Wichtig ist auf dem Platz und da werden wir zusammen mit dieser Mannschaft und sicherlich auch diesem Trainer sehr viel Spaß haben.

IMMER VORWÄRTS FCB!

München regiert

Ih, Realität… Pfui, geh weg!

Festgenagelte Realität

Bild: autopoiet used under CC License  /  Text: Heiko Nieft

Die Realität hat eine dumme Angewohnheit: sofern man nicht unter ständigem Drogeneinfluss steht wird man sie früher oder später immer wieder kennen lernen. Kann manchmal echt nervig sein. Vor allem wenn diese Realität schneller „Hallo“ sagt als einem selbst lieb ist. Man würde ihr am liebsten mit voller Wucht die Türe vor die Nase knallen und schreien „Heute nicht, bitch!“. Dann stellt sich jedoch raus die dumme Sau hat ne Axt dabei und bahnt sich ihren Weg. Unaufhaltsam. Ohne eine Chance sie aufzuhalten.
Was lange als Beschreibung für unsere Siegesserie herhalten konnte ist nun eben wieder der Boden unter unseren Füßen. Muss man sich erst einmal wieder daran gewöhnen. Der Boden federt nicht mehr bei jedem Schritt nach sondern sorgt für einen Bandscheibenvorfall, die Sonnenstrahlen streicheln einem nicht mehr sanft das wallende Haupthaar sondern blasen dir wie ein Föhn auf Höchststufe jegliche Frisur nach Walhalla. Muss man nicht mögen. Man sollte jedoch wissen das sowas eigentlich der Normalzustand ist.

Und ich glaube das haben manche von uns vergessen. Wie es ist mal ein paar Spiele zu verlieren. Nicht jeden Gegner mit 5:0 nach Hause zu schicken, oder, noch besser, den Gastgeber 5:0 zu besiegen und dann fröhlich beschwingt in die eigenen vier Wände zurück zu fahren. Die letzten zwei Jahre waren ein permanenter Höhenflug. Ein Dauerhoch. Da kann sich schon einmal das Gefühl einstellen nichts und niemand kann einem was anhaben. Naja, und dann kommt eben diese blöde Realität zurück ins Spiel und erinnert einen daran das es nichts geschenkt gibt, und jegliche Form einer ständigen Schwankung unterliegt die sich in Gipfeln und Tälern äußert.
Weil aber nicht sein kann was nicht sein darf stellen wieder Holzköpfe alles in Frage was für dieses Dauerhoch einst gesorgt hatte. Natürlich immer unter der Prämisse das so ein „Absturz“ ja schon längst klar gewesen sein müsste, und man sich ja eh gewundert hat wie lange diese Phase angedauert hatte. Wäre ja viel besser gewesen wenn… Wenn was?!? Diese Flucht ins Konjunktiv wenn die Realität einem nicht mehr schmeckt hilft da auch nicht mehr.
Das perverseste an dem Ganzen: wir sind noch nicht einmal im Ansatz in einem Tal angekommen. Wir haben noch nicht einmal richtig mit dem Abstieg begonnen! Da möchte ich nicht wissen was einmal passieren sollte wenn wir nicht jedes Jahr mindestens ins Halbfinale der Champions League kommen, nicht im März Meister werden und nicht im Pokalfinale stehen. Das muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen.
Wir spielen nach der Triple-Saison die zweitbeste Bundesliga-Saison der Geschichte, ziehen zum dritten Mal in Folge ins Pokalfinale ein und standen zum vierten Mal in fünf Jahren im Halbfinale der Königsklasse. Und weil wir nicht auch dort den dritten Finaleinzug in Folge geschafft haben ist alles doof.
Mit solch einem schwarz/weiß-denken werde ich mich in meinem Leben nicht mehr anfreunden. Wie schnell man von „Superbayern superbayern, hey hey“ zu Pfiffen zur Halbzeit kommt. Erschließt sich mir nicht Freunde, ehrlich nicht. Wer keine Überraschungen mag soll halt russisches Roulette mit 6 Kugeln in der Trommel spielen. Sicherer Ausgang garantiert!

Ich hingegen nehme mir in solchen Momenten gerne die Zeit für einen Rückblick. Schön in Ruhe, vielleicht mit einem kühlen Bierchen in der Hand. Um überhaupt zu begreifen was für eine geile, kranke Tour diese letzten 24 Monate waren. Mir helfen dabei die in dieser Zeit aufgenommenen Bilder, sowohl die im Kopf als auch die digitalen. Dann stellt sich recht schnell ein warmes, wohliges Gefühl ein. Weil man, naja, weil zumindest ich, Dankbarkeit empfinde. Das ich diese geile, kranke Tour miterleben durfte. Das ich dabei meinen Verein begleiten durfte. Die Stationen dieser Tour, nur um ein paar zu nennen: Barcelona. London. Prag. Manchester. Marrakesch.

Unseren Spielern geht es doch letztlich nicht anders. Vor etwas mehr als 24 Monaten war all dies noch undenkbar. Und auf einmal steht man auf der höchsten Stufe. Quasi über Nacht. Du weißt gar nicht was passiert, wirst ständig mit Medaillen überhäuft und darfst ständig Pokale in die Höhe stemmen.
Vollkommen klar dabei ist: ob gewollt oder nicht, irgendwann bist du nicht mehr mit 100% dabei. Irgendwann denkst du es läuft von selbst. Und genau da fängt der Abstieg an. Weil sich dadurch Fehler einschleichen. Weil sich diese Fehler vervielfältigen. Du gehst nicht mehr mit 100% in jeden Zweikampf, der Kollege wird es schon richten – hat ja sonst auch funktioniert. Auf einmal merkst du Tore schießen sich nicht von selbst…
Nichts anderes ist die derzeitige Situation. Das Resultat aus einer gewissen Zufriedenheit, als Ergebnis einer historischen letzten Saison. Kann und sollte man verstehen wenn man Menschen als Menschen und nicht als Roboter sieht.

Und wenn man sich das einmal vergegenwärtigt ist der nächste logische Schritt: Stolz. Unbändiger Stolz. Darauf das die Mannschaft, mit einem neuen Trainer und neuer Spielidee, dennoch die Liga dominiert hat. Das die Mannschaft wieder in Berlin steht. Das die Mannschaft erst im Halbfinale der Champions League ausgeschieden ist. Klar durfte man davon träumen der erste Verein zu werden der es schafft den Henkelpott zu verteidigen. Aber das es bislang kein Verein geschafft hat sollte zeigen das dies ein sehr schwieriges Unterfangen ist.
Unsere Gegner aus dem Halbfinale streben seit über einem Jahrzehnt „la decima“ an. Die standen seit 2002 nicht mehr im Finale. Wir hingegen schafften es 2010, 2012 und 2013. Dankbarkeit. Stolz. DAS sind die zwei Worte die man damit verbinden sollte.

Ich hatte das Glück in den letzten fünf Jahren unzählige Champions League-Spiele live gesehen zu haben. Erst vor kurzem hatte ich das Privileg meine Mannschaft im Estadio Santiago Bernabéu unterstützen zu dürfen, und beim Anblick der Videos des Gästeblocks nach Spielende bekomme ich feuchte Augen.
Zur Königsklasse kommen ebenfalls einige Spiele des DFB-Pokals, nicht zu vergessen die Bundesliga. Ich habe in den letzten zwei Jahren Dinge erlebt von denen manch ein Fan sein Leben lang träumt. Dankbarkeit. Stolz. Auch hier die passenden zwei Worte.

Und als ob es nicht genug wäre das alles so erlebt zu haben hatte ich auch noch das Glück diese Momente mit besonderen Menschen teilen zu können. Weil ich, egal wo ich war, immer wieder die gleichen Gesichter gesehen habe. Weil sich dadurch das Gefühl einer „Familie“ einstellt, auch wenn man sich ggf. ausserhalb der Stadien nicht häufig sieht. Weil man dadurch realisiert das man das gleiche will: die Jungs auf dem Rasen sehen, anfeuern, unterstützen. Weil man dadurch realisiert das Urlaubstage und auch Geld irgendwo egal sind wenn man mit Freunden sonstwo sitzt und gemeinsam isst, trinkt, Spaß hat. Ohne die Erfolge der letzten 24 Monate weitaus weniger häufig realisierbar.
Gestern in Hamburg habe ich Leute getroffen die ich vergleichsweise lange nicht mehr gesehen hatte. Und ich hatte mich sehr darauf gefreut, weil auch hier gleich das Gefühl der „Familie“ wieder da war. Für all das passt nur ein Wort: Dankbarkeit.

Wenn ich mir all das durch den Kopf gehen lasse möchte ich meinen Titel etwas korrigieren: Realität, komm her du geile Sau!
Es bringt nichts in einer Traumwelt zu leben, und sich den Alltag dadurch zu zerstören in dem man versucht die Realität auszublenden. Indem man die Realität akzeptiert kann man die Höhen besser genießen, und die Tiefen (die sicherlich wieder kommen werden) ehrlicher betrauern.
Ich habe die Hoffnung viel mehr Menschen, Fans, wird das einmal bewusst. Das alles heißt nicht das man einfach nur alles hinnehmen muss, und sich nicht mehr kritisch äußern darf. Aber es heißt eben nicht Leute (Spieler, Trainer etc.) anhand des eigenen Wunschdenkens zu beurteilen, wenn die Wünsche völlig fern jeglicher Realität sind. Es heißt auch nicht das streben nach „Perfektionismus“ einzustellen, danach sich zu verbessern. Aber es heißt auch einmal mit dem zufrieden zu sein was man erreicht hat, wenn man alles versucht hat.

Ich bin froh das die Sommerpause vor der Tür steht. Ganz ehrlich. Nicht weil ich die Mannschaft nicht mehr sehen will, sondern weil sich diese Zeit anbietet zu reflektieren. Anschließend geht man frisch in die neue Saison, und lässt sich von dem überraschen was die Realität dann anbietet. Auch darauf kann man sich freuen. Darauf sollten sich alle freuen.

Ich geb mein Herz für dich

Mit allem was wir haben auf nach Lissabon

Titelbild lasst die Bestie raus

Text: Marco Thielsch

Servus ihr Roten!

„FC Bayern stürmt das Olimpico“ – So titelte der Kicker am 8.12.2009, nachdem unsere Männer nach Jahren internationaler Abstinenz von den ganz großen Fleischtöpfen im entscheidenden Vorrundenspiel um den Achtelfinaleinzug in der Champions League Juventus Turin im eigenen Stadion mit 4:1 besiegten. Wenn ich auf die letzten fünf Jahre zurück blicke, denke ich oft an dieses Spiel und ich kann mich in meine damalige Gefühlswelt sehr gut zurück versetzen. Es war noch nicht lange her, da führte uns der FC Barcelona am Nasenring durch das Stadion. Ein Spiel, welches sinnbildlich dafür stand, wie weit wir von der internationalen Spitze entfernt waren. Ich sehe unseren wackeren Kapitän Mark van Bommel noch heute flehend mit den Armen rudernd vor mir und es brach mir das Herz zu sehen, wie unsere Jungs zweifellos wollten, aber es einfach keine Möglichkeit gab irgendwie in auch nur einen richtigen Zweikampf zu kommen. Es war das chancenloseste Spiel des FCB, das ich jemals gesehen hatte. Als würden wir Fußball aus einem anderen Jahrhundert spielen. Und so war es ja auch mit einem schwäbischen Bäcker an der Seitenlinie, der außer pseudoesotherischen Zenober und „wenn er auf Klo geht, gehst du mit“ keine weiteren taktischen Finessen kannte. Und dann kam diese magische Dezembernacht in Turin. Aus heutiger Sicht die Geburtsstunde einer Jahrhundertmannschaft. Erstmals bezwangen wir wieder mal einen (damals) großen Gegner in einem entscheidenden Spiel. Und zwar mit einem taktischen Plan. Wie hatte man sich als Roter danach gesehnt!

4 1/2 Jahre und drei Champions League Endspiele später stehen wir kurz vor dem Erreichen des vierten Finals der Königsklasse in fünf Jahren. Aber wenn man den Fernseher anstellt, die Zeitung aufschlägt oder sich dem Wahnsinn der sozialen Netzwerke hingibt, sind viele die es mit unserem FCB halten vorsichtig gesagt unzufrieden. Und viele Medien und „Experten“ scheinen nach 1 1/2 Jahren ohne der Möglichkeit sportlicher Kritik geradezu ausgehungert endlich mal wieder den Dampfhammer rausholen zu können. Und so entstehen zig Diskussionen hier, unzählige Meinungen da, und überall hat man unter dem Strich das Gefühl, wir können nichts gewinnen, aber alles verlieren, wenn am Dienstag Real Madrid kommt.

Das ist ein Trugschluss. Das was wir uns in den letzten fünf Jahren aufgebaut haben, was diese Mannschaft geleistet hat, was sie uns an Willen und fantastischen Augenblicken beschert hat, das alles ist so viel größer als all die Zweifel, all die Diskussionen um personelle oder taktische Entscheidungen des Trainers und auch so viel größer als all diejenigen, die davon leben dem FCB Krisen anzudichten, oder neunmalkluge Ratschläge zu erteilen.

Wenn am Dienstag also Real Madrid zu uns kommt, haben wir alles zu gewinnen und nichts zu verlieren. So rum wird ein Schuh draus. Die wissen Gott sei Dank nicht, was hierzulande für sinnlose Diskussionen geführt werden. Die wissen nur, dass wir jederzeit in der Lage dazu sind über 90 Minuten im eigenen Stadion einen 0:1 Rückstand zu drehen. Sie wissen durch die Leistungen unserer Jungs in den letzten Jahren, wozu diese im Stande sind. Sie wissen um ihre Bilanz gegen uns. Dazu ihre Obsession für La Decima, die wenn es in dem Spiel knapp werden sollte auch ganz schnell in Lähmung umschlagen kann. Das entsetzte Gesicht Ronaldos in der Schlussphase in Dortmund und die Spielweise seiner Kollegen kann da denk ich durchaus als Beleg dienen.

Wir dagegen haben 1000 Gründe uns auf dieses erneute europäische Highlight zu freuen und wenige bis keine, uns übertriebene Sorgen zu machen. Was auch immer am Dienstag unter dem Strich steht, unsere Jungs sind und bleiben unsterblich. Was allerdings nicht bedeutet, dass wir dem Gegner auch nur einen Zentimeter Boden freiwillig überlassen werden. Ganz im Gegenteil, die Jungs werden alles reinwerfen und wir werden ihnen bis zum letzten Atemzug mit brennenden Herzen folgen. Es wird Europapokal pur werden mit dem Spannungsbogen kurz vor Herzinfarkt. Pack ma´s ihr Roten! MIT ALLEM WAS WIR HABEN AUF NACH LISSABON!

München ich geb mein Herz für dich

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